✧✧✧ Musik zur Rekapitulation & Prolepsis ✧✧✧
Mit Zombies habe ich eigentlich nicht viel am Hut. Keine Identität, kein Ich, keine interessanten Gedanken oder sprachliche Qualitäten. Aber als Ulrike Stegemann für die 27. Elfenschrift das Thema "Zombies und Dämonen" ausrief, da konnte ich mich ja nicht drücken. Hier noch einmal meine Notizen über diese bemerkenswerten Wesen. Viel Spaß damit!
Kleine Zombie-Kunde
Schlurfende Schritte, ein Körper, der bereits Zeichen der Verwesung zeigt, leere Augen – kein Zweifel, ein Zombie. Die Untoten, die Voodoozauber zu neuem, unheiligem Leben erweckte und die als Arbeitssklaven ihres Meisters dienen, sind dem Freund von Gruselliteratur und Horrorfilmen vertraut und haben auf Halloween-Partys ihren festen Platz. Und doch nehmen die lebenden Toten eine Sonderrolle in der Welt des Horrors ein, sind sie doch eine der wenigen Schauergestalten, die nicht europäischen Ursprungs sind. Aus Europa kamen kopflose Ritter und Schlossgespenster, aus Europa stammen Werwölfe und Vampire, Frankenstein ist ein klassischer europäischer Gelehrter vom Typ eines Dr. Faustus, und auch schauerromantische Motive wie das Doppelgängermotiv in der Geschichte von Dr. Jekyll und Mr. Hyde oder im Bildnis des Dorian Gray, sind der europäischen Literatur und Weltsicht entsprungen. Zombies dagegen sind Kinder der haitianischen Kultur, sie haben ihre Wurzeln im Milieu der schwarzen Sklaven auf der Insel, die sich aus afrikanischen Göttern und Riten und christlich-katholischen Glaubenslehren eine neue Religion schufen: Voodoo.
Zombies unterscheiden sich vor allem dadurch von ihren europäischen Verwandten, dass sie keinen Willen, keine Ziele, kein Bewusstsein haben. Stellt man einen haitianischen Zombie und einen transsilvanischen Vampir nebeneinander, sollte man kaum für möglich halten, dass beide unter dem Gattungsbegriff „Untote“ geführt werden. Auch der Vampir hat Leben und Seele verloren, doch zeichnet er sich aus durch klare Ziele, einen scharfen Verstand und festen Willen, durch Machtstreben und die Fähigkeit, Menschen seinem Willen zu unterwerfen. Ähnlich verhält es sich mit anderen Wesen der europäischen Schauerromantik, die den adligen oder bürgerlichen Idealen ihrer Zeit folgend gefälligst ein Ziel haben mussten und dies auch mit all ihren Körper- und Geistesgaben zu verfolgen hatten.
Zombies sind anders. Typisch „westliche“ Wesenszüge wie Bewusstsein und Individualität, sind ihnen fremd. Als eher passive, dumpfe, pflanzenartige Existenzen mit Sklaven- oder moderner gesprochen: Unterschichten-Mentalität haben sie keinerlei eigene Interessen, sieht man einmal vom Trieb nach Nahrungsaufnahme ab, der in modernen Zombie-Geschichten gewöhnlich durch Fressen von Menschen befriedigt wird.
Das Wort „Zombie“ oder „zumbi“ stammt dem „Metzler-Lexikon Religion“ zufolge aus den afrikanischen Bantusprachen, wo es soviel bedeutet wie „versklavter Geist“1, das Internet-Lexikon Wikipedia leitet es aus der nord-angolanischen Bantusprache Kimbundu ab, wo das Wort „nzùmbe“ einen Totengeist bezeichnet.2 „Zombis sind Personen, deren Tod amtlich bestätigt ist, die vor den Augen und mit Wissen aller beerdigt wurden und die man dann einige Jahre später bei einem boko [Schwarzmagier] im Zustand eines Idioten wiedersieht“3, definierte Alfred Métraux.
