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Sonntag, 25.Februar: Talkien 21 zum Thema "Ist deutschsprachige Science Fiction zu altbacken?"


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22 Antworten in diesem Thema

#1 ThK

ThK

    Temponaut

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Geschrieben 20 Januar 2024 - 17:38

 
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Die Diskussion um Qualität und originalität deutschsprachiger SF ist nicht neu, wurde in den letzten Wochen aber erneut angefacht. Der Zündfunke ging aus von Jamie-Lee Campbells Artikel "Sex, Drugs and Religion" bei Tor online und löste Reaktionen in Foren und Podcasts aus. Uns interessiert, was Macher, Rezensenten und Analytiker zur Einschätzung unserer Science Fiction als zu altbacken zu sagen haben. Deswegen haben wir Gäste eingeladen, die etwas davon verstehen:

Christoph Grimm, Markus Heitkamp, Jamie-Lee Campbell, Sarah Lutter, Jol Rosenberg und Yvonne Tunnat.
Sie alle sind am Sonntag, den 25. Februar ab 20 Uhr bei uns in Talkien 21 unter www.youtube.de/BrennendeBuchstaben

Es ist natürlich kein Zufall, dass wir uns nur einen Tag vorher, am Samstag, den 24. Februar bei der "Relog to Read" einen praktischen Überblick über die derzeitige Anthologieszene verschaffen. Mit Lesungen von: Thomas Heidemann, Caroline Hofstätter, Kornelia Schmid, Carsten Schmitt, Nele Sickel und Constantin Dupien.

Das wird ein ziemlich detaillierter Blick auf die deutschsprachige Szene, den ihr euch nicht entgehen lassen solltet!


Bearbeitet von ThK, 21 Januar 2024 - 12:53.


#2 Christian Hornstein

Christian Hornstein

    Giganaut

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Geschrieben 21 Januar 2024 - 09:53

Das könnte interessant werden! :)

 

Die Antwort auf die Ausgangsfrage ist aus meiner Sicht natürlich schon bekannt: Ja, zu einem nicht geringen Teil ist die deutsche SF etwas altmodisch, vor allem aber fehlt es an Originalität und Feinschliff in Bezug auf so manche narrative Eigenschaft. Es wird sicher mehr darum gehen, zu differenzieren, genauer zu beschreiben und hoffentlich auch über Ursachen und mögliche Lösungen zu sprechen, vor allem in Bezug auf Kurzgeschichten.


Bearbeitet von Christian Hornstein, 21 Januar 2024 - 09:58.


#3 Rezensionsnerdista

Rezensionsnerdista

    Yvonne

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Geschrieben 21 Januar 2024 - 10:09

Mögliche Lösungen, aye, aye, ich schmeiße mein Hirn mal an!


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#4 Mammut

Mammut

    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben 21 Januar 2024 - 11:41

Mir fallen da spontan einige Werke ein, die nicht altbacken sind. Gerade bei den Romanen waren die letzten Jahre doch ein paar sehr interessante Werke erschienen. Man sollte also zwische Breite und Spitze unterscheiden.

Bei möglichen Lösungen sollte man überlegen, ob die zu anspruchsvolleren oder erfolgreicheren Geschichten führen sollen. Das kann beides der gleiche Weg sein, muss es aber nicht.



#5 Starcadet

Starcadet

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Geschrieben 21 Januar 2024 - 13:40

Rhetorische Fragestellung, die natürlich provozieren soll. Bin gespannt...


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#6 ShockWaveRider

ShockWaveRider

    verwarnter Querulant

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Geschrieben 21 Januar 2024 - 17:36

Für mich ist "deutschsprachige SF" ein Subgenre des "Historischen Romans".

 

Ernst gemeinter Gruß

Ralf


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#7 Dyrnberg

Dyrnberg

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Geschrieben 21 Januar 2024 - 17:42

These: Wahrscheinlich gibt es überall altbackene Formen von jedem Genre, aber in der Übersetzung kommen nur die halbwegs guten Dinge zu uns. So entsteht eventuell ein Teil des Eindrucks: Die anderen sind besser.



#8 Rezensionsnerdista

Rezensionsnerdista

    Yvonne

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Geschrieben 21 Januar 2024 - 21:39

Es kommt ja immer noch viel zu wenig in Übersetzungen hier an, finde ich, auch bei den Romanen.

