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Die Geschichte der Short Science Fiction


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5 Antworten in diesem Thema

#1 Thomas Sebesta

Thomas Sebesta

    Biblionaut

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Geschrieben 28 März 2004 - 20:47

Anm. von Sullivan: Der Beitrag bezieht sich auf diesen Artikel.

Ich würde hier gerne für mich (aber vielleicht stellen sich auch andere Beginners die gleichen Fragen) deinen Aufsatz verarbeiten.

[Vorbemerkung:]
Eine kleine Anregung hätte ich zuvor noch anzubringen. Ich weiß nicht ob dein Aufsatz ausschließlich für Spezialisten des Genres verfasst wurde, aber für den Normalfan birgt er einige Schwierigkeiten.
1. Die angeführten Stories werden nur mit Originaltitel angeführt. Der weniger versierte Leser hat Schwierigkeiten deutsche Ausgaben davon abzuleiten
2. Die angeführten Zitate werden ausschließlich in englisch wiedergegeben. Nicht jeder ist der englischen Sprache so mächtig, dass er die Zitate wirklich sinnvoll übersetzen kann (Die führt auch dazu, dass er vielleicht die unter 1. angegebenen Originalwerke nicht entsprechend würdigen kann und vielleicht auf deutsche Übersetzungen angewiesen ist)

Ich finde, man sollte auch diesem Leser die Chance bieten die Informationen wenigstens in deutsch zugänglich zu machen, ohne dass erheblicher Aufwand an Recherche notwendig ist.

Bitte dies nicht falsch zu verstehen, aus mir spricht nur der mittelmäßig bewanderte, nicht übermäßig fremdsprachenmächtige Fan.

1. Frage
Du schreibst:
"Ein minimales Verständnis dafür, was es bedeutet, mit den Mitteln der Science Fiction "etwas auszudrücken, was sich anders nicht ausdrücken läßt", hätte viele fruchtlose Grundsatzdebatten um die SF überflüssig gemacht."

Liegt dies nur an dem "SF-Modus"

Diese Frage habe ich schon in ähnlicher Form in einem anderen Thread gestellt. Je nachdem wo du antwortest werde ich einen Link setzen.

2. Frage
In der Diskussion über "Was ist gute SF" wurde ein vorläufiges Kriterium festgelegt:
"GUTE SCIENCE FICTION †¦ ist eine zum Zeitpunkt der Entstehung realistisch nachvollziehbare narrative (erzählende) Extrapolation der Gegenwart, unter Berücksichtigung des wissenschaftlich vertretbaren Spielraumes."

Nach deinen Ausführungen:
...Sehen wir darüber hinweg, dass Neuhaus offenbar immer noch meint, es geht in der SF um Zukunfstentwürfe und nicht eher um Modell- und Alternativdenken..."

dürfte dies also nicht, oder nicht vollständig gute SF kennzeichnen.
Hast du einige Beispiele für uns über das von dir angesprochene Modell- und Alternativdenken.

Gruß
Thomas


PS:
Als meinen Beitrag dazu versuche ich deutschsprachige Auflagen hier anzugeben:

Nine Lives - Leguin Ursula - Neun Leben in Ein Junge uns sein Hund/Moewig Science Fiction/ISBN 3-8118-6723-7

Sundance - Silverberg Robert - Sonnentanz in Science Fiction-Anthologie Band 6: Die sechziger Jahre II/Hohenheim Verlag/ ISBN 3-8147-0037-6 oder in Die Schatten dunkler Flügel/Goldmann/ISBN 3-442-23203-1

Her Smoke Rose Up Forever - Tiptree James jr. - Ihr Rauch stieg ewig auf in Ikarus 2002/Heyne/ISBN 3-453-19669-4

Fondly Fahrenheit - Bester Alfred - Geliebtes Fahrenheit in Hände weg von Zeitmaschinen/Knaur/ISBN 3-426-05705-0

Flowers of Algernon - Keyer Daniel - Blumen für Algernon in 30 Jahre Magazine of Fantasy and Science Fiction/Heyne/

The Gernsback Continuum - Gibson William - Das Gernsback-Kontinuum in Cyberspace/Heyne/ISBN 3-453-00993-2

Billion year Spree - Aldiss Brian - Der Millionen Jahre Traum Bastei Lübbe/ISBN 3-404-24002-2

... wird fortgesetzt

Bearbeitet von nekropole, 02 April 2004 - 21:27.