Außerhalb des afro-karibischen Sprachraums bekannt wurde das Wort einer breiten Öffentlichkeit erst im 20. Jahrhundert, vor allem die US-amerikanische Besatzungszeit auf Haiti (1915-1934) spielte eine bedeutende Rolle. Eine wichtige Quelle war das Buch „Magic Island” (1929) des amerikanischen Künstlers, Schriftstellers und Reisenden William Seabrook. Seabrook berichtete von Hexerei, Menschenopfern, Totenbeschwörungen – und eben auch von Zombies: „I did see walking dead man … It was in broad daylight … the three supposed zombies … were plodding like automatons … slowly stood erect … The eyes were in truth like the eyes of a dead man … staring, unfocused, unseeing. The whole face … was vacant, as if there was nothing behind it.”4
Seabrooks Berichte waren Ursache oder zumindest Mit-Ursache, dass das Wort in den allgemeinen Sprachgebrauch überging, vor allem aber lieferten sie den Stoff für den Film „White Zombie“ (1932) von Victor Halperin. Auf diesen ersten Zombiefilm folgte eine Flut von Streifen, in denen die Untoten vor malerischer Kulisse und mit dramatischer Trommeluntermalung über die Leinwand schlurften. Filme, Comics und Romane sorgten dafür, dass die lebenden Toten in einem wahren Siegeszug in die Populärkultur einzogen.
Über die magische Praxis der Zombifizierung ist wenig bekannt. Ursache kann ein Fluch sein, oft heißt es auch, hierzu werde ein Zauberpulver benutzt. Eine Methode wäre, dem Opfer das Zauberpulver vermengt mit Juckpulver zu verabreichen: Beim Kratzen an den juckenden Stellen würden kleine Wunden entstehen, durch die das Gift in die Blutbahn gelangt. Als mögliches Gift wird Atropin genannt. Der Forscher Wade Davis, der 1982 Haiti bereiste, berichtete davon, dass auf der Insel Kugelfischgift als Zombiepulver im Umlauf sei. Jedenfalls wird das Opfer in eine Art Scheintod versetzt und muss nach der Beerdigung von seinem Meister wieder ausgegraben werden.
Im Voodoo wird wie bereits in westafrikanischen Religionen unterschieden in eine Vitalseele (Kreolisch: bon gros ange) und eine Schattenseele (petit bon ange). Ein Zauberer, der einen Menschen zum Sklaven machen möchte, trennt – durch welche Praxis auch immer - die Schattenseele vom Körper, sodass die Charaktereigenschaften und das Unterscheidungsvermögen zwischen Gut und Böse verlorengehen.5
Jenseits der religiösen und abergläubischen Vorstellungen kann es ganz handfest und real zugegangen sein: Der Zombie-Macher gräbt den in Scheintod versetzten Menschen aus, dessen Bewusstsein durch das Gift gedämpft oder ausgeschaltet ist, und lässt ihn durch Gehilfen derart zusammenschlagen, bis ihm klar ist, wer ab jetzt das Sagen hat. So in die Rolle des Dieners gezwungen, wird der Betreffende an Körper und Geist gebrochen und nicht mehr aufmucken. Man erhält einen willigen Arbeitssklaven, der sich auf Plantagen auf anderen Inseln verkaufen lässt. Es darf nicht vergessen, dass Voodoo aus der Erfahrung der Plantagensklaven entstand. Aber auch die afrikanischen Wurzeln scheinen eine Rolle zu spielen: So war es in West-und Zentralafrika laut den Anthropologen Wolf-Dieter Storl möglich, dass Kriminelle mithilfe von Atropin in einen Zustand der Hilflosigkeit versetzt und unschädlich gemacht wurden.
Oft zitiert wird, dass es im haitianischen Recht sogar ein Verbot des Zombie-Machens gibt. Das ist jedoch nicht der Fall. Doch merkt Métraux an: „Der Artikel 246 des alten Strafgesetzbuches bezieht sich auf die zombi: ‚Es wird auch als Anschlag auf das Leben einer Person durch Vergiften gewertet, wenn Substanzen gegen sie verwendet werden, die nicht den Tod verursachen, aber einen lethargischen Zustand […]. Wenn die Person als Folge dieses lethargischen Zustands beerdigt wird, wird der Anschlag als Mord gewertet.‘“6
Wer verhindern will, dass jemand als Zombie wieder aufwacht, tut gut daran, Leichname für Schwarzmagier unbrauchbar zu machen. So war es üblich, Tote ein zweites Mal zu töten, um sicherzugehen, dass es sich nicht um einen Scheintod handelt. Auch werden Gräber bewacht und Leichen die Ohren verstopft, damit sie nicht auf den Ruf ihres Meisters hören. Hinterbliebene legen wohl auch noch heute eine Nadel ohne Nadelöhr in den Sarg des Toten – er wird es nicht schaffen, den Faden einzufädeln, und ist so beschäftigt, dass er den Ruf des Meisters nicht folgen kann – oder streuen Sesamkörner hinein, die der Tote zu zählen beginnt, wodurch er die Wiederauferstehung versäumt.
