Ich wache auf. Es ist stockfinster. Ich brauche einen Moment, um mich zu orientieren. Richtig, ich bin in einem Hotelzimmer. Ein kleines Hotel, nur für eine Nacht, bevor meine Reise morgen weitergeht.
Wie spät ist es? Mein Handy müsste am Nachttisch liegen. Ich greife dorthin, wo ich den Nachttisch vermute, aber meine Hand greift ins Leere. Ich bewege de Hand ein wenig hin und her, bis ich gegen etwas stoße. Eine Kante, sie fühlst sich nach Holz an. Das muss der Nachttisch sein.
Ich fahre mit der Hand über die Oberfläche des Nachttisches, um das darauf liegende Handy zu finden. Die Oberfläche des Tisches ist leicht rauh. Nicht so stark, dass es unangenehm wäre, darüber mit der Hand zu fahren, nur so, dass man die Oberflächenstruktur klar spürt.
Ich stoße gegen ein Kabel. Das muss zur Nachttischlampe gehören. Vielleicht ist es eine gute Idee, erst einmal Licht zu machen, dann finde ich das Handy auch schneller. Außerdem meldet sich meine Blase, um zur Toilette zu finden, sollte ich auch Licht anmachen.
Ich taste am Kabel entlang, bis ich an den Fuß der Lampe stoße. Kaltes Metall. Wo war noch einmal der Schalter? Ich taste die Fußplatte der Lampe ab, kann aber auf der perfekt glatten Oberfläche keinen Schalter finden. Nur der Stab, an dem der Lampenschirm festgemacht ist, behindert meine Hand. Aber ich bin mir sicher, dass der Schalter nicht dort war. Also muss er wohl am Kabel sein.
Ich fahre mit der Hand wieder zurück zum Rand der Fußplatte, dort, wo das Kabel angebracht ist. Dann fahre ich mit der Hand wieder am Kabel entlang, diesmal in der entgegengesetzten Richtung. Ich erreiche wieder die Nachttischkante, das Kabel ändert hier seine Richtung und hängt nach unten. Ich fahre weiter, bis ich an ein dickes Plastikteil gelange. Das muss der Schalter sein, beziehungsweise dessen Gehäuse.
Ich ertaste die Form des Gehäuses, ein abgerundeter Quader. Der Schalter muss sich auf einer der größeren Seiten parallel zu Kabel befinden. Ich ertaste die Struktur und finde den eigentlichen Schalter. Es ist ein Kippschalter. Ich fahre mit dem Finger auf die hervorragende Seite des Kippschalters und drücke. Der Schalter gibt nach, ich höre das typische Klicken, aber das Licht geht nicht an. Ist die Lampe kaputt? Oder nicht eingesteckt? Ich schalte noch ein paar mal hin und her, obwohl mir mein Verstand sagt, dass das nichts bringt. Natürlich hat mein Verstand recht. Es bleibt dunkel.
Nun gut, dann suche ich eben im Dunkeln nach meinem Handy. Das hat außerdem eine Taschenlampen-Funktion, damit kann ich dann auch auf die Toilette finden. Ich kehre also mit der Hand zur Nachttischoberfläche zurück und suche sie systematisch ab. Schließlich stoße ich gegen einen Gegenstand: Mein Handy. Ich greife danach, aber es entgleitet meinen Fingern und rutscht von mir weg. Ich höre, wie es vom Nachttisch auf den Teppichboden fällt. Na toll.
Nun, da hilft nichts, jetzt muss ich wohl im Dunkeln aufstehen. Mit dem linken Bein zuerst, weil rechts die Wand ist. Nun, zum Glück bin ich nicht abergläubisch.
Ich taste mit den Füßen nach den Hausschuhen. Der Teppichboden ist rauh. Unangenehm rauh. Wo sind die Hausschuhe? Aus irgendeinem Grund kann ich sie nicht finden. Wenn ich nur Licht hätte!
Schließlich gebe ich die Suche auf und beschließe, barfuß zu gehen, trotz des unangenehmen Teppichbodens. Ich überlege, ob es sinnvoll wäre, erst nach dem heruntergefallenen Handy zu suchen, aber in der Dunkelheit wäre das wohl ein nicht besonders zielführendes Unterfangen. Besser ich taste mich an der Wand entlang Richtung Toilette. Dabei müsste ich auch an einem Schalter fürs Deckenlicht vorbeikommen, dann kann ich das anmachen.
Ich rufe mir nochmal die Form des Zimmers ins Gedächtnis. Wenn ich am Bett entlang Richtung Fußende gehe, dann sollte ich dort auf einen Kleiderschrank stoßen. Links von diesem ist die Tür zum kleinen Flur, allerdings geht er nicht ganz bis zur Tür. Und neben der Tür sollte ich auch den Lichtschalter für das Deckenlicht finden, wenn ich das richtig in Erinnerung habe.
