
Bearbeitet von Nanina, 30 Juni 2008 - 21:37.
Geschrieben 30 Juni 2008 - 21:33
Bearbeitet von Nanina, 30 Juni 2008 - 21:37.
Geschrieben 30 Juni 2008 - 22:58
Signatures sagen nie die Wahrheit.
Filmkritiken und anderes gibt es auf simifilm.ch.
Gedanken rund um Utopie und Film gibt's auf utopia2016.ch.
Alles Wissenswerte zur Utopie im nichtfiktionalen Film gibt es in diesem Buch, alles zum SF-Film in diesem Buch und alles zur literarischen Phantastik in diesem.
Geschrieben 30 Juni 2008 - 23:19
Geschrieben 01 Juli 2008 - 07:05
Diese Argumentation scheint mir in zweifacher Hinsicht nicht stichhaltig: - Dystopien entstehen in der Regel nicht, weil der Autor der Ansicht ist, dass er in "gücklichen" Zeiten lebt, sondern sind meist Reaktionen auf aktuelle Tendenzen, die als negativ empfunden werden. - Auf die Gefahr hin, dass wir in eine allgemeine politische Diskussion abriften: Unabhängig davon, als wie gut oder schlecht man die Gegenwart einstuft, frage ich mich, wann es denn so viel besser gewesen sein soll. Das 20. Jahrhundert, in dem Dystopien überhaupt erst richtig in Mode gekommen sind, dürfte als das brutalste in die Geschichte der Menschheit eingehen. Wir müssen uns - bei allem Negativen, was rund um uns geschieht - ganz gehörig anstrengen, wenn wir das 20. Jahrhundert in Sachen Morden und Elend überbieten wollen ... Kurz: Ich bestreite, dass die Zeiten verglichen mit früher so viel düsterer sind, dass deshalb Dystopien unmöglich würden ...Reine Dystopien sind in vielerlei Hinsicht überflüssig geworden. Wirf einfach mal einen Blick in die Zeitung oder hör/schau Dir die Nachrichten an! Wovor soll eine Dystopie Deiner Meinung nach die Leute denn warnen? Dass es noch schlimmer kommen könnte, als sie es eh schon befürchten? Wer soll das denn lesen wollen? Paranoiker und Suizidgefährdete?
Signatures sagen nie die Wahrheit.
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Geschrieben 01 Juli 2008 - 08:24
Ich gehe da mit Simon konform....
- Inhaltlich: Ausser einigen Fanatikern glaubt heute wohl niemand mehr, dass es die perfekte, rationale Staatsform gibt, die den Menschen glückseelig macht. Dem ganzen Konzept, dass es überhaupt Aufgabe des Staates ist, seine Einwohner auf Teufel komm raus zu beglücken, haftet heute etwas Totalitäres an. Der bedingungslose Glaube an Vernunft und Rationalität ist heute nicht mehr vorhanden (wobei man sich durchaus darüber streiten kann, ob es den bei Morus je gab. Ich selbst würde das verneinen).
- Formal: Die klassische Utopie ist langweilig, da sie keinen Konflikt hat, der die Handlung voranbringt. Ein "Reiseführer" zeigt einem Aussenstehenden die perfekte Gesellschaft und doziert ausführlich, warum diese Welt besser ist als alle anderen. Das gibt erzählerisch leider wenig her.
...
Thomas Sebesta/Neunkirchen/Austria
Blog zur Sekundärliteratur: http://sebesta-seklit.net/
Online-Bibliothek zur Sekundärliteratur: http://www.librarything.de/catalog/t.sebesta
Facebook-Gruppe: https://www.facebook...tik.ge/members/
Geschrieben 01 Juli 2008 - 09:14
Wie schon im anderen Post angedeutet: Ich halte diese gesellschaftlichen Erklärungsversuche für wenig überzeugend, denn diese Diagnose könntest Du - als ein Beispiel - auch locker für die 20er und 30er machen (wahrscheinlich sogar für jedes Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts).Die Welt ist heute so voll Utopien (die Politik lebt geradezu davon alles und jedem das Blauvbe vom Himmel zu versprechen) und es gibt eine gewisse Resignation. Man hat die Schnauze voll von Versprechungen - man ist froh wenn das heute klappt. Genauso bei der Dystophie - sieh dich um um und du hast genug Schwarzmalereien - soviele, dass man wiederum froh ist nichts mehr davon zu hören.
Signatures sagen nie die Wahrheit.
