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Irland 1972

Auszug Kurzroman

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7 Antworten in diesem Thema

#1 Michael Fallik

Michael Fallik

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Geschrieben 02 Januar 2026 - 22:10

Da ich mir vorgenommen hatte, eine kleine Schreibpause Anfang 2026 zu beenden, habe ich gerade ein wenig aufgeschrieben. Das Thema Pflanzenwesen geistert schon etwas länger auf meiner Agenda herum und so habe ich  meiner Fantasie freien Lauf gelassen. Damit ist der Anfang des Storyboards abgedeckt und ich freue mich auf die weiteren Verwicklungen, die sich anbahnen werden. 


Bearbeitet von Michael Fallik, 23 Januar 2026 - 21:42.

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#2 Michael Fallik

Michael Fallik

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Geschrieben 10 Januar 2026 - 13:15

Aus dem ersten Storyboard habe ich nun drei frühe Kapitel des Romans entworfen:

 

 

 

* * *
 
In den frühen Morgenstunden des 12. Juni 1973 färbte sich der Nachthimmel über den Feldern von County Mayo für wenige Sekunden in ein fantastisches Farbspektrum. Unterhalb der schroffen Klippen warf der aufgewühlte Atlantik das Licht wie ein zersplitterter Spiegel zurück in den Himmel und verwischte die Grenzen des Horizonts.  
Das Versinken einer silbrig glühenden Scheibe im Moor hinter der Scheune der Harrows Farm war kaum lauter als das Platschen des brackigen Wassers in weichem Boden. Einige Schafe kommentierten die Störung mit empörtem Blöken. Am Feldweg zum alten Fischerhaus lösten sich kleine Brocken aus der niedrigen Steinmauer und rollten ins Gras. Dann kehrte wieder Ruhe ein. Da und dort flammte Licht hinter gardinenlosen Fenstern auf.
 
Tom Harrow Senior stand in Gummistiefeln und Pyjama in der offenen Haustür und betrachtete den Himmel. Er spuckte aus, als wolle er etwas Bitteres loswerden, stopfte seine Pfeife neu und zündete sie an.
„Die Russen nehmen keine Rücksicht. Marga, hörst du? Die verdammten Kommunisten nehmen keine Rücksicht“, rief er über den Rücken ins Haus hinein.
„Sicher, Tom. So wie du keine Rücksicht auf deine Familie nimmst. Ham wir vier morgens, oder ist meine Uhr kaputt?“ Marga ließ ein trockenes Husten folgen. „Ich fahr wohl mal kurz zum Dorf und wieder zurück. Kann ehe nich mehr schlafen“, brummte Tom Harrow in seinen roten Bart und klopfte die Pfeife aus.
Im Juni ging die Sonne bei wolkenlosem Himmel nur wenige Stunden nach Mitternacht auf. Es dämmerte bereits, als sich etwas im Moor regte. Eine Hand erschien aus der dunklen, zähen Masse. Sie öffnete und schloss sich, als müsse sie diese Bewegung erlernen. Mit einem schmatzenden Geräusch folgte ein kahler Kopf, schwarz vor Schlamm, reglos, bis er sich ruckartig weiter aus dem Moor schob. Der Körper kam langsam zum Vorschein.
 
Er verharrte einen Moment reglos im schweren Morast. Unter ihm zog etwas nach unten. Schließlich zwängte er sich aus dem Moor.
 
Der Körper arbeitete sich in ungelenken Bewegungen nach oben, streckte sich, zog sich wieder zusammen, bis er mit zitternden Beinen auf einem mit Flechten überwachsenen Steinquader stand. Wasser und Schlamm glitten von ihm herab und sammelten sich zu dunklen Pfützen um seine Füße. Das Wesen senkte den Kopf, hob ihn wieder, drehte ihn langsam von einer Seite zur anderen. Es öffnete die beiden Augenlider. Es richtete die Aufmerksamkeit auf einige Grashügel oberhalb der zitternden Moorflächen, deren Ränder in der Morgensonne gelb schimmerten. Es sog Luft ein. Stockend. Dann löste es sich von dem Stein und setzte einen Fuß vor den anderen. Es ahmte das tiefe Seufzen einer menschlichen Brust nach und begann den Aufstieg zur Hügelspitze. Seine Bewegungen waren zunächst ungelenk, es probierte einige Gangarten aus, schob abwechselnd Schultern oder Brust vor und verfiel in einen leichten Dauerlauf. Hinter dem ersten Hügel zeichnete sich die dunkle Silhouette einer Scheune ab. Es blieb stehen.
Die Gestalt veränderte wieder seine Oberfläche, passte sich der Umgebung und dem Licht an und schlich der baufälligen Scheune entgegen.
 
