Zum Inhalt wechseln


Thomas Hofmanns Phantastische Ansichten



Foto

Herr Frenschkowski und die Zauberbücher

Geschrieben von T.H. , in Phantastisches Halle & Le..., Ich war dabei... 19 November 2022 · 80 Aufrufe

Herr Frenschkowski und die Zauberbücher

(Foto von mir; links Marco Frenschkowski, rechts im Bild Elmar Schenkel)
Da hab ich doch am 3.11.22 glatt die Veranstaltung des Freundeskreis SF Leipzig e.V. verpasst, in der Ellen Norten und Michael Siefener des leider viel zu früh verstorbenen Hubert Katzmarz gedachten. Leider, leider, aber wenn der Rücken… ach, will mal hier nicht rumjammern.
Leidlich besser ging es mir dann am 14. November und da trat doch auch in Leipzig tatsächlich ein „alter Kumpel“ von Michael Siefener, nämlich Marco Frenschkowski, auf. Er ist ja Beschäftigter der Universität in Leipzig, Universitätsprofessor am Instituts für Neutestamentliche Wissenschaft. Aber er ist auch sehr interessiert an phantastischen Themen. Gut und schön, wenn er Beruf und Hobby in Einklang bringen kann. Ich denke, der Vertrag, den er hielt, passt genau in dieses Spannungsfeld.

 

Zauberbücher zwischen Realität und Imagination. In der Universitätsbibliothek Leipzig.

 

Veranstalter war der Arbeitskreis Vergleichende Mythologie, Leipzig. Die Vorstellung des Referenten übernahm dessen Leiter, Herr Elmar Schenkel und die Einleitung Prof. Thomas Fuchs (Leiter des Bereiches Sondersammlungen und Digitalisierung der Universitätsbibliothek Leipzig).
Herr Frenschkowski war voll in seinem Element! Auch wenn ich jetzt kaum wiedergeben kann, was er alles erzählt hat - zu sehr schwirrt mir der Kopf vor all den Informationen, Eindrücken - so bleibt mir der Esprit und der Eifer, mit dem er referierte, wohl noch lange im Gedächtnis.
Zuerst hat er erzählt, dass er gerade mit einem ZDF-Drehteam in Rom war. Dort hat man den Brunnen der Anna Perenna ausgegraben. Wer das ist? Wusste ich nicht: Eine kleine römische Göttin. Und an diesem Ort fand man alle möglichen „magischen Objekte“, die er sich ansehen und kommentieren sollte, inklusive eines Hexenkessels.
Das war ein guter Ausgangspunkt für seinen Vortrag, denn die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Hexen stehen wohl in einer Ahnenreihe mit antiken Göttinnen. Ich habe dabei gelernt, dass „Hexen“ in der Antike eher die Opfer waren, Frauen, die sich dem bösen Zauber von Magiern erwehren mussten, und dies mit Erfolg taten. Also, sie waren die Guten; die moralische Verdrehung kam dann erst im Mittelalter.
Im Zentrum des Vortrags stand natürlich die Sammlung magischer Texte, die sich in der Universitätsbibliothek Leipzig befindet. 2019/20 hatte er auch eine Ausstellung der Leipziger Codices magici kuratiert, der größten zusammenhängenden Zauberbuchsammlung in einer öffentlichen Bibliothek weltweit. Hab ich leider verpasst…
Die Sammlung von 140 magischen Handschriften kamen in Leipzig 1710 in quasi öffentliche Hand und wurde 1962 der Universitätsbibliothek Leipzig übergeben. An deren Sichtung, Erforschung etc. wird noch gearbeitet.




Foto

Alles könnte gut werden! (2019; ergänzt 2022)

Geschrieben von T.H. , in Phantastisches Halle & Le..., Ich war dabei... 21 October 2022 · 1495 Aufrufe
Daniel Weißbrodt, BGE
Alles könnte gut werden! (2019; ergänzt 2022)

Endlich war Daniel Weißbrodt auch beim Freundeskreis SF Leipzig – immerhin ist er ja Leipziger!
Ich habe mich gefreut. Auch wenn es wie 2019 schon erlebt, noch einmal um sein Zukunfts-Sachbuch um das Thema BGE herum, ging.
Daher hole ich jetzt meinen alten Eintrag einfach noch mal aus der Versenkung hoch.

 

Also, am 20.10.22, Haus des Buches, Leipzig, Veranstaltung des FKSFL e.V., moderiert von Stefan Pannor. Der Autor hatte teilweise schon Schwierigkeiten, sich an alle Einzelheiten aus seinem Buch zu erinnern, da es ja schon mittlerweile Jahre zurückliegt, dass er damit durch die Lande tingelte, es vorstellte, darüber diskutierte. Jetzt arbeitet er bereits an einem anderen Buch, das aber dann doch „strenger“ historisch-konkret ist. Ein „echtes“ Sachbuch, kein fiktives, wie das hier.
Inhaltlich brauch ich gar nichts hinzufügen. Interessant war höchstens, dass ja jetzt bereits das Jahr 2022 heran ist, was ja zum Zeitpunkt des Erscheinen des Buches noch Zukunft war. Insofern könnte er sich daran messen lassen, was er damals „prophezeite“ und was davon eingetroffen ist. Natürlich klappt das so nicht, aber dennoch war seine Prognose gar nicht so falsch – erschreckender Weise…
Eine dufte Veranstaltung war das wieder. Und hier, was ich damals schrieb:

 

Daniel Weißbrodt las im Literaturhaus Halle, 11.09.2019
Sein Buch heißt: „Kurzer Abriss der deutschen Geschichte 2022-2050. Wie das bedingungslose Grundeinkommen unser Leben und unsere Gesellschaft verändert hat“ und erschien 2018 im Engelsdorfer Verlag, Leipzig. Der Titel sagt ja schon fast alles.
Doch was ist das eigentlich für ein Buch? Ein Roman, oder ein Sachbuch? Da der Autor sich nicht als Prophet und im Besitz einer zukunftsschauenden Glaskugel wähnt, ist es fiction. An anderer Stelle, so führte er eingangs aus, wurde das Buch als „Sachbuch“ einsortiert. Das muss nicht unbedingt zum Nachteil für den Autor sein, aber ist es richtig? Nun, nachdem er einige Passagen zu Gehör brachte, kann ich sagen, dass „Roman“ im Grunde auch falsch wäre. Es ist wie ein Sachbuch geschrieben, wie eine historische Abhandlung. Es besitzt, so weit ich das nach den gehörten Passagen einschätzen kann, keine originäre Romanhandlung. Aber natürlich ist es reinweg erfunden, Science Fiction. Leider, möchte ich hinzufügen, oder vielleicht: noch? Aber es könnte ja so werden, wie er es beschreibt! Ich bitte drum!
Der Start in die utopische Gesellschaft vollzieht sich über die Dystopie. Auch: leider. Soziale Verhältnisse, wie sie sich aber heute bereits abzeichnen, spitzen sich zu. Dummerweise ist im dystopischen Teil auch ein Vorfall in einem französischen Atomkraftwerk dabei - das wirkte in mir gerade besonders nach, da ich die TV-Serie „Chernobyl“ sah.
Nun, wer weiß, was das bewirken wird. Auf jeden Fall unterstellt der Autor den Verantwortlichen und Regierenden, dass sie aus den Fehlern lernen. Und deshalb lässt er die bundesdeutsche Regierung, voran den amtierenden Bundeskanzler, einen CDU-Mann, zum Schluss kommen, dass es keinen anderen Ausweg mehr gibt, um der sozialen Zuspitzung in der Gesellschaft zu entgegnen, um das Fass nicht zum Überlaufen zu bringen. Es kommt zur Einführung eines Bedingungslosen Grundeinkommens. Dass es ausgerechnet ein CDU-Mann ist, erscheint vielleicht nur auf den ersten Blick unrealistisch. Der Autor verwies auf die Bismarck'schen Sozialgesetze nach 1871, die die Lage der Bevölkerung stark verbesserten. Na, und Bismarck war sicher auch kein Sozi.
Der Autor hat sich mit der Problematik sehr intensiv beschäftigt. Er kann wohl für sich in Anspruch nehmen, als Spezialist auf diesem Gebiet zu gelten. So wird er auch von interessierten Politikern behandelt. So spricht er auch - sehr eloquent, sehr engagiert. Ihm liegt was dran, an der Idee, das ist mehr für ihn als bloße Fiktion. Er hatte auch Antworten auf die vom Moderator und dem Publikum gestellten Fragen, nach dem Lebenssinn, nach dem Primat von Sozialfragen und Umwelt- u. Klimaschutz, nach der Finanzierbarkeit des Ganzen, nachdem was von der Haltung der Gewerkschaften dazu zu halten ist.
Die gelesenen Kapitel illustrieren sehr eindrucksvoll, was das BGE mit uns machen kann - zunächst, unmittelbar (durchaus anarchistische, chaotische Zustände), und in naher Perspektive (was Entschleunigung so z.B. alles bewirkt - es wird utopisch!).
Auch wenn finanzpolitische und wirtschaftliche Fragen an so einem eigentlich literarischen Abend deplatziert und langweilig wirken könnten, scheute er nicht, mit viel Elan an solche Fragen heranzugehen. Ist ja auch wichtig dabei, sonst bleibt die Idee ein Wolkenkuckucksheim.
Er benannte auch eine Schwachstelle seines Konzepts, die ihm von anderen Kritikern auch schon vorgeworfen wurde: Er knüpft unmittelbar am Hier&Jetzt an, d.h., er geht gar nicht auf die sich gerade abzeichnenden technologischen Veränderungen in der Arbeitswelt ein. Sein BGE-Konzept fußt auf dem Stand der Dinge, den wir gerade jetzt haben. Dabei - aus meiner bescheidenen Sicht - ist es ja gerade die technologische Revolution, in der wir uns gerade befinden, die es unumgänglich macht, sich darüber Gedanken zu machen, wie das Leben der Menschen in unserer von direkter produktiven Arbeit befreiten Welt gestaltet werden muss, ohne einen Kollaps zu riskieren.
Ein gelungener Abend - und aus meiner persönlichen Sicht lange überfällig. Das erste Mal wollte ich zur Leipziger Buchmesse, hatte es aber dann doch versäumt, das zweite Mal sollte er im Burggraben in Halle im Hochsommer lesen, aber die Hitze machte dem einen Strich durch die Rechnung. Das war also (mein) dritter Anlauf - und der war richtig gut.

 

Fotos: von mir geknipst, oben von 2019, unten von 2022

 

Eingefügtes Bild




Foto

Goblin Press. Die frühen Jahre...

Geschrieben von T.H. , in News 20 October 2022 · 206 Aufrufe
Goblin Press

Das waren noch Zeiten

 

Eingefügtes Bild

 

Uwe Voehl hat ein schönes Heft zusammen gestellt, in dem auf 76 Seiten der alten Goblin Press gedacht wird. Für mich war das ja eine Zeit der unheimlich-phantastischen Kultur-Initiation, wenn man so will. U.a. die Goblin Press, vornehmlich von Jörg Kleudgen und zu Beginn auch von Bernd Jans gestaltet, hat mir Welten eröffnet. Das bleibt.
Leider hat alles nicht so gut geendet – für mich. Aber das ist eine andere Geschichte. Ich habe mich jedenfalls gefreut, als mich Uwe Voehl fragte, ob ich meine Zustimmung gebe für die Verwendung meiner Bilder in diesem Doku-Heft. Das ist dann auch sehr reich bebildert und – ich habe es nicht überprüft, gehe aber fest davon aus – eine vollständige Darstellung aller Publikationen des Kleinstverlages darstellt. Viele Sachen dürften nicht mehr so leicht verfügbar sein, einige werden immer mal für ziemlich horrende Preise antiquarische angeboten (wer gibt so viel Geld dafür aus?), aber jetzt kann man sich mal einen guten Überblick darüber verschaffen, was einem so entgangen ist.
Das Heft ist Teil einer Serie über alte Phantastik-Publikationen. Kann man auf der Seite des Verlages gut erkennen: Verlag Lindenstruth - Das wissenschaftliche Programm (verlag-lindenstruth.de)
Das Bild, das meinen kleinen Eintrag hier ergänzt, zeigt mein Belegexemplar - das hat einen vierfarbigen Umschlag, die anderen, "normalen", Hefte sind dann s/w.




Foto

Der King wurde 75 und der NEUE STERN hat das gefeiert

Geschrieben von T.H. , in Neuer Stern 03 October 2022 · 259 Aufrufe

Eingefügtes Bild

 

Die 83. Ausgabe des kleinen Fanzines ("Rundbrief", aber auch: Zentralorgan des gutes Geschmacks - :bighlaugh: ) ist anlässlich des 16. ElsterCons in Leipzig erschienen und widmet sich u.a. Stephen King, der am 21. September d.J. 75 Jahre alt wurde. Diesmal haben sich die Hallenser SF-Fans Unterstützung in der deutschsprachigen Phantastikszene gesucht - Leute, die durch King zum Schreiben phantastischer Literatur kamen, erinnern sich.

 

Inhalt:

 

Happy Birthday, Mr, King!
Only ExKRAGlers in the kitchen, von Nicole Rensmann - S. 1
Regeln zum Umgang mit neuen Stephen-King-Romanen, Peter Schünemann - S. 7
Meine horrormäßige Ehe, von Inge Festa - S. 8
Lang lebe der König, von Frank Festa - S. 9
Marlene?, Story von Arthur Gordon Wolf - S. 11
Onkel Stevie, von Arthur Gordon Wolf - S. 16
Rezeption von Literatur der prästellaren Zeit: Neueste Forschungsergebnisse Stephen King betreffend, von Michael Baumgartner - S. 20
Stephen King und die Pandemie, von Uwe Lammers - S. 24
Wie viele andere Menschen..., von Astrid Pfister - S. 26
Stephen King auf Lovecrafts Spuren, von Peter Schünemann - S. 29
Rezi Desperation / Regulator, von Peter Schünemann - S. 32
Rezi Schlaflos, von Bernd Wiese - S. 35
Rezi Das Bild, von Bernd Wiese - S. 36
Rezi Duddits, von Bernd Wiese - S. 37

 

Aus alten Bücherschränken / Die Geister der Vergangenheit
Matthias Käther über viktorianischen Schrecken, von Thomas Hofmann - S. 40
Rezi Viktorianische Gespenstergeschichten, von Peter Schünemann - S. 42
Rezi Die Damen des Bösen, von Peter Schünemann - S. 44

 

Emma Braslavsky wird auf dem 16. ElsterCon sein
Rezi Agent Zukunft (2 Teile), von Thomas Hofmann - S. 47
Rezi Leben ist keine Art, mit einem Tier umzugehen, von Thomas Hofmann - S. 50
Rezi Ich bin Dein Mensch, von Thomas Hofmann - S. 53

 

56 Seiten, davon 4 vierfarbig + farbiger Umschlag




Foto

Leseliste September 22

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 03 October 2022 · 229 Aufrufe
Remarque, Vonnegut, Kehlmann und 3 weitere...

