Seufz! Ich kann nur sagen:Helmut Krausser {UC-Ultrachronos}, Hermann Melville {Moby-Dick}, Douglas Coupland {Microserves} und John Irving {Zirkuskind} - und für Erzählungen/Kurzgeschichten: Saki, Rudyard Kipling, Dashiell Hammett und Arno Schmidt).


Geschrieben 10 März 2004 - 22:11
Seufz! Ich kann nur sagen:Helmut Krausser {UC-Ultrachronos}, Hermann Melville {Moby-Dick}, Douglas Coupland {Microserves} und John Irving {Zirkuskind} - und für Erzählungen/Kurzgeschichten: Saki, Rudyard Kipling, Dashiell Hammett und Arno Schmidt).
R. C. Doege: Ende der Nacht. Erzählungen (2010)
R. C. Doege: YUME. Träumen in Tokio (2020)
Geschrieben 18 März 2004 - 22:13
Bearbeitet von molosovsky, 18 März 2004 - 22:16.
MOLOSOVSKY IST DERZEIT IN DIESEM FORUM NICHT AKTIV: STAND 13. JANUAR 2013.
Ich weiß es im Moment schlicht nicht besser.
Geschrieben 19 März 2004 - 08:45
Bearbeitet von tichy, 19 März 2004 - 08:48.
Geschrieben 19 März 2004 - 12:18
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Ich weiß es im Moment schlicht nicht besser.
Geschrieben 19 März 2004 - 12:34
Geschrieben 19 März 2004 - 15:28
Jaja schon -- ich dachte, vielleicht ist der Auftrag ja irgendwo im Internet zu lesen. Könnte ja sein, bei einem Umfang von 9 Seiten. P&F1 habe ich jetzt durch und will am Wochenende den Versuch einer Zusammenfassung wagen. -- tichyschneller gelesen als das Licht? †¦ denn wo der Eco-Text zu finden ist habe ich erwähnt
Geschrieben 19 März 2004 - 16:02
Na da bin ich echt gespannt. Viel Vergnügen!P&F1 habe ich jetzt durch und will am Wochenende den Versuch einer Zusammenfassung wagen.
Bearbeitet von Trurl, 19 März 2004 - 16:02.
Geschrieben 19 März 2004 - 16:26
Ja, es gibt Aufgaben, an denen man nur scheitern kann. Aber ich werde versuchen, mit Würde zu scheitern!Na da bin ich echt gespannt. Viel Vergnügen!
Geschrieben 19 März 2004 - 19:45
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Ich weiß es im Moment schlicht nicht besser.
Geschrieben 20 März 2004 - 01:49
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Ich weiß es im Moment schlicht nicht besser.
Geschrieben 20 März 2004 - 12:39
Ein klares: Jein. Niemand verbietet der "ernsten Literatur", mit Außerirdischen zu spielen (Schlachthof 5) oder sogar Roman.Musicals zu schreiben, in denen Klöster getarnte Ninja-Killer-Ausbildungsstätten sind: Pynchons VINELAND. Auch ist es nicht "verboten", Wissenschaft einzubauen, seien es Geisteswissenschaften (wenn ich mich nicht irre: Thomas Mann, Dr. Faustus???) oder Naturwissenschaften: Houellebecq, Elementarteilchen... Ich sehe da kein "Mehr" in einer Genreliteratur. Eher ein "weniger" durch die Begrenzung. Wenn es nämlich nicht in die Schublade passt, dann hat es der Text ziemlisch schwer, nicht Alwo?1. Eröffnungssatz: Die SF hat heute Möglichkeiten, von denen die sogenannte ernste Literatur nur träumen kann.
