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Peter Schattschneider - Zeitstopp


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3 Antworten in diesem Thema

#1 Mammut

Mammut

    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben 16 Dezember 2025 - 19:59

Zeitstopp ist eine Sammlung von Science Fiction Kurzgeschichten des Autors Peter Schattschneider und erschien 1982 bei Suhrkamp:

Publication: Zeitstopp

 

Die Titelillustration ist von Thomas Franke:

Thomas Franke und die Kunscht (Interview)

 

 

2016 erschien eine E-Book Ausgabe.

 

Hier die enthaltenen Geschichten:

 

 

 

Das Whiskysyndrom wurde dabei noch nachgedruckt in Phantastisches aus Östereich:

Publication: Phantastisches aus Österreich

 

Es geht um Zeitdilatation:

Zeitdilatation – Wikipedia

 

Die Raumfahrer von Ross 614 reisen zur Zentralwelt der Erde um Handel zu treiben. Für die Bewohner von Ross 614 vergeht dabei mehr Zeit als für die Raumfahrer. 

Diese Diskrepanz hat natürlich grob zwei Auswirkungen, auf die sich der Autor konzentriert:

Die persönliche Note. Jack Daniels verspricht dem vierjährigen Mädchen Gwen eine Weizenähre von der Erde mitzubringen. Als er zurück kommt nach sieben Jahren, ist Gwen 32 und er verwechselt ihre Tochter mit ihr. Sie werden für 8 Wochen ein Liebespaar, aber sie will keine feste Beziehung. Sie ist sich sicher, er würde im Leben als Farmer nicht glücklich. Es kommt zu einer weiteren Begegnung mit der 62jährigen Gwen. 

Auch schreibt er Briefe an seine Mutter, die schon tot ist als die Nachricht ankommt.

 

Die wirtschaftliche Note. Der Autor konzentriert sich auf den Handel der Zentralwelt Erde und der Außengebiete. Whisky wird subventioniert und als die Erde diese streicht, jubelt die Organisation der Antialkoholiker. Der Preis für Whisky verfällt und Ross 614 wechselt zu Rapsöl. Doch durch die Zeitverschiebung wird Whisky ein knappes Gut und wird teuer ohne Ende, woraufhin wieder mit Zeitverzögerung eine Schwemme von Whisky die Erde erreicht.

Schattschneider nimmt sich hier der Planwirtschaft an, wie man sie nicht nur in sozialistischen Ländern kennt, sondern auch in der EG (Milchseen und Butterberge). Und natürlich dem generellen Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage im zeitverzögerten interstellaren Handel.

Mir scheint das nicht immer akkurat aufgedröselt zu sein, denke aber, es ging eher um das Gedankenspiel und die Auswirkungen. Auch zeigt der Autor auf, was politisch aus solchen Verwerfungen entstehen kann. Die Antialkoholiker übernehmen die Macht und die Alkoholiker ertränken deren Anführer in einer Badewanne voller Whisky. Die Neoliberalen übernehmen und verlangen die Aufgabe des Handels mit der Außenwelt.

 

Am Ende ist die Atmosphäre der Erde so mit Alkohol geschwängert, dass es zur Ökokatastrophe kommt.

 

Ein sehr schöner Auftakt für diesen Kurzgeschichtenband. Am Anfang sind die Zeitsprünge ein wenig gewöhnungsbedürftig und der Stil des Autors doch sehr technokratisch. Aber mit der Zeit wird es lebendiger, es gibt eine Liebesgeschichte und insgesamt doch eine interessante Idee, wie man die Zeitdehnung näher gebracht bekommt. 

Hat mir gut gefallen.

Interessanter Fakt: Weder die Sammlung noch die Geschichte wurde für den KLP 1983 nominiert.


Bearbeitet von Mammut, 19 Dezember 2025 - 19:55.


#2 ShockWaveRider

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Geschrieben 17 Dezember 2025 - 13:20

Ich fand den grundlegenden Ansatz hoch interessant: die Auswirkungen der Zeitdilatation auf interstellare wirtschaftliche Beziehungen.

 

Ralf Boldt hat die Story mW in seinem Sachbuch "Was kostet eine Raumstation?" als Beispiel für die Verwurstung (pun intended!) eines Schweinezyklus' in der Science Fiction behandelt.

 

Gruß

der andere Ralf Bo. 


Bearbeitet von ShockWaveRider, 17 Dezember 2025 - 13:23.

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ShockWaveRiders Kritiken aus München
möchten viele Autor'n übertünchen.
Denn er tut sich verbitten
Aliens, UFOs und Titten -
einen Kerl wie den sollte man lynchen!

  • (Buch) gerade am lesen:Y. Tunnat, C. Witt (Hg.) "Ihr Körper. Das Schiff"
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#3 Mammut

Mammut

    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben 19 Dezember 2025 - 19:54

Erschien ursprünglich in Quasar 1:

Publication: Quasar 1

 

Sowie 1994 in der c´t:

Publication: c't, #9/1994

 

und für den Kurd Laßwitz Preis 1995 nominiert und erreichte den 3. Platz (Gewinner war er trotzdem):

KLP 1995 Beste Kurzgeschichte

 

Man sagt ja, bei der Mode wird auch alles, was längst vergessen ist, wieder modern. So scheint es auch bei Geschichten. Das Thema der Superzyte wird gerade heiß gegessen. Der Computer GOETHE schreibt Geschichten für ein SF Publikum, natürlich das übliche: Galaktischer Krieg, Zeitreise, Telepathie (man sieht, jede Zeit hat ihre Themen :bighlaugh: ), aber die neue Geschichte von GOETHE ist merkwürdig und unverständlich. Programmierer Picard, der die GOETHE optimieren wollte, in dem er die Hierachie der Nebensätze verändert, und damit etwas zufällig erschaffen: Das Bewusstsein des Computers und das teilt GOETHE durch die Geschichte mit. 

Ich gebe zu, es liest sich ein wenig technokratisch und zäh und die Details habe ich nicht verstanden. Die Zyte unterhalten sich über Laser und bilden ein künstliches Bewusstsein, das sich selbst nicht bewusst ist, aber durch einen Dreh von Picard werden die Prozyte zur Zyte zur Hyperzyte und zur Superzyte und sind jetzt mit einem Bewusstsein ausgestattet.

Man merkt, der Herr Autor ist Physiker und kennt sich auch mit Programmieren aus. Das ist stellenweise für den Leser schwer verdaulich, aber die Grundhypothese ist einfach zu erfassen. 

Die Geschichte hat auch eine hintergründigen Humor. Ja, das hat was.

 

Die habe ich hier gelesen:

[Kurzgeschichtenlesezirkel] Peter Schattschneider - Zeitstopp - Offener Lesezirkel - SF-Netzwerk


Bearbeitet von Mammut, 19 Dezember 2025 - 19:56.


#4 Mammut

Mammut

    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben 24 Dezember 2025 - 15:25

Über Wurmlöcher können Touristen auf fremde Planeten reisen, aber es lauern dort Gefahren, obwohl sich das Touristikbüro abgesichert hat. Es passiert natürlich etwas nur dann, wenn der Tourist einen Fehler gemacht hat.

Die Geschichte war sprachlich wenig ansprechend, dafür war sie zu technokratisch, springt von hier nach da, ohne dass es großen Sinn macht. Die Dramaturgie ist nur spannend konstruiert, wirkt aber eher gewollt als gekonnt.

Inhaltlich bot die Story noch weniger. Gerade das Ende ist das saure Sahnehäubchen auf einer ungenießbaren Gurke. Aus meiner Sicht ein Totalausfall.




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