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Literaturkritik vs. Autoren-Erläuterungen

Literaturkritik

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7 Antworten in diesem Thema

#1 Denisovan

Denisovan

    Limonaut

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Geschrieben 15 May 2022 - 09:27

Falls dieses Thema hier schon besprochen ist, bitte ich um Nachsicht, das Suchfeld des Forums war unergiebig.

 

Während des Stöberns im Forum stellte ich mir erneut die uralte und vermutlich immer unentschiedene Frage, ob ein Werk nur für sich steht; ob es daher überhaupt sinnvoll ist, dass ein Autor, ein Urheber sich dazu positioniert und äußert.

 

Wobei, schon der Begriff „sinnvoll“ ist bereits wiederum eine Einengung, „sinnvoll“ aus welcher Perspektive?

 

Meine Position, rein subjektiv: ich möchte anfänglich von Erläuterungen des Urhebers (gleich ob Literatur, Musik oder Malerei) unbehelligt bleiben; ich will das Werk erst einmal aus sich selbst heraus auf mich wirken lassen. Danach interessieren mich subjektive Eindrücke Anderer natürlich auch.

 

Aber zu den Literaturkritikern im Allgemeinen hilft mir als Autor immer eine Einsicht: man braucht ihn/sie doch irgendwie, aber ich stelle mich ihnen nur als scheues Reh.   

 


"Kritiker sind blutrünstige Leute, die es nicht bis zum Henker gebracht haben." (George Bernard Shaw)


#2 Rezensionsnerdista

Rezensionsnerdista

    Temponaut

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Geschrieben 15 May 2022 - 09:52

Ja, geht mir ähnlich.
Werk ohne Vorwissen lesen, danach dürfen alle mit mir darüber sprechen, inklusive der Verfasser:innen

Schweigende Verfasser:innen finde ich aber auch okay

Ich befülle meinen Blog ziemlich fleißig mit Rezensionen

Selber schreibe ich seltener, aber stetig (Webseite wird demnächst aber eingestellt)

 

Zu meinen Podcasts hier entlang

  • (Buch) gerade am lesen:SF Personality 26 Robert Silverberg von Uwe Anton
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#3 Uwe Post

Uwe Post

    FutureFictionMagazin'o'naut

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Geschrieben 16 May 2022 - 08:58

Wenn ein Autor oder eine Autorin Wert darauf legt, Lesern wichtige Zusatzinformationen mitzugeben, die für das Verständnis des Werks relevant sind, gehören die in ein Vor- oder Nachwort, auf jeden Fall aber zwischen die gleichen Buchdeckel.

 

Dass Autoren auf Kritiken oder Fragen reagieren, ist nicht der Normalfall. Dieses Forum und die sehr überschaubare deutsche SF-Szene bildet eine Ausnahme. Das ist für viele Leser (und auch manche Autoren) durchaus bereichernd - aber eben auch nicht selbstverständlich.


Herausgeber Future Fiction Magazine (deutsche Ausgabe) ||| Aktueller Roman: Klima-Korrektur-Konzern |||  uwepost.de ||| deutsche-science-fiction.de


#4 Dyrnberg

Dyrnberg

    Biblionaut

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Geschrieben 16 May 2022 - 11:16

Eine sehr subjektive Einschätzung: Kurzfristig freue ich mich, wenn Autor:innen ihre Werke erklären und Rede und Antwort stehen. Aber langfristig... sind mir schweigende Verfasser:innen lieber. Denn meist bringt die zusätzliche Info gar nicht so viel. Oder manchmal macht es die Lektüre zukünftiger Werke sogar schwieriger. (Ich will oft gar nicht so genau wissen, wie ein Autor oder eine Autorin "tickt". Meist folgt nur Enttäuschung, dass die manches ganz anders sehen als man selbst. ;)

 

Das Werk sollte für sich stehen. Die Lesenden sollten unter sich diskutieren. Die Schreibenden sollten schweigen.

 

Problem: Gegenwärtig wird ja oft nicht nur ästhetisch, sondern auch moralisch über ein Werk diskutiert. Also nicht im Sinne von "Die Szene war literarisch großartig/schwach ausgearbeitet", sondern "Die Szene ist strukturell-rassistisch" oder "Die Story bedient sich sexistischer Muster" etc etc etc. Und dann... wird es wahrscheinlich schwieriger für die schreibende Zunft, dazu zu schweigen. Gerade, wenn man sich missverstanden fühlt oder ein gänzlich anderes Kunstverständnis aufweist.



#5 Denisovan

Denisovan

    Limonaut

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Geschrieben 18 May 2022 - 20:58

Die Schreibenden sollten schweigen.

 

Problem: Gegenwärtig wird ja oft nicht nur ästhetisch, sondern auch moralisch über ein Werk diskutiert. ...

 

Persönlich schweige ich. Besser.