Ein dumpfes Brummen erfasste den Körper des Wesens, dessen Schwingungen aus bedrohlicher Nähe zu kommen schienen. Eine gedämpfte Stimme erklang: „Verflucht, Madden, du weckst noch den ganzen Hof auf. Du bekommst dein Futter, sobald dieses Drecksteil anspringt.“ Dem folgte das gurgelnde Geräusch eines Anlassers.
 
Ein scharfer Duft kam auf und endlich sah es die Ursache: Ein mit zottigem Fell überzogenes, vierbeiniges Tier kauerte nur eine Armlänge entfernt im hohen Gras. Seine Augen fixierten den Fleck hinter der Scheune. Das Wesen bewegte sich nicht. Einen Moment lang starrten sie einander an. Dann jaulte der Hund auf, drehte sich ruckartig um und stob durch das offenstehende Tor in die Scheune.
 
 
* * *
 
 
Tom Harrow Senior hockte zusammengesunken auf einem kleinen Traktor und betrachtete das Fahrrad. Es lehnte noch immer an derselben Stelle, dort, wo es seit Jahren stand. Der Lack war an mehreren Stellen abgeplatzt, Rost hatte sich an den Speichen festgesetzt, und der Sattel war aufgequollen. Ein Reifen war platt, an der Lenkerstange klemmte eine Klingel, die dem Kopf eines Superhelden nachgebildet war. Tom wusste nicht, warum es noch dort stand.
Der Motor des Traktors sprang an und puckerte ungeduldig vor sich hin. Madden, der Hund, saß einige Schritte entfernt und winselte leise, ohne den Blick von der Scheunenwand zu nehmen.
„Was ist los mit dir?“, murmelte Tom und zog an seiner Pfeife.
Der Rauch vermischte sich mit den Abgasen des Dieselmotors. Tom kletterte ungelenk vom Fahrersitz, trat näher an das Fahrrad heran und stieß es mit der Stiefelspitze an. Er hätte es längst wegwerfen können. Tom sah zur offenen Tür der Scheune. Nichts rührte sich. Nur Schatten, Staub und der Geruch von altem Heu. Sein Hof. Er war nicht stolz darauf, dass er sein ganzes Leben hier verbracht hatte. Stolz war etwas, das man auf dem Land nicht gebrauchen konnte. Ebenso wie Träume. Das Tuckern des Dieselmotors erinnerte ihn an das Fischerboot, das er sich nie hatte leisten können. Das verdammte Fischerboot. Er grinste schief. Besser so, seine Leiche würde bei den anderen Harrows auf dem Friedhof liegen und nicht auf dem Grund des Atlantiks .
Er sah noch einmal zu dem Fahrrad.
„Du hättest es besser pflegen sollen“, sagte er, ohne genau zu wissen, was das für einen Sinn gehabt hätte.
Madden jaulte auf und sprang zurück.
Tom fuhr herum. „Jetzt reiß dich zusammen.“
Der Hund duckte sich und wich zurück, den Schwanz zwischen die Beine geklemmt. Tom folgte seinem Blick zur Rückseite der Scheune. Dort, wo das Moor begann. Die Pfeife war erloschen. Er stellte den Motor wieder ab und verließ die Scheune. Die Spatzen hatten ihr Morgenkonzert begonnen und übertönten das ferne Läuten der Glocken aus dem Dorf.
Tom spürte, wie sich etwas in ihm zusammenzog. Das Fahrrad ... in seinen Träumen stand es nicht in der Scheune. Unwirsch schüttelte er den Kopf und spuckte aus. „Unsinn“, sagte er laut. „Reiner Unsinn.“
Er ging zur Scheunentür, schob sie ein Stück weiter auf und blickte hinaus. Staub tanzte im schrägen Morgenlicht. Eine alte Schaukel hing schlaff von der Eiche herab und ihr vergilbtes Holzbrett schimmerte feucht.
„Tom?“, rief Marga vom Haus herüber. Ihre Stimme klang dünn. „Kommst du?“
„Gleich“, antwortete er. Er straffte seinen Rücken, strich sich über seine borstigen Haare und zog gequält die Mundwinkel nach oben.
Der Hund rührte sich nicht.
Tom drehte sich um und ging langsam zum Haus zurück, ohne sich noch einmal umzusehen. Hinter der Scheune, im Schatten, verharrte etwas reglos. Es hatte beobachtet. Es hatte zugehört. Es würde bleiben.
 
