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Soliden, durchgehend guten Schreibstil findet man in "Das Schiff" - Andreas Brandhorst weiß, wies geht. Es fehlen allerdings stilistische Glanzstücke - das Neveau ist äußerst gleichbleibend. Davon unterscheidet sich "Meran" grundlegend, hier schwankt die stilistische Leistung zwischen Ausrutschern ins ordentliche Mittelmaß über den guten, jedoch nicht immer die Eloquenz Brandhorsts erreichenden Großteil bis hin zu Ausflügen in hervorragende Sphären. Man merkt, daß Dirk van den Boom hier sein volles Potential zu entfalten sucht, jedoch mitunter in alte Gewohnheiten des "Künstler, wollt ihr überleben, dann müßt ihr es billig geben" (Erste Allgemeine Verunsicherung) zurückfällt. Dies zeigt sich auch in der Sprachbeherrschung, die einige wirklich sehr gute Leistungen zeigt, während keiner der anderen bisher genannten Werke hier auffällt.
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"Das Schiff" hat nicht nur eine Idee, es *ist* eine. Andreas Brandhorst stellt hier ein mögliches Zusammenleben von Menschen und KIs dar, die durch einen Kompromiß stabilisiert wird. Die Maschinen haben die stärkeren Möglichkeiten, was im Krisenfall zur Unterdrückung der Menschheit führt. Adam zeigt, daß es nicht zwangsläufig einen Mensch-Maschine-Antagonismus geben muß, sondern eine echte Kooperation möglich ist. Brandhorst begeht in "Das Schiff" (im Gegensatz zu "Ikarus") auch nicht in vollem Umfang den Fehler der meisten Autoren, die über Cyberspace, Telepräsenz etc. schreiben, und behält immerhin einen quantenverschränkten Kommunikationskanal zwischen Bewußtseinskopie und menschlichem Gehirn auf der Erde bei, wobei in der Realität diese Kommunikationsverbindung die Sinneswahrnehmung vom Faktotum zum Gehirn und die Bewegungsanweisungen vom Gehirn zum Faktotum transportieren müßte, denn im Gegensatz zur technischen Hardware, von der die Software getrennt kopiert werden kann, stellt die Wetware eine untrennbare Kombination aus Hard- und Software dar.
Subjektiver Faktor: Die beiden Romane von Andreas Brandhorst, "Ikarus" und "Das Schiff", die beide schriftstellerisch von vergleichbarer Qualität sind, haben mir einmal mehr deutlich vor Augen geführt, daß ich außerstande bin, ein literarisches Werk wirklich objektiv zu bewerten, denn "Ikarus" mit seiner Krimihandlung und der byzantinischen Politikwirren hat mich gelangweilt, während "Das Schiff" mich elektrisiert hat. Der subjektive Faktor, also wie mir ein Werk gefällt, ist somit ein wichtiger, wenn nicht entscheidender Teil meiner Bewertungskriterien. Interessanterweise hatte ich nach dem ersten Lesen eine dreiteilige untere Gruppe und zwei Romane in der Spitzengruppe, wobei nach ausgiebigem Vergleichslesen "Das Licht von Duino" immer höher stieg. "Paradox" kommt auch hier eindeutig am schlechtesten weg. Es zieht sich arg, der Schwerpunkt liegt auf der technischen Seite, während die soziopolitische Seite ziemlich arg simplifiziert wird, und es dauert ewig und dreieinhalb Tage, bis das Raumschiff endlich rauskriegt, was dann nun Sache ist, und diese wird dann auch noch recht flott und nicht immer logisch stringent abgehandelt. Immerhin funktioniert der Spannungsbogen, und die Idee ist interessant, so daß ich "Paradox" so gerade noch als preiswürdig erachte. Nächster in der Reihe ist "Feuer am Fuß", das mir deutlich besser als "Paradox" gefallen hat, aber insgesamt nicht herausragend ist. Dirk C. Fleck schreibt eindringlich und ist spürbar mit ganzem Herzen dabei, aber was diese Urreligionen da jetzt sollen, bleibt mir unverständlich. Soll da eine Art guter Steinzeitkommunismus/spritualismus, eine Art entwahnsinnte und spiritualisierte Rote-Khmer-Ideologie bei rauskommen? Flecks soziopolitische Zielrichtnng ist mir nicht recht klargeworden, oder meint er, innerhalb eines gewissen Rahmens soll das jede Region selbst entscheiden? Das wäre nicht die schlechteste Idee. Der nicht so tolle Schreibstil hat mein Urteil auch nicht positiv beeinflußt. "Das Licht von Duino" hat mir die meiste Schwierigkeit bereitet. Es geht eher langsam voran, es gibt etliche esoterische Elemente, die nun gar nicht mein Geschmack sind. Dadurch war dieser Roman erstmal mit den beiden vorgenannten in der untersten Ecke verortet. Je mehr ich allerdings vergleichend zwischen den Romanen und auch Kurzgeschichten gelesen habe, um so mehr hat mich Frank W. Haubolds herausragende Erzählkunst gepackt. Er machts einem nicht einfach, seine Werke zu mögen... Letztlich mußte sich "Das Licht von Duino" nur "Meran" geschlagen geben. Bei "Das Schiff" war ich von Anfang an angefixt und bin es auch heute noch - Sense of Wonder, wie er sein soll! Schriftstellerisch sicherlich kein Glanzstück wie "Das Licht von Duino" kann Andreas Brandhorst aber mit einer mich von Anfang an fesselnden Geschichte und einer guten Idee und Durchführug punkten. Ich habe lange überlegt, ob ich einen deutlicheren Abstand zu "Das Licht von Duino" lassen soll und habe dann als ausschlaggebenden Faktor die Frage genutzt, welches Buch ich eher nochmal lesen möchte, und da liegt "Das Licht von Duino" nur knapp vorn und nur knapp hinter "Meran". Womit ich bei meinem Spitzenreiter wäre. Bis "Das Licht von Duino" sich in meiner Wahrnehmung hochgearbeitet hat, habe ich einige Zeit überlegt, sowohl "Das Schiff" als auch "Meran" mit 15 Punkten zu bedenken. Das vergleichende Lesen hat dann aber zu dem Schluß geführt, daß "Meran" doch die höhere Qualität hat, auch wenn es ideenmäßig nicht so pralle ist. Außerdem trifft "Meran" meinen persönlichen Humorgeschmack perfekt, es funktioniert ähnlich wie der trockene Humor der "Kris-Longknife"-Serie von Mike Shepherd, mit etwas schrägerem Humor zusätzlich gewürzt. Ich mag das sehr und habe mich von diesem Roman am besten unterhalten gefühlt. Im Vergleich zur genannten Serie besteht bei Dirk van den Boom noch Entwicklungspotential, er hält das hohe Stilniveau nicht konsequent durch, es gibt immer wieder Durchhänger. Ich bin aber sehr froh, daß er endlich bereit ist, sein volles Potential zu nutzen und sich nicht länger der besseren Absatzzahlen wegen der tumben Masse anzupassen.