Mal den Zwischenstand einblenden:
Ich bin nun in Kapitel 4 angekommen und muss tränenreich folgendes Geständnis ablegen: Ich finde das Buch ein wenig laaangweilig. Irgendwie merkt man Dahlquist seine Theaterstück-Mentalität an. Alles wird in Echtzeit beschrieben, das Kratzen am Po, der Blick in den Spiegel, das Runzeln der Brauen. Während dessen bereiten die Bühnenschreiner schon mal die Kulisse für den nächsten Akt (in 86 Seiten) vor, der sich dann auf Handeln und Gemüt des nächsten Protagonisten konzentriert.
Ich bin wirklich kein Knecht von Thrill und Action (zum Beweis meine anderen 3000 Forenbeiträge und die jüngste Diskussion um "Backup"), aber hier muss unbedingt ein wenig Pepp rein, sonst breche ich nach Kapitel 5 ab.

Ich würde sagen, dass hier mehr als genug Action drin ist, aber ziemlich dünn verpackt und wenig abwechslungsreich dargeboten. Das tendiert zum Pulp ohne
dessen Charme zu erreichen.
Der Einstieg war ok, aber dann war es nichts weiter als ein ewiges Herumgerenne in Gebäuden (Hotels/Herrenhaus), deren Räumlichkeiten ich mir oft beim besten Willen nicht plastisch vorstellen konnte. Die Charaktere (vor allem Miss Temple, deren Motivation ich im 1. Kapitel als wirklich toll empfunden habe), bleiben letztlich doch nur flache Figuren, deren einzige Tätigkeit darin besteht, sich blutend, humpeln und mordend durch irgendwelche Räume zu schleichen, sich spätestens nach 20 Seiten doch wieder erwischen zu lassen und dann wieder zu entkommen. Dann immer wieder zwischendurch Gedankengänge, die mich als Leser überhaupt nicht interessieren, so z. B. was gewesen wäre, wenn er/sie nicht das getan hätte, was er getan hat. Und die Herren haben beide eine unglückliche Liebe im Hintergrund, die aber auch blass bleibt und eher lästig immer mal wieder erwähnt wird. Nahezu alles wird mit Gewalt gelöst (in allen Einzelheiten und mit jedem Handgelenkzucken), und die eigentliche Auflösung der für mich sehr unübersichtlich gestrickten "Verschwörung" erfolgt in einem Raum, in dem sich (das Theater lässt grüßen) alle Prota- und Antagonisten wiederfinden und dann fleißig über ca. 40 Seiten weiterkämpfen (mit Pausen zum Bluten und Glaskotzen).
Das war mein erster und letzter Dahlquist. Der Mann schreibt besser weiter Bühnenstücke, lässt mich aber als Romanautor kalt, trotz vielversprechender Ansätze.