Und dann dauert es so lange, dass beispielsweise Scalzi seinen neuen Roman rascher fertig hat als wir die Übersetzung der Kaijus (dem Roman davor).

Auf Übersetzungen zu warten dauert mir dann oft zu lange, das ist bestenfalls ein Re-Read, weil die letzte Lektüre dann eh schon ein Jahr her ist

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#9 ShockWaveRider

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    verwarnter Querulant

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Geschrieben 22 Januar 2024 - 10:01

Es kommt ja immer noch viel zu wenig in Übersetzungen hier an, finde ich, auch bei den Romanen.

Immer NOCH?!

Ich denke, das Problem ist, dass immer WENIGER übersetzt wird.

 

Gruß

Ralf


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#10 Rezensionsnerdista

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    Yvonne

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Geschrieben 22 Januar 2024 - 10:03

War anders gemeint und auf Dyrnbergs Kommentar bezogen.

 

These: Wahrscheinlich gibt es überall altbackene Formen von jedem Genre, aber in der Übersetzung kommen nur die halbwegs guten Dinge zu uns. So entsteht eventuell ein Teil des Eindrucks: Die anderen sind besser.

 

Er schreibt, es kommen nur die halbwegs guten Dinge zu uns. Ich sage: Es kommt immer noch zu wenig (auch der guten Dinge) zu uns.


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#11 ThK

ThK

    Temponaut

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Geschrieben 15 Februar 2024 - 12:38

Sonntag, 25.Februar: Talkien 21 zum Thema "Ist deutschsprachige Science Fiction zu altbacken?"
 
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Die Diskussion um Qualität und Originalität deutschsprachiger SF ist nicht neu, wurde in den letzten Wochen aber erneut angefacht. Der Zündfunke ging aus von Jamie-Lee Campbells Artikel "Sex, Drugs and Religion" bei Tor online und löste Reaktionen in Foren und Podcasts aus. Uns interessiert, was Macher, Rezensenten und Analytiker zur Einschätzung unserer Science Fiction als zu altbacken zu sagen haben. Deswegen haben wir Gäste eingeladen, die etwas davon verstehen:

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Das wird eine sehr umfassende Bestandsaufnahme der deutschsprachigen SF, die ihr euch nicht entgehen lassen solltet!



#12 ThK

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Geschrieben 21 Februar 2024 - 19:22

Sonntag, 25. Februar: Talkien Ausgabe 21 - Ist deutschsprachige Science Fiction altbacken?

Uns interessiert, was Macher und  Rezensenten  unserer Science Fiction als zu altbacken zu sagen haben. Deswegen haben wir Gäste eingeladen, die etwas davon verstehen:
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#13 ThK

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Geschrieben 25 Februar 2024 - 22:10

Talkien 21: Ist deutschsprachige Science Fiction zu altbacken - Die komplette Ausgabe!

Großartige Ausgabe mit tollen Gästen. Danke an Jol Rosenberg, Yvonne Tunnat, Jamie-Lee Campbell, Sarah Lutter, Christoph Grimm, Markus Heitkamp!



#14 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 26 Februar 2024 - 06:21

Danke für die Einladung


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#15 lapismont

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Geschrieben 26 Februar 2024 - 07:02

War zwar nur zum Ende hin live dabei, werde den Anfang aber nachgucken. Schöne Runde wieder!


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#16 Starcadet

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Geschrieben 01 Mrz 2024 - 11:48

Gutes Format. Haben wir natürlich wieder auf unserer FB-Seite geteilt...  ;)


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#17 Mammut

Mammut

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Geschrieben 04 Mrz 2024 - 09:36

Interessant fand ich den Chat: Man spricht über deutschsprachige SF, aber als Beispiele diskutiert wird nur ältere internationale SF. 



#18 Christian Hornstein

Christian Hornstein

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Geschrieben 06 Mrz 2024 - 11:42

Interessante Einwürfe bei dieser Diskussion. Ich würde noch Folgendes ergänzen:

Literatur sollte immer auch progressiv sein, sonst haben wir Stillstand und das ist langweilig. Und es geht nicht nur um die Tendenz zum Altmodischen, sondern überhaupt zum Gängigen. Alte Moden und gängige Tropen stellen in zeitgenössischen Texten allerdings kein Problem dar, wenn sie der Originalität der Geschichte und ihrer Relevanz für aktuelle Themen nicht im Weg stehen.