 

Moralisierende Abwertung (gewiss auch stets politisch instrumentalisiert) von Kunst einschließlich Literatur ist der Tod der Kreativität. Vermutlich ein neuer Gesprächsfaden.


Bearbeitet von Denisovan, 18 May 2022 - 21:01.

"Kritiker sind blutrünstige Leute, die es nicht bis zum Henker gebracht haben." (George Bernard Shaw)


#6 simifilm

simifilm

    Cinematonaut

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Geschrieben 19 May 2022 - 13:21

Auch wenn das wohl nicht das eigentliche Thema: Ich halte die Vorstellung, dass man irgendein Werk ohne Vorwissen liest oder schaut, für einen grundlegenden Irrtum. Wir bringen alle ein immenses Vorwissen mit, wenn wir ein Buch lesen, einen Film schauen etc. Ohne dieses Vorwissen würden wir nichts verstehen.

 

Aber eher zum Thema: Kommt sehr darauf an. Es gibt Autor:innen, die können sehr erhellend über ihre Werke sprechen. Es gibt aber auch den Fall, das sich jemand so unbedarft über sein Werk äussert, dass man sich fragt, ob er wirklich verstanden hat, was er da gemacht hat. Und je nachdem gibt es Werke, bei denen es sehr wichtig, den Kontext zu kennen, um sie adäquat einordnen zu können. Mit anderen: Es kommt sehr drauf an.


Signatures sagen nie die Wahrheit.

Filmkritiken und anderes gibt es auf simifilm.ch.

Gedanken rund um Utopie und Film gibt's auf utopia2016.ch.

Alles Wissenswerte zur Utopie im nichtfiktionalen Film gibt es in diesem Buch, alles zum SF-Film in diesem Buch und alles zur literarischen Phantastik in diesem.
 

zfs40cover_klein.jpg ZFS16_Coverkleiner.jpg

  • (Buch) gerade am lesen:Samuel Butler: «Erewhon»
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#7 My.

My.

    Verleger, Lektor, Korrektor, Layouter

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Geschrieben 19 May 2022 - 15:38

Moralisierende Abwertung (gewiss auch stets politisch instrumentalisiert) von Kunst einschließlich Literatur ist der Tod der Kreativität.

 

Sic!

 

My.


Kontaktdaten? Hier. Oder hier.
Mitglied im Verein Deutsche Sprache e.V. (VDS www.vds-ev.de)
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Ohne Hunde leben? Ich bin doch nicht blöd!


#8 T. Lagemann

T. Lagemann

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Geschrieben 23 May 2022 - 09:19

Hallo zusammen,

 

da Texte ja auch ethische Werte transportieren, dürfen diese auch bewertet werden. Texte sind ja mehr als Satzbau und Action. Und da müssen Autor*innen eben auch aushalten, dass jemand mit den "Werten" Probleme hat und das auch - deutlich - benennt. Umgekehrt kann natürlich auch jemand gelobt werden. Das bedeutet nur dann das Ende der Kreativität, wenn Autor*innen mit Tadel - oder Lob - nicht umgehen können. Aber dann geht es nicht um Kunst, dann geht es um Überempflindlichkeiten.

 

Wenn es zu einem Austausch über die "Werte" kommt, z.B. zwischen Autor*innen und Kritiker*innen, hat das - eine gewisse Sachlichkeit vorausgesetzt - einen großen Wert. Da wird etwas verdeutlicht und damit deutlicher, das kann für interessierte Beobachter durchaus einen Mehrwert bieten. Auch können auf diese Weise Missverständnisse ausgeräumt werden. 

 

Okay, mit der Sachlichkeit ist das so eine Sache, selbst kluge Leute wie Ranicki und Walser gingen ja voll in die tief in die Unsachlichkeit abgleitende Streitfalle ...

 

Ach ja, selbst wenn ein Text moralisierend abgewertet wird, Leser*innen haben das letzte Wort. Leser*innen sind mündig, zumindest zumeist. Die können selbst entscheiden, ob sie einen als strukturell-rassistisch bewerteten Text lesen wollen oder nicht. Die Aufgabe von Kritikern ist ja eben das Einordnen/Bewerten von Texten, die Leser*innen/Käufer*innen können das nutzen, müssen das aber nicht nutzen.

 

Kurz gesagt: Gerade bei kontroversen Texten halte ich einen Austausch zwischen Literaturkritik und Schreibender Zunft für gut und wichtig. Ich benutzte bewusst das Wort "Literaturkritik", die Top-Amazon-Rezent*innen gehören für mich bis auf wenige Ausnahmen nicht dazu.

 

Viele Grüße

Tobias


"Wir sind jetzt alle Verräter."
"Ha!", machte die alte Dame. "Nur wenn wir verlieren."

(James Corey, Calibans Krieg)

"Sentences are stumbling blocks to language."

(Jack Kerouac in einem Interview mit der New York Post, 1959)
  • (Buch) gerade am lesen:Ich lese zu schnell, um das hier aktuell zu halten.
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