Der September bescherte mir eine abwechslungsreiche Leseliste. Hier mein Fazit:

 

John Wyndham: „Kolonie im Meer?“
Nachdem ich durch seinen Erzählungsband „Die Kobaltblume“ Blut geleckt habe, ist jetzt auch mal massiv Wyndham dran. Ein Klassiker, den ich doch schon längst aufgearbeitet haben müsste, oder?
Dieses Werk ist ein typischer Wyndham, der ja für seine gemütlichen Apokalypsen bekannt ist. Die Welt kann gemächlich untergehen, dann aber auch richtig. Hier kommt die Gefahr aus dem All, aber die Aliens verziehen sich bei Ankunft auf der Erde gleich in die Tiefsee. Wir bekommen sie im Grunde nie zu Gesicht. Der andere Titel des Romans lautet auch „Wenn der Krake erwacht“. Dass es sich um krakenförmige Wesen handelt, wird zwar mal spekuliert, ist aber nicht durch direkte Beobachtung abgesichert.
In der Tiefsee sind die Aliens unantastbar. Sie versenken Schiffe und greifen Inseln und die Küsten weltweit an. Dazu nutzen sie schildkrötenförmige Amphibienfahrzeuge mit Tentakeln. Sie schnappen sich die Menschen; was mit denen passiert, wird nicht erklärt.
Für den Leser beobachtet ein frisch vermähltes Pärchen die ganze Geschichte. Sie sind Reporter und meistens immer vorne mit dabei. Am Ende kulminiert die Handlung auf den britischen Inseln. Die Aliens schmelzen das Eis an den Polkappen ab, es kommt zu Überschwemmungen, auch die britischen Inseln sind betroffen. Die Bevölkerung beträgt nur noch ein Zehntel. Dass das eigentlich ziemlich dramatisch ist, merkt man dem Roman kaum an. Am Ende scheint man sich – also, wer überlebt hat – ohnehin damit abgefunden zu haben, das die neuen Herrn der Erde die Aliens sind und man sich auf den Rest des Landes, der übrig blieb, irgendwie einrichten muss und das auch kann. Alles gut am Ende?
Der Roman ist kurzweilig, auch nicht zu lang. Wobei ich mal wieder nicht weiß, ob der auch vollständig vorliegt. Ich habe eine Hardcoverausgabe des Goldmannverlages von 1961, die auch nur diese standardisierten 180 Seiten hat, aber die neuere Ausgabe von Suhrkamp hat auch nicht mehr. Aber mehr braucht man zu dieser recht geradlinigen, wenig überraschenden UFO-Gefahr-Apokalypse auch gar nicht erzählen.
8/10 Punkte

 

Hubert Katzmarz: „Garten der Ewigkeit“
Erstaunlich, ein SF-Roman von Hubert Katzmarz? Ja, gibt es - bzw. wird es bald geben. Der wird nämlich aus seinem Nachlass demnächst veröffentlicht. Ich sag mal noch nix darüber...

 

Kurt Vonnegut: „Katzenwiege“
Im Grunde ist der Roman nicht rätselhaft, aber was der Titel mit dem Inhalt tatsächlich zu tun hat, hat sich mir nicht erschlossen. Eine Katzenwiege ist ein Fadenspiel, das man mit zwei Händen ausübt und halt so verschiedene Formen bildet.
Ansonsten geht es aber um eine neue Superwaffe, die einer der fiktiven Väter der Atombombe erfunden hat. Die nennt sich Eis 9 und kann folgendes – obwohl das wahrscheinlich physikalisch nicht geht – was wiederum gut ist: Es setzt den Gefrierpunkt von Wasser hoch, so um die 40 Grad. Also, was mit Eis 9 in Kontakt kommt, erfriert sofort. Ganz schön blöd für einen Planeten wie die Erde, dessen Oberfläche hauptsächlich aus Wasser besteht und Wasser für alles Lebenswichtige braucht – Wasser in flüssiger Form ...
Ein Journalist forscht dem Erfinder hinterher und will auch rauskriegen, wo diese Eis 9 hin ist. Und was das für ein Mensch war, der ein genialer Erfinder war, aber sich für das, was man mit seinen Erfindungen anstellen kann, nicht die Bohne interessierte.
Dabei kommt er in einen kleinen Inselstaat, so einer Bananenrepublik, im Schatten der USA: San Lorenzo. Dorthin haben sich die Erben des Erfinders verzogen. Das Land ist arm, die meisten Leute dort auch, dafür gibt es einen Diktator, der sich „Papa“ nennen lässt.
Die Story lebt von den skurrilen Figuren und Protagonisten und erfindet eine eigene Religion. Man denkt natürlich bei so einem südamerikan. Land gleich an Voodoo oder so, aber beim Lesen kam mir eher Rastafari in den Sinn. Auf jeden Fall bietet dies dem Autor, schön über religiöse “Wahrheiten“ abzulästern. Herrlich! Sie heißt Bokononismus. Eine ihrer grundsätzlichen Wahrheiten ist, dass Religion einen Lüge ist. Die Lüge heißt hier Foma, das macht sie aber auch nicht wahrer, ist aber hilfreich (wie Notlügen vielleicht).
Der Erfinder kommt übrigens auch aus Ilium (Player Piano), der Roman spielt aber hauptsächlich in San Lorenzo. Dort wird er durch seltsame Umstände sogar zum Präsidenten der Insel. Aber wie das gehen kann, verrate ich hier nicht. Ist jedenfalls eine tolle, schnurstracks-geradlinig erzählte Story, die im Fiasko endet. Ende der Welt und so.
Ich kann hier nur 10 / 10 Punkte geben, auch wenn der Stil – diese superkurzen Kapitel z.B. – irgendwie verknappt wirkt. Aber was soll’s? Alles auf den Punkt gebracht. Super!

 

Aiki Mira: „Titans Kinder“
Kurzweilige, spannende und diverse Weltraum-Abenteuer-Utopie. Ja, viele Adjektive und Zuschreibungen. Man staune, was alles so auf 180 Seiten passt. Auch wenn hier mitunter ziemlich durch den Plot und die Jahre gehetzt wird, dabei aber eine eigenständige Evolution des Lebens auf dem Jupitermond Titan beginnt, was mir dann doch eher unwahrscheinlich erschien, war der Roman für mich eine wahre Wohltat. Die Figuren sind interessant und teilweise echt liebenswert, auch vielleicht gerade wegen ihrer Diversität und ihrer Problematiken im Zusammenleben mit andere Menschen. Die Utopie darin (Untertitel lautet: „Eine Space-Utopie“) ist sicher nicht so leicht nachvollziehbar, denn die Umstände, mit denen die Protags zurechtkommen müssen, sind schon sehr bizarr und extrem. Aber auch hier findet „das Leben“ seinen Weg. Schön!
9 / 10 Punkte

 

Daniel Kehlmann: „F“
Hörbuch, gelesen von Burghart Klaußner (das macht er gut!)
Ein Wiedersehen mit einem guten, alten Bekannten. Das Buch las ich im Frühjahr 2015. Inhaltlich will ich gar nicht viel mehr hinzufügen. Siehe meinen Eintrag von damals.
Die Faszination ist auch immer noch / wieder da. Klasse Roman um eine kleine Familie und der Frage, was sie antreibt, was ihr Schicksal = F = Fatma – ist.
(keine neue Punktzahl, ich belasse es bei damals…)

 

Laurent Binet: „Eroberung“
Mein erster Binet und mit Sicherheit nicht mein letzter! Eine superinteressante und wundervoll erzählte Alternativ-Welt-Geschichte – wobei hier „Geschichte“ vielleicht mitunter etwas zu sehr als „Historie“ erklärt werden könnte. Gerade der Hauptteil, in dem die Inkas Europa „erobern“, ist historisch sehr genau. Um da alle Finessen mitzubekommen, müsste man sich schon ziemlich gut in der europäischen Geschichte des 16. Jahrhunderts auskennen. Aber dennoch macht die Lektüre Laune und alles wird sehr schlüssig und nachvollziehbar erklärt. Ja, so könnte es auch gelaufen sein, wenn nicht…
10 / 10 Punkte

 

Erich Maria Remarque: „Im Westen nichts Neues“
Ja, ich gebe es zu: 1. Ich habe bisher diesen Klassiker nicht gelesen und 2. Ja, die Ankündigung, dass es eine Neuverfilmung (bei Netflix) gibt, hat mich jetzt auch auf das Buch neugierig gemacht. Und es gibt sogar noch einen 3. Punkt, der hat aber was mit der Familie zu tun. – Unterm Strich ist es aber egal, warum ich das Buch jetzt las. In jedem Falle war es längst überfällig. Und ich habe gleich gemerkt, dass das auch nicht mein letzter Remarque bleiben darf.
Großartiges Buch, starke Sprache, starke Figuren. Grausam und gleichzeitig sogar spannend. Ich bin ziemlich begeistert.
10 / 10 Punkte




Foto

Am Ende des Sommers - gelesen, Juni, Juli, August 2022

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 27 August 2022 · 564 Aufrufe
Strugazki, Wyndham, Vonnegut und 2 weitere...

Zeit für eine Abrechnung – meines Lektüre-Sommers. Es wird Herbst, das Wetter heute, am 27. August, in Halle a. d. Saale, ist schon sehr herbstlich. Ich finde das ja angenehm, nicht mehr heiß, nicht mehr trocken. Aber schon trübe, drückt ein bisschen aufs Gemüt.
Und heute ist hier Einschulung. Die Schule ging die Woche wieder los. Okay, tangiert mich persönlich auch nicht. Aber all das sind sichere Zeichen.
Meine letzte Leseliste ist von Pfingsten – hey, war das nicht erst gestern? Mal sehen, was da war inzwischen…

 

Vladimír Páral: „Der Krieg mit dem Multitier“
Das ist nun der Roman, an den ich mich erinnern wollte und der mich veranlasste, auch mal die anderen Sachen des Autors zu lesen, die es – entgegen meiner langjährigen Unkenntnis – auf Deutsch gibt. Der SF-Reißer war mir irgendwie in guter, spektakulärer Erinnerung geblieben, seit ich ihn in den 80er Jahren las. Hatte er wirklich so einen starken Bezug zur damals grassierenden Umweltverschmutzung, zum Waldsterben im Bergland zwischen der Tschechoslowakei, DDR und BRD etwa? Und wie „spektakulär“ ist der wirklich gewesen?
Nun, ich habe ihn heute mit großem Genuss gelesen. Nachdem ich aber die beiden Gegenwarteromane des Autors auch gelesen hatten, weiß ich, dass er auch hier seinem Metier treu geblieben ist. Es geht viel um Beziehungskisten.
Aber geprägt durch eine Stoff gewordene Rache der Natur gegen die Umweltverschmutzung – in Form braunen Regens, der zum Massit, zu angreifenden ekligen braunen, Umweltschmutz-Soldaten mutierte und dann zum „Multitier“ - einer parasitären Lebensform, die sich die Menschen wie eine Droge aneignen, um von dem Multitier übernommen werden zu können.
Ein recht dicker Roman (für den Autor), der sicher auch gekürzt werden könnte. Aber unterhaltsam. Und vielschichtig. Es geht auch um Konsumverhalten, Drogenmissbrauch, moralische Fragen und auch politische und ideologische Auseinandersetzung.
8 / 10 Punkte

 

Arkadi und Boris Strugazki: „Der Montag fängt am Samstag an“
Meine russische Phantastikphase ist noch immer nicht beendet, obwohl die Aelita-Hefte des Neuen Sterns bereits erschienen sind; ich also sowas nicht mehr lesen „muss“. Mach ich aber doch noch. Irgendwie verspüre ich Nachholbedarf.
Bei dem Buch ist es aber so, dass ich es – zumindest partiell – bereits gelesen hatte, kurz nachdem es erschien (1990) und von mir erworben wurde. Das Buch hat ja auch wieder so eine komplizierte Publikationsgeschichte. Insbesondere der vierte Teil, „Das Märchen von der Troika“, fiel lange Zeit der Zensur zum Opfer. Als es dann nach der „Wende“ auf Deutsch erschien (in Russisch wohl auch erstmals komplett?), war das natürlich ein Muss!
Zu meiner persönlichen Rezeptionsgeschichte des Buches sei nur angemerkt, dass ich mich so gut wie gar nicht mehr an das erinnere, was ich damals las und ich auch nicht mal mehr weiß, ob ich es überhaupt in Gänze las. Leider sagt das auch was aus – über das Buch, oder über mich? Ich muss gestehen, auch jetzt wird es nicht mein Lieblingsbuch von den Strugazkis.
Was ist das? Es geht um ein spezielles Institut, dass paranormale und randwissenschaftliche Phänomene aufspürt, analysiert, katalogisiert und – tja, was draus macht?
Ein bisschen wie die Men In Black, kommt mir das hier vor, durchaus auch witzig wie die Filme mit Will Smith, aber halt eine andere Form von Humor.
Wobei mir der erste Teil, wo der Ich-Erzähler dort ankommt, und quasi von der Straß0e weg rekrutiert wird, um dort mitzuarbeiten, noch am besten gefiel. Er ist Programmierer und daher sehr begehrt. Er wird auch gleich mit einem Ding konfrontiert, dass ihn ziemlich verunsichert – und den Leser auch. Sieht aus wie ein Canapé, aber man sollte doch lieber nicht drauf schlafen. Das Teil ist nämlich ein Translationskanapee aus der Zeit Rudolf II., also auch aus der Zeit Rabbi Löws.
Die Strugazkis packen gefühlt alles rein, was es an Märchen-, Sagen- und anderen phantastischen Figuren in der Welt-Literatur gibt. Vom Vampir bis zum UFO, oder auch einen vernunftbegabten Kraken, oder einen Außerirdischen, der auf der Erde notlanden musste, eigentlich nur seine Fliegende Untertasse reparieren möchte, sich aber den Fragen des Triumvirats für Rationalisierung und Utilisierung unterwerfen muss. Das berühmt-berüchtigte Triumvirat halt. Tritt auf wie eine ideologisch-dogmatische Parteileitung. Der STEMPEL (immer in Großbuchstaben) schwebt über allen „Vorgängen“ und ihr Urteil entscheidet über Wohl und Wehe, es stehen sogar Todesurteile zur Debatte. Da hört der Spaß dann auch auf.
Insgesamt passiert sehr viel, aber so richtig klar, wohin das Ganze steuert, wurde mir nicht. Das plätschert so dahin, es gibt tolle Passagen, Dialoge und kuriose Szenen, dann aber viel, was einfach überzogen und albern wirkt (auf mich). Die Satire ist so überzogen, weil sie vielleicht an der Zensur auf diesem Wege vorbei kommen wollte? Vielleicht hat die Darstellung absurder Inkompetenz und sinnloser Machtspielchen in dieser Form auch ihren Background verloren. Das ist ein Zeitdokument, damals wichtig, heute nicht mehr so relevant (aber, so ganz sicher bin ich mir da auch nicht…)
Für mich nur 7 / 10 Punkte