Was können Autori dazu beitragen? Es wurde gesagt, dass wir hierzulande noch dazulernen müssten, wenn es um das Geschichtenschreiben geht. Mag sein. Im Kurzgeschichtenbereich auf alle Fälle und es setzt viel voraus: das Genre gut kennen, Schreibhandwerk, Kreativität, tiefergehende Auseinandersetzung mit Themen, usw. Soweit so klar. Aber ich glaube, all das dürfte den meisten bekannt sein. Dennoch ist die Lage wie sie ist. Warum? Ich glaube, es liegt auch daran, dass es nicht so einfach ist, Neues zu erschaffen - erst recht nicht, wenn es von vielen verstanden werden soll. Es ist nämlich auch eine Kunst, gerade so viel progressives Material einzudosieren, dass das Ganze progressiv sein kann, ohne die Gewohnheiten zu vieler Leseri zu überfordern. Autori könnten diesen schwierigen Weg gehen.

Jedoch ist zumindest für unbekannte Autori das Risiko groß, mit ungewöhnlichen Werken weit weniger Menschen zu erreichen als es wünschenswert wäre. Progressive Geschichten können auf jeden Fall unerkannt bleiben und sogar verrissen werden. Dafür gibt es viele historische Beispiele. Texte unbekannter Autori werden im Zweifel eher verrissen als Texte anerkannter Autori, weil Irritationen eher auf ihre Arbeit attribuiert werden als auf Eigenschaften der Leseri. Unbekannte Autori werden ganz anders wahrgenommen als anerkannte. Der Ruf von Autori beeinflusst zum Teil erheblich die Erwartungen an ihre Texte und damit deren Rezeption durch die Leseri. Vielleicht liegt hierin auch ein Grund, weshalb vor allem wenig bekannte Autori oft Trampelpfade beschreiten: Es ist einfacher und risikoärmer. Anerkannte scheuen dann oft das Risiko, von dem abzuweichen, was ihnen die Anerkennung gebracht hat. Ich kann es beiden Gruppen nicht verdenken. Dennoch sollten wir zumindest im Kurzgeschichtenbereich in vielen Fällen unser Engagement um Originalität und Handwerk überprüfen und zumindest unter den Anerkannten mehr Mut zur Erneuerung wagen.

Aber es wurde auch gesagt, dass eigentlich zu viel altmodisches und gängiges publiziert wird. Warum eigentlich? Hier hätte die Diskussion auch auf die Rolle von Verlegeri und Herausgeberi eingehen können. Diese Akteure scheinen sich ja in besonderen Zugzwängen und Konflikten zu sehen, die auch mit dem Bestreben zusammenhängen, die Anerkennung des eigenen Mediums zu sichern. Das zu diskutieren wäre spannend gewesen.

Und es spielen auch Rezensionisti eine Rolle. Dieser Part wurde nur kurz angesprochen. Rezensionen können die Funktion erfüllen, Autori eine Rückmeldung darüber zu geben, wo ihr Text zwischen altmodisch/gängig und progressiv steht. Das setzt aber eine entsprechend reflektierte Haltung sowohl bei den Rezensierenden als auch bei den Autori voraus. Wenn gesagt wird, ein Text sei "gut", meinen viele damit lediglich, dass der Text ihnen, einer bestimmten Referenzgruppe und/oder irgendwelchen Wortführeri gefällt und/oder bestimmten "Regeln" entspricht. Es gibt einen expliziten und einen impliziten Konsens darüber was geht und was nicht. So funktioniert der Literaturmarkt, aber auch der Kunstmarkt insgesamt und andere Bereiche der Gesellschaft. Hier wäre es hilfreich, Rückmeldungen möglichst konkret am Text zu halten, handwerkliche und inhaltliche Aspekte von persönlichen Vorlieben zu trennen, wesentliche Merkmale nicht zu übersehen und vor allem Kritik und Lob gut zu begründen.