Thomas Sebesta/Neunkirchen/Austria

Blog zur Sekundärliteratur: http://sebesta-seklit.net/

Online-Bibliothek zur Sekundärliteratur: http://www.librarything.de/catalog/t.sebesta

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#2 Gast_Michael Iwoleit_*

Gast_Michael Iwoleit_*
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Geschrieben 04 April 2004 - 12:34

Hallo Thomas,entschuldige, daß meine Antwort einige Tage auf sich warten gelassen hat.Das Layout von Nova 5 hat mich noch in Atem gehalten.Einige Bemerkungen zu Deinem Posting:- Ich werde Deine Anregung aufnehmen und bei künftigen Aufsätzen in denFußnoten die einschlägigen deutschen Übersetzungen nachweisen. Das warbei meinen Aufsätzen über Masson, Scholz und Egan bereits der Fall. Beimeinem Essay über Ballard, der soeben bei Heyne erschienen ist, habe iches ganauso gehandhabt. In meinem Einführungsartikel wurden aber haupt-sächlich oft nachgedruckte Stories genannt, von denen ich annahm, daß mansie als bekannt voraussetzen kann.- Meine Short-SF-Historie ist nicht nur für Spezialisten geschrieben (obwohl ich hoffe, daß auf lange Sicht auch einige nützliche Erkenntnisse für Literatur-wissenschaftler herumkommen werden). Schließlich bin ich Essayist und keinWissenschaftler. Eines muß ich aber bei meinen Lesern aber voraussetzen,nämlich englische Sprachkenntnisse. Wahrscheinlich werde ich viele Teile desProjekts gleich in Englisch verfassen. Ich bekomme Informationen von Kolle-gen aus allen Teilen der Welt, und als Anerkennung für ihre Unterstützung will ich ihnen wenigstens meine Arbeitsergebnisse zugänglich machen. Dieeinzige Sprache, die von Südamerika bis China verstanden wird, ist Englisch.In literarischen Essays ist es übrigens nichts Ungewöhnliches, Zitate in einerso gängigen Sprache wie dem Englischen im Original stehen zu lassen. Ichtue dies auch deshalb, weil viele kursierende deutsche Übersetzungen ein-fach unzureichend sind.- Zu Deiner ersten Frage: Was es heißt, mit den Mitteln der Science Fictionetwas auszudrücken, was sich anders nicht ausdrücken läßt, habe ich, glaubeich, am Beispiel von LeGuins "Nine Lives" recht genau beschrieben. Den Begriff"SF-Modus" habe ich für etwas geprägt, was Samuel R. Delany in einigen Auf-sätzen weit ausführlicher analysiert hat: nämlich die Tatsache, daß das Lesen von SF eine spezifische Leseweise erfordert. Viele Literaturwissenschaftler und-kritiker, die sich oberflächlich über SF auslassen, scheinen sich nicht bewußtzu sein, daß es eine solche Leseweise überhaupt gibt. Es ist ungefähr so, alswenn ein akademischer Musikwissenschaftler über Jazz schreibt und von swingund blues noch nie was gehört hat.- Es gibt da unterschiedliche Meinungen, aber ich persönlich bin der Ansicht, daß es weder wünschenswert noch möglich ist, die Science Fiction auf dasfestzunageln, was zu einem gegebenen Zeitpunkt wissenschaftlich/technischplausibel ist. Das mag zu Campbells Zeiten ein Kriterium für gute SF gewesensein, ich halte es aber längst für überholt.Einige Beispiele:David Massons Geschichte "Traveller's Rest" ("An der Zeitfront") spielt in einerWelt, die von einem Zeitgradienten durchlaufen wird. An der Front vergeht dieZeit schneller als im Hinterland, wenigen Sekunden an der Front entsprechen Jahre im Hinterland. Ein solches Phänomen ist, aller Wahrscheinlichkeit nach,physikalisch unmöglich. Für die Geschichte ist das allerdings ohne Belang, dennder Autor macht hier keine physikalische sondern eine menschliche Aussage.Es präsentiert uns einen Protagonisten, für den Jahre des privaten Glücks gegen-über dem Schrecken an der Front zu flüchtigen Augenblicken schrumpfen. Ein SF-Motiv wird hier als Metapher benutzt, nicht als futorologische Aussage.Anderes Beispiel. In seinen Kurzgeschichten liefert J.G. Ballard meist eineErklärung für das surreale Setting mit, in dem sich seine Figuren bewegen. Invielen Fällen - etwa in dem Roman "Kristallwelt" - ist diese Erklärung physi-kalisch nicht unbedingt überzeugend. Das ist auch völlig unwichtig, denn BallardsStärken liegen im Visuellen und Symbolischen. Was ein Grund dafür sein dürfte,daß viele SF-Leser mit Ballard bis heute nichts anfangen können.Noch eins: Das in der SF beliebte Motiv der Gestaltwandler gehört wohl 100%igins Reich der Phantasie. Ich kann mir kaum vorstellen, daß ein SF-Autor darauseine biologisch plausible Spekulation entwickeln könnte. In Gene Wolfes Roman"Der fünfte Kopf des Zerberus" spielt das Motiv nichtsdestotrotz eine wichtigeRolle, und er macht daraus ein anspruchsvolles Buch über kulturelle und per-sönliche Identität.*Die von vielen SF-Lesern immer noch gepflegte Marotte, Texte darauf abzu-klopfen, ob das darin Geschilderte auch plausibel oder technisch möglich ist,halte ich für allzu oberflächlich. Meiner bescheidenen Meinung nach geht'sdarum überhaupt nicht. Es lohnt sich, jeweils genauer hinzuschauen, was einAutor mit einem SF-Motiv anstellt, zu welchem Zweck es ihm dient.GrußMichael* Eine ausführliche Analyse von Wolfes "The Fifth Head of Cerberus" steht alsnächstes auf meiner Arbeitsliste.