 

„Rückkehr nach Bleiwenheim“
(Arbeitstitel), demnächst hg. V. Ellen Norten und Andreas Fieberg
Sehnsucht nach Bleiwenheim

 

John Wyndham: „Die Kobaltblume“
Erzählungen, Suhrkamp 1988, aber jetzt erst gelesen (Juli 2022)
Na, bin ziemlich angetan von den Erzählungen. Obwohl sie wirklich nicht die SF oder Phantastik neu erfinden. Oder doch? Sie sind ja allesamt aus den 50ern und könnten theoretisch die Ideen damals das erste Mal enthalten haben. Vermag ich aber nicht nachzuvollziehen.
Es geht um einen Meteor, der in ländlicher (englischer, nicht amerikanischer) Gegend niedergeht und eigentlich aufgrund seiner Form (regelmäßige Eisenkugel, innen mit vielen kleinen Kammern durchsetzt) niemanden als ein natürlicher Meteorit erscheinen sollte.
Parallel dazu lesen wir von den Aliens, die ihren dem Untergang geweihten Planeten verlassen müssen und glauben, in der Erde eine neue Heimat gefunden zu haben.
Ja, total bekannter Topos, nix Neues, aber halt wunderbar erzählt
Mein Liebling ist „Wanderer auf dem Mars“, eine Story, die von Bradbury stammen könnte! Bradburys Marschroniken sind ja von 1950, da war er also sicher der Erste, oder? Melancholisch ist's (Erde ist kaputt, warum bleibt offen, Terraner auf dem Mars sind einfach nur Verlorene). Der Protagonist teilt nicht den herkömmlichen Rassismus gegenüber den scheinbar primitiven Marsianern. Und er liebt auch eine Marsianerin, bleibt aber nicht bei ihr, weil er sich nur durch das unstete Wandern über den roten Planeten nicht aufgibt und nur so leben kann. Am Ende scheint es aber auch so zu sein, dass die Beiden ein gemeinsames Kind haben.
Die Story brilliert für mich durch ihrer Sprache und traurige Grundstimmung. Wundervoll! Habe mir gleich eine Bemerkung in den Kalender gemacht, die muss ich bald wiederlesen.
Es gibt gespenstige Begegnungen mit Unbekannten in der kleinen Stadt auf dem Lande. Das bringt etwas Unruhe in die Beschaulichkeit. Es sind aber nie einfach nur olle engl. Gespenster, sondern Besucher aus der Zukunft oder aus Parallelwelten.
Und dann gibt es die Frage, was heißt es, wenn da jemand „verrückt“ ist und entsprechende Behandlung braucht. Ist es nur eine Drogenabhängigkeit, oder doch ein Entschlüpfen in eine Andere Welt? Wo der Patient übrigens glücklich sein kann. Es ist aber ganz anders: Er ist „Opfer“ eines Körpertauschexperimentes eines Mannes aus der Zukunft geworden, der wie seine Zeitgenossen alle, die noch Vernunft besitzen, ihr Leben dadurch verlängern, indem sie in die Körper Anderer schlüpfen, sie quasi übernehmen – wobei die bisherigen Opfer Menschen sind, die sich zurück entwickelt haben. Nun, eine ethisch nicht gerade einwandfreie Sache, aber unser Protagonist ist davon auch nicht angetan. Da er aber als vom Krieg Geschädigter (Bein verloren) sich in einem gesunden Körper wiederfindet, entbrennt ein Duell zw. den beiden Männern um diesen gesunden Körper.
Die Titelstory ist zwar sehr kurz, aber superschön – auch wenn die Aussage auch hier nicht so unbestritten ist (aus heutiger Sicht?). Aber die Story ist fast reine Poesie, eine Ode an die Kraft der Natur, an den Zustand zwischen Schlaf, Traum und Wachsein, und gegen die „kalte“, seelenlose Wissenschaft. – Die Kobaltblume ist eine neue Spezies, die nach Absturz eines Flugzeugs mit radioaktivem Kobalt an Bord, entstand. Ein Farmer merzt sie aus…
Insgesamt eine feine Sammlung; keine großen Sachen, den langjährigen SF-Leser wird da kaum was überraschen. Wyndham ist aber ein wundervoller Formulier-Künstler, mag auch an der Übersetzung liegen, die ich – als Ahnungsloser – nicht schlecht finde. Die Aussagen sind meist sehr humanistisch, was für einen Autor in einem gerade untergehenden Kolonialreich auch nicht so typisch sein mochte. Heute erscheint das auch nicht mehr originell, aber richtig. Hmm, ich glaube, ich muss mehr Wyndham lesen.
10 / 10 Punkte

 

Dmitri Glukhovsky: „Sumerki. Dämmerung“
Das ist eine Zweitlesung. Im Oktober 2010 habe ich es das erste Mal gelesen und mit 7 / 10 Punkten und ein paar kritischen Worten in meiner Leselistedamals aufgeführt.
Warum jetzt noch einmal? Na ja, irgendwie bin ich gerade irgendwie durch „Outpost“ und „Text“ doch noch zum Glukhovsky-Fan geworden, scheint’s mir. Und dann entdeckte ich das dicke TB in einem Antiquariat für 3 Euro; mein damaliges Exemplar hatte ich abgegeben, da das Buch ja mächtig aufgebläht, mit großer Schrift, dickem Papier viel zu viel Platz wegnimmt im Regal. Und hätte ich es denn noch mal lesen wollen? Damals habe ich mir die Frage mit „Nein“ beantwortet. Ja, so kann man sich irren.
Und irgendwie hatte ich das Ende des Buches vergessen; worum es vordergründig geht, wusste ich noch: Übersetzer in Russland erhält häppchenweise Auftrag zum Übersetzen eines Textes aus der Zeit der spanischen Conquista in Lateinamerika. Es geht um die „Mission“ des Diego de Landas, der im Auftrag der Krone und Inquisition alle Maya-Schriften sammeln und vernichten sollte, dann aber anderen Sinnes wurde und wichtige Schriften bewahrte, u.a. ja den bekannten Maya-Kalender mit der Weltuntergangsprophezeiung.
Das Buch erschien ja kurz vor 2012 und war damals quasi hochaktuell. Das war dann auch damals die Erwartungshaltung: Was macht der Autor mit dem Maya-Weltuntergang?
Damals war ich vom Ende enttäuscht, denn die Auflösung geht ja mächtig in Richtung „Matrix“. Das hatte ich übrigens tatsächlich vergessen. Und so richtig weiß ich nicht, ob dieses Matrix-Ding am Ende wirklich wirklich gemeint ist. Und: Gibt es denn nun den Weltuntergang?
Das Buch ist ein Kabinettstückchen. Alles dreht sich um den Protagonisten, den Übersetzer, was er mit dem Manuskript und so nebenbei erlebt. Dabei scheint sich alles – ja, die ganze Weltgeschichte? – auf ihn zu fokussieren. Das ist schon eine echte Last, unter der er auch leidet. Da will er natürlich wissen, wieso er und was das überhaupt alles soll. „Gott“ gibt ihm Auskunft. Aber stimmt das überhaupt?
Und dann bin ich ja jetzt auf der Suche nach politischen, gesellschaftlichen Ausführungen des Autors. Er ist ja eine im „Westen“ bekannte kritische Stimme zu dem, was gegenwärtig in Russland passiert. Und das, obwohl er ja „nur“ Unterhaltungsliteratur schreibt.
Auf die leider raren Stellen im Buch, die das Leben in Russland und Moskau um 2010 beleuchten, war ich besonders gespannt. Ein paar gibt es, so z.B. auch zur Frage, warum seine Zeitgenossen, allesamt vom Atheismus der Sowjetzeit mitgeprägt, jetzt wieder in die Kirche rennen, sogar in neue Riesenkirchen. Oder wie sich die Erinnerungskultur an den Großen Vaterländischen Krieg langsam wieder ändert – von „interessiert doch keinen mehr“ zum blanken Heroismus. DAS war dann schon ein Bausteinchen, das heute aufhorchen lässt…
Na ja, nach wie vor finde ich das Buch zu voluminös, hätte wirklich eine Straffung vertragen. Da finde ich, hat sich der Autor entwickelt; „Outpost“ fand ich in der Beziehung viel besser.
Über die Auflösung der Geheimnisse um das spanische Manuskript, die Zeichen für den Weltuntergang (Tsunamis, Erdbeben) und die Rolle des eigentlich von allem abseits lebenden Übersetzers, der von Maya-Götter-Monstern heimgesucht wird, weil er vielleicht etwas weiß, von dem er nichts weiß und deshalb zur Gefahr und Chance für – ja für was? – geworden ist – also, das Ende war dann wieder nicht so ganz richtig toll für mich.
Aber in meiner Gunst ist das Buch um 1 Punkt gestiegen: 8 / 10 Punkte.
PS. Ja, diese „Dass-Sätze“ des Manuskripts; nerven immer noch; deshalb habe ich hier ein paar „Und-Sätze“ geschrieben und hoffe, die nerven nicht so sehr.

 

Emma Braslavsky: „Leben ist keine Art, mit einem Tier umzugehen“
Suhrkamp 2016, gelesen Juli 2022
Das ist fast eine Utopie. Die funktioniert natürlich auch nicht, hat nicht mal im Ansatz funktioniert. Es kam dann gar nicht mehr zum echten utopischen Versuch.
Es ist ein SF-Roman, der gar nicht aus der SF-Ecke kommt. Gibt es sowas? Na ja, ist mehr so eine Empfindung meinerseits. Natürlich, wenn die Geschichte in der Zukunft spielt, dabei etwas vorkommt, was es (noch) nicht gibt und vor allem, wenn gesellschaftliche, politische, wissenschaftliche Problematiken angesprochen werden – was soll es sonst sein, wenn nicht SF?
Da taucht nach einem Orkan eine bisher unbekannte, unentdeckte Insel auf.
Der Orkan heißt übrigens Frankenstorm Tony. Er wird hier wie eine eigenständige Persönlichkeit behandelt. Diese Art der Erzählung hat mich, was ihn betrifft, zunächst etwas abgelenkt – positiv gemeint! Das liest sich absolut stark – aber am Ende musste ich noch mal nachlesen, wie denn diese Insel in das allgemein-menschliche Bewusstsein kam. Ist ja heutzutage fast unmöglich anzunehmen, man würde noch nicht jeden Flecken Erde auf der Erde kennen.
Aber nehmen wir mal an, sowas passiert, was geschieht dann?
Die Autorin nutzt die Gelegenheit, die gutbürgerlichen Weltverbesserer und ihre (fiktiven) Weltverbesserer-Organisationen zu beleuchten, Leute, die durchaus verstanden haben, dass es so wie aktuell nicht weitergehen kann, vor allem vor dem Hintergrund er menschgemachten Klimaveränderungen.
Eine neue Gesellschaft muss her? Aber wie macht man das, frage ich mich, wenn man an den Grundpfeilern des gesellschaftlichen Zusammenlebens, vor allem am Wirtschaften, global gesehen, nicht rührt? Die Frage steht in dem Roman auch im Hintergrund. Aber die Autorin beleuchtet das alles eher psychologisch, zwischenmenschlich; zeigt auf, wie die Protagonisten und -innen miteinander agieren und dabei aufgrund ihrer Liebeleien, ihrer Promiskuität, ihrer persönlichen Lebensentwürfe und -ziele am „großen Ziel“ scheitern.
Dazu kommen die Realpolitik; welches Land kann Anspruch auf dieses neue Erdfleckchen erheben? Und: Ist es das neue Paradies? Kann man hier einen Neuanfang wagen? Und wenn ja: Wer darf und kann das?
Ein ziemlich großer Roman, mit ziemlich toll ausgearbeiteten Figuren, die mir echt ans Herz wuchsen, auch wenn sie nicht „perfekt“ sind, was sie mitunter sein wollen (Selbstverbesserung und so).
Starker Roman! Mit interessanten und abwechslungsreichen Stilistiken, liest sich nach hinten immer mehr wie ein Pageturner, sogar mit klassischen Cliffhängern, die man in einem „serösen Mainstreamroman“ gar nicht vermuten würde.
10 / 10 Punkte

 

