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Videospiel: The Invincible


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2 Antworten in diesem Thema

#1 Maxmilian Wust

Maxmilian Wust

    Ufonaut

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Geschrieben 29 November 2023 - 15:31

Wie in den beiden anderen Schriftstellerblasen, in denen ich unterwegs bin, so würde ich auch hier gerne eine Reihe an Videospielen vorstellen, die ich für „literarisch interessant“ halte. Gerade im Science-fiction ist das Angebot ja sehr reichhaltig. Außerdem habe ich ein paar Jahre als Romankritiker und Spiele-Redakteur gearbeitet, also tue ich das hier auch, um an meine guten Jahre in einer sehr engen Redaktion zu erinnern ;-)

 

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The Invincible

Wer „Der Unbesiegbare“ von Stanislaw Lem noch nicht gelesen hat, sollte das entweder schnellstmöglich nachholen (denn es ist ein wirklich toller Roman zum Thema Evolution und ihre unendliche Gnadenlosigkeit) oder einfach „The Invincible“ spielen. Das Indie-Adventure-Game vom polnischen Publisher 11 Bit Studios steht dem Roman nämlich um nicht viel nach.

 

Der Spieler schlüpft dabei in die Rolle der Biologin Yasna, die 13 Tage vor dem Beginn des Roman auf Regis III nach den verstreuten Mitgliedern ihrer Besatzung sucht. Eigentlich hatte man den etwas eigenwilligen Planeten nur rasch auf Herz und Nieren prüfen wollen, jedoch brach dann der Kontakt zum Bodenteam ab. Als Yasna zudem das erste Crewmitglied brabbelnd und stotternd auffindet, wird ihr rasch bewusst, dass hier irgendetwas gar nicht stimmt.

 

Über Funk von dem Astrogator Novik begleitet (und auch aufgrund eines Umstandes, den ich aus Spoilergründen nicht verraten will) macht sie sich also auf, um das Geheimnis von Regis III zu lüften. Leser des Romans werden es leider schon kennen, was das Spiel aber nicht weniger interessant macht.

 

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Philosophischer Walk-and-Talk

Das Gameplay hält sich dabei in Grenzen. Im Wesentlichen wandert, fährt oder klettert man als die sture, aber gebildete Yasna über die kargen Wüsten und Klippen von Regis III. Oft bewegt sich der Spieler einfach nur von A nach B, die Rätsel sind kaum einer Erwähnung wert und der Fokus liegt eher auf den Entscheidungen, die man im Laufe der Handlung zu treffen hat. Überlässt man beispielsweise einem Besatzungsmitglied den eigenen Sauerstoffvorrat oder kümmert man sich lieber um sein eigenes Überleben? Nimmt man eher den riskanten, aber schnellen oder den sicheren, aber langen Umweg? Solche und ähnliche Fragen werden dem Spieler immer wieder gestellt und sogar mit drei verschiedenen Enden belohnt.

 

Das Hauptaugenmerk des Spiels liegt ganz klar auf den philosophischen Ansichten Lems, die während der Reise immer wieder reflektiert werden. Man läuft über Dünen, arbeitet sich durch Höhlen oder fährt durch Schluchten, während Yasna und Novik über die Rätsel des Planeten und dem Wesen der Evolution sprechen. Der Spieler wird dabei nicht bevormundet, sondern verbleibt oft mit offenen Fragen, die er sich selbst beantworten soll. Ist es beispielsweise notwendig, dass Evolution so grausam ist? Hätte sie auch ganz anders verlaufen können? Wie geht sie mit Sackgassen um? Sind sie überhaupt welche? Wird man gefragt, während man zum Beispiel eine fliegende Untertasse startklar macht, um endlich von Regis III zu entkommen. Auf diese Art entwickelt sich „The Invincible“ oft zu einem philosophischen Spaziergang, der eher entspannend und inspirierend als spannend ist.

 

Risiko kommt leider keines auf. Sterben kann man in „The Invincible“ nur selten. Wer jedoch nicht aufpasst, erlebt ein bitteres Ende zum Schluss. Kleiner Pluspunkt aber: Man darf die im Roman so glorifizierten Anitmateriekanonen abfeuern, drei sogar in Kombination. Und das macht so viel Spaß, wie schon beim Lesen. Es geht doch nichts darüber, Feinde mit handlichen Atomwaffen zu beschießen!

 

Optisch macht das Spiel dabei durchaus viel her: Die Farben sind satt und gekonnt miteinander kombiniert, Maschinen und Raumschiffe wurden in einem Retro-Stil der Comics aus der Atompunk-Ära entworfen und obwohl Roman wie Spiel in naher Zukunft spielen, hat man in „The Invincible“ weder Flachbildschirme noch Virtual Reality entwickelt. Das ist ein schönes, kleines Alleinstellungsmerkmal, das Yasnas Reise durchaus Charme verleiht.

 

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Fazit: Wüstenspaziergang durch alte Zeiten

Für mich haben die Romane von Lem (und vieler seiner Zeitgenossen) einen Zauber, der heute nicht mehr reproduziert werden kann. Vielleicht ist es dieses Hilflose, da man sich noch schwertat, die immensen Distanzen einzuschätzen; vielleicht aber auch, weil es eben immer noch etwas Neues war. Wo man heute gerne zu einem „Das ist so!“ greift und erklärerisch wird (den Bildungsauftrag erfüllt), spielte man damals eher mit einem vorsichtigen „Das könnte so sein“-Gedanken, der die Romane aus meiner Sicht deutlich leichtgängiger machte.

 

„The Invincible“ kann diesen Geist gut einfangen. Das Spiel gibt wie der Roman nur wenig Antworten, stellt aber interessante Fragen für solche, die einfach gerne grübeln und denken. Gleichzeitig erzählt es von glaubwürdigen Charakteren, deren Entscheidungen und Ängste nachvollziehbar bleiben. Ich wurde gut unterhalten, intelligent angeregt und optisch verwöhnt. Obwohl Regis III tot und karg ist, haben ihn die Entwickler wirklich schön entworfen.

 

 

Eine Bitte jedoch:

Solltet ihr das Spiel kaufen wollen, so nutzt bitte KEINE Keystores. Diese erwerben ihre Schlüssel oft illegal, teilweise sogar durch Betrug. Wenn ihr sparen wollt (was ich als grauenhafter Pfennigfuchser absolut nachvollziehen kann), setzt das Spiel einfach in Steam, Epic, GOG, Origin (oder wo ihr es erwerbt) auf eure Wishlist und wartet einen Sale ab!


Bearbeitet von Maxmilian Wust, 29 November 2023 - 15:42.

"Part Five: Boobytrap the stalemate button!"

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#2 Maxmilian Wust

Maxmilian Wust

    Ufonaut

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Geschrieben 29 November 2023 - 15:36

Hat euch dieses Review gefallen? Wünscht ihr euch einen Fokus auf andere Dinge, wie z.B. dass ich mehr über Gameplay spreche oder vielleicht auch die technischen Seiten des Spiels beleuchte (wie Shader oder Texturkompression)? Oder soll ich mehr auf die erzählerischen Seiten eingehen? Sagt es mir und ich werde es beim nächsten Mal beachten! :-)


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#3 J. A. Hagen

J. A. Hagen

    Cybernaut

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Geschrieben 29 November 2023 - 17:04

Danke für die Rezension. Das Spiel kannte ich nicht.

Ich lege bei einem Computerspiel Wert auf die Geschichte und den Wiederspielwert.

Da fällt mir ein, Detroit: Become Human wollte ich mir auch zulegen …


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