Hah, ich empfinde das Gegenteil als Schwäche - nämlich die Oberflächlichkeit - nicht nur in der deutschen SF.Schwäche der deutschen SF: Hang zur Tiefgründigkeit
Bedeutet das, dass ein Buch dann schlechte SF, aber dennoch ein wunderbares Buch sein kann? Ich bin mir nicht sicher, ob ich solche Kriterien für wirklich brauchbar halte. Man kann natürlich Laßwitz aus der Sicht diverser Genres betrachten: Mann, der schreibt aber schlechte Krimis! Mag daran liegen, dass er, soweit ich weiss, keine Krimis geschrieben hat. Oder aber: Mann, die SF "darin" ist aber lachhaft, weil veraltet... Aber ist das wirklich wichtig für eine Bewertung eines Textes? Natürlich, hier geht es um die Bewertung von SF speziell. Aber ich versuche mit eigentlich solches Schubladendenken abzugewöhnen. Ich finde die Frage wichtiger, ob ein Buch gut "ist" oder nicht, als, ob ein Buch gute SF ist oder nicht. Denn was unterscheidet gute SF von guter Literatur? Am Ende doch nur eine genrespezifische Ausdrucksform. Letztendlich unbestimmbare Motive und Sujets, da sie genauso in anderen Genres auftauchen können. Man kann höchstens darüber streiten, ob ein Raumschiff schon SF macht. Ob ein Alien schon SF macht. Aber auch das ist ziemlich unergiebig, denke ich. Da möchte ich doch mal auf Vonneguts Text verweisen mit dem Titel "Science Fiction" (1965), veröffentlicht in seinem Buch DAS NUDELWERK. Hier schreibt er im ersten Absatz über "einen Roman [den er schrieb] über Menschen und Maschinen, in dem die Maschinen, wie es so geht, häufig besser wegkamen". Gemeint ist DAS HÖLLISCHE SYSTEM. Kritiker sagten, das sei SF. Vonnegut: "Das hatte ich nicht gewußt. Nach meiner Meinung hatte ich einen Roman über das Leben geschrieben, über das, was man so sieht und hört in Schenectady, einer handfesten Industriestadt, die linkisch im miesen Hier und Heute steht. Und seitdem steck ich zähneknirschend im Schubfach ,Science Fiction' und will da raus, zumal es manchen seriösen Kritikern als Pißbecken herhalten muß." Vonnegut meint, dass scheinbar jeder, der Technik zur Kenntnis nimmt, in das SF-Fach gesteckt wird. Er kennt durchaus Leute, die "sich mit Wonne als Sciene-Fiction-Autoren eingeordnet finden und nur mit Schaudern an den Tag denken, wo sie schlicht als Kurzgeschichtenschreiber oder Romanautoren gelten, die auch mal auf technische und wissenschaftliche Dinge zu sprechen kommen". Sf-Autoren haben nämlich ihre Kongresse, ihre Fans und ihre Kollegen, mit denen sie rege Korrespondenz hegen und Sauftouren machen... "Ich habe mich ein bißchen mit ihnen herumgetrieben, und es sind nette, amüsante Kerle, aber jetzt muß ich eine Wahrheit über sie aussprechen, bei der sie steilan die Decke gehen: Es sind Herdenmenschen. Sie bilden eine Art Loge. Wenn sie nicht so viel Spaß an ihrem eigenen Verein hätten, gäbe es die Kategorie Science Fiction nicht. Sie schlagen sich ganze Nächte um die Ohren und debattieren, ,Was ist Science Fiction wirklich?' Genauso sinnvoll könnte man erörtern, ,Was sind Rotarier? Was ist der internationale Orden der Guttempler?'" Dann lässt er sich ein wenig darüber aus, dass (übertrieben gesagt) in nur noch in SF-Magazinen jeder Schund und literarische Scheiß gedruckt wird; aber er "relativiert" ;-) "Geschmacklosigkeit auf diesem Gebiet muß man anderen [als den Herausgebern] vorwerfen - 75 Prozent der Schreiber und 95 Prozent der Leser, und nicht einmal Geschmacklosigkeit, sondern, daß sie kindisch geblieben sind." Also das Gegenteil von Hammerschmitt? Der sieht den Vorteil im "Kindbleiben" der SF? Er erzählt davon, wie er Lehrer war und seine pickligen Schüler auf SF standen. "Die meisten von ihnen haben doch ihren Oberschul-Abschluß geschafft. Und viele lesen jetzt mit heißen Ohren über Zukünfte, Gegenwarten und Vergangenheiten, mit denen niemand zu Rande kommt - 1984, UNSICHTBAR, MADAME BOVARY. Besonders scharf sind sie auf Kafka. Science-Fiction-Verfechter werden sagen: ,Klar! Orwell und Ellison und Flaubert und Kafka waren doch Science-Fiction-Autoren!' Sowas sagen die oft. Manche entblöden sich nicht, sogar Tolstoi einzigemeinden." Dann schreibt er darüber, dass die Verleger und Herausgeber von SF alle sehr