


Geschrieben 07 März 2004 - 12:35
Geschrieben 07 März 2004 - 13:42
Geschrieben 07 März 2004 - 13:51
Geschrieben 07 März 2004 - 14:07
Wie der erwähnte Thread "Ansichten zur Phantastik" gezeigt hat, gilt das leider bis heute auch vielfach umgekehrt. Und ein Ende scheint nicht in Sicht. Manchmal scheint es mir, als hätte man als Autor in diesem (Sub-)Genre nicht nur gegen Dünkel von außen, sondern auch von innen zu kämpfen. Ähm ... "ThK"? "... mancher Lehrer staunt, woher ein Schüler ..."? Hat sich da etwa der geschätzte Kollege von NOVA eingeschlichen ...? Grüße, Robert Kerber Das ganzheitliche SystemSchade ist dabei eigentlich nur, dass es anscheinend eine große Zahl von Lesern gibt, die erst dann zu einem Buch greifen, wenn ihnen jemand durch ein Etikett erlaubt: „Das darfst du ruhig lesen, es ist ja keine Science Fiction“.
Geschrieben 07 März 2004 - 14:12
Geschrieben 07 März 2004 - 14:18
Geschrieben 07 März 2004 - 15:48
Geschrieben 07 März 2004 - 16:21
Hi Trurl, auf SF-Fan lief unlängst eine Diskussion um den Qualitätsbegriff (http://www.sf-fan.de...opic.php?t=1019), der hinsichtlich Deiner Fragestellung für Dich evtl. interessant ist - obwohl dort kein richtiges "Ergebnis" zu finden ist.Aber *Geschmack* ist mir als Qualitätskriterium zu wenig.
Generell muß "gute SF" für mich nicht mehr leisten als jede andere "gute" Literatur, egal, wie jeder für sich nun das "gut" definieren mag. Sie bietet allerdings die Chance, die Grenzen ihrer (jeweils beschriebenen) Welt weiter zu stecken als die meisten anderen Genres. Wenn das überzeugend gelingt: wunderbar. Davon ab halte ich nicht viel von der Vorstellung, "gute" SF müsse - im Gegensatz zu anderer Literatur oder über diese hinausgehend - Besonderes leisten, einem höheren Anspruch gerecht werden oder eine Art "literarischer Mission" erfüllen. Ad Astra, Marc-IvoWas soll gute SF leisten, neben dem Unterhaltungswert, der aber nicht umbedingt im Vordergrund stehen soll? Was ist überhaupt gute SF?
Bearbeitet von misc, 07 März 2004 - 18:51.
Geschrieben 07 März 2004 - 16:49
Geschrieben 07 März 2004 - 17:58
Geschrieben 07 März 2004 - 18:32
Geschrieben 07 März 2004 - 19:29
Geschrieben 07 März 2004 - 23:45
Geschrieben 08 März 2004 - 09:21
Geschrieben 08 März 2004 - 10:46
Bearbeitet von Henrik Fisch, 08 März 2004 - 10:47.
Geschrieben 08 März 2004 - 10:52
Geschrieben 08 März 2004 - 11:03
Mit am Anfang war, meinst Du, im Vergleich zum Beginn des Romans, oder?Wichtig ist meiner Ansicht für gute SF auch, daß Sie unsere Realität weiterentwickelt, wobei es unerheblich ist, ob das in einer fiktiven Zukunft/Gegenwart/Vergangenheit oder in den Weiten des Alls bzw. auf unserer Erde stattfindet. Am Ende guter SF ist der Zustand ein anderer, als er es am Anfang war.