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Geschrieben 01 Juli 2008 - 14:03
Wenn ich etwas schreibe, schaue ich nie danach, was gerade in Mode ist. Das tue ich übrigens auch nicht mit der Kleidung und anderem Kram. Für mich gab es einige Tendenzen in der Gesellschaft, deren Extrapolation in die Zukunft mir unheimlich waren und von denen ich auch glaube, dass deren Lösung für einen Evolutionsschub der Menschheit notwendig sind. So entstanden die dystopischen Essays wobei die auch einer Persiflage nahekommen.Mach Dir nicht so einen Kopf, was andere für modern oder unmodern halten. Im Grunde genommen kommt es darauf an, Geschichten auf eine Weise zu erzählen, die die Leute nicht gleichgültig lässt.
Das mag sein, dass wir in einer apokalyptischen Welt leben, deshalb hatte ich auch dieses Bild in das Ausgangsposting gestellt. Das Schlimme ist nicht schhlimm genug und nur die Projektion in die Zukunft kann das Schlimmere zeigen. Das war meine Absicht. Außerdem gebe ich mich nicht mit eine fatalistischen Haltung zufrieden und versuche neben der dystopischen Tendenz wenigstens auch eine Lösung anzubieten. Das habe ich im Roman versucht. Deshalb bemerkte ein Rezensent auch ganz richtig, dass es einen Widerspruch zwischen den Essys und dem Roman gibt.Reine Dystopien sind in vielerlei Hinsicht überflüssig geworden. Wirf einfach mal einen Blick in die Zeitung oder hör/schau Dir die Nachrichten an! Wovor soll eine Dystopie Deiner Meinung nach die Leute denn warnen? Dass es noch schlimmer kommen könnte, als sie es eh schon befürchten? Wer soll das denn lesen wollen? Paranoiker und Suizidgefährdete?
Nein, das tue ich nicht, ich schreibe auch noch einen zweiten Roman als Fortsetzung (mit den Erfahrungen des ersten, versteht sich)Wenn Dir aber ein Thema für eine interessante Utopie oder Dystopie vorschwebt und Du glaubst, es auf eine die Menschen bewegende Art und Weise zu Papier bringen zu können, lass Dich nicht davon abhalten. †¦
Bearbeitet von Nanina, 01 Juli 2008 - 19:31.
Geschrieben 01 Juli 2008 - 14:17
Ich habe das schon damals im anderen Thread geschrieben: Ich glaube nicht, dass es die Aufgabe von Literatur kann oder sein soll, konkrete Lösungen anzubieten. Literatur leidet eigentlich fast immer darunter, wenn sie zum politischen Pamphlet wird; zumindest ist mir kaum ein gelungener Roman bekannt, der "Lösungen anbietet". Dies gilt übrigens zumindest teilweise auch für die klassischen Utopien. Ich bezweifle stark, dass Thomas Morus sein Utopia wirklich als beste aller Welten ansah, die es zu verwirklichen gilt. Vieles von dem, was in Utopia als vorbildlich dargestellt wird, hat vor allem die Aufgabe, die aktuellen englischen Verhältnisse zu reflektieren.Außerdem gebe ich mich nicht mit eine fatalistischen Haltung zufrieden und versuche neben der dystopischen Tendenz wenigstens auch eine Lösung anzubieten. Das habe ich im Roman versucht.
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Geschrieben 01 Juli 2008 - 14:28
Dazu muss ich allerdings sagen, dass ich anfangs nicht genau wusste auf welche Lösung der Roman heraus läuft. Das ergab sich irgendwie. Da geschehen schon merkwürdige Dinge beim Schreiben. Ich wusste z. B. nicht, dass ich als Atheistin am Schluss noch eine "Neue Religion" zelebrieren würde. Aber Spaß hat es mir beim Schreiben gemacht. Irgendwo bin ich schon der Meinung, dass ich auch aus dem selobsterzeugten Dilemma herauskomme. Aber das ist halt mein Selbstverständnis als Debütantin. Dass es einen Widerspruch zu den Essays gibt, geben wird, war mir von Anfang an nicht klar. Ich habe die Essays als Theorie und den Roman als experimentelle Praxis aufgefasst, dass bin ich so aus anderen Bereichen gewohnt.Ich habe das schon damals im anderen Thread geschrieben: Ich glaube nicht, dass es die Aufgabe von Literatur kann oder sein soll, konkrete Lösungen anzubieten. Literatur leidet eigentlich fast immer darunter, wenn sie zum politischen Pamphlet wird; zumindest ist mir kaum ein gelungener Roman bekannt, der "Lösungen anbietet". Dies gilt übrigens zumindest teilweise auch für die klassischen Utopien. Ich bezweifle stark, dass Thomas Morus sein Utopia wirklich als beste aller Welten ansah, die es zu verwirklichen gilt. Vieles von dem, was in Utopia als vorbildlich dargestellt wird, hat vor allem die Aufgabe, die aktuellen englischen Verhältnisse zu reflektieren.