#19 Rezensionsnerdista

Rezensionsnerdista

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Geschrieben 06 Mrz 2024 - 11:56

Ich weiß nicht, ich habe keine Geduld mehr mit schlechten Texten. Ja, ich verstehe, dass die Herausgeber:innen sich echt oft im Zugzwang fühlen. Trotzdem. Irgendwie kann das nicht sein.

Eben bei Facebook wurde geteilt, wer in der nächsten Exodus dabei ist. Alles Menschen, die schon mal dort veröffentlicht haben. Alle Namen bekannt.

Wer von denen (bzw. muss ich sagen: Wer von uns) wagt progressive Schritte? Wo haben wir unsere Prioritäten? Wie wird mir die Ausgabe gefallen, wie wird die Ausgabe insgesamt ankommen und warum?

 

Für mich haben die Queer*Welten inzwischen die Nase vorn, aus vielen Gründen. Die letzten beiden Ausgaben waren besser als das, was die Exodus mir bietet. Sie kriegen auch neue Namen rein. Wie machen die das nur? 

 

Das Lektorat ist sicherlich deutlich besser. Ich habe jetzt drei Runden Lektorat Exodus hinter mir und klar, da sind am Ende keine Tippfehler oder Kommafehler im Endergebnis. 

 

Nach dem, was ich über Lektoratserfahrungen von mehreren Seiten mit den Queer*Welten gehört habekann ich schlussfolgern: Die holen noch mal alles raus, was rausholen ist, auch inhaltlich. Über mehrere Wochen oder gar Monate, da geht es drei, viermal hin und her. Und die Autor:innen wissen ganz genau, was mein Text mit Heike, Judith und Lena von dem Text halten, an welchen Stellen er sie berührt oder irritiert hat. Da werden Wünsche geäußert, wie "mehr zum Weltenbau" oder "mehr zu der Figur" oder "deutlicheres Spotlicht auf x oder y". Das gibt es bei der Exodus nach meiner Erfahrung (und dem, was ich gehört habe), nicht. 

 

Das ist natürlich richtig viel Arbeit, daher will ich keiner Redaktion zu nahe treten (zumal ich selbst so gründlich auch in meinen Herausgeberschaften eher selten gearbeitet habe). 

 

 

Seitens der Autor:innen würde ich mir mehr Klasse statt Masse wünschen. Und überhaupt. Weniger ist wirklich mehr. Fast 500 Texte pro Jahr, das gibt unsere Szene nicht her. Selbst wenn ich unterschiedliche Erwartungen und Geschmäcker mit einbeziehe, kann die Hälfte davon weg. Ich fasse mich an die eigene Nase und reiche in diesem Jahr zwei bis drei Texte ein und nicht sechs bis sieben. Versprochen.


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#20 Christian Hornstein

Christian Hornstein

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Geschrieben 06 Mrz 2024 - 12:26

Yvonne, Du hast die Queer*Welten jetzt schon so oft gelobt, dass ich nicht mehr anders kann und mir eine Ausgabe besorgen muss. :lmaosmiley:

 

Ja, klar. Es wäre gut wenn die Redaktionen mehr entwickeln oder halt ablehnen würden, aber wie Uwe und Christoph ja schon mal meinten, stehen dem offenbar konkurrierende Ziele entgegen. Uwe schrieb ja für die nächste FFM, dass es schwierig war, rechtzeitig genug Qualität zusammen zu bekommen. Und auch bei ihm finden sich keine Unbekannten auf der Liste.

 

Das Lektorat beim Exodus ist sicherlich kein Entwicklungslektorat. Beim letzten Mal haben sie mich aber gut eingefangen, als ich mich in eine bestimmte Richtung vergallopiert hatte. Und Heinz, mit dem ich mehr zu tun hatte, ist wirklich sehr gewissenhaft.

 

Und zu Deiner Frage, ob progressiv oder nicht: Ich habe auch dieses Mal versucht, etwas Neues zu wagen. Das, was ich da zusammengebraut habe, würde ich als edgy Solarpunk bezeichnen. Warum, das können wir dann im Mai besprechen. Es zielt natürlich wieder auf ein Thema, das mir am Herzen liegt. Ich habe auch Eure Rückmeldungen berücksichtigt, um es verdaulicher zu machen: minimalen Technobabbel, knappe eingängige Hintergrundinformationen, transparentere Wendungen, deutliche Botschaften, szenisch satt. Bon appétit!