 

* * *

 

„Wenn Gallagher glaubt, er bekommt im August drei Wochen, dann glaubt er auch an kleine grüne Männchen“, sagte Margaret Doyle, ohne aufzusehen. Sie knüllte ein lindgrünes Urlaubsformular zu einer Kugel und versenkte sie mit einem gezielten Wurf in einen der vielen Papierkörbe.

Der Antrag hatte nun seit drei Tagen auf ihrem Schreibtisch gelegen und damit die übliche Bearbeitungszeit erreicht. Oben rechts hatte in der Zwischenzeit jemand mit Bleistift ein fettes Fragezeichen gemalt, daneben fanden sich zwei harmlose Schimpfwörter. Auf der zweiten Etage der AWA ging es gesittet zu. Der Abteilung für Wetteranomalien konnte man vieles nachsagen, aber schlechte Arbeitsbedingungen gehörten nicht dazu.
Margaret sah auf die Uhr. Viertel nach neun. Eigentlich hätte der Ausdruck aus der Rechenstelle längst da sein müssen.
 
Am anderen Ende des Raums begann der Kopierer, mit jaulenden Geräuschen einige Vordrucke zu vervielfältigen. Der alte Potter stand daneben und beobachtete das Ganze mit einem skeptischen Gesichtsausdruck. Ein Ventilator, an dem ein Witzbold einen Nylonstrumpf geklemmt hatte, drehte tapfer seine Runden. Gegen die abgestandene Luft half das nicht. Das Gebäude lag in einem unauffälligen Industriegebiet am Rand von Galway, eingezwängt zwischen einer Lagerhalle für Düngemittel und einem Betonwerk. Von außen deutete nichts darauf hin, dass hier aus dem ganzen Bezirk Meldungen gesammelt wurden, für die sich weder Polizei noch Feuerwehr interessierten.
 
„Er will seine Familie in Donegal besuchen“, sagte Liam O’Connor.
Margaret verzog keine Miene. „Ist er nicht seit letztem Jahr geschieden?“
„Du solltest mal mit ihm ins Pub gehen. Dann bist du wieder auf dem Laufenden.“
„Was jetzt? Gab es am Ende ein Happy End?“
Liam nickte, und Margaret betrachtete nachdenklich den Papierkorb.
 
Sie zog einen der Aktenordner heran und schlug ihn auf. Die Seiten waren voll mit handschriftlichen Vermerken. Das übliche, Uhrzeiten und Ortsangaben mit bekannten Namen aus der ganzen Region. Diese Küste, der Hügel, hoch oben am Himmel ... seltsame Erscheinungen. Immer wieder dieselben Worte. Darunter, in einer sauberen, gleichmäßigen Handschrift, die Erklärungen der AWA:
Reflexion. Wetterballon. Militärübung. Die meisten Fälle ließen sich so schließen.
 
Das Telefon klingelte, und der alte Potter zuckte aus einem Halbschlaf auf.
Niemand reagierte sofort. Erst beim dritten Läuten hob Liam den Hörer ab, hörte kurz zu und verzog das Gesicht.
„Ja“, sagte er. „Ja, das haben wir notiert. Nein, Sir, wir können niemanden schicken. Nein.“
Er legte auf und machte eine Markierung auf dem Formular.
„County Clare. Wieder was am Himmel. Hat aus einer Kneipe angerufen.“
Margaret erlaubte sich ein Lächeln. „Dann ist es erledigt.“
 