William F. Nolan & George Clayton Johnson: „Logan’s Run – Flucht ins 23. Jahrhundert“
Meine Phase der Klassiker-Aufarbeitung ist noch nicht abgeschlossen. Jetzt also Logan‘s Run. Habe Film mal wieder gesehen und nun auch das Buch erstmalig gelesen. Und? Ja, Buch ist sogar besser als der Film! (Mache im NEUEN STERN dann mal einen etwas längeren Vergleich.)
Vor allem hat mich das Buch stilistisch überzeugt. Der Stil ist irgendwie verknappt, aber so auf den Punkt geschrieben, hat mich echt angesprochen. Das baut auch eine starke Dynamik auf.
Logan, der Sandmann, ist am Ende seines Lebenszyklus (nur 21, statt wie im Film 30, Jahre) und schwankt nun zwischen dem Fluchtimpuls und der eingeimpften Pflichterfüllung.
„Peter Ustinov“ tritt im Buch nicht auf, aber Box (der Roboter – eigentlich eher ein Cyborg) und eine Menge anderer Nebenfiguren, die es im Film nicht gibt. Die Flucht ist im Buch auch viel länger und vielfältiger (Molly, die Unterwasserstadt, ein atomar verseuchtes Washington mit neuer Wildnis, die Eis-Tunnel gibt es auch, sind aber richtig stark besiedelt, von Leuten, deren Leben dort nicht einfach ist; Kämpfe mit Mad-Max-Typen, Bronzeadler und Tiger).
10 / 10 Punkte

 

Anthologie: „2029. Geschichten von morgen“
Darin die Erzählung von Emma Braslavsky: „Ich bin dein Mensch“, die Vorlage zum gleichnamigen Film. Und: Noch zwei weitere Erzählungen, die verfilmt wurden. Reiche Ausbeute! Allerdings ist das kein Wunder, denn die Herausgeber sind vom Fernsehen und suchten Stoffe für das Fernsehen. Man möchte die SF-Fernseh-Filmgeschichte bereichern, die in D dann doch etwas eingeschlafen ist. Dabei schaut man in die nahe Zukunft, will aktuelle Themen aufgreifen und umsetzen, dabei halt schon eine Nah-Zukunfts-SF schreiben, mit realistischen Ansätzen.
Und das scheint mir doch sehr gelungen zu sein. Namenhafte Autor*innen, tolle Stories; mehr dazu im NEUEN STERN.
9 / 10 Punkte

 

Emma Braslavsky: Die Nacht war bleich, die Lichter blinkten“
Klasseroman! Ein transhumanistisches Statement? Das muss ich die Autorin dann mal auf dem ElsterCon im September fragen. Mir erschien es so; die Hubots sind dann am Ende doch die besseren Menschen. Nur wollen sie halt erfahren, erkennen, was Menschsein ausmacht. Selten habe ich etwas in der SF gelesen, das dieser Frage so einfühlsam, überzeugend und stimmig nachgeht. Das ist en realistischer Roman über die nahe Zukunft.
Roberta, als neue KI-Kollegin auf Probe bei der Berliner Kripo. Sie soll Suizide aufklären. Dabei muss sie in erster Linie hausbekommen, wer für die Beerdigungskosten aufkommen kann. BTW lernt man – wenn man das will und aufmerksam verfolgt –, was alles bei so einem Akt beachtet werden muss, welche Behörden da drin hängen etc. Nun, ich denke, die Autorin hat dahingehend Recherche betreiben; oder ist das alles erdacht? Auch das kann ich sie ja dann fragen…
Ich mach mal hier kein weiteres Gewese, das Buch wurde ja im Mainstream-Feuilleton zur Genüge besprochen, zumal es im gleichen Universum / Berlin wie „Ich bin dein Mensch“ spielt.
11 / 10 Punkte

 

Kurt Vonnegut: „Das höllische System“ (Player Piano, auch: Utopie 14, 1952, dt. ab 1964)
Sein erster Roman! Ich habe leider nur die Kurzversion von 1964, 180 Seiten, die von 1988 hat 350. Aber ich denke, das Prinzip hab ich verstanden. Das ist ein prophetischer Roman! Wir erleben die 3. Industrielle Revolution – die auch das Denken, die Denk-Arbeit durch Maschinen ersetzen wird. Die große Langeweile der Nicht-Mehr-Beschäftigten wird zunehmen. Das System ist (frei nach Ford) auf totale Effizienz ausgerichtet. Alles muss stimmen, auch die persönliche Haltung zum System. Gerade die Leistungsträger und Stützen der Gesellschaft müssen mitmachen, sonst verlieren sie ihre Privilegien, z.B. tätig sein zu dürfen. Klingt komisch, ist aber durchaus vorstellbar heutzutage.
Ich muss unbedingt mehr von Vonnegut lesen! Dies Jahr wird er 100; dazu gibt es im NEUEN STERN (so der Plan) auch was zu berichten. Z.B eine ausführliche Meinungsabgabe zu dem Buch hier. Also, dort mehr, wer will.
9 / 10 Punkte




Foto

Sehnsucht nach Bleiwenheim

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013, Meine Empfehlung, Subjektive Eindrücke 01 July 2022 · 961 Aufrufe
Katzmarz, Ellen Norten

Eingefügtes Bild
„Rückkehr nach Bleiwenheim“
(Arbeitstitel), erscheint demnächst, hg. V. Ellen Norten und Andreas Fieberg

 

Hubert Katzmarz, der in Phantastik-Fankreisen sicher nicht unbekannte Herausgeber (daedalus) und Autor, ist viel zu früh verstorben. Was hätte er noch alles machen, schreiben können? Einige Texte hat er begonnen, aber nicht fertig stellen können.
Aber wie lebt ein Schriftsteller weiter, wenn nicht in den Gedanken an ihn, in seinen Texten und dadurch, dass man ihn weiterhin liest? Dafür sorgen seine ehemalige Frau, Ellen Norten, und sein einstiger Mitstreiter, Andreas Fieberg. Sie bereiten eine Anthologie vor, die Texte von Hubert aufgreifen, vollenden und die in Andenken an ihn geschrieben wurden, seine Ideen aufgreifen und fortführen. Darunter sind illustre Namen, allesamt bekannt in der Phantastikszene.
Warum ich das schreibe, wo diese Anthologie noch gar nicht erschienen ist? Einfach, weil sie mich jetzt schon gepackt hat – ich darf nämlich ein paar Zeichnungen / Illustrationen dem Buch hinzufügen.
Es ist vor allem eine Erzählung von Hubert Katzmarz, die Anlass für die neuerliche Anthologie bot: „Willkommen in Bleiwenheim“, mit der der Medusenblut-Band, „Nachtwanderung“ von 2004 endete. Eine letzte Geschichte des Autors.
Sie wird auch noch mal in dem neuen Band enthalten sein, als Auftakt und Anknüpfungspunt; ich habe sie auch als erstes (noch einmal) gelesen – und war sofort verzaubert, gefangen in dieser Stadt, die wohl irgendwie an der Grenze zwischen unserer und einer anderen Welt ist. Wo? Weiß keiner. Man kann dann gern auch in einigen Geschichten lesen, wie erfolgreich die Suche nach Bleiwenheim sein wird. Und ob es überhaupt so gut ist, diese Stadt zu finden.
Bleiwenheim ist ein Ort des kosmischen Grauens – wobei, stopp, das kann in auf die falsche Fährte führen. Mit HPL und tentakligen Weltall-Monstern haben Bleiwenheim und Hubert Katzmarz nichts am Hut. Okay, das musste ich erst lernen, denn eine meiner Zeichnungen enthielt genau so ein tentakliges Zitat – und musste korrigiert werden. Hab ich aber gern gemacht – auch, weil es nicht wirklich sehr schwierig war, diesen „Fehler“ zu korrigieren.
Aber es hat was von kosmischer Größe, Bleiwenheim ist ein Grenzort, oder wie anders soll man solche wundervollen Sätze verstehen – ich wage mal zu zitieren, nur einen Fetzen, nicht den ganzen wundervollen Absatz: „...schloß die Augen, träumte von Sternen, die in dunklen Himmelspfützen hockten und der Sonne das Blut aussogen, Kameraden der Nacht…“
Auch wenn der Rahmen scheinbar eng vorgegeben ist, sind die Ergebnisse der Einlassungen der Autoren & Autorinnen doch sehr vielfältig. Ein paar werden mir wohl noch lange im Gedächtnis bleiben, denn sie haben quasi die Sehnsucht nach Bleiwenheim in mir entfacht. Klingt pathetisch? Soll es auch.
Ich verrate mal noch nicht mehr, auch nicht, wer da alles mitmacht; aber wie gesagt: Sind keine Unbekannten.
Gut, ich muss weitermachen, bin mittenmang beim Zeichnen; im Herbst wird das Werk wohl erscheinen, bei p.machinery. Bleibt wachsam, haltet Ausschau – nach Bleiwenheim.




Foto

Leseliste - von Ostern bis Pfingsten 2022

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 04 June 2022 · 801 Aufrufe
Sorokin, Vonnegut, einzlkind und 2 weitere...

Eigentlich ist das ja eine schöne, erwartungsvolle Zeit - Frühling und so. Doch schön ist es halt nicht, was aktuell so abgeht. Außerdem war das jetzt auch für mich persönlich keine sooo schöne Zeit - Gesundheit und so.
Na ja, aber gelesen habe ich doch was - Literatur löst keine Probleme, rettet nicht die Welt - aber vielleicht die eigene Seele.
Der "Lektüreplan" stand zum großen Teil noch im Zeichen unserer Sonderhefte zu "100 Jahre Aelita"; bei Interesse bitte ich um Beachtung des Plakates hier. Aber nicht nur...

 

Vladimir Sorokin: „Manaraga. Tagebuch eines Meisterkochs“
Eine komische Dystopie, die aber ganz normal erzählt wird. Fast untypisch vor Sorokin, wobei die Ausgangsidee echt seltsam ist: In naher Zukunft werden keine Bücher mehr gedruckt. D.h. aber nicht - wie ich erst dachte - Bücher an sich wären verboten / verpönt / vergessen, es geht nur um auf Papier gedruckte Werke. Die alten, antiquarisch noch verfügbaren, werden jetzt als „Kohle“ für dekadente, superteure und quasi illegale „Kochshows“ verwendet.
Da 90 % aller Bücher (auf Papier) verschwunden sind, sollen die verbleibenden 10 % in Messen vor allem aufbewahrt bleiben, aber Kriminelle rauben die und verhökern die an diese Spezialköche. Der Protagonist ist so ein Koch der um die Welt jettet und bei der gut zahlenden bürgerlichen Kundschaft Abende veranstaltet, an denen Seite für Seite - hey, das ist eine Kunst! - ein Buch verbrennt und über diesem Feuer ein zauberhaftes Menü zubereitet.
Und das auf 250 Seiten. Da muss man durch. Ist eher nicht spannend. Interessant sind die in Nebensätzen eingestreuten Zukunftsprognosen. Wir leben in der 2. Hälfte des 21. JH, in einer Nachkriegszeit in Europa / auf der Welt. Russland, die EU sind zerfallen. Der Lack ist ab. Man spricht von neuem Mittelalter in manchen Regionen, bzw. dem Bestreben, dieses schon wieder zu beenden. Nehme an, dass der Roman in den Tulluria-Zyklus gehört. Aber so richtig kann ich das nicht verorten.
Weiß nicht, so ganz hat mich das Buch nicht überzeugt, ich vergebe mal 7 / 10 Punkten

 

Masha Geesen: „Die Zukunft ist Geschichte“
Nach soviel russischer SF nun noch etwas Aktuell-Historisches, um zu verstehen, was da „in Moskau“ los ist. Als ich das Buch in die Hand nahm - es liegt schon sehr lange auf dem SUB - ahnte ich nicht, dass es so viel birgt. So viel Neues, Erleuchtendes, Erklärendes. Was seine Wirkung anbelangt möchte ich es mit der Lektüre von „Das Ende eines Jahrhundertmythos“ von Michael Schneider, dass ich kurz nach der „Wende“ las und das für mich ein Augenöffner war.
So also auch dieses Buch über die neuere Geschichte Russlands (quasi ab 1990, aber auch etwas davor, bis ca. 2015), die anhand einiger Personen erzählt wird, die als so ca. Mitte der 80er Geborene den Untergang der SU und was danach kam miterlebten, miterleben mussten.
Das Buch raubt die letzten Illusionen, die man vielleicht über Russland und die Gesellschaft und Staat dort hatte. Die Autorin - bzw. ihre Interviewpartner/innen - zeigen eindringlich die „Traditionslinien“ auf. Und im Grunde braucht man sich über das, was gerade aktuell passiert, überhaupt nicht wundern. Hätte ich das Buch mal früher gelesen!
11 / 10 Punkte

 

Albert Sánchez Piñol „Der Untergang Barcelonas“
Mein 3. Piñol. Diesmal gar keine Phantastik, sondern eine Art historischer Schelmenroman. Na ja, Schelm - der Protagonist ist Festungsbau-Ingenieur / Architekt. Anhand seiner abenteuerlichen Biografie erlebt der Leser eine Stück Weltgeschichte um die Wende vom 17. zum 18. Jh. mit. Für mich durchaus interessant, weil ich über die Verhältnisse im nachkolumbianischen Spanien kaum was wusste, außer dass das Land die Welt-Geltung (Große geographische Entdeckungen - und Eroberungen) kontinuierlich verlor und in spätmittelalterlicher Inquisition verharrte. Dass es eine „Spanien“ lange so gar nicht gab, war mir zwar schon bekannt, aber nicht bewusst, was das auch bedeutet.
Der Roman spielt wohl heute für die Leute in Katalonien eine gewisse Rolle; jetzt ahne ich, warum.
Insgesamt hat mich der Roman nicht so gefesselt, wie seine phantastischen Geschichten.
7 / 10 Punkte

 