#21 Joshua Tree

Joshua Tree

    Ufonaut

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Geschrieben 06 Mrz 2024 - 16:07

Was war eigentlich die Conclusio, falls es eine gab? Ich finde das Thema ja sehr spannend, da ich als deutscher Autor mich von der "deutschen SF" recht entkoppelt fühle, was ja erstmal paradox ist. Ich lese fast nur britische und amerikanischer Werke, weil sie mir fast immer deutlich besser gefallen inhaltlich wie erzählerisch. Das ist natürlich persönliches Gusto, aber ich schreibe tatsächlich (vermutlich dadurch) auch eher angelsächsische Science Fiction vom Stil her und die Bücher funktionieren auf dem deutschen wie auf dem englischsprachigen Markt gleich gut. Ich bezweifle, dass das andersherum auch so ist und frage mich manchmal wieso. Mir kommt deutsche SF häufig verstiegen und schleppend erzählt vor, ein bisschen wie ein Gegenentwurf zum angelsächsischen Markt. Also eher diesbezüglich altbacken, während es gleichzeitig gefühlt ultra-progressiv und politisch ist in Bezug auf den aktuellen Kulturkampf. Wie gesagt: mein absolut subjektiver Eindruck.


Der Kopf ist rund, damit Gedanken ihre Richtung ändern können ;-)

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#22 Gast_Nebulus_*

Gast_Nebulus_*
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Geschrieben 06 Mrz 2024 - 16:35

Ich kann Joshua da nur zustimmen.   Ich kann zwar Perry Rhodan usw. lesen, weil es in einer unendlich entfernten Zukunft liegt, aber viele deutsche Romane sind mir zu trocken und zu politisch.  

Das was gerade politisch "in" ist, das wird in deutschen Romanen heruntergebetet.    Das ist mir persönlich zu wenig Sci Fi, weil Welten die tausende Jahre in der Zukunft spielen handeln sicher nicht von der derzeitigen politischen Diskussionen.

Aus dem selben Grund habe ich auch Hemmungen österreichische SF zu lesen.

Die deutsche SF krank meiner Meinung nach daran, das sie zu gehorsam ist, allem was "in" ist und zu wenig wirklich Neues bietet. Ist ein wenig so wie der deutsche Film oder Serien, die ich auch nur ganz selten sehen kann.  Dark und 1899 waren z.b. gut in meinen Augen. "Der Greiff" war auch gut.

Aber an gute deutsche Filme kann ich mich einfach nicht erinnern.  Da gibt es den millionsten WW2 Film. 

Deutsche Bücher kranken daran, an dem auch deutsche FIlme und Serien kranken.  Das sie keinen eigenen Stil haben.
Schaut euch z.b. französische Filme an und dann deutsche.     Wieso schaffen es französische FIlme wie 39,90 z.b. oder Stadt der verlorenen Kinder eine eigene Atmosphäre aufzubauen und die deutschen Filme und Serien nicht?

Meine Antwort darauf ist immer, das die Deutschen (im realen Leben wie auch im Film/Serien und Büchern)  amerikanischer sein wollen, als die Amerikaner.  Damit verlieren sie aber irgendwie ihre eigene Identität.

Es gibt ohne Frage gute deutsche Serien und FIlme und Bücher, aber man hat irgendwie ne Hemmschwelle sie zu lesen ;)

Weil alles was heute in der USA "in" ist, das wird morgen in deutschen Büchern, Serien und Filmen vorgebetet.   Und damit verlieren die deutsche Unterhaltungsindustrie irgendwie an einer eigenen Stimme.    Wenn ich mir amerikanische Filme oder Serien/Bücher anschauen/lesen will, dann kaufe ich mir amerikanische Sachen, aber bei deutschen Produkten möchte ich eine eigene Stimme sehen.

Die Franzosen schaffen es ja auch.  Die Österreicher sind auch nicht gerade supertoll, da habe ich auch ne Hemmung etwas zu lesen, aber der österreichische FIlm hat doch noch mehr Identität als der deutsche, meiner Meinung nach.

