simifilm schrieb am 14 März 2016 - 21:05:
Wir sprechen wohl aneinander vorbei. Der Witz ist, dass die blosse Tatsache, dass xy in einem Korpus häufig vorkommt, noch keine Erkenntnis ist. Das ist bestenfalls der Anfang einer Erkenntnis.
Klar, ich hab ja auch nie behauptet, dass das eine Theorie wäre. Allerdings schadet es imho nicht, wenn am Anfang einer formulierten Theorie zunächst eine Beobachtung steht. Um mich nun vollständig unbeliebt zu machen: Das Gegenteil praktizieren meiner Meinung nach BWLer und VWLer. Da werden jede Menge Theorien aufgestellt, denen man gerne mit möglichst kompliziert aussehenden Formeln einen mathematischen Anstrich verleiht, die aber mit der Wirklichkeit nichts mehr tun haben, wie diese uns immer wieder gerne zeigt.
Zitat
Meine Erfolgsquote bei Forschungsanträgen liegt derzeit - noch, kräftig Holz klopfen - bei 100 Prozent. Aber dennoch danke für die guten Wünsche, denn wir sind derzeit dabei, ein grosses Projekt anzuzetteln.
Dann drücke ich Dir alle meine Daumen, dass es klappt (und ja, es sind noch mindestens zwei). Ich weiß aus leidvoller Erfahrung wie es ist, wenn sie (mit sehr zweifelhaften Gutachten) abgelehnt werden.
Zitat
Wobei ich aber gestehen muss, dass ich kein Problem damit habe, Dinge zu untersuchen, die 99% der Menschheit für uninteressant halten.
Probleme hätte ich auch keine damit, allerdings müsste ich dann verhungern.
Zitat
Wenn Forschung diese Freiheit nicht mehr hat, kann man Universitäten auch gleich schliessen
Dann könnte man große Teile der Informatik (von einigen abseitigen theoretischen Zweigen vielleicht abgesehen) und auch naehzu alle ingenieurswissenschaftlichen und vermutlich auch die medizinischen Fakultäten dicht machen. Nicht, dass ich das gutheißen würde, aber so sieht die Realität leider aus. Offenbar gibt es zumindest in den Geisteswissenschaften noch ein wenig Elfenbeinturmfeeling (was meinen Kontakten mit Geisteswissenschaftlern nach allerdings auch mit noch deutlich prekäreren Beschäftigungsverhältnissen, also 25%-50%-Stellen bei 150% Arbeitszeit, erkauft wird).
Zitat
Allerdings weiss ich gerade im Bereich der Literatur - aber auch der Linguistik - wirklich nicht, wie man da betriebswirtschaftlich argumentieren sollte. Dass jemand in der Literaturwissenschaft einen Antrag damit begründet, dass seine Forschung dazu führt, dass am Ende Bücher geschrieben werden, die sich besser verkaufen (oder Filme, die mehr Geld einspielen etc.), wäre mir auf jeden Fall nicht bekannt.
Da ist natürlich auch was dran . Allerdings könnte man mit solch einer Argumentation vielleicht einen Verlag zu einer Finanzierung überreden.
Schöne Grüße,
Rene