Kurt Vonnegut: „Schlachthof 5“
Hörbuch, gelesen von Jan Josef Liefers
Dies Jahr ist der 100. Geburtstag des Meisters. Jetzt endlich will ich ihn mal verstärkt lesen. Bisher bin ich über das Werk hier und einige Erzählungen nicht hinausgekommen. Und sein letztes Büchlein, „Mann ohne Land“, das ja so eine Art Zusammenfassung seiner Grundhaltung darstellt, habe ich gelesen.
Habe also mit dem Buch begonnen, dass ich eigentlich schon kannte, gelesen, als Hörspiel (glaube ich ich), als Film und vielleicht demnächst als Comic.
Der ziemlich kurze Roman hat es ja mächtig in sich, die verschiedenen Handlungs- und Zeitebenen, persönliche historische Aufarbeitung und SF, Anti-Kriegsroman und Draufsicht auf den (Trivial-) Literaturbetrieb - was kann der Roman nicht? Das Teil kann man sich durchaus mehrmals „antun“.
8 / 10 Punkte

 

einzlkind: „Minsky“
Tja, was habe ich davon versprochen? Ein SF-Roman mit Anspruch, mit Antworten. Und? Ist dann doch nur so ein Zeitgeist-Roman mit hipper Sprache. Soll lustig sein. Fand ich aber nicht.
Dabei fing es sehr interessant an mit der weißhaarigen, asexuellen Wiedergeburt Gottes (?), Tochter einer Prostituierten, deren Vater unbekannt ist. Sie und ein Superwissenschaftler basteln - nein, keine künstliche - sondern die Intelligenz, bzw. eine. Denn es gibt noch andere. Z.B. Ada, die nach der Tochter Byrons benannt wurde. Minsky dürfte dann - das müsste man mal Dietmar Dath fragen - nach dem Intelligenzforscher gleichen Namens benannt sein.
Ansonsten ist das eine nicht wirklich unlustige Aufzählung von und Abrechnung mit den gegenwärtigen Zeitgeistthemen - FFF, Sprache, PC und sowas.
Der Grundgedanke: Wenn die Intelligenz (also schon die künstliche) das Ruder übernimmt, es eigentlich nur besser für die Menschen laufen könnte, fand ich ja gut. Aber Neues oder besonders interessant und plausibel Geschildertes zum Thema fand ich hier leider nicht.
5 / 10 Punkte

 

Hubert Selby: „Letzte Ausfahrt Brooklyn“
Uuuhhh, und weiter hinab in die Untiefen der amerikanischen Seele, in die dunklen Geheimnisse sozialer Unterschichten zu Beginn der 50er Jahre. Die Zeit: kurz nach dem 2. Weltkrieg und mitten im Koreakrieg - das spielt schon irgendwie eine Rolle, wenn da die Soldaten amüsiersüchtig und sexuell ausgehungert zu Opfern werden.
Ansonsten geht†™s um heftige soziale Verwahrlosung, sexuelle Fantasien und deren Unterdrückung und Ausleben in Form von mehr oder weniger Prostitution, und um Gewalt, Gewalt und Gewalt - gegen Frauen, gegen Homosexuelle, gegen Kinder, zwischen Kindern, zwischen Arbeitern und Soldaten, zwischen†¦ allen. verbal und körperlich, erbarmungslos, im Vollrausch, einfach so und mit räuberischer Absicht. Gewalt scheint in den beschriebenen Milieus die einzige gängige Umgangsform zu sein. Ein finsteres Buch, tieftraurig. Konnte keine positive Figur darin ausmachen.
Der Film von Uli Edel (Regie) bringt das nicht wirklich rüber, was Selby schrieb. DAS hat man sich dann wohl doch nicht getraut. Da ist ja Harry Black, das kleine Streikführerlein, kommt im Film ja fast noch gut weg, besser als im Buch - usw.
Punkte für das Buch: 9 / 10

 

Arkadi und Boris Strugatzki: „Die Schnecke am Hang“
Endlich auch gelesen. Den einen Teil; „Der Wald“, also die Kandid-Kapitel, kannte ich ja schon aus der Anthologie „Die Rekonstruktion des Menschen“; ich las sie in den 80er Jahren. Aus der damaligen Lektüre war mir ein Gefühl für eine phantastische Welt des „Waldes“ geblieben, geprägt von wucherndem Leben, das aber für Menschen nicht einfach zu bewältigen ist. Mit blieben die Ameisen in Erinnerung, die offensichtlich Aufgaben für die Menschen im Wald erfüllen. So was halt.
Na ja, jetzt gibt es auch die anderen Kapitel, die in einer ominösen „Verwaltung“ spielen und in denen ein Herr Pfeffer der Protagonist ist.
Kandid, der im Wald Gestrandete, will zurück, oder in eine ominöse „Stadt, von der ihm aber keiner verbindlich sagen kann, wo die ist - oder ob die auch wirklich existiert. Und Pfeffer aus der Station, der Zivilisation, der will in den Wald. Ist aber auch nicht einfach.
Beide Handlungsstränge verbindet im Grunde wenig, aber das mindert für mich keineswegs den Lektürespaß. ich fand das Buch, auch wenn mehr Fragen gestellt als beantwortet werden, ziemlich toll.
9 / 10 Punkte

 

Vladimír Páral: „Der junge Mann und der weiße Wal“
Verlag Volk und Welt, DDR, 1976) Was ich in den 80er Jahren nicht hatte, war das Internet. Damals war der brisant-aktuelle SF-Schmöker des mir bis dato total unbekannten tschechischen Autor ein singuläres Ereignis. Dass mir der Namen sonst nicht aufgefallen war, lag einfach daran, dass es keine weiteren SF-Titel von ihm gab - auf Deutsch, muss ich heute hinzufügen. (Notiz an mich: Erst noch mal überprüfen - vielleicht ja doch?)
- dazu mehr in einem NEUEN STERN, später -
9 / 10 Punkte

 

Vladimár Páral: „Die Messe der erfüllten Wünsche“
Das ist der erste Roman des Autors, der unter seinem Namen erschienen ist. Das war 1964. Der Text ist also so alt wie ich - aber das nur am Rande. Zuvor erschien ein Roman von ihm unter dem Pseudonym Jan Laban, der meines Wissens nach nicht auf Deutsch vorliegt. Der Titel lautet, übersetzt in etwa „Sechs Nächte der Hölle“.
- dazu mehr in einem NEUEN STERN, später -
6 / 10 Punkte




Foto

NEUER STERN - 1. Juni 2022 - 80 & 81

Geschrieben von T.H. , in Neuer Stern 24 May 2022 · 1364 Aufrufe
Erik Simon, Aelita und 1 weitere...

Eingefügtes Bild

 

...und da sind sie schon...




Foto

Und Science Fiction ist doch mehr als...

Geschrieben von T.H. , in Phantastisches Halle & Le..., Ich war dabei... 21 May 2022 · 886 Aufrufe

Und Science Fiction ist doch mehr als...

Dr. Willi Hetze zu Gast beim Freundeskreis SF Leipzig am 19. Mai 2022, Literaturhaus Leipzig

 

Endlich sagt es mal jemand: SF ist relevant! Oder kann es sein; besser: Sollte es sein! Sie sollte was über unseren Weg in die Zukunft aussagen, sich einlassen, mehr sein, als Reproduktion des Historischen und Gegenwärtigen.
Der Mann, der das behauptet und fordert, ist der - auch - SF-Autor Willi Hetze. Ich gestehe, dass ich den Namen und sein Buch „Die Schwärmer“ bisher nicht wahrnahm. Das muss ich wohl ändern, obwohl er heute meinte, dass seine damalige positive Sicht auf die Zukunft, die er in dem Roman zum Ausdruck brachte, etwas mehr eingetrübt ist.
Als ausgebildeter Soziologe hat er einen besonderen Blick auf die Zukunft und auf die SF. Daher der Titel seines Vortrages:
„Soziologische Aspekte der Gesellschaft der Zukunft“.
Nein, die Glaskugel hatte er nicht dabei, das betonte er gleich eingangs, also kann er nicht wirklich in die Zukunft schauen - aber er kann sich Gedanken machen. Etwas, was SF-Autoren und -Autorinnen wohl immer tun - oder tun sollten. Dass das auch nicht immer der Fall ist, hat er im Laufe seines Vortrages auch sehr schön rübergebracht.
Ich fand sogar seine Aussage recht radikal, in der er bestimmte SF-Werke, vornehmlich Filme, Blockbuster (oder solche, die es sein wollen), in denen technologischer Fortschritt als Feind der Menschheit gebrandmarkt wird und der Konflikt zwischen Mensch und (z.B.) Maschine durch die Vernichtung der „Maschinen“ (Roboter, KIs etc.) und damit ein deutlicher Rückschritt (in die gute alte Zeit - welche gute alte Zeit?) gelöst wird. Die Beispiele, der er anführte, sind allen wohlbekannt - und ich fand das ziemlich augenöffnend.
DAS kann die SF auch anders! Mein Wille Hetze. Und ich stimme ich zu.
Mit kleinem historischen Abriss und konkret formulierten Thesen zeigte er, dass der Ursprung der SF in der europäischen Aufklärung zu suchen ist; und die wissenschaftliche Methode zur Erkenntnisgewinnung ist Anstoß, sich Gedanken über Nochnichtgeschehenes, Wünschenswertes, Befürchtetes zu machen. Klar, kennen wir SF-Fans ja, aber so schön und rund und eloquent, so streitbar, dabei immer sehr freundlich, hat das selten jemand vorgetragen.
Sein Vortrag regte auch ein paar Zuschauerinnen zur Diskussion an. Nicht alles wurde unwidersprochen hingenommen, aber über alles konnte diskutiert werden. War sehr angenehm,
Was mir besonders gefiel: Seine positive Haltung gegenüber der KI-Entwicklung. Endlich mal jemand, der da auch mehr Chancen als Gefahren sieht!

 

Im NEUEN STERN gibt es dann einen Bericht zum Abend - nicht von mir, diesmal waren insgesamt 4 Leutchen aus Halle in Leipzig (na, vielleicht sogar mehr; ich meine jedenfalls aus dem Dunstkreis des ASFC; insgesamt erfreute sich die Veranstaltung mal wieder einer etwas größeren Zuhörerschaft) - also, nicht von mir, sondern von Peter Schünemann. Man möge lesen, wenn man möchte.

 

Foto © Thomas Hofmann, 19.05.2022




Foto

Kurz zum neuen FUTURE & FICTION Magazine. Deutsche Ausgabe 01/Feb22

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013, Meine Empfehlung, Subjektive Eindrücke 05 May 2022 · 616 Aufrufe
Future&Fiction, Steinmüller
Eingefügtes Bild

Meine zusammengefasste, total subjektive, kurze Meinung zum neuen SF-Magazine.
Hier im Forum wird es vorgestellt und auch ein bisschen diskutiert:
Ankündigung: Future Fiction Magazine (deutsche Ausgabe) - Kurzgeschichten, Anthologien & Magazine - SF-Netzwerk (scifinet.org)

Vorab war ich echt gespannt und hocherfreut! Ein neues SF-Magazin, das sich zudem den „Fragen der Zeit“ widmet. Mit europäischer Ausrichtung, und gar nicht teuer. Ich war sogleich Fan - der Idee.
Das Heft hat mich erst einmal optisch enttäuscht: Dieses book-on-demand-Produkt, obwohl so mies nicht, wie manch andere Produkte aus der Fabrik. Die Autorennamen zogen mich natürlich auch an: McDonald! Robert Corvus! Steinmüllers!
Aber dann der weitläufige Satz, die Seitenenden sind so zerfasert. Na ja, das kenne ich aus unserem NEUEN STERN auch, und ich kämpfe da immer mit - als Laie ohne richtiges Satz-Programm, aber hier enden ja teilweise nicht mal die Kolumnen auf einer Seite gleichmäßig.
Aber das sind Äußerlichkeiten! Und wenn mir die nicht gefallen, könnte ich das nächste Mal ja zum eBook greifen.

Die erste Story von Banga Fusco-Purpurea, „Algenbiographie“: Eine mexikanische Klangkünstlerin erzählt biografische Fragmente einer unter Depressionen leidenden Exobiologin? Ist die erste Story überhaupt eine Story? Oder der Versuch, die eigene Biografie und die Verarbeitung biografischer Fragen (Mutter-Tochter-Beziehung) mit der Idee einer Jupitermond-Expedition zu verknüpfen, die auf der Suche nach dem, was Leben ist (Übrigens total schöner Gedanke: Leben = „aktive Materie“ - war das die Idee von DeepL?)?
Ich weiß nicht, ob mir die Story wirklich gefallen hat. Auf jeden Fall war ich erstaunt, wie flüssig sie sich liest; dass hier ein Übersetzungsprogramm dran war, merke ich jedenfalls nicht. Was ich gut finde! Aber ich war dran, hat mich gefesselt und ich konnte viel lernen. Die Reigen der Assoziationen sprach mich an. Aber ist das überhaupt eine Story?

A&KH Steinmüller postulieren in ihrem Beitrag „Fallende Sterne“ die kommende anti-technologische Revolution in Form der totalen Abschaltung aller drahtlosen Datenübertragung. Das tut der Gesundheit gut, meinen pensionierte Aluhutträger im Altersheim.
Den Beitrag fand ich gut, wenn er mich auch in einer Frage etwas ratlos zurücklässt. Dass die exzessive Smartphone-Nutzung nüchtern betrachtet in unserer Realität auch dystopische Züge aufweist, sei unbestritten. Ich grüble aber noch darüber nach, wie die Steinmüllers ihre Story meinten: Satire oder nicht?

F. Verso postuliert und fordert in seinem Essay einen „Sense Of Wander“ - aktiv den Blick außerhalb der englisch-sprachigen SF zu richten. Denn dort kann man fündig werden†¦ und dann erklärt er, was wir dort suchen sollen und finden werden.
Wie schon Forums-Kollege lapismont meinte: Die Diskussion ist alt. (Auch wenn das nicht hilfreich ist, aber die literarische Mangelwirtschaft im Osten Deutschlands hat dazu geführt, dass dort - zumindest verhältnismäßig - viel in die nicht englischsprachigen Gefilde geschaut wurde; was aber für die interessierten Leser*innen mitunter auch nichts nützte, da sie nicht an die Bücklingsware rankamen; aber okay, das führt uns nur weg†¦)
Interessant fand ich den Gedanken, dass wir 2 Wellen der Eroberung des SF-Marktes durch englischsprachige Produkte erlebten, 1. aus USA und GB und 2. aus Kanada und Australien. Habe ich das richtig verstanden? Ich glaube, so richtig viel kommt doch von dort bei uns gar nicht an, oder?
Bei der Betrachtung der Film-Situation, die der Autor anspricht und die großen Player benennt, hat er meiner Meinung nach die Streamingdienste vergessen, die mittlerweile recht viel außerhalb der USA produzieren. Da ist das (auch SF&F-) Angebot durchaus internationaler geworden.
Aber unterm Strich kann ich ihm nur zustimmen.