gescheit sind und das Schlechte nur drucken, weil so wenig Gutes zu finden ist. Dann lobt er das, denn ab und an sind dazwischen einige "der besten Werke" in Amerika. "Und diese paar wirklich glänzenden Geschichten erscheinen bei ihnen trotz mieser Honorare und einem völlig unreifen Publikum nur, weil die künstliche Kategorie, das Schubfach Science Fiction, für manchen guten Schriftsteller immer Heimat bleiben wird. Diese Schriftsteller sind inzwischen älter geworden und dürfen Große Alte Männer genannt werden. Denn Ehrungen bekommen sie, ihre Loge überschüttet sie damit. Und mit Liebe. Aber die Loge wird zerfallen. Das passiert allen früher pder später. Und dann werden immer mehr Autoren aus dem ,Mainstream' (so heißt in der Science-Fiction-Szene die Welt außerhalb des eigenen Schubfachs) Technik in ihr Erzählen aufnehmen oder ihr zumindest den Respekt zollen, der einer bösen Stiefmutter gebührt. Unterdessen: Falls Sie Geschichten schreiben, bei denen es an Dialog, Motivierung, Charakterzeichnung und gesunden Menschenverstand noch hapert, seien Sie sich nicht zu schade, ein bißchen Physik oder Chemie hineinzurühren, vielleicht sogar Hexerei, und sie bei einem Science-Fiction-Magazin einzureichen."Wenn also z.B. »Auf zwei Planeten« heute mehr unfreiwillige Komik als Abenteurluft verbreitet, ist das ein Minus für die Qualität der SF des Romans. Selbst wenn darin solche noch nicht erreichten technischen Wunderwerke auftauchen, wie sich selbst an der Decke in Schlitze und Fächer wegsortierende Klamotten.
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Geschrieben 20 März 2004 - 13:47
Der Weitbrecht-Verlag hat 1998 eine erweiterte HC-Neu-Ausgabe herausgebracht. Sehr schön. habe sie gerade für 13 Euro (originalverschweißt) antiquarisch gekauft. Für den Bereich Phantastik absolut empfehlenswert. Nach der Einleitung von Zondergeld wird es wohl von ihm keine weitere aktualierte Ausgabe mehr geben. LG DykeWurde der Zondergeld eigentlich ergänzt? Ich habe nur eine Version von 1983 oder so...
Geschrieben 20 März 2004 - 20:56
Ich rüge Hammerschmitt höchstens dafür, daß er diese Grenze zwischen dem Genre SF und der ernsten Literatur nicht selbst klar definiert, sondern scheinbar lediglich reagiert, den Spannung Feuilliton/Fandom Ausdruck verleiht; ich mag halt seine provokante Umkehrung der Aussage »SF ist trivial und hinkt im Anspruch der hohen Literatur deshalb hinterher[/b] †¦Ich sehe da kein "Mehr" in einer Genreliteratur. Eher ein "weniger" durch die Begrenzung. Wenn es nämlich nicht in die Schublade passt, dann hat es der Text ziemlisch schwer, nicht Alwo?
Natürlich muß ich dem widersprechen, wenn mein derzeitiges Bemühen in Richtung »Suche nach objetiven Merkmalen zu Bestimmung von Qualität in der SF« geht. Mit Deiner trigonometrischen Vermessung (emotionelle, intellektuelle und handwerkliche Qualitäten zusammenspiegeln) verfolgst auch Du den Versuch der Objektivierung. Nichts ist rein †¦ außer mit Ariel gewaschene Wäsche : -)Was die Bewertung von Literatur angeht, bin ich ja nach wie vor der Meinung, dass es eine rein subjektive Sache ist.
Finde ich nicht unähnlich der oben von tichy zitierten Aussage von Lem über »intelligenzlose Phantasie« und »phantasielose Intelligenz«.Bedeutet das, dass ein Buch dann schlechte SF, aber dennoch ein wunderbares Buch sein kann?
Die Frage ist Gold wert, denn da kann ich mal klären: ich gebrauche den Begriff Literatur privat allgemein, als überliefertes und vorhandenes Schrifttum, einschließlich Wissenschaft, Musikpartituren und Keilschriften aus Babylon ect.; in diesem Thread beschränke ich mich allerdings auf narrative Texte (die anderen Medien wie Film, Spiel aber im Blick) noch und deren fiktionale Welten. Ergo: SF gehört zur Literatur, nur wird um SF viel Abgrenzerei betrieben und ich versuche zu klären, wie sinnvoll das ist und hoffe im Laufe dieser Klärung einige Dinge korrigieren zu können. Nur weil - sagen wir mal - Star Wars als SF verkauft wird, heißt das noch lange nicht, daß es sich hier um SF handelt (siehe Allotopie) †¦ und an aufschreckende Star Wars-Fans: Friede und langes Leben :-)Denn was unterscheidet gute SF von guter Literatur?