Ich gehe also los. Um die Orientierung zu behalten, streife ich mit dem rechten Bein am Bett entlang, während ich die Hände nach vorne strecke, um den Schrank zu bemerken, bevor ich in ihn hineinlaufe. Die durch dieses Streifen verursachte Bewegung des Schafanzugs kitzelt ein wenig am Bein.
Kaum losgegangen, stolpere ich über etwas am Boden. Natürlich, meine Hausschuhe. Dank meiner vorgestreckten Hände kann ich den Sturz gut abfedern. Allerdings schmerzen nun meine Hände wegen des Rutschens über den Teppichboden. Na gut, es hätte schlimmer kommen können, wenn ich mit dem Kopf gegen den Kleiderschrank gestoßen wäre. Aber der war offenbar noch weit genug weg.
Ich befühle meine Hände. Sie sind trocken. Offenbar blute ich also nicht. Anhand der Schmerzen in den Händen hätte ich das nicht ausgeschlossen.
Ich rappele mich wieder auf und gehe vorsichtig weiter, die Hände wieder ausgestreckt. Schließlich stoßen meine Hände an den Wandschrank.
Ich taste mich nach links weiter. Meine Finger gleiten über den Schlitz, wo die Türen des Schranks aneinander stoßen, und dann weiter über die glatte Holztür bis an die linke Kante des Schranks.
Weiter am Schrank entlangtastend mache ich mich daran, zur Wand vor zu gehen, als ich plötzlich etwas elastisch-kitzelndes im Gesicht spüre. Ich zucke zusammen. Dann erinnere ich mich: Da stand ja noch eine Pflanze!
Nun, das ist eine unerwartete Komplikation. Ich gehe einen Schritt zurück und ertaste vorsichtig die Pflanze. Ich möchte sie ja auch nicht versehentlich kaputtmachen. Es ist eine fein verästelte Pflanze, es kitzelt ein wenig, wenn ich sie betaste, was in Kombination mit den schmerzenden Händen recht unangenehm ist. Aber es ist immer noch besser, als blind durch den Raum zu laufen ohne jede Orientierung.
Endlich bin ich um die Pflanze herum und ertaste direkt den Türrahmen. Meine Hand gleitet über das glatte Holz nach rechts, Richtung Wand. Dort taste ich dann über den rauhen Putz nach dem Lichtschalter. Ich finde und drücke ihn. Wieder dasselbe Verhalten wie bei der Nachttischlampe: Der Schalter lässt sich schalten, aber das Licht geht nicht an. Muss wohl ein Stromausfall sein. Nun gut, muss ich eben im dunkeln auf die Toilette gehen. Das werde ich auch noch hinbekommen.
Mit der rechten Hand am Türrahmen gehe ich durch die Tür zum Flur, und dann rechts zur Toilette. Als ich diese betrete, fühle ich unter meinen Füßen eine kalte, glatte Fläche. Nun, klar, der Raum hat Bodenfliesen, aber dennoch fühlt es sich falsch an. Ich kann es nicht gleich einordnen. Ich taste mit den Füßen ein wenig den Boden ab. Ich kann die Fugen der Bodenfliesen nicht finden. Ich bin mir aber ganz sicher, dass das Fugen waren. Was stimmt hier nicht?
Ich taste mit der Hand nach rechts an die Wand, um die Orientierung zur Toilette zu behalten, die an der rechten Wand angebracht ist. Der Plan ist, mich an der Wand zur Toilette vorzutasten. Dann kann ich mich draufsetzen. Im Stehen zu gehen ist in der Dunktelheit wohl weniger ratsam, wie soll man zielen, wenn man das Ziel nicht sieht? Aber zum Sitzen kann man die Klobrille ertasten, und dann, wenn man sitzt, kann ja nicht mehr viel schiefgehen.
Allerdings ertaste ich an der Wand nicht die erwarteten Wandfliesen. Stattdessen wieder diese kalte, glatte Fläche, die ich jetzt als Metall erkenne. Ich bin mir absolut sicher, dass da am Abend noch kein Metall war. Was ist da los?
Ich taste mich weiter vor, auch wenn ich jetzt befürchte, dort keine Toilette zu finden. Aber vielleicht finde ich ja eine Antwort.
Plötzlich spüre ich etwas Schleimiges an meinen Nacken greifen. Die automatisch erfolgende körperliche Reaktion, die daraufhin erfolgt, hätte ich eigentlich nur bei kleinen Kindern erwartet. Auf die Toilette muss ich jetzt jedenfalls nicht mehr. Dafür ist es an meinen Beinen unangenehm nass, wenngleich die Wärme seltsam angenehm ist. Auf jeden Fall angenehmer als die glitschige Kälte an meinen Nacken.