„Moksha-Quest“ von Lvanya Lakshminarayan - eine Story von einer Autorin, die ich (wer noch?) überhaupt nicht kannte. Und dafür ist das Mag ja echt gut! Das wünsche ich mir! Also: Danke!
Allerdings brauchte ich zwei Anläufe, um in die Story reinzukommen. Zunächst war ich skeptisch, da sie von DeepL übersetzt wurde. Ob das was taugt? Na ja, muss gestehen: Bin beeindruckt. Es funktioniert. Stil und Wortwahl etc. haben mich überzeugt. Dabei sind ja auch „Fachwörter“ dabei, die sich vielleicht nicht so leicht übertragen ließen?
Aber dann das Sujet: Die Autorin ist Spieleentwicklerin in Indien; nach der Story kann man sie im Interview noch etwas besser kennenlernen. Nun sind aber PC-Spiele etc. nicht so mein Ding. Diese „Spiele-Sprache“ (Karmapunkte usw.) macht das Ganze für mich irrelevant. - Aber genau das ist ein Fehler, den ich schnell merkte. Denn es geht darum, dass ein Spiel mit humanistischem Anliegen mehr sein soll, als nur ein Spiel, es soll die Realität - Indien der nahen Zukunft („nach den Jahren der Pandemie“) mit seinen Kasten und Hierarchien, in denen die Protagonistin, eine begnadete virtuelle Spielerin, einem Job nachgeht, der so gar nicht humanistisch ist: hat was mit Immobilien zu tun - also, das Spiel soll in die Realität fließen und sie positiv verändern.
Das geht nicht ohne Widersprüche; geht es überhaupt? - Also, kann man echt gut lesen, hat mir sehr gut gefallen! Auch das mit dem virtuellen Spiel†¦

Robert Corvus hat auch eine Story beigetragen. Das freut mich! Und hat sie mir gefallen, die Story „Transfiguration“? Ja - und ein bisschen auch: nicht ganz. Das Thema ist natürlich sehr aktuell und wird kontrovers diskutiert. Und ich habe dazu auch eine Meinung, eher eine, die in der KI-Entwicklung eine Chance sieht.
In der Story geht es um die Frage, ob eine KI künstlerisch kreativ sein kann. Die Antwort, die der Autor gibt, verrate ich natürlich nicht. - Was ich nicht verstehe, ist die Personenaufstellung in der Story. Ich will ja nix hier verraten, was den eigenen Lesegenuss mindern könnte. Aber dann musste ich im einschlägigen Forum doch die Frage stellen, weil ich wissen will, warum er seine beiden Figuren so angelegt hat - dass man sie (ich) beide nicht mögen kann.
Der Autor hat sich auf meine Frage eingelassen. Kann man ab hier lesen.

Zu guter Letzt eine Story des bekannten Ian McDonald: „Die List“. Zuerst dachte ich: ach, ja, wieder so ein leicht rotzig erzählte Geschichte über das Kleinkunstgewerbe, über verkrachte Zauberkunststücke-Vorführer - die hier aber irgendwas mit einer KI am laufen haben. Aber das, was angekündigt wurde, wurde es dann auch: ein spannender End-Kampf zwischen Magier und Maschine.
Will man ja auch gern wissen: Wie funktioniert der Zaubertrick. Ja, will man das wirklich? Oder was macht so ein Magier auf der Bühne mit einem? Zaubert er oder verzaubert ein Einen? - Zunächst: DAS ist es, was die „Maschine“ (KI) wohl nie kapieren wird, und außerdem lässt sie sich am Ende wohl doch austricksen? Wer weiß? Wer es wissen will, mag die Story lesen, die ist nämlich echt gut.
Also, Heft hat mir dann doch ziemlich gut gefallen und so kann ich mich auf die neue Ausgabe im Sommer freuen.


Foto

Gelesen bis kurz vor Ostern 2022

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 10 April 2022 · 829 Aufrufe
Samjatin, Lupoff, Glukhovsky und 3 weitere...

Zur Zeit lese ich viele Russen, irgendwie gegen den Zeitgeist? Nein, eigentlich nicht - mitunter erscheinen mir die Werke, die ich hier lesen durfte, als wohltuende Gegenstimme gegen das Unheil, das gerade so läuft. Es hat aber noch einen konkreten, triftigen Grund; dazu demnächst mehr. (Wobei: Wird ja in den einzelnen Texten zu den Büchern schon genannt; aber die "Ausbeute" für den speziellen Zweck ist interessanter Weise recht gering.)

 

Jewgeni Lukin: „Unter dem Räubermond“
Das Buch flog lange unter meinem Radar hinweg. Es erschien auf Deutsch 2013, stammt aber aus dem Jahre 1997. Der Autor ist kein ganz Unbekannter im Deutschen, es gibt vereinzelt Stories von ihm, bzw. ihnen (bis 1996 zusammen mit Ehefrau).
Der Roman scheint auf einem fremden Planeten zu spielen, einem Wüstenplaneten. Allerdings ist das nicht ganz korrekt, zum einen besteht der Planet nicht zur Gänze aus Wüste, obwohl die Handlung fast zu 100 % in der Wüste spielt, und dann ist das auch gar kein fremder Planet. Das weiß man aber nur, wenn man die beiden anderen Teile der Trilogie kennt, aus der der Roman stammt.
Da ich auch kein Russisch kann (so richtig) habe ich die Info auch nur aus 2., aber berufenem, Munde.
Wie auch immer. Es ist ein tolles Fantasy-Abenteuer, mit Kämpfen, Intrigen, einem angedeutetem SF-Hintergrund, tollen Figuren und einige hübschen Ideen. So wird die wüste z.B. von Schiffen durchfahren, die halt nicht im Wasser, sondern über Sand fahren. Usw. Wer mehr erfahren möchte den verweise ich gern auf einen kommenden NEUEN STERN, der anlässlich des 100. Geburtstages von Aelita erscheinen wird.
7 / 10 Punkte

 

Jewgeni Samjatin: Kleine Prosa 1 & 2
Die Höhle / Der Norden
„Wir“ kennt man ja, aber sonst? Doch, eine Geschichte hatte ich so 1990 rum gelesen: „Die Höhle“. Darin driftet eine Moskauer Wohnung im Nachkriegs- und Nachrevolutionswinter in die Eiszeit zurück, inklusive Mammuts, die da auftauchen. Das ist sicher keine „richtige“ Phantastik, aber voller wundervoller, eindringlicher phantastische Wortbilder und surrealistischer Ideen.
Da muss es doch mehr von geben? Ja - jetzt endlich mal die Lücke geschlossen.
Nicht alle Stories haben die Wucht, die mir von „Die Höhle“ in Erinnerung bleiben, aber einige schon. So diese seltsame Geschichte eines Mönchs, der in einem Kloster auf ein Zeichen wartet. Da sind dann auch einmal recht drastische, aber auch schwärmerische Sätze, die mich unabhängig von der Geschichte in ihren Bann zogen.
Oder „Die Augen“: Wir sehen die Welt durch die Augen eines Hundes, die aber irgendwie menschlich sind. Ja, so wie „Wir“ als Vorbild für „1984“ und „Schöne neue Welt“ gilt, erinnerte mich die Story an ein mögliches Vorbild für „Animal Farm“ - und vor allem auch für Bulgakows „Hundeherz“. Eindringlich, wundervoll geschrieben. - Dabei nutzt der Autor oftmals, meist zu Beginn, um die Ausgangsituation zu umreißen, ganz kurze Sätze, fast wie Regieanweisungen im Theater. Aber das reicht für das Kopfkino und dann kommt ja auch mehr†¦
Das Wiederlesen mit „Die Höhle“ gelang. Ja, sowas kann ja schnell daneben gehen, und man beraubt sich einer großartigen Erinnerung, indem man etwas nach langer Zeit noch einmal liest. Aber nein, war stark - mit Mammut und Über-Mammut.
Ähnlich stark ist auch „Mamai“. Ähnlich wie in „Die Höhle“ geht es um den Verlust der Zivilisation im nachrevolutionären Russland (Petersburg). Interessanter Weise spielt der Besitzt von Büchern in beiden Texten eine gewisse Rolle, in „Mamai“ mehr natürlich.
Und ich lernte die „Große und Freie Kammer der Affen“ kennen und weiß, dass Samjatin wohl etwas für großen Busen übrighatte. Aber nein, frauenfeindlich oder so war er nicht, eher im Gegenteil, in seinen frühen Erzählungen ergreift er Partei für von patriarchalischen Verhältnissen unterdrückte Frauen, vor allem in der Dorfbevölkerung. Richtig starke Erzählung, hart, kompromisslos: „Der Bauch“ (einer Schwangeren†¦)
Usw. Insgesamt ein sehr kurzweiliges, überraschendes, kurioses, teilweise absurdes Leseerlebnis, anrührend und für mich fesselnd.
9 / 10 Punkte

 

Addison E. Steele: „Buck Rogers“
Was lese ich denn da? Ein Romänchen, nach einem Filmskript? Ja, ich muss quasi: Denn das Buch stammt aus der Feder von Richard A. Lupoff, und ich hatte mir ja eine Weltenreise durch die Zeiten mit den Romanen von Lupoff vorgenommen. Das ist kein Mega-Projekt, denn es gibt da nur 5 Romane, die für mich in Frage kommen, die es auf Deutsch gibt von dem Autor und keine Serienbeiträge sind.
Na ja, klar, der Roman gehört in eine Serie. Von Lupoff selbst gibt es sogar weitere Buck-Rogers-Bücher, aber nicht auf Deutsch.
Also, für mich ist das Roman Nr. 4 und ich bin jetzt im 25 Jh.
Und gefallen hat mir der Roman durchaus, fand ihn ansprechender als den Film, den ich mir auch gleich noch mal angesehen habe, seit den 80ern das erste Mal wieder.
Die Handlung ist fast mit der im Film identisch, was es an Unterschieden und aus meiner Sicht Bemerkenswertes zu berichten gibt, kann man dann gern im NEUEN STERN nachlesen.
7 / 10 Punkte

 

Dimitry Glukhovsky: „Text“
Keine Phantastik, der Roman spielt 2016 in Moskau und zeigt exemplarisch am Protagonisten, wie schnell man dort ins gesellschaftliche Abseits gerät. Am Rande interessant: Ist ja mein 2. Glukhovsky-Roman dies Jahr und in beiden spielt das Smartphone eine entscheidende Rolle; hier sogar mehr als in „Outpost“.
Über einen jungen Mann, der 7 Jahre zu Unrecht im Lager verbrachte, sich rächt und dann ein Weilchen ein „falsches Leben“ führt. Endet tragisch.
9 / 10 Punkte

 

Peter Schünemann: „Nachtmahr“
Manuskript. Erscheint in der Edition Dunkelgestirn von Eric Hantsch 2022.
Das Buch las ich aus gegebenem Anlass vorab. Es handelt sich um eine Sammlung Dunkler Phantastik, die eindeutig im Fahrwasser der Großen Alten von HPL & Co. schwimmt. Der Autor kleidet den Kosmischen Schrecken aber in das Hier und Heute, in die deutsche Gegenwart. Der fiktive Ort des Geschehens ist die Stadt Hallberg. Nun, Peter Schünemann wohnt in Halle an der Saale. Wer also aufgrund von Ortskenntnissen über die reale Stadt Halle sich bei den Schilderungen aus Hallberg an das Eine oder Anderer erinnert fühlt, ist das nocrmal. Mir, als Hallenser, ging es jedenfalls so.
Aber auch jenseits dieses Lokalkolorits bekommt der oder die Leser/in die volle Palette kosmischen, psychologischen und anderen Horrors geboten, stimmungsvolle Apokalypsen, Psychosen, blutige Rituale und, bei aller Finsternis, dennoch irgendwie erhabene, unfassbare Dimensionen, die sich da andeuten. Und das alles sozusagen aus der mitteldeutschen Nachbarschaft.
Ich nehme an, das Buch erscheint im vierten Quartal des Jahres, seit gespannt!
(ohne Wertung, aber im Grund gebe ich hier gerne 10 Punkte, bin aber nicht unvoreingenommen)

 

Vladimir Sorokin: „Die rote Pyramide“
Erzählungen
Wollte das Buch eigentlich in unserem Aelita-Spezial des Neuen Sterns besprechen. Doch wie soll ich das? Kann das überhaupt jemand?
Ist ja nicht wirklich Phantastik, obwohl verrückt und abgedreht und phantastisch genug, als dass es zu den „Grenzgängern“ passen würde, die wir im Neuen Stern ja gerne vorstellen. Aber was mein Problem ist: Ich verstehe - mal wieder - nicht wirklich, was der Autor hier erzählt.
Ein paar Geschichten sind durchaus eindringlich: Die bäuerliche Idylle, die nur durch die Nennung eines Datums am Ende das Ende dieser Idylle andeutet. Oder die Titelstory, über eine verfehlte Liebe, eine 08/15-Karriere in der Sowjetunion, die durch einen Herzschlag (nehme ich mal an) beendet wird, bei dem der Protagonist und Sterbende die „rote Pyramide“ endlich sieht, die den gesamten Roten Platz in Moskau bedeckt und das „rote Rauschen“ verbreitet. Aber wozu? Schon hier lässt mich der Autor im Regen stehen.
Es gibt viel Sex, meist in seltsamen Zusammenhängen geschildert. So z.B. parallel zur Schilderung der Wirkung von Superbomben, die im Meer gezündet enorme Sturmwellen erzeugen. Oder als frühes und wohl prägendes Pionierlagererlebnis in der Sowjetunion, das ein Junge beobachtet, der dann zum skrupellosen KGB-Agenten wird.
Es gibt wieder die für Sorokin typischen dadaistischen Ausführungen, denen zu folgen höchste Konzentration abfordert, die aber - so mein Eindruck - dann doch eher zu nix führen (oder?).
Es gibt Erzählungen, die fangen irgendwie an und enden völlig anders. Da einen Zusammenhang innerhalb der Geschichte zu finden, fiel mir auch schwer.
Also? empfehlen? Na ja, mal so richtig den Kopf frei kriegen und einfach nur Staunen über Unmögliches, dafür ist es gut. Zuviel brauche ich aber nicht davon.
7 / 10 Punkte