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Ich weiß es im Moment schlicht nicht besser.
Geschrieben 20 März 2004 - 21:14
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Geschrieben 20 März 2004 - 23:10
Ich scheine "Obejktivität" anders zu verstehen als Du. Vielleicht weil ich in erster Linie vom Konstruktivismus geprägt bin? Objektiv würde für mich bedeuten: losgelöst (unbeeinflusst) vom Subjekt. Meine Bewertung ist aber rein (!) subjektiv, da sie meiner subjektiven Einschätzung entspricht, die durch meine subjektiven Erfahrungen geprägt ist. Eine objektive Aussage ist meinem Verständnis nach eine Aussage, die allgemeingültig ist. Und mein Zweifel ist groß, dass man allgemeingültige Aussagen über Literatur geben kann (abgesehen von der Länge des Textes etc.). Für mich kann Vonnegut einer der größten Autoren überhaupt sein, für jemand anderen kann er der unbegnadeste Autor der Welt sein. Und es gibt keine objektive Realität, die eine der Aussagen als richtig oder falsch darstellen kann. Sag mal, Alwo, ich teile ja Deine Ansicht, STAR WARS sei keine SF, aber ich frage mich, wie es bei anderen Dingen steht: 1984? Fahrenheit 451? Die Mars-Chroniken? Schöne neue Welt? Elementarteilchen? Schlachthof 5? Alien? Die Bücher von Miéville? Ich denke, da wird es interessant. Gruß, RalphMit Deiner trigonometrischen Vermessung (emotionelle, intellektuelle und handwerkliche Qualitäten zusammenspiegeln) verfolgst auch Du den Versuch der Objektivierung.
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Geschrieben 20 März 2004 - 23:37
Thomas Sebesta/Neunkirchen/Austria
Blog zur Sekundärliteratur: http://sebesta-seklit.net/
Online-Bibliothek zur Sekundärliteratur: http://www.librarything.de/catalog/t.sebesta
Facebook-Gruppe: https://www.facebook...tik.ge/members/
Geschrieben 21 März 2004 - 15:02
Bearbeitet von molosovsky, 22 März 2004 - 03:12.
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Geschrieben 21 März 2004 - 16:04
Nur, um es richtigzustellen: Vonnegut hat diese mir zugeschriebene Aussage 1965 gemacht. Da sah das noch anders aus. Uidem würde ich die wunderbare Soderbergh-Verfilmung nicht als "Mainstream" betrachten, da sie bei der "Masse" wohl eher durchgefallen ist, weil zu ruhig und zu subtil. Bessere Beispiele wären da wohl Matrix und Herr der Ringe etc.†¦Mainstream' (so heißt in der Science-Fiction-Szene die Welt außerhalb des eigenen Schubfachs)†¦ - eRDe7 - {Auch wenn Gebrauch der Bezeichnungen für verschiedene phantastische Texte in der Öffentlichkeit größtenteils bequemlichem Schludern folgt, kann man heute 2004 nicht mehr bestreiten, daß die SF (von Solaris mit Cloony bis Klingonisch in der VHS) längst im Mainstream angekommen ist. Dies sowohl dem Mainstream als den vermeitlichen Außenseitern klarzumachen wäre ein trefflich Ding.}
Eigentlich meinte ich damit: Kann ein Buch schlecht sein und dennoch gute SF? Kurz interessieren wir uns "nur" für Bücher, weil sie SF sind - oder weil sie gut sind? Entscheiden "wir" uns wirklich für ein BUch, weil da SF drauf steht? Um noch ein paar Fragen hinzuzufügen.Bedeutet das, dass ein Buch dann schlechte SF, aber dennoch ein wunderbares Buch sein kann? - eRDe7 - {Kurz und knapp: Ja.}
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Geschrieben 21 März 2004 - 19:52
Bearbeitet von molosovsky, 22 März 2004 - 11:31.