Moderne Zombie-Romane setzen gewöhnlich auf Schnelligkeit und Gewalt, wenn es gilt, den Scharen von Untoten zu entkommen. Es gibt auch humorvolle Überlebenshandbücher wie „The Zombie Survival Guide“ von Max Brooks. Ein Geheimrezept verrät Métraux: „Sie sind absolut gehorsam, vorausgesetzt, daß man ihnen kein Salz reicht. Bekommen sie aus Versehen eine gesalzene Speise gereicht, werden sie auf einmal ganz klar im Kopf und erkennen ihr schreckliches Sklavendasein. […] Sie stürzen sich auf ihren Herrn, töten ihn, verwüsten seinen Besitz und machen sich dann auf den Weg, um ihr Grab zu suchen.“7 Es empfiehlt sich also, in Zombie-Gegenden, immer eine Prise Salz bei sich zu führen.
1 Claudio Mattes: Zombie. In: Metzler-Lexikon Religion. Stuttgart, Weimar, 2001. Bd. 3, S. 725.
2 http://de.wikipedia.org/wiki/Zombie, 30.06.2010.
3 Alfred Métraux: Voodoo in Haiti. Deutsch von Isotta Meyer. Gifkendorf, 1994. S. 324.
4 Zit. n. Ulrike Sulikowski: Hollywoodzombie: Vodou and the Caribbean in Mainstream Cinema. In: Manfred Kremser (Hrsg.): Ay BoBo. Afro-Karibische Religionen. Teil 2: Voodoo. Wien, 1996. S. 82.
5 Vgl. Mattes: A.a.O. S. 726.
6 Alfred Métraux: A.a.O. S.324f.
7 Ebd. S. 326.
Erstveröffentlichung:
Petra Hartmann: Kleine Zombie-Kunde. In: Elfenschrift. 27, September 2010, S. 14–16.
© Petra Hartmann
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Vincent Voss im Dark Flower zu Leipzig am 8. Januar 2026
Damit ist die Saison (für mich) eröffnet! Ein neues Jahr mit phantastischen Lesungen und Veranstaltungen wartet hoffentlich auf mich. Und das war gleich die erste.
Der Autor selbst hatte gar nicht mit einem „vollen Haus“ gerechnet, denn Lesungen im Januar stehen im Ruf, schlecht besucht zu werden.
Das Dark Flower, ein Musik-Club für die eher dunklen Töne, bietet allerdings auch nicht so viel Raum. Und der war dann aber gefüllt. Als ich auf den letzten Drücker ankam, musste ich schon schauen, wo noch ein Plätzchen auf den Bänken frei ist…
Das ist der Veranstalterin nur zu wünschen, dass das Leseformat nun im zweiten Jahr sich weiter etabliert und Bestand hat. Carolin Gmyrek hat wieder moderiert. Diesmal hatte sie sich gut auf das Thema vorbereitet – und dadurch vielleicht ein wenig zu viel erzählen können und auch selbst erzählt. Dabei hätte der Autor doch mehr zu Wort kommen sollen. Andererseits sollte neben der Lesung aus dem neuesten Horrorroman des Autors auch das Gespräch zum Thema „Was macht uns Angst? Psychologie des Schreckens in der Literatur“ stattfinden.
Das riesengroße Thema konnte natürlich nur angeschnitten werden und es belief sich auf Anekdoten der beiden, Autor und Moderatorin, wie sie erstmalig mit Horrorfilmen und -Literatur konfrontiert wurden, damit, was für sie Horror ist (sehr weites Feld), was ihnen Angst macht (Frage auch an das Publikum: Warum schaut oder lest Ihr Horror?) und Biografisches des Autors.
V.V. hatte schon mit jungen Jahren einen Zombiefilm gesehen, der ihn, so schätzt er es nun selbst ein, ziemlich verstört hatte. Man sollte damit sicher nicht so früh anfangen. Andererseits hatte er damit seine Leidenschaft für das Schaurige gefunden, wie es aussieht.
V.V. hat in einer Schüler-Punk-Band als Sänger und Texter gewirkt. Da hat er seine Leidenschaft für das Schreiben entdeckt. Die Texte, so Vincent, war manchmal Grund für Auftrittsverbote. Offensichtlich waren die auch schon ziemlich Horror-mäßig.
Im Horror muss für den Autor immer was Übernatürliches dabei sein. Allerdings gab er auch zu, dass dieser Horror dann schon fast „cosy“ wäre, da er weit genug von der Realität entfernt ist, die im Grunde so viel mehr Horror bietet, als er sich als Autor ausdenken kann. Na, da hat er wohl leider Recht.
Vincent Voss las aus seinem letzten Roman: „Seemannsgräber“.