Geschrieben 01 Juli 2008 - 14:51
... und wenn man versucht hat Utopien zu verwirklichen, dann scheiterte es immer daran, dass die Utopie dem Menschen zuviel abverlangte oder man versuchte sie schlussendlich mit Gewalt umzusetzen. Ich halte zB auch den Kommunismus für eine solche Utopie, die im Versuch sie umzusetzten scheiterte, weil die Umsetzung "menschenbehaftet" war und mit zuviel Gewalt betrieben wurde. Gruß Thomas...Ich bezweifle stark, dass Thomas Morus sein Utopia wirklich als beste aller Welten ansah, die es zu verwirklichen gilt....
Thomas Sebesta/Neunkirchen/Austria
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Geschrieben 01 Juli 2008 - 15:00
Jetzt kommen wir dann gleich ins Minenfeld der Utopieforschung, die sich in eine literarische und eine politisch-soziologische Front aufteilt.... und wenn man versucht hat Utopien zu verwirklichen, dann scheiterte es immer daran, dass die Utopie dem Menschen zuviel abverlangte oder man versuchte sie schlussendlich mit Gewalt umzusetzen.
Ich halte zB auch den Kommunismus für eine solche Utopie, die im Versuch sie umzusetzten scheiterte, weil die Umsetzung "menschenbehaftet" war und mit zuviel Gewalt betrieben wurde.
Signatures sagen nie die Wahrheit.
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Geschrieben 01 Juli 2008 - 18:59
Nein, konkrete Lösungen kann Literatur schwerlich anbieten aber sie kann Visionen erzeugen. Ich denke dabei nur an die Vision von Tolkiens Elben, die man durchaus als eine Vision zur Evolution der Menschheit betrachten kann. Das macht auch den Reiz des "Herrn der Ringe" aus: die Vielfalt der menschenähnlichen Wesen, die bei heutiger Betrachtung sogar - bis auf die Magie - sicher im weitgesteckten Rahmen eines Menschenparkes liegen.Ich habe das schon damals im anderen Thread geschrieben: Ich glaube nicht, dass es die Aufgabe von Literatur kann oder sein soll, konkrete Lösungen anzubieten.
Geschrieben 01 Juli 2008 - 19:39
Wäre LOTR in Deinen Augen also eine Utopie oder eine Form von utopischer Literatur, die anstrebenswert wäre? Wenn man Utopie so weit versteht, ist eigentlich so ziemlich alles Utopie, und Relevanz für die Gegenwart sehe ich darin dann gar nicht mehr ...Nein, konkrete Lösungen kann Literatur schwerlich anbieten aber sie kann Visionen erzeugen. Ich denke dabei nur an die Vision von Tolkiens Elben, die man durchaus als eine Vision zur Evolution der Menschheit betrachten kann. Das macht auch den Reiz des "Herrn der Ringe" aus: die Vielfalt der menschenähnlichen Wesen, die bei heutiger Betrachtung sogar - bis auf die Magie - sicher im weitgesteckten Rahmen eines Menschenparkes liegen.
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Geschrieben 01 Juli 2008 - 19:52
Ich würde hier keine Schubkästen öffnen wollen. Ich halte den LOTR in erster Linie für eine Fantasy-Parallelwelt. Wobei die Völker Mittelerdes durchaus so etwas wie ein Gemisch homanoider Wesen auf verschiedenen Evolutionstufen darstellen. Wobei die Elben die am meisten entwickelte Form der humanoiden Wesen darstellen und damit auch ein Zukunftsentwuf Tolkiens für die Menschen sind. Wenn mich auch die Elben immer sehr an den Jugendstil erinnern, so sind sie doch ernst zunehmen als Vision. Bei aller Begeisterung für die Völker Mittelerdes, wir, als heutige Menschen, finden uns doch eher in den technikbegeisterten Orks wieder, ob wir das wollen oder nicht.Wäre LOTR in Deinen Augen also eine Utopie oder eine Form von utopischer Literatur, die anstrebenswert wäre? Wenn man Utopie so weit versteht, ist eigentlich so ziemlich alles Utopie, und Relevanz für die Gegenwart sehe ich darin dann gar nicht mehr ...
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