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Geschrieben 21 März 2004 - 20:35
dies bringt vielleicht noch einige Nuancen mit ins Spiel..Das beste was ich zu diesem Thema gelesen habe, stammte aus dem Vorwort von Andreas [Eschbach-Anm.d.V]' ... Vorwort zu Silverbergs "Es stirbt in mir": Es wird Zeit, dass sich die Science Fiction sich die erzählerischen Techniken und Ansprüche der normalen Literatur aneignen und ihre selbstzufriedene Isolation überwinden (muß)... Heino ...Ich denke, es gibt objektive Kriterien zur Beurteilung des technischen Könnens eines Autoren. Dazu gehören Grammatik, Wortschatz u.ä. Das gleiche gilt für Musiker (Harmonieverständnis, Spieltechnik) oder auch Maler (Pinselführung, Schattenwurf). Da aber jeder Mensch auf das Ergebnis durch die subjektive Wahrnehmung anders anspricht, kann es doch gar keine allgemeingültige Definitition geben... Nepharite ...Qualität als Summe (oder Wie-auch-immer-Verknüpfung) aller potenziell wahrnehmbaren Eigenschaften oder als Summe der wahrgenommenen Eigeschaften? Nehmen wir den Fall an, dass jeder alle Eigenschaften (materielle sowie immaterielle) eines Romanes wahrnehmen kann, dann haben wir aber immer noch keine Wertung: angenommen ein Roman hat genau zwei Eigenschaften A und B. Person 1 bewertet/gewichtet A mit "0" und B mit "1", Person 2 umgekehrt. Wer hat Recht? Wie groß ist die Qualität dieses Romanes? Die Fragen stellen sich bei den wahrgenommen Eigenschaften analog. Es ist offensichtlich, dass nicht die Anzahl der Eigenschaften ausschlaggebend für die Bestimmung des "Verknüpfungsergebnisses" ist -nach dem Motto, je mehr Eigenschaften, desto höher, größer die Qualität-, sondern alleine die Meinung des Einzelnen... bungle ...Die tiefere Schicht des Lesers ist eine Konstante des Menschseins, der Mensch braucht Geschichten, Erzählungen um sich als Mensch zu entfalten und existieren zu können. Ein SF-Roman (warum nicht? ) kann den Mensch als Zeitgenossen mit Unterhaltungsbedürfnis befriedigen, weil er handwerklich gut geschrieben, d.h. spannend und farbig und originell. Aber erst wenn der Roman durch die Geschichte die er transportiert die tiefere Schicht erreicht berührt, dann ist er wirklich gut, besitzt er wahre Qualität...
Bearbeitet von nekropole, 21 März 2004 - 20:37.
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Geschrieben 22 März 2004 - 00:14
Soderbergh hat Oscars bekommen und Kassenmagneten abgeliefert; Cloony ist ein häufiger Cover-Beau; Zielgruppe halt nicht der Äktschn-SF-Mainstream, sondern der Östötik-SF-Mainstream †¦ so what? Vielleicht ist das was Du die Masse nennst, für mich bereits der Pöbel, der Mob und Mainstream hat damit verglichen für mich eine positive, mäßigende Nebenbedeutung. - Bessere Beispiele für Mainstream-Phantastik sind Matrix und LOTR auf jeden Fall, wie auch: Harry Potter, Xena, Herkules, Stargate, Star Trek, Zamonien-Bücher, SF-Mangas, die vielen Superheldenfilme der letzten Monate, voranschreitende Verlagerung von Autoren aus SF/Fantasy-Kategorie in Allgemeine Reihe †¦†¦zudem würde ich die wunderbare Soderbergh-Verfilmung {Solaris} nicht als "Mainstream" betrachten, da sie bei der "Masse" wohl eher durchgefallen ist, weil zu ruhig und zu subtil. - Bessere Beispiele wären da wohl Matrix und Herr der Ringe etc.
Dieses »Wir« macht mich nervös †¦ ich selbst mag Bücher die eigen sind (wie man im Alpenraum formulieren würde). Bücher die wie ein Mensch Sünder und Heiliger zugleich sind, so in etwa. Ich benutze schon auch mal Bücher, um nur reflektionslos abzutauchen, zwecks Entspannung (Brunetti-Krimis, Satterthwaith-Krimis, Sedaris-Kurzgeschichten, Stephen Fry-Romane, Lobo-Comics). - Bei Phantastik habe ich einen gewissen Anspruch, und wenn ich einen elendigen Sumpf wie »Drachenbeinthron« doch komplett durchwate, dann um etwas über das Genre rauszubekommen.†¢ Kurz: interessieren wir uns "nur" für Bücher, weil sie SF sind - oder weil sie gut sind?
†¢ Entscheiden "wir" uns wirklich für ein BUch, weil da SF drauf steht?
Bearbeitet von molosovsky, 22 März 2004 - 13:17.
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Ich weiß es im Moment schlicht nicht besser.
Geschrieben 22 März 2004 - 10:28
Geschrieben 22 März 2004 - 12:01
Schönes Beispiel, weil gerade beim www.horror-forum.com jemand geschrieben hat, es handle sich bei dem Buch um "Edelkitsch". Okay, das war kein Argument, ausser wieder für die subjektive Bewertung. Ich denke, man kann soetwas wie einen "kulturellen Maßstab" postulieren, um Literatur zu bewerten. Die Messung erfolgt aber subjektiv. Und der Maßstab ist nichts Ewiges, sondern flexibel, je nach Blickrichtung. Der argentinische Schriftsteller Pablo De Santis hält zum Beispiel P. K. Dick für so bedeutend wie James Joyce. Oder Art Spiegelman sagt, Dick sei für die 2. Hälfte des 20. Jh. das, was Kafka in der ersten war. Literaturwissenschaftler sträuben sich vermutlich die Haare, wenn sie soetwas hören. Dick und Kafka? Wenn man die Wirkung ihrer Werke auf die Kultur betrachtet, kann man vielleicht tatsächlich von einer Ähnlichkeit ausgehen. Wenn man ddas Handwerkliche ihrer Texte vergleichet, nun, da verwandelt sich aus meiner Sicht Dick zu einem Nichts. Aber ich kannmir durchaus vorstellen, dass es Leute gibt, die sagen würden: Kafka kann man nicht lesen und Dick ist spannend, also schreibt Dick besser. (So wie mal eine Buchhändlerin zu mir sagte, Kafka könne nicht schreiben, wenn ich wissen wolle, was wirklich gut geschrieben ist, dann solle ich mal Kraussers Melodien lesen. Nichts gegen Krausser, aber an Kafka kommt er aus meiner Sicht nicht ran...) Was mich ein wenig traurig macht: Wenn ich den kulturellen Maßstab an die Literatur anlege (also das, was sich im Laufe der Jahrtausende als "Gut" herausgestellt hat), somit also z. B. das Handwerkliche betrachte oder die "Intelligenz" der Umsetzung, der Ideen etc., dann fallen die meisten SF-Werke doch ziemlich ab. Natürlich ist es immer so, dass der Größtteil von irgendeinem Genre Müll ist, aber nach diesen Maßstäben sollte ich dann von nun an nur noch Nabokov lesen...Ecos "Name der Rose" ist ein gutes Beispiel außerhalb der SF: man kann dieses Buch mehrmals lesen, und es wird dabei nicht nur nicht langweilig, sondern man entdeckt dabei immer wieder neue Aspekte.
Womit sich ein weiteres Mal herausstellt, dass die Dinge, die ich bisher SF nannte, gar keine sind. Dick, Bradbury, Strugatzki... Denen geht es nicht darum, was irgendetwas in der Zukunft irgendwas auslösen kann, sondern darum, das Hier und Jetzt zu untersuchen. Nicht: Was wird sein, sondern: Was ist?Als SF im engen Sinne definiere ich daher Werke, deren inhaltlicher Kern sich wirklich mit den Implikationen zukünftiger Entwicklungen auseinandersetzt.
Hm, und wenn er einen Umhang und einen spitzen Hut dabei trägt und die Worte Abrakadabra sagt und es zaubern statt beamen nennt? Oder wenn er es Hatschi oder jaunten nennt? Ein Prozess, der mich irgendwie an D. Adams Fliegen erinnert: Auf die Erde schmeißen, nur daneben. Gruß, Ralph ps: Alwo - guter Kauf!!!! Ich bin bei Voltaires Kalligraph - stecke aber gerade in der Mitte fest, wo es irgendwie nachlässt...Wer beispielsweise eine Geschichte erzählt, in der man zur individuellen Mobilität nicht mehr ein Fahrzeug, sondern das "Beamen" benutzt, der schreibt ganz klar SF.
R. C. Doege: Ende der Nacht. Erzählungen (2010)
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Geschrieben 22 März 2004 - 12:27
Kafka hat für mich etwas von einem Bodybuilder, der vor Kraft kaum noch laufen kann: Kafka kann man gelegentlich vor lauter Bedeutungsschwere kaum noch lesen. Das kommt ein bisschen an das heran, was ich mit "vielschichtig, aber zu konstruiert" meine; da ist es dan Sache des persönlichen Geschmacks, ob es mir zuviel wird oder noch nicht. Dick und Kafka hatten einen enormen Einfluß auf ihre jeweilige Sparte. Nur dass das bei Kafka eben die Hochliteratur war und bei Dick SF -- in den Augen der Hochliteratur also: Schund. Daher wird ein traditionell zur Hochliteratur tendierender Literaturwissenschaftler Kafka sicher einen höheren Stellenwert einräumen.Kafka kann man nicht lesen und Dick ist spannend, also schreibt Dick besser.
Keine im engeren Sinne vielleicht, je nachdem, welche Werke Du betrachtest. Für Dick gilt das aber sicher nicht: Lem zeigt doch in seiner lobenden Besprechung von "Ubik", dass dieses Werk eines der ganz wenigen ist, die die "virtuelle Realität" (hier in Form des "Nachlebens" der Sterbenden) ihrer Bedeutung angemessen behandelt hat. Ähnliches gilt für ganz viele Werke Dicks.Womit sich ein weiteres Mal herausstellt, dass die Dinge, die ich bisher SF nannte, gar keine sind.
Naja, das ist dann ja wohl keine SF mehr. Wobei man sicher durchaus auch in einem Fantasy-Rahmen ähnliche Problematiken thematisieren kann wie in einem genuinen SF-Rahmen (ich wüsste aber nicht, wozu das gut sein sollte). -- tichyHm, und wenn er einen Umhang und einen spitzen Hut dabei trägt und die Worte Abrakadabra sagt und es zaubern statt beamen nennt?
Geschrieben 22 März 2004 - 12:59
Zu QUALITÄTWahrig Deutsches Wörterbuch
ob|jek'tiv <Adj.> gegenständig, tatsächlich; sachlich, vorurteilsfrei, unparteiisch; allgemein gültig; subjektiv; ein objektives Urteil; eine Sache objektiv betrachten
Ob|jek|ti|vi'tät <[-vi-] f. unz.> objektive Beschaffenheit, Allgemeingültigkeit, objektive Betrachtungsweise, Sachlichkeit, Vorurteilslosigkeit; Subjektivität
www.wissen.de
objektiv - [lateinisch] - vorurteilslos, allgemein gültig; nicht gefühlsmäßig, sondern sachlich bestimmt.
Objektivität - [lateinisch]
Sachlichkeit, Einstellung auf den Gegenstand; die Fähigkeit, sich in der Beurteilung von Menschen, Situationen und Sachverhalten so wenig wie möglich von eigenen Vorurteilen, Sympathien, Antipathien, Wünschen u. Ä. leiten oder beeinflussen zu lassen.
Da der literarische Qualitätsbegriff (sofern es überhaupt einen einheitlichen gibt, lasse mich gerne belehren) so gut wie keine außereuropäischen Kulturen mit einbezogen hat, kann er nur auf europäische angewandt werden. Vielfach bezieht er sich auch nur auf die sprachliche Form und selten auf Inhalt und Botschaft. Viele Diskussionen darüber, über die Jahrhunderte zeigt ja auch, wie emotionsbezogen sie geführt wurden/werden.Wahrig Deutsches Wörterbuch
Qua|li'tät <f.> Art, Beschaffenheit, Brauchbarkeit; Sorte, Güte, Wertstufe; Eigenschaft, Fähigkeit; <Phonol.> Vokalfärbung, z.B. e gegenüber o; → a. Quantität; auch er hat seine Qualitäten; ausgezeichnete, hervorragende, gute Qualität; er hat besondere Qualitäten; beste, mittlere Qualität; der Kaffee ist von ausgezeichneter Qualität [<lat. qualitas „Beschaffenheit, Verhältnis, Eigenschaft“; zu qualis „wie beschaffen“]
Qualität - Philosophie
Beschaffenheit, Eigenschaft; eine der klassischen Kategorien.
Wobei das gleiche Buch beim gleichen Leser zu verschiedenen Zeitpunkten total unterschiedlich ankommen kann.bungle
...Die tiefere Schicht des Lesers ist eine Konstante des Menschseins, der Mensch braucht Geschichten, Erzählungen um sich als Mensch zu entfalten und existieren zu können.
Ein SF-Roman (warum nicht? ) kann den Mensch als Zeitgenossen mit Unterhaltungsbedürfnis befriedigen, weil er handwerklich gut geschrieben, d.h. spannend und farbig und originell. Aber erst wenn der Roman durch die Geschichte die er transportiert die tiefere Schicht erreicht berührt, dann ist er wirklich gut, besitzt er wahre Qualität...
Bearbeitet von dyke, 22 März 2004 - 13:01.
Geschrieben 22 März 2004 - 13:25
Ach so. Du meinst also, wenn unfreiwillig etwas getroffen wurde (UBIK ist ganz sicher KEIN Roman über virtuelle Realitäten, zumindest nicht, wenn man Dicks Intention betrachtet, sondern ein Roman über Realität. Es geht also nicht um Cyberspace oder Technik, es geht nicht um Kältekammern etc.), ist es auch gut. Also wenn es aus der heutigen Sicht ein Roman über virtuelle Welten wird... So wie Morels Erfindung von A. Bioy Casares... Die "ganz vielen Werke Dicks" haben in ihrer Thematik eigentlich immer "nur" drei Punkte: 1. Was ist menschlich (was meinen Menschen aus) - Antwort: Agape. 2. Was ist die Realität? - Antwort: Das was noch immer da ist, wenn man nicht mehr dran glaubt. 3. Wie werden wir erlöst? - Antwort (nach seinem letzten Roman): Zen (als Interpretation vonmir allerdings nur). Da ist nicht eine Frage: Wie verändert Technik das Leben in der Zukunft oder dergleichen. Oh Mann, jetzt fange ich schon wieder an... Nach 6 Jahren habe ich eigentlich langsam genug über PKD gesagt...Für Dick gilt das aber sicher nicht: Lem zeigt doch in seiner lobenden Besprechung von "Ubik", dass dieses Werk eines der ganz wenigen ist, die die "virtuelle Realität" (hier in Form des "Nachlebens" der Sterbenden) ihrer Bedeutung angemessen behandelt hat. Ähnliches gilt für ganz viele Werke Dicks.
Geschrieben 22 März 2004 - 13:36
Du sprichst mir aus der Seele! Oder wie es von Maturana so schön gesagt wurde: Alles, was gesagt wird, wird von einem Beobachter gesagt. Und ein Beobachter ist immer seinen eigenen Interpretationen unterworfen... Grüße, RalphZu OBJEKTIV Dies ist eine Eigenschaft die meiner Meinung KEIN Mensch hat, denn jeder ist durch Umgebung, Ausbildung, Kultur, Emotionen, Vorurteile geprägt, die ihm keine Chance dafür lassen.
R. C. Doege: Ende der Nacht. Erzählungen (2010)
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Geschrieben 22 März 2004 - 14:02
Was meinst Du genau mit SF-Umfeld? - Umfeld in den Regalen des Buchhandels; Soziales Umfeld der Leserschaft oder Interessensorganisation; Umfeld der Ideen?tichy: Zur SF im weiteren Sinne zählt alles, was sich in einem SF-Umfeld abspielt.
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Ich weiß es im Moment schlicht nicht besser.
Geschrieben 22 März 2004 - 14:49
Ich würde Dick da nicht unterschätzen. Natürlich hatte er wieder sein "Grundprogramm" im Kopf, also die Frage "Was ist die Realität". Ausgearbeitet wird dieses Thema hier aber ganz geschickt in einer Spielart der virtuellen Realität (die Maschinerie, die den Sterbenden noch eine Weile das Weiterleben ermöglicht). Zu welchem Grad die Objekte der virtuellen Welten dabei aus einem Computer oder aus dem Hirn des Sterbenden kommen, spielt nur eine technische Rolle. Kern der Sache bleibt: Dick hat die VR für seine Realitätsfrage genutzt.UBIK ist ganz sicher KEIN Roman über virtuelle Realitäten,
Wie ich schonmal sagte: SF liegt vor, wenn phantastische Elemente auftreten, die als wissenschaftlich erklärbar dargestellt werden.Was meinst Du genau mit SF-Umfeld?
Es gibt da keine harte Grenze zwischen SF und Fantasy. Solche Geschichten liegen eben dazwischen. Übrigens: Irgendeine willkürliche "Königsklasse der SF" anhand von vorkommenden Objekten zu definieren halte ich für wenig hilfreich -- schon deshalb, weil diesem Begriff die Aura von besonderer Meisterschaft anhaftet, die in diesem Fall nicht gerechtfertigt ist. Aus ähnlichen Gründen halte ich "Mord" auch nicht für die Königsklasse des Krimis, denn einen Mordkrimi zu schreiben ist nicht schwieriger als einen Taschendiebstahlkrimi. Eher sogar umgekehrt: Ein Krimi ohne Mord und SF ohne Aliens ist in gewisser Weise sogar schwieriger, weil sich der Autor mehr Mühe geben muss, um Spannung bzw. "sense of wonder" zu erzeugen. -- tichyWenn jemand von einer Zukunftswelt schreibt, in der sich inzwischen Mystik und Wissenschaften angenähert haben, würde man das als SF akzeptieren?
Bearbeitet von tichy, 22 März 2004 - 14:52.
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