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Er wählte recht unterschiedliche Teile dafür aus, zunächst eine richtig unheimliche Geisterbegegnung, dann eine Szene, die der Autor zum Tell selbst erlebte, in der eine Schulklasse bei einem Ausflug mit einem Schiff und beim Schau-Fisch-Fangen ein Zombie ins Netz geht und zum Schluss eine ziemlich heftige Splatterszene. Gerade die letzte Szene – muss ich, inzwischen wohl zum Sensibelchen mutierter, alter Sack mir eingestehen, sagt mir, dass ich gar kein Horror-Fan bin, zumindest nicht in dem Sinne, wie es dieser Body-Horror und Splatter beinhaltet. Im Grunde waren mir die unheimlichen Wesen aus dem All, die übermächtigen Entitäten des Kosmos, die mir ein Gefühl der Ohnmacht und des unpersönlichen Grauens vermitteln, näher als solche Schlacht-Szenen. Aber: Weites Feld.
Insgesamt war das ein toller, inspirierender Abend. So hat das Jahr gut begonnen; kann so weitergehen.
Das Foto: Im Dark Flower ist es immer sehr dunkel, viel dunkler, als das Foto vermuten lässt.
Ein Bild des Lesenden im Sessel - ohne das Licht - konnte nicht sinnvoll erstellt werden.
Der Autor hat sich beim letzten Lese-Teil mit Leselampe am Kopf unter das Publikum gemischt, um mit viel Verve, starker Betonung und quasi über die Schiffsbohlen marschierend die Zuhörerschaft zu beeindrucken:

Ich kenne nun schon ein paar Romane von Sven Haupt und stelle immer wieder fest, dass er die Fähigkeit besitzt, Personen, Gegenstände, Tiere, Metaphysisches und KIs auf eigenartige Weise zu verknüpfen. Heraus kommt ein Mischmasch der Dinge, das zwar nicht unbedingt glaubwürdig ist – die eigene Vorstellungskraft wird dabei manchmal arg strapaziert – trotzdem passt alles irgendwie zusammen.
"Der Himmel wird zur See" erschien im Juni 2025 im Eridanus Verlag, Bremen. Die Umschlagsgestaltung übernahm wieder Detlef Klewer.
Hannah Riley muss als Raumschiffpilotin zusammen mit dem Roboter Andy einen wichtigen Auftrag erledigen. Es geht, wie so oft, um das Überleben der Menschheit. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit.
Die Hauptfigur erinnert mich stark an die in den anderen Romanen des Autors. Er wählt stets den unangepassten Typ, der massive eigene Probleme hat und dann noch mit Schwierigkeiten der besonderen Art zu kämpfen hat. Aber das macht ja die Quintessenz eines spannenden Romans aus.
Auch ist in den Werken immer jemand da, mit dem sich diese Figur einen verbalen oder gedanklichen Schlagabtausch liefert. Ich denke mal, das ist nötig, um den speziellen Humor (den ich mag) des Autors unterzubringen.
Alles in allem gefiel mir das Buch wieder gut.
Als Cover hätte ich wahrscheinlich keine Frau mit Waffe genommen; das impliziert für mich im ersten Moment nur pure Gewalt. Obwohl, wenn man den fast verträumten Blick der Frau näher betrachtet und die literarischen Sachen des Autors kennt, weiß man, der Roman wird anders sein als vermutet.
Weil dort drin auch Vampire auftauchen, hätte ich sicher einen bildlichen Hinweis dazu gegeben. Wenigstens einen klitzekleinen. Ein Vampirchen. Und wenn es nur in einer Ecke des Covers wäre.
Jeder 6. Mensch in Deutschland liest keine Bücher.
Das geht aus einer Umfrage (2024) hervor (DACH-Länder, Frankreich,Italien; 5000 Befragte) , die im Auftrag des Onlinebuchhändlers Galaxus in Auftrag erstellt und Anfang diesen Jahres veröffentlicht wurde .
Demnach kommen hierzulande 1/3 der Befragten auf 1-3 Bücher im Jahr. Nur die Hälfte will künftig mehr lesen – was den niedrigsten Wert darstellt. Ähnlich Lesefaul zeigt sich höchstens noch Frankreich.
Deutsche benutzen vergleichsweise häufiger ebooks (19%) - und Hörbücher (11%). Zur Lesefaulheit der Deutschen passt letzteres wiederum, dass sie im europäischen Vergleich die meisten Hörbücher konsumieren – jede zehnte Person in der Bundesrepublik lässt sich Bücher vorlesen.