 

Arkadi & Boris Strugazkij: „Die Last des Bösen“
Eigentlich wollte ich das Buch ausführlich rezensieren, für den Aelita-Spezial-NEUEN-STERN. Aber nach der Lektüre mute ich mir das nicht zu, d.h., ich traue es mir nicht zu, das Werk adäquat besprechen zu können. Warum? Ich glaube, ich verstehe es nicht.
Es ist das letzte Gemeinschaftswerk und nach der „Wende“ erschienen. Was haben uns die großen SF-Heroen der UdSSR für die „neue Zeit“ mitzugeben? Ich finde ja, sie haben schon lange vorher sehr viel zu der Zeit, die wir jetzt erleben, geschrieben. Zuerst (Mittag, 22. Jh.) viel zu optimistisch, dann aber doch mit so starker Skepsis, was den „neuen Menschen“, den der Kommunismus hervorbringen sollte, anbelangt, gegenüber Bürokratie und unmenschlichen Auswüchsen der Staatsordnung etc. Hatte letztens in „Das lahme Schicksal“ diesbezüglich nicht schlecht gestaunt, insbesondere in den Teilen, die bereits in den 60er Jahren geschrieben wurden.
Und hier? Ach, ich weiß nicht. Ich komme nicht mit klar.
Ein interessanter Aspekt ist der der „Flora“-Kinder, also der Kommune der Jugendlichen Aussteiger vor den Toren der Stadt Taschlinsk (Strugazki-Fans kennen die sicher). Den „alten weißen Menschen“ der Stadt missfällt deren moralischer Verfall, der Drogenkonsum, die Arbeitsfaulheit etc. Sind halt Hippies, würde ich mal sagen. Und ein Dorn im Auge der Bürgerschaft. Die sollen weg.
Sie haben unter den Alten nur einen Führsprecher: G.A. Nossow. Über ihn wird auch viel erzählt, auch wenn am Ende man eigentlich zugeben muss, dass man nicht viel über ihn weiß. Aber wie der Konflikt dann endet (Pogrom oder nicht?), kann ich jetzt nicht mal sagen.
In den Überlegungen zu diesen Arbeitsverweigerern mischt sich ein Element, das ich auch schon im „Lahmen Schicksal“ wahrnehmen konnte. Die Autoren machen sich Gedanken über die Welt der Arbeit der Zukunft und meinen, dass zunehmende Automatisierung menschliche Arbeit obsolet wird. Insofern sind die „Flora“-Kinder nur Vorreiter einer ohnehin eintretenden gesellschaftlichen Entwicklung.
Parallel erscheint eine mythologische Gestalt: Ahasver. Seine Geschichte wird in Extrakapiteln erzählt - wohl anders, als sie in den christlichen Geschichten des Mittelalters zu finden ist. Hier ist es ein eher ungehobelter Kerl aus Galiläa, der dann die Identität eines Mannes namens Ahasver annimmt - und wohl auch dessen unheilige Rolle, durch die Zeiten zu wandern. Er hat es erst mal nicht leicht, aber die Erlebnisse läutern ihn wohl. Am Ende ist er ein geheimnisvoller, aber durchaus höflicher Mensch. Aber echt: Ich weiß nicht genau, was er in dem Plot für ein Funktion hat. Ist er der mythische Kosmokrat, der dann fast zum Schluss genannt wird, der „mythische Antichrist“?
Ja, vielleicht bin ich zu doof dafür, oder die Autoren haben sich hier verrannt?
Typisch für die komplizierteren Werke der SF-Brüder ist, dass sie aus 2 Bestandteilen zusammengesetzt wurden. Das ist beim „Lahmen Schicksal“ so, auch bei „Die Schnecke am Hang“, auch „Der Montag fängt am Samstag an“. Vielleicht ist das Teil des Problems; deshalb erscheinen sie so kompliziert, weil dem Leser die Herstellung des inneren Zusammenhangs der Teile misslingt (also mir).
Ein paar Sachen werden angesprochen, aber überhaupt nicht ausgeführt. So hätten mich die mehrmals erwähnten astronomischen Phänomen der „Sternenfriedhöfe“ näher interessiert. Oder was die Erwähnung eines Malers namens Adolf Schickelhuber zu bedeuten hat (und warum der dann nicht gleich Schickelgruber heißt).
Der Lehrer G.A. ist Leiter eine Schulform namens Lyzeen, die überall entstehen sollen. Aber leider scheitert das Projekt, eine „Elite-Förderung“ ist nicht gewünscht (im Sozialismus). Auch hier eine Parallele zum „Lahmen†¦“: Die im Volk verwurzelte Intellektuellen- und Bildungsfeindschaft.
Aber insgesamt: Viele Fragezeichen, daher auch keine Wertung; die maße ich mir nicht an.




Foto

NEUER STERN 79

Geschrieben von T.H. , in Neuer Stern 08 April 2022 · 650 Aufrufe

NEUER STERN 79 Und schon gibt es die nächste Ausgabe: der NEUE STERN 79 ist da! - Zusammen mit dem Nachdruck des „Schwarzen Sterns“, der Ausgabe 78 mit dem Peter-Schünemann-Weird-Fiction-Schwerpunkt. Ich hatte darüber berichtet, dass mir die Hefte abhanden gekommen sind - auf dem Postweg verschwunden. Nun gab es Nachschlag und diejenigen, die sehnsüchtig auf das Heft warteten, bekamen jetzt gleich zwei.
Das neue Heft ist ein „normales“, ziemlich rezensionslastig; hier der...

...Inhalt 79:
Thomas Hofmann: Editorial
Paul Scheerbart: Die andre Welt
Thomas Hofmann, Rezi zu: Cixin Liu, Die wandernde Erde
Bernd Wiese, Rezi zu: Uwe Post, Klima-Korrektur-Konzern
Peter Schünemann, Rezi zu: Juli Zeh, Leere Herzen
Uwe Schimunek: Sterne für den Stern
Clemens Nissen: Allein im All
Thomas Hofmann, Rezi zu: Walter Tevis, Spion aus dem All
Bernd Wiese, Rezi zu: Montezuma (hg. v. Dangel & Hantsch)
Lars Dangel, Rezi zu: Gespiegelte Fantasie. Franz Rottensteiner (hg. v. Haitel & Weigand)
Lars Dangel: Der "Vincent-Preis". Ein polemischer Abgesang
Peter Schünemann, Rezi zu: Freda Warrington, Dracula
Volker Adam, 3 Rezis zu: Lauren Beukes (Moxyland, Zoo City, Shining Girls)
Bernd Wiese, Rezi zu: Algernon Blackwood, Der Zentaur

Also, eine bunte Mischung auf 44 + 4 Farbseiten.
TiBi wieder von Bernd Zeisberg (wie 77)


Foto

Lies mehr Meyrink!

Geschrieben von T.H. , in Phantastisches Halle & Le... 07 April 2022 · 611 Aufrufe
Meyrink
Lies mehr Meyrink! Dieser Aufforderung will ich nach dem Vortrag von Christoph Sorger gerne nachkommen. Das war nämlich die Quintessenz seiner Ausführungen, insbesondere auf die Erzählungen bezogen, die er seinen Zuhörern und Zuhörerinnen an dem Abend ans Herz legte.
Nun, ich habe Meyrink ja schon gelesen - die Romane vor allem - Golem, Walpurgisnacht, Das grüne Gesicht, auch Erzählungen. Aber all das ist schon wieder so lange her und das, was der Referent uns davon berichtete, kam mir mitunter unbekannt vor. Hab wohl viel vergessen. Als ich z.B. den Golem las, noch die DDR-Ausgabe, waren mir viele kabbalistischen und anderen esoterischen Verwicklungen gar nicht geläufig. Ich glaube, heute würde ich das Buch ganz anders lesen. Also: Zeit, mal wieder Meyrink zu lesen!
Herr Sorger hatte es aber auch drauf, den Gegenstand seines Interesses zu dem der Zuhörer zu machen. Er gab eine intensive biographische Übersicht in hoher Informationsdichte (die eine Fragerin sogar anmerkte, was der Referent dann auch bestätigte: Es ist gar nicht so leicht, viel über M.s Leben herauszufinden, vieles ist auch von Legenden umwoben), bebildert, und erzählte von dessen Werken, wie sie entstanden, welche Hintergründe damit oftmals verbunden waren. Es ging sehr viel - kein Wunder bei einem „Mythologen“ - um die okkulten Interessen des Autors, die weit größer waren, als ich vermutet hatte. Es schien so gar so zu sein, dass die ersten Grotesken, in den auch esoterische, magische, phantastische Elemente vorkamen, für Meyrink in erster Linie halt Mittel waren, genau diese Ideen zu verarbeiten; nicht, wie man denken mag, dass es genau anders herum sei, also die Groteske, das Anklagende, etc. im Zentrum stand. Aber die spitzen Attacken in den Grotesken vor allem gegen Nationalisten, Patrioten und vor allem Militärs lagen dem Autor wohl auch sehr am Herzen: Das war für ihn eine Möglichkeit, mit seinen Feinden abzurechnen. Ich habe einige für mich Neues und wohl verschütt Gegangenes (wieder) entdecken können: Über den Dandy Meyrink, den am Ende erfolglosen Bankier, den reich ins Erwachsenenleben Entlassenen, der aber halt kein Geschick im Umgang mit Geld bewies - ja, so kann man das auch ausdrücken, den Okkultisten und Esoteriker. In welcher esoterischen Vereinigung seiner Zeit war er denn nicht?
Zum Schluss ging es um den letzten Roman Meyrinks, „Der Engel am westlichen Fenster“. Ich kann verkünden: Der liegt bei mir schon seit Monaten auf dem SUB, weil ich mich schon längst mal intensiver literarisch mit Dr. Dee beschäftigen will. Nun, die Ausführungen des Referenten gaben dieser meiner Absicht mal wieder einen ordentlichen Schubs. Vielen Dank auch dafür!

Den Titel der Veranstaltung, die den Auftakt einer neuen Veranstaltungsreihe des Arbeitskreises vergleichende Mythologie Leipzig war (Literarische Gespräche), ist recht lang und sperrig; darin wird ja gleich ein großer Teil des Pulvers verschossen, den der Vortrag haben wird, dachte ich eingangs. Na ja, es kam aber viel besser als ich dachte.

Der Ort des Geschehens ist eine Villa, in einem Villenviertel Leipzigs, in Gohlis. Das Budde-Haus ist sicher nicht das am schicksten renovierteste, aber offensichtlich das kulturell interessanteste Haus der Gegend. Auch das für mich eine Neuentdeckung, die mehr meiner Aufmerksamkeit verdient hat!
Fotos kann ich gar nicht anbieten, denn die Beleuchtung war nicht optimal; ich hatte sogar Befürchtungen, dass der Referent sein eignes Konzept nicht lesen konnte. Da könnte man noch mal drauf achten beim nächsten Mal.

Eingefügtes Bild

Weil ich kein Foto geschossen habe, lichte ich mal die Erzählungsbände ab, die ich von M. habe - also, ich kann ja gleich loslegen mit der Lektüre! Und als Blickfang die Eintritts-Visitenkarte des Abends. Als Moderator stand aber nicht Elmar Schenkel zur Verfügung, sondern Birgit Scheps-Bretschneider.

[6. APRIL 2022 UM 19:00 Budde-Haus, Leipzig - Literarische Gespräche: Phantastisch Reales und real Phantastisches im Werk Gustav Meyrinks]


Foto

Ulf Ragnar Berlin im Haus des Buches, Leipzig, 24.03.2022

Geschrieben von T.H. , in Phantastisches Halle & Le... 27 March 2022 · 709 Aufrufe
FKSFL, Ulf Ragnar Berlin
Ulf Ragnar Berlin im Haus des Buches, Leipzig, 24.03.2022 Das Foto: Moderator Manfred und der Autor & Künstler; wer der Herr ganz links im Bild, weiß ich nicht.
moderiert hat Manfred Orlowski

Das Jahr 2022 war für mich kein gutes bisher, was Veranstaltungen anbelangt. Klar, die Seuche tat ihr Ihriges, also verhinderte viel, aber es gab eben auch persönliche und private Dinge, die mich immer wieder daran hinderten, Veranstaltungen zu besuchen, auch schon gebuchte, oder wo ich meine Anwesenheit fest zusagte.
Aber nun: Ende März war ich bei „meiner“ ersten Veranstaltung des Freundeskreis SF Leipzig. Endlich. (Und fast hätte es wieder nicht geklappt, weil halt diese persönlichen Kalamitäten noch nicht ausgestanden sind.)
Zu Gast war jedenfalls ein (fast) Hallenser: Ulf Ragnar Berlin.
Ulf ist seit geraumer Zeit in Halle ansässig, gehört aber doch eher zur Kleinkunstszene von Darmstadt. Dort wurde er quasi sozialisiert und er ist da sicher auch ein bisschen stolz drauf, die Darmstädter alternative Kulturszene bereichert zu haben. Zu Recht!
Für die Leipziger was das auf jeden Fall Grund genug, ihn einzuladen.
Eine Lesung? Ja, zum Teil, Ulf hat ja auch geschrieben und veröffentlicht. Zuletzt erschienen Stories übrigens im NEUEN STERN, nur mal so am Rande. Aber auch für WhiteTrain, z.B., hat er viel gemacht. Mir ist er vor allem aus der Anthologie „Dirty Cult“ bekannt, die er ja auch herausgab. (†¦und zu der es mal eventuell hoffentlich eine erweiterte Neuauflage geben wird)
Zu Gehör brachte er eine Piraten-Geschichte, schön gelesen, mit Verve und Spannung.
Aber sein Hauptaugenmerk liegt auf der Malerei. Und so hat er uns mit einer schönen Lichtbildpräsentation seine Gemälde und Grafiken nähergebracht, über seinen künstlerischen Werdegang erzählt, von Maltechniken und Experimenten mit verschiedenen Sorten Öl, auch Speiseöl, berichtet. Ein solches „Experiment“ hatte sogar unangenehme Folgen. Ja, was man so alles für die liebe Kunst macht†¦
Sowohl in der Malerei, als auch in seinen Erzählungen ist er vor allem der Dunklen Phantastik verpflichtet. Der Totenschädel ist sein beliebtestes Sujet - in allen Lebenslagen, also, sozusagen†¦
Faszinierend fand ich aber auch seine sexualisierten Pflanzendarstellungen; so will ich das mal bezeichnen. Was man so alles in der Mandragora-Wurzel sehen kann!
Ein schöner, interessanter, inspirierender Abend, den leider viel zu wenige Gäste erlebten. Aber wer Ulf Ragnar Berlins Werke kennen lernen möchte, hat z.B. noch mal zum ElsterCon im September des Jahres eine Chance, da werden wohl die Gemälde ausgestellt.