#3 Gast_Frank W. Haubold_*

Gast_Frank W. Haubold_*
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Geschrieben 04 April 2004 - 19:01

Die von vielen SF-Lesern immer noch gepflegte Marotte, Texte darauf abzu- klopfen, ob das darin Geschilderte auch plausibel oder technisch möglich ist, halte ich für allzu oberflächlich. Meiner bescheidenen Meinung nach geht's darum überhaupt nicht. Es lohnt sich, jeweils genauer hinzuschauen, was ein Autor mit einem SF-Motiv anstellt, zu welchem Zweck es ihm dient.

Exakt. Lese gerade Ballards "Katastrophengebiet", in dem die wenigsten Geschichten "technisch plausibel" erscheinen (Ausnahme "Der unterbewußte Mann"). Dennoch m. E. eine der besten Geschichtensammlungen des Genres - neben meinen. *grins* Gruß Frank

#4 Mammut

Mammut

    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben 06 April 2004 - 13:34

Wie sieht es eigentlich mit der Geschichte der deutschen SF-Kurzgeschichte aus?

#5 Gast_Michael Iwoleit_*

Gast_Michael Iwoleit_*
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Geschrieben 06 April 2004 - 16:37

Wie sieht es eigentlich mit der Geschichte der deutschen SF-Kurzgeschichte aus?

Die wird natürlich von mir natürlich auch noch aufgearbeitet. Aber eins nach dem anderen ;-) Ich will für dieses Projekt noch einige Fremdsprachen lernen. Wäre doch beschämend, wenn ich ausgrechnet die SF in meiner Muttersprache aus- lassen würde. Als exemplarischen Vertreter der aktuellen deutschen SF werde ich mir in absehbarer Zeit Marcus Hammerschmitt in einem eigenen Essay vornehmen. Gruß Michael

#6 Thomas Sebesta

Thomas Sebesta

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Geschrieben 06 April 2004 - 22:18

* Eine ausführliche Analyse von Wolfes "The Fifth Head of Cerberus" steht als nächstes auf meiner Arbeitsliste.

zur Info: enthalten u.A (es sind 5 deutsche Veröffentlichungen bekannt) zuletzt in: Der fünfte Kopf des Zerberus - Bibliothek der SF-Literatur/Heyne 81 (1990) ISBN 3-453-04514-9 bis später Gruß Thomas

Thomas Sebesta/Neunkirchen/Austria

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