Das Lieblingsgenre was Spekulative Fiction anbelangt ist bei Deutschen die Fantasy – Franzosen stehen eher auf Science-Fiction (s. 2. Grafik).
Frauen lesen dagegen häufiger Romane: in Deutschland beispielsweise 3 von 5 Frauen und nur 2 von 5 Männern.
Quelle:
https://www.galaxus....e-buecher-36136
bitte auf Grafiken klicken zum vergrössern:
Nur was endet, hat bekanntlich einen Sinn: Also ist es Zeit, dass auch dieser Vlog zu Ende geht – alles hat ein Ende, ergo auch das Ende. See you in a better place... ¯\_(ツ)_/¯
Die Leiden des jungen Verlegers
...
Ich bin mal wieder spät dran*, und tausche außerdem für diesen & den nächsten Eintrag die Neu-/Alt-Reihenfolge. Es handelt sich hier platzhaltend um ein Buch aus der Dr.-Seuss-Reihe, die in den 60ern die Vorgehensweise beim Lesen-Erlernen für Kinder revolutionierte. Außerdem hält sich das Buch an die Nonsens-Tradition von anderen Kinderbüchern seit Alice in Wonderland, was Kindern (& mir, übrigens) sicher so gut wie immer gefällt. (Und: Eine brandneue audiovisuelle Umsetzung erscheint heuer auf Netflix!)
Im Buch erscheint ein frecher Kleinling namens Sam-I-Am, auf einem hund-ähnlichen Wesen vorbei-reitend, der einen älteren, größeren Pelzherren mit hohem schwarzen Hut auf die Nerven geht. Dieser sagt öfter "I do not like", anfangs in Richtung Sam, aber kurz danach auch dem Gericht das ihm Sam unter die Nase hält - Schinken mit grünen Spiegeleiern! Als aber der Schwarzhütige dies das erste Mal nicht mag, schaltet der Rothütige schlauerweise auf die Logikschiene - mag der Ältere das Gericht vielleicht an einem anderen Ort? Denn schließlich isst das Hirn ja mit, und vielleicht fühlt der Andere sich anderswo wohl(gesinnt)er?
Lässt sich der junge bzw. sich nicht alt fühlende Leser darauf ein, ist klar womit das restliche Buch gefüllt wird - den absurdesten Orten & Vehikeln, wo Schinken mit solchen Spiegeleiern vielleicht doch schmecken könnte... Irgendwann gibt der inzwischen durchnässte Schwarzhütler auf - und dann geschieht noch ein kleines Wunder!
Seuss hat wohl damals die altmodischen "anspruchsvolleren" Kinderbücher - wie ev. auch Alice? - in die Ecke gepfeffert und mit jemandem eine Wette ausgemacht, dass er ein besseres erstes Lesebuch mit einem Vokabular von nur 50 Wörtern erstellen könnte. Ein Buch wie dieses locker gereimte war das Ergebnis. (Das hier ist neben dem früheren Cat in the Hat das bekannteste aus seiner langen Serie.
Es gibt endlose Marketingumsetzungen davon! Ich behaupte, dass auch Hip-Hopper Will-I-Am sich daraus hat inspirieren lassen.)
Was ich an den Seuss-Büchern so toll finde, ist dass nicht nur die Texte schnell ins Absurde kippen, sondern die Illustrationen das praktisch von Anfang an tun, mit wilderen Aufstellungen mit jeder Seite. Die Protagonisten sind meist Tiere, oft eher unidentifizierbar - aber definitiv "furry" - und die tanzen/schweben/schwimmen in der Weltgeschichte herum, meist irgendwas unmöglich balancierend, umgeben von staunenden - oder selbst irgendwelche Stunts ganz lässig durchführenden - Zuschauern. Seuss stellt seine Welten subversiv gaga dar. (Oder angemessen der Zeitperiode: Dada! Apropos: Ich finde lustig, wie dieses 1. Buch die klassisch-amerikanisch-kapitalistische Rolle des ewigen nie-aufgebenden Verkäufers parsifliert!)
Diese Idee des einfacheren Anfangslernen wurde kurz danach dann auch von Sesame Street im TV fortgesetzt, und von vielen anderen Einrichtungen im Westen angewandt. Die US-TV-Serie wird übrigens im November ein halbes Jahrhundert alt! ![]()
Fazit: Am besten VORM Schauen bei Netflix sich mindestens ein Buch aus der Reihe mal reinziehen! Nachher kann man es einer Lieblingsenkelin oder so schenken; wird bestimmt mit großem Dank entgegen genommen.
(* offiziell ist das hier der Juli-Beitrag!!)
Regenbogen-Leseprobe.pdf (162,72K)
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