"Amerikanischer als die Amerikaner", das ist das Motto der Deutschen ;)  Das fängt schon bei der Sprache an, wo Denglisch schon Standard ist, im Gegensatz zu Frankreich z.b. und hört bei Serien/Büchern und Filmen auf, wo man am liebsten amerikanische Städte zeigen würde.

Die deutschen Kanäle auf YT sind ja genauso,  die würden am liebsten gleich Deutsch weglassen und nur Englisch reden.   Das ist genau das Kernproblem. Sowohl in Realität als auch in der Unterhaltungsindustrie.  Ist aber nur meine Meinung.

Ist z.b. ein Grund wieso ich keine deutschen YT Kanäle mehr schaue, weil es mir auf die Nerven geht, das die Leute dort mehr Englisch/Denglisch reden als Deutsch.  Da schaue ich lieber gleich englische Kanäle.

Ein anderer Grund ist, das man selbst der deutschen Kultur zu nahe ist.   Bei englischen/amerikanischen/internationen Serien fällt es mir leichter, das gesehene/gelesene zu glauben.   Keine Ahnung wieso das so ist aber ob ne UFO Serie in Tokyo spielt oder in Österreich, da ist für mich die, die in Tokyo spielt "glaubwürdiger".   Mir fällt gerade das Wort dafür nicht ein.


Bearbeitet von Nebulus, 06 Mrz 2024 - 17:10.


#23 Christian Hornstein

Christian Hornstein

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Geschrieben 07 Mrz 2024 - 10:17

Fremdländische Attribute nehmen viele in SF-Geschichten wahrscheinlich deswegen leichter  an, weil bei SF natürlich eine gewisse Fremdheit und Exotik erwartet wird. Die eigenen Landen sind einem dann vielleicht zu vertraut. Das ist ein unwillkürlicher Wahrnehmungseffekt. Das geht den Menschen in anderen Ländern ähnlich. Deshalb finden ja nicht wenige Nicht-Deutsche auch deutsche Settings interessant. Die französische SF, wenn sie in Frankreich spielt und in sehr naher Zukunft angesiedelt ist, wirkt auf mich, der die ersten 15 Jahre seines Lebens dort verbracht hat, auch ein bisschen zu vertraut. Außerdem gilt der Prophet im eigenen Land bekanntlich wenig, was auch ein Grund für englisch/amerikanisch klingende Pseudonyme ist.

Aktuelle Themen, sofern sie nicht zeitlos sind, in Settings zu behandeln, die auch nur ein paar hunderte Jahre in der Zukunft liegen, finde ich auch unplausibel. Das sollte man sein lassen. Aktuelle Themen aus der SF ganz rauszulassen fände ich jedoch verfehlt, denn gerade das Gedankenexperiment à la SF ist ja sehr fruchtbar.

Wenn wir nicht mehr über Texte, sondern über Filme reden, betreten wir eine ganz andere Bühne, denn Film ist ein visuelles Medium. Die Art der Visualisierung spielt hier eine entscheidende Rolle. Denis Villeneuve verwendet in Dune statt Greenscreen oft reale Schauplätze und das sieht man. Für 1899 wurde ein komplett neuartiges Set verwendet u.a. mit speziellen Hintergrundprojektionstechniken und das sieht man. Dann geht es auch um solch traditionelle Dinge wie Schnitt und Perspektive. Sie spielen eine ungeheuer große Rolle.

Dass deutsche Filme keinen eigenen Stil haben, würde ich so nicht sagen. Es gibt viele gute deutsche Filme, die etwas eigenes darstellen z.B. Die Welle (2008) oder Comedian Harmonists (1997) und interessanterweise kann das deutsche Kino auch gut Komödien. Ich würde nicht sagen, dass diese Filme amerikanische Vorbilder kopieren. Ich glaube, man muss keine Bedenken haben, diese Filme anzusehen.

Es gibt auch jede Menge französische und amerikanische Filme, die ich nicht empfehlen würde.

Aber tatsächlich lassen wir uns in Deutschland zu sehr von der amerikanischen Kultur beeinflussen. Das hat auch historische Gründe. Viele Anglizismen sind in der Tat unnötig und zuweilen sogar schädlich, weil sie native Alternativen verdrängen, die zum Teil sogar aussagekräftiger wären.




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