In diesem Moment öffnete sich die Tür, und ein junger Mann aus der Rechenstelle kam herein. Er trug einen Stapel Endlospapier unter dem Arm, die Lochränder noch ungetrennt.
„Der Batchlauf ist durch“, sagte er. „Gab ein paar Fehler.“
Margaret nahm ihm den Ausdruck ab. Die Seiten waren dicht bedruckt, Zeile um Zeile mit Zahlen, kryptischen Codes und Ortskürzel. Sie blätterte routiniert durch, ohne wirklich hinzusehen – bis sie innehielt.
„Moment“, sagte sie mehr zu sich selbst.
Sie ging die Seite zurück, dann noch eine. Ihre Finger folgten den Zeilen, verglich die Uhrzeiten, Koordinaten und Küstenabschnitte.
„Liam“, sagte sie leise. „Wir haben hier drei Meldungen aus derselben Gegend innerhalb von zwanzig Minuten.“
Er trat näher. Beugte sich über das Papier und verglich die Einträge.
„Oh du Wunder der Datenverarbeitung“, murmelte er kaum hörbar.
Der Rechenstellenmensch trat nervös von einem Bein aufs andere. 
„Das System hat nichts Auffälliges markiert“, sagte er. „Die Abweichung liegt innerhalb der Toleranz.“
„Welche Toleranz?“, fragte Margaret.
Er zuckte mit den Schultern. „Die, die wir eingestellt haben.“
Margaret nickte langsam.
„Dann sieht es das hier nicht“, sagte sie.
Margaret legte den Ausdruck flach auf den Tisch. Sie nahm einen Bleistift, machte mehrere kleine Markierungen neben den Einträgen und schrieb ihre Initialen dazu.
„Lassen Sie das noch mal durchlaufen.“, sagte sie. „Ohne Toleranz. Von jetzt an immer ohne Toleranz.“ Sie verwarf den Gedanken, dem Techniker verschwörerisch zuzuzwinkern.
Liam sah sie an. „Und wenn es wieder nichts erkennt?“
Margaret sah noch einmal auf die Meldungen. „Dann bleibt es liegen, wie üblich“, sagte sie. 
Der Kopierer verstummte endlich. Der Ventilator drehte weiter seine Runden. Von der Straße ertönten ein wütendes Hupen und aufgeregte Stimmen. 
„Es ist zu heiß für diese Zeit. Die Leute sind nervös. Manchen bekommt das nicht.“ Margaret schob den Ausdruck auf den Stapel unbearbeiteter Meldungen und klappte den Ordner zu.

Bearbeitet von Michael Fallik, 25 Januar 2026 - 17:24.

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#3 Michael Fallik

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Geschrieben 01 März 2026 - 09:40

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#4 Michael Fallik

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Geschrieben 01 März 2026 - 09:46

Coverabbildung:
Eigene Aufnahme des Autors. Torfbriketts an einer Hauswand in einem Dorf an der irischen Westküste. Das Buch erscheint Mitte März 2026.

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#5 Michael Fallik

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Geschrieben 07 März 2026 - 14:38

Nachdem ich dieses Buch abgeschlossen hatte, begann ich unverzüglich, einen alten Entwurf für einen Science Fiction Roman mit mehr als beiläufiger Ironie zu beachten. Die Monate, die dieser achtlos hingeschmierte Text im Dunkel eines digitalen Exils verbrachte, hatten ihm nicht gutgetan. Ich begann, ihn mit Perspektiven und Präteritum gleich einer Gartenschere zu malträtieren, raubte ihm die Form und gab ihm eine Neue nebst knackigen Prolog.  

 

Der Prolog enthält Andeutungen auf die Grundidee, sodass er hier nicht hingehört. Hier das erste Kapitel:

 