Geschrieben 08 März 2004 - 11:13
Geschrieben 08 März 2004 - 11:17
Natürlich Unterhaltung. Aber wie bereits irgendwo erwähnt: Unterhaltung ist für jeden etwas anderes. Der eine findet Kant unterhaltend, der andere Donald Duck. Ich bin auch schnell dabei, Genres zu "verurteilen". Krimis lese ich nicht, historische Romane mag ich nicht etc. Dabei ist das Schwachsinn, denke ich. Einer meiner Lieblingsautoren war (hab alles gelesen - und da in den letzten 5 Jahren also nichts mehr zu entdecken war, weil der gute Mann tot ist, kann ich nicht sagen, dass er noch immer einer meiner Lieblinge ist...) Leo Perutz. Zum Glück kann er das jetzt nicht lesen, aber: Eigentlich hat er Krimis und historische Romane geschrieben. (Er hat Walter Benjamin einmal böse angegangen, weil dieser einen seiner Romane in einer Krimi-Kolumne besprochen hat. Er würde keine Krimis schreiben, sonder Hochliteratur... Aber das war in den frühen 30ern oder Ende der 20er, da konnte man vielleicht noch so hochnäsig sein...). Scheinbar komme ich nun vom Thema ab, aber vielleicht auch nicht. Perutz wird in der Literaturkritik scheinbar immer drei Genres zugeordnet: Krimi, historischen Roman und Phantastische Literatur. Warum meint er, nichts davon zu schreiben? Weil er die Genres "brach". In DER MEISTER DES JÜNGSTEN TAGES (Ecos Vorbild zu DER NAME DER ROSE; zumindest der Teil, den er nicht bei Borges abgeschaut hat - ich mag Eco trotzdem) wird in Ich-Form von seltsamen Todesfällen und deren noch seltsameren Erklärung erzählt. Erst im Nachwort erfährt man, dass möglicherweise der Ich-Erzähler alles nur erfunden hat, um seine Schuld an den Todesfällen zu verwischen. Wem man nun glaubt, ist einem selber überlassen. In DER MARQUES DE BOLIBAR taucht ein ähnliches Vorgehen auf. Diesmal in historischem Gewandt und Einflüssen der Phantastik: Ich zitiere aus einem Essay, den ich mal schreiben wollte, der aber nie zum Abschluss kam: "In diesem Roman greift Perutz ein weiteres Mal (nach DIE DRITTE KUGEL) auf ein historisches Thema zurück. In einer kleinen spanischen Stadt werden zwei napoleonische Regimenter von Guerillas niedergemacht. Wie diese Niederlage geschehen konnte, wird anhand der Memoiren des Leutnant Jochberg gezeigt. Perutz arbeitet hier mit seiner typisch mathematischen Vorgehensweise: Er verrät zuerst das Ergebnis (Vernichtung der Regimenter) und kündigt dann die einzelnen Glieder der Gleichung an: Der Marques de Bolibar vereinbart drei Zeichen mit dem Anführer der Guerillas; bei den ersten beiden sollen sich die Spanier versammeln und in Position bringen und beim dritten schließlich angreifen. Durch Zufall erfahren die napoleonischen Protagonisten von diesem Plan, aber nichts hilft, denn hier kommen die phantastischen Elemente ins Spiel: Zum einen geben die Protagonisten mehr oder weniger ausversehen und ohne es zu wissen, dem Marques das Versprechen, selbst die Zeichen zu geben und zum anderen taucht als Unglücksbringer der Ewige Jude in Gestalt des Franzosen Salignac auf. Dies ist die oberflächliche Handlung, aus der man von einem phantastischen Roman reden könnte. Doch es ist ein wenig komplizierter: Jochberg, der Ich-Erzähler dieser Memoiren, ist sich durchaus der Schuld bewusst, die er an dem Niedergang der Regimenter trägt. Und man kann seinen Bericht auch anders lesen, denn als Tatsachenbericht. Es scheint viel eher so zu sein, dass er die Schuld auf das "Versprechen vor Gott" und den Ewigen Juden abschieben möchte. Das Motiv des "befangenen" und in Zweifel gezogenen Erzählers, soll sich später noch verstärken in dem nächsten Roman, den Perutz schrieb: DER MEISTER DES JÜNGSTEN TAGES. Aber Jochberg schiebt nicht nur die Schuld von sich, er wird am Ende sogar zum Marques: "Mit veränderter Identität verläßt Jochberg die Stadt. (...) Er ist nicht mehr der Besiegte, sondern der Sieger, er hat seine eigene haltlose Existenz eingetauscht gegen die" des Marques (U. Siebauer: Leo Perutz, S. 139). Hier zeigt sich auch schon das Hauptthema Perutz': Ich-Diskontinuität." Worauf will ich hier hinaus? Das es weniger auf das Etikett ankommt, als auf den Umgang mit den Mitteln, die man mit dem Etikett assoziiert. Mich interessiert wenig ein normaler Krimi-Plot. Aber wenn die Fragestellung und die Ausführung eben von dem "Klischee" (oder meiner Vorstellung davon) abweichen, dann kann ich durchaus begeistert sein. Es ist wie in der Musik: Man kann schlecht sagen: Ich mag keinen Jazz. Was ist das für eine Aussage? Mag ich nun Miles Davis nicht oder Monk oder J. Zorn oder Coltrane oder Glenn Miller oder was? Obwohl ich sage: Ich mag keine Volksmusik.Für mich steht - wie bei jedem Werk der Sparte Belletristik - zunächst die Unterhaltung im Vordergrund. Bei SF kommt obendrein eine unzügelbare Spekulationswut des Autors zum tragen. Geschichtserfindungen im Rahmen eines Krimis oder einer Liebesgeschichte sind mir persönlich uz wenig wandlungsfähig. Ich mag mich in die verrückten Gedankengänge eines Autors einarbeiten.
R. C. Doege: Ende der Nacht. Erzählungen (2010)
R. C. Doege: YUME. Träumen in Tokio (2020)
Geschrieben 08 März 2004 - 11:28
Dann ist dieses Buch jetzt der "Aufsteiger der Woche" in meiner To Do Liste.@Rusch:
"Das Drachenei" ist gar nicht so extreme Hard-SF. Oft genug werden auch die sozialen Verhältnisse zwischen den Drachenei-Bewohnern behandelt. So kommt es zum Beispiel zu einer Art religiösem Kult auf dem Neutronenstern, weil die Menschen das Ding mit Laserstrahlen (oder waren es Röntgenstrahlen?) untersuchen und einer der Bewohner den Strahl als göttliche Nachricht aus dem Himmel interpretiert. Ich versprche Dir: Wenn Du mit dem dem Buch anfängst, dann liegt erst einmal ALLES andere brach!
Bearbeitet von Rusch, 08 März 2004 - 11:30.
Geschrieben 08 März 2004 - 11:35
Ein sehr interessanter Thread mit klugen Überlegungen, sachlich behandelt. Vorläufig möchte ich mich der Meinung unseres "Gastes" voll anschliessen. Ja, und: natürlich urteilen wir alle erstmal "aus dem Bauch" heraus. Und das Urteil ist die Quintessenz all dessen, was wir an Erfahrungen gesammelt haben. Wir betrachten ein Ding und stellen fest "wie schön!". Subjektive Kriterien, gewiss, die uns dazu veranlassen - aber auf Basis objektiv gemachter Erfahrungen. Es gibt Leute, die haben das, was man einen "guten Geschmack" nennt - andere nicht. Das mag an der Fülle der Erfahrungen liegen, an denen der Geschmack gereift ist, und an deren Qualität - vielleicht auch noch an was anderem. Intelligenz? Fantasie? Talent? Was immer...Bei SF, wie auch Literatur anderer Gattung, steht als wichtigster Aspekt an erster Stelle bei mir der Unterhaltunswert. Aber wenn ich genauer und diffenrenzierter werten möchte, schlüssel ich auf nach Handlung, Originalität, Konsistenz der Ideen und der Welt, Charakterisierung und wie mir die Charaktere gefallen haben. Wobei ich festgestellt habe, das ein Roman oder ein Story besser abschneidet, wenn sie einen starken Plot hat und originell ist, und eine eher schwache Charakterisierung, als umgekehrt. >Darf SF wirklich alles? Ja. Gerade die Bandbreite in der SF ist es, was ich so an ihr liebe, sei es Hard SF ala Greg Egan, oder SF ala Dick und anderer. Das einzige was mir sauer aufstößt, ist wenn ein Autor inkonsistent ist in der Beschreibung der Welt, die er sich ausdenkt.
Geschrieben 08 März 2004 - 11:38
R. C. Doege: Ende der Nacht. Erzählungen (2010)
R. C. Doege: YUME. Träumen in Tokio (2020)
Geschrieben 08 März 2004 - 17:41
Jain. Die Veränderung muß für mich (Was einschließt, daß Du es selbstverständlich anders sehen kannst ...Mit am Anfang war, meinst Du, im Vergleich zum Beginn des Romans, oder? Da würde ich mal sagen, dass ich das anders sehe. Manche Romane beschreiben keine Veränderungen sondern das Leben in einer zukünftigen Welt. Ein Roman muss nicht unbedingt eine Veränderung am Ende haben, um gut zu sein.
Geschrieben 08 März 2004 - 21:50
Veränderung? Ein anderer Zustand? Ja, wenn du damit die Sichtweise des Lesers meinst.SF ist Literatur, die eine Veränderung/Entwicklung zum maßgeblichen Inhalt hat.
Wichtig ist meiner Ansicht für gute SF auch, daß Sie unsere Realität weiterentwickelt, wobei es unerheblich ist, ob das in einer fiktiven Zukunft/Gegenwart/Vergangenheit oder in den Weiten des Alls bzw. auf unserer Erde stattfindet. Am Ende guter SF ist der Zustand ein anderer, als er es am Anfang war.
Geschrieben 09 März 2004 - 08:30
Geschrieben 09 März 2004 - 18:52
Geschrieben 10 März 2004 - 16:23
Bearbeitet von molosovsky, 10 März 2004 - 18:48.
MOLOSOVSKY IST DERZEIT IN DIESEM FORUM NICHT AKTIV: STAND 13. JANUAR 2013.
Ich weiß es im Moment schlicht nicht besser.
Geschrieben 10 März 2004 - 17:32
Hi molosovsky, Du verwendest HTML-Tags, besser wäre BBCode (in den meisten Fällen: einfach statt der spitzen Klammern <> die eckigen [] verwenden; beim Schreiben eines Beitrags kannst Du die wichtigsten Codes aber auch oben über Buttons vom Board einfügen lassen. Ad Astra, Marc-IvoP.S: Ich hoffe, daß nur mein Browser die Tags nicht umsetzt. Oder mach ich was grob falsch?
Geschrieben 10 März 2004 - 17:37
Geschrieben 10 März 2004 - 20:21
Ich hoffe (gutmenschl) für Dich, Du meinst volkstümliche Musik und nicht Volksmusik.Obwohl ich sage: Ich mag keine Volksmusik.
Bearbeitet von molosovsky, 10 März 2004 - 20:23.
MOLOSOVSKY IST DERZEIT IN DIESEM FORUM NICHT AKTIV: STAND 13. JANUAR 2013.
Ich weiß es im Moment schlicht nicht besser.
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