Referenzen:
Ulf Ragnar Berlin im Internet
Der Freundeskreis SF Leipzig, mit Infos zum ElsterCon






Datenschutzerklärung

Diese Blog-Seite ist Teil des www.scifinet.org. Die Datenschutzerklärung von www.scifinet.org:

 

http://www.scifinet....chutzerklärung/

Motto

„Die Welt der Kunst & Fantasie ist die wahre, the rest is a nigthmare.“ 

Arno Schmidt

 

Er weiß nun auch, was er gegen die … lauernde Stupidität, die sich als Realismus ausgibt, zu tun hat: das Bild von Wirklichkeit eingrenzen, sie mit ästhetischem Maß und nur mit diesem messen, den Schritt in surreale Reiche wagen."

(aus: Gunnar Decker: Franz Fühmann. Die Kunst des Scheiterns. Eine Biographie. S. 201)

Thomas Hofmann, ein Phantastik-Fan

Angehängtes Bild: Demiurg_g.jpg

© Thomas Hofmann

____________

.

Als Freund der phantastischen Künste artikuliere ich mich seit ca. 1988. Vielleicht kennen einige von Euch meine Zeichnungen. War auch als Rezensent im Fandom unterwegs, einst vor allem im leider nicht mehr existenten Fanzine SOLAR-X, neuerdings im NEUEN STERN (kein Fanzine, nur ein "Rundbrief...")
Dieses Blog soll den geneigten Leser auf Tipps und Termine in Sachen Phantastik aus dem Raum Halle / Leipzig hinweisen. Einer alten SOLAR-X-Tradition folgend möchte ich auch Berichte zu von mir besuchten SF / Phantastik-Veranstaltungen einstellen.
Ich will immer mal wieder auf die Stammtisch-Termine meines Heimat-SF-Clubs, des ANDROMEDA SF CLUB Halle und auf die Veranstaltungen des Freundeskreis SF Leipzig hinweisen.

Man wird hier auch die eine oder andere Rezension zur Phantastik aus alten Tagen von mir finden, von denen zumindest ich meine, dass sie nicht völlig dem Vergessen anheim fallen sollen.

Mehr als Merkhilfe für mich, aber vielleicht auch als Anregung für den einen oder die andere Leser/in wird hier meine kommentierte Leseliste zu finden sein.


ratte.gif

Neueste Kommentare

Archiv

pforte.jpg

 

Bücher, die weitestgehend von mir illustriert wurden:

 Sagen der Oberlausitz, Nordböhmens und angrenzender Gebiete; Oberlausitzer Verlag A. Nürnberger, 1990

 Sagen der Oberlausitz..., Band II, ebd., 1991
 Oberlausitzer Kochbuch mit historischen Betrachtungen, ebd., 1991
  Märch. d. Bergwelt, ebd., 1991

 Wilko Müller jr. & Renald Mienert: Die Zeitläufer, Solar-X-Prod., 1994
 Das große Dorfhasser-Buch, Aarachne, Wien, 2000
 Christian v. Aster: Nachmieter gesucht, midas 2000
 Von dunklen Kräften und alten Mächten, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2001
 Das große Verwandtenhasserbuch, Aarachne, Wien 2001
 N. Rensmann: Ariane, Bastian, Luzifee und Co., K&C Buchoase,Solingen, 2001
 Felten & Streufert: Gänsehautgeschichten, K&C Buchoase, Solingen, 2001
 Spinnen spinnen. Die Anthologie zu nützlichen Tieren, Aarachne, Wien 2002
 Peter Brandtstätter: Von Schmetterlingen und der Liebe..., Wien, 2002
 Feenmond, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2002
 Ruf der Ferne, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2003
 Frank Haubold: Das Geschenk der Nacht. Phantastische Erzählungen, EDFC e.V., Passau, 2004
 Das Mirakel, Phantastische Erzählungen, EDFC e.V., Passau, 2007
 Rose Noire, Anthologie im Voodoo-Press, 2009
 Michael Knoke: Das Tal des Grauens, Voodoo-Press, 2010
 Michael Siefener: Die Entdeckung der Nachtseite, Verlag Lindenstruth, 2011

 A.G.Wolf: Die weissen Männer, VP 2013
 Tobias Bachmann, "Liebesgrüße aus Arkham", Edition CL, 2016

 A.G.Wolf: Die weissen Männer, KOVD 2020 (Neuauflage)

â– 

Bücher, an denen ich mich beteiligen durfte:
 Der Abenteuerwald. Phantastische Nachwuchsanthologie, Kreutziger Verlag, 1996
 Das Herz des Sonnenaufgangs, Eine Alien Contact Anthologie, 1996
 Liber XIII und andere unerwünschte Nachlässe, Goblin Press, 1999
 Lichtjahr 7, Freundeskreis SF Leipzig e.V., 1999
 Von kommenden Schrecken, Buch zum ElsterCon, Leipzig, 2000
 Der Erstkontakt. Stories und Bilder aus dem Perry-Rhodan-Wettbewerb, Berlin, 2001
 Phantastik 2002, Taschenkalender, 2001
 Michael Lohr, Gemurmel aus dem Buch der Drachen, 2001
 Hysterisch funktionieren, Aarachne, Wien. 2002
 C. Bomann: Anthrins Kind, Abendstern-Verlag, Parchim, 2002
 C. Bomann, Parchimer Hexengeschichten, Abendstern-Verlag, Parchim, 2002
 Des Todes bleiche Kinder, Abendstern-Verlag, Parchim 2002
 Geschichten von Phönix und Sperling. Buch zum ElsterCon, Leipzig, 2002
 Cover: Wilko Müller jr.: Operation Asfaras, Ed. Solar-X, 2003
 Alien Contact Jahrbuch 1 für 2002, Shayol, 2003
 Alien Contact Jahrbuch 2 für 2003, Shayol, 2004
 Alien Contact Jahrbuch 3 für 2004, Shayol 2005
 Cover: Carl Grunert: Der Marsspion, DvR, 2005
 G. Arentzen: Christoph Schwarz, Detektiv des Übersinnlichen, Bd. 1 bis 6, Romantruhe, 2005
 M. Borchard: Der Zeitarzt, SF Blues Bd. 4, edfc, 2005
 Cover: Wilko Müller jr. & Renald Mienert: Die Zeitläufer, Ed. Solar-X, 2005
 Cover: Carl Grunert: Im irdischen Jenseits, DvR, 2005
 Cover: Carl Grunert: Zukunfts-Novellen, DvR, 2005
 Markus Kastenholz: Tiamat 1 - Asche zu Asche, VirPriV-Verlag, 2005
 Welt der Geschichten 1, Web-Site-Verlag, Mai 2006
 Cover: Wilko Müller jr.: Mandragora, Ed. Solar-X, 2006
 Kastenholz, Ippensen: Tiamat 2 - Die Stunde Null, VirPriV-Verlag, 2006
 Nocturno 6, VirPriV-Verlag, 2006
 Alien Contact Jahrbuch 4 für 2005, Shayol, 2006
 Welt der Geschichten 2, 2006 (alte Ausgabe; in der Nachauflage von 2008 sind keine Bilder von mir enthalten)
 Welt der Geschichten 3, 2008 (neue Ausgabe)
 Cover: Bernd Rothe & Astrid Pfister (hg.): Gequälte Seelen; Welt der Geschichten Sonderausgabe, 2008
 Robert N. Bloch: Michael Siefener. Eine kommentierte Bibliographie, Verlag Lindenstruth, 2011
 Frank W. Haubold: Der Puppenmacher von Canburg, Edition Lacerta(eBook) und CreateSpace Ind. Pub. Platform, 2012

 "Saramees Blut", Atlantis 2012

 M. Kastenholz: Projekt Hexenhammer, Printausgabe, 2013

 Simon & Steinmüller: Die Wurmloch-Odyssee, Shayol, 2014
  Richard Kühle: Alraune und der Golem, Goblin-Press, 2015

 Ine Dippmann und Uwe Schimunek: Leipzig mit Kindern, Jaron 2015
 Leipzig - Visionen. Gestern und heute, FKSFL & Edition Solar-X 2015
 Simon & Steinmüller: Die Wurmloch-Odyssee, Memoranda, 2017

 Simon & Steinmüller: Leichter als Vakuum, Memoranda, 2017
 Uwe Lammers, „Mein Freund, der Totenkopf“, Teil 1, 2017

 IF Magazin für angewandte Fantastik # 666, Okt. 2017

 Angela & Karlheinz Steinmüller: Andymon, Memoranda, 2018
 Ferne Welten, Buch zum 14. ElsterCon, 2018
 Angela & Karlheinz Steinmüller: SPERA, Memoranda, 2018
 Angela & Karlheinz Steinmüller: Sphärenklänge, Memoranda, 2019
 Angela & Karlheinz Steinmüller: Der Traummeister, Memoranda, 2020
 Angela & Karlheinz Steinmüller: Marslandschaften, Memoranda, 2020
 Fahrenheit 145, Buch zum 15. ElsterCon, 2020
 Angela & Karlheinz Steinmüller: Pulaster, Memoranda, 2021
(N)IRGENDWO (N)IRGENDWANN. Utopie und Humor. Begleitband zum ElsterCon 2022
♦ Goblin Press. Die frühen Jahre: 1990 - 2004. Eine illustrierte Dokumentation von Uwe Voehl, Lindenstruth 2022 

 

Magazine und SmallPress
Alien Contact, Kopfgeburten, GOTHIC, The Gothic Grimoire, Vanitas, Tanelorn, Fleurie, Bonsai 6 / Zimmerit 5, 1995, Tumor (Sonderheft 8), Andromeda SF Magazin des SFCD 143 / 144, EXODUS 15 / 16 / 17 / 18 / 19 (mit Galerie v. mir, 2006) / 20 / 21 / 22 / 24 / 25 / 27
einblicke. Zeitschrift der Krebsforschung, August 2005,
Watchtower 8 / 9
Die Ruhrstadt-Zeitung 41
ARCANA 6 (2005)
Andromeda Nachrichten 216, 218 / 219, 220, 222, 223, 224
Nova 16 (2010)
Fantastic Artzine 1, Fantastic Artzine. Halb-Zeit, beide 2012

Nova 22 (2014)
Der lachende Totenschädel, Nr. 3 (10 / 2015)
Cthulhu Libria Neo, BuCon-Ausgabe 10/2015

Cthulhu Libria Neo 1, April 2016

Cthulhu Libria Neo 2, Oktober 2016
Cthulhu Libria Haunted Houses, März 2017
EXODUS 36, Juni 2017

Der lachende Totenschädel Nr. 4, Jan.2018

!Time Machine, Januar 2018
IF #7, März 2018

EXODUS 38, 09 / 2018
!Time Machine 2, Januar 2019
!Time Machine 3, April 2020
!Time Machine 4, Januar 2021
Der neue Pegasus Nr. 2, April 2021

!Time Machine 5, Oktober 2021
!Time Machine 6, Januar 2022

â– 

Fanzines

aktuell & laufend NEUER STERN, Solar-X, Fiction Post, Goblin Press Hefte

TERRAsse 27 (zum 60. FörsterCon, April 2019)
TERRAsse zum PentaCon 2019
TERRAsse zum PentaCon 2021

â– 

CD-Cover
 The Beat Of Black Wings: Nightfall; 1999
 Syngularity: The Four Horsemen; 2000
 Gothica: Within A Dream; 2000
 Gothica: Into The Mystic; 2000
 The Beat Of Black Wings: Black Love; 2000
 Gothica, Workbook 1995, 2003

0 Besucher online

Mitglieder: 0, Gäste: 0, unsichtbare Mitglieder: 0

Impressum

Thomas Hofmann

Kontakt: 
Telefon: 0345-7764072
E-Mail: phantastische.ansichten@web.de

Verantwortlich für den Inhalt

nach § 55 Abs. 2 RStV:
Thomas Hofmann 
Kurt-Freund-Str. 18
06130 Halle 

Haftungsausschluss: 

Haftung für Links
Unser Angebot enthält Links zu externen Webseiten Dritter, auf deren Inhalte wir keinen Einfluss haben. Deshalb können wir für diese fremden Inhalte auch keine Gewähr übernehmen. Für die Inhalte der verlinkten Seiten ist stets der jeweilige Anbieter oder Betreiber der Seiten verantwortlich. Die verlinkten Seiten wurden zum Zeitpunkt der Verlinkung auf mögliche Rechtsverstöße überprüft. Rechtswidrige Inhalte waren zum Zeitpunkt der Verlinkung nicht erkennbar. Eine permanente inhaltliche Kontrolle der verlinkten Seiten ist jedoch ohne konkrete Anhaltspunkte einer Rechtsverletzung nicht zumutbar. Bei Bekanntwerden von Rechtsverletzungen werden wir derartige Links umgehend entfernen.