1 - Der letzte Urlaub
 
Kanada – New Baltin
Industrial Southern Area
2086 – Ana
 
Der letzte Tag meines Urlaubs war angebrochen und wir hatten eine ungestörte Nacht verbracht. Das kam selten vor. Meine Kollegen auf dem Mond arbeiteten in drei Schichten, während ich in meinem riesigen Loft im Bett lag und die Aussicht auf eine idyllische Industrieruine genoss. Normalerweise, also mindestens einmal am Tag, oder bevorzugt mitten in der Nacht, wurde ich kontaktiert. Meistens waren es banale Dinge, die meinen direkten Vorgesetzten William Grey Welter oder die noch über ihm stehende KI mit dem harmlosen Namen BITS dazu bewegten. Es gab nur eine Handvoll Menschen auf der Erde, denen die Buchstabenkombination BITS mehr bedeutete als das Aufdröseln von Bytes. Dazu gehörte auch ich, und wenn es nach mir ging, durfte dieser Zustand ruhig noch etwas andauern. Zwei Wochen Urlaub waren zu kurz, das hatte selbst Mariam gesagt und sie kannte sich damit aus. Von der Existenz BITS ahnte sie nichts und das war gut so. Ein Biological Inspired Thinking System war wie eine Ehe. Wenn man sich einmal darauf eingelassen hatte, gab es kein Zurück – höchstens die geringe Wahrscheinlichkeit eines Rosenkriegs. 
Ich drehte mich auf die Seite, stopfte mir ein Kissen unter die Achsel, zog die Knie an und stützte den Kopf mit meinem Arm ab, der dadurch ein schiefes Dreieck bildete. Ich betrachtete Mariam, die hingestreckt wie die schlafende Venus von Mila nackt neben mir lag. Ihr Gesicht zeigte die kaum wahrnehmbare Unruhe des morgendlichen Erwachens. Der winzige, schokoladenbraune Fleck, unterhalb ihrer leicht geöffneten Lippen, besaß die Farbe ihrer Haare. Ein dichter Helm aus gekräuselter Unordnung, der Alptraum jedes einheimischen Friseurs. Sie war Flugbegleiterin bei der LUNA AM, der exklusiven Linie, die drei Mal täglich von Toronto aus das Meer der Ruhe auf dem Mond anflog. Auf solch einem Flug hatten wir uns kennengelernt. Ein griechischer Kupido musste an Bord gewesen sein und in der Langeweile des Flugs beschlossen haben, unsere Herzen aufeinander loszulassen.
 
»Woher hast du nur deine blauen Augen? Von deinen Eltern sicher nicht.« Mariam sah mich verschlafen an, als würde sie einen seltenen Schmetterling betrachten, der sich auf ihrer Hand vertrauensvoll niedergelassen hatte. Sie richtete sich auf, hob ihre Arme und löste mit beiden Händen ihr Haarband. Ihre dunkle Krauskopffrisur entfaltete sich in ihrer ganzen Pracht.
»Vielleicht sollte ich einmal einen Ahnenforscher engagieren, meinen Stammbaum als Beweis an den Kühlschrank kleben«, erwiderte ich. Der Gedanke an den Kühlschrank entfaltete sich in meinem Kopf. 
»Magst du auch einen Eiskaffee?« Mariam nickte lächelnd. Ich schwang meine Beine über die Bettkante und zog ein zerknülltes T-Shirt unter einem Kissen hervor. 
»Sehe ich schlimm aus? Ich glaube, ich habe mich gestern nicht abgeschminkt«, sagte ich und runzelte die Stirn. Sie umfasste mein Gesicht mit ihren Händen und strich sanft mit den Daumen unter meinen Augen entlang. 
»Perfekt, Ana. So darfst du den Kühlschrank öffnen.« 
Ich schlüpfte in das T-Shirt und streckte die Arme durch, hoch in die Luft, als hätte Toronto FC im Endspiel ein Tor gemacht. Zwischen ehrwürdigen alten Möbeln, neben den scheinbar wahllos verteilten rostigen Säulen der alten Fabrik–Etage, stand verloren meine Staffelei, wie ein Whiteboard, das von filigraner Ölfarbe überzogen war. Mariams medusenhaftes Portrait wirkte vor dem Hintergrund einer Landschaft voller Fabelwesen wie ein weiteres stilles Meer der Ruhe. 
»Zucker?«, fragte ich sie, als ob ich es nicht besser wüsste. Sie blickte auf meine schmale Taille, dann legte sie ihre Hände an ihre breiten Hüften und grinste mich an. 
»Gerne, Ana. Viel Zucker.«
Meine kleine Küche schloss nahtlos an den Wohnraum an. Es gab bei mir keine Barrieren – weder unsichtbar, versteckt im Inneren einer aufgewühlten Seele, noch in Form von Wänden oder geschlossenen Türen. Mein Kühlschrank war ein Tempel der Enthaltsamkