Hier mal, ganz unsystematisch, einige Stories, die ich nach meinen
bisherigen Kenntnissen für bahnbrechend halte:
Die möglicherweise erzähltechnisch beste SF-Story
Alfred Bester: Fondly Fahrenheit
Nah dran, einfach wegen der Perfektion und absoluten Sicherheit in
der Durchführung:
William Gibson: The Gernsback Continuum
Ein zu Unrecht vernachlässigtes Meisterwerk, die wahrscheinlich beste
Post-Doomsday-Story in der SF:
James Tiptree jr.: Her Smoke Rose Up Forever
@Michael
Das ist eine, ehem, interessante Auswahl.
Fondly Fahrenheit:
Mir kommt es so vor, als würde seit Jahrzehnten damit hausiert, dass diese Geschichte bahnbrechend ist. Einmal das Etikett verpasst, ist schwer davon wieder wegzukommen. Mag sein, daß sie mal bahnbrechend war, aber heute immer noch? Warum? Weil mit Erzählperspektive experimentiert wird? Geez.
Noch nicht so lange befasse ich mich mit der Short Story Kunst. Davor - in meiner naiven Zeit - wußte ich genau auszusagen, ob eine Story attraktiv ist oder nicht. Und diese war es nicht. Das kann ich genau sagen, alldieweil ich damals die Stories immer mit kleinen Plus-Kreuzchen oder Minus-Zeichen versehen habe. Ich fand sie damals schon unschön und letzte Woche wieder. Sagen wir einfach: sie ist nicht gefällig.
In Deiner Einführung wird die "Ballade der verlorenen K'Mell" erwähnt.
Selbstverständlich ist die Geschichte gut. Gibt es irgendeine uninteressante Story von C. Smith? Gibt es einen Besseren als ihn? Wiederum muß ich sagen, daß mich andere Stories hammerartiger getroffen haben. Aber witzigerweise wird in Sekundärbetrachtungen immer diese genannt.
The Gernsbeck Continuum:
Auf jeden Fall eine gute Geschichte und eine faszinierende Idee. Aber die beste aus dem Buch? Kann ich nicht finden.
Her Smoke rose up forever:
Tiptree kenne ich ziemlich gut. Ungefähr jede zweite Geschichte ist besser. Warum also diese? Ereignisarmut = literarische Qualität?
Wenn ich also eine Geschichte der SF Short Story im späteren von Dir lesen sollte, dann würde mich das Warum interessieren. Was ist das Auswahlkriterium für die Stories, die erwähnt werden? Etwas Literaturwissenschaftliches? Das möchte ich
ausführlicher begründet haben. Ansonsten werde ich den Verdacht nicht los, es wird nur niedergeschrieben, was sei Jahren in der Szene geschwatzt wird und sich durch Wiederholungen festgesetzt hat.
Die längere Zeit meines Lebens war ausschlaggebendes Kriterium, ob mich die Story im Bann erhält, umhaut, meine Gehirnmasse umsortiert oder schlichtweg unvergesslich ist.
Folgende Kurzgeschichten haben mich an irgendeinem Punkt in meinem Leben wie der Blitz getroffen und ich habe sie seitdem nie wieder vergessen:
? : Halsband und Leine (kann mir jemand den Autor sagen bitte?)
Harlan Ellison: A Boy and his Dog
Walter M. Miller Jr.: Dark Benediction/Dunkles Erbe
C.M. Kornbluth: Shark Ship/Leben aus dem Meer
Cordwainer Smith: The Game of Rat and Dragon/Das Spiel Ratte und Drache
............................ Scanner live in vain/Scanner leben vergeblich
R.A. Lafferty: Slow Tuesday Night
Ted Chiang: Story of your Life
Impala
Bearbeitet von Impala, 14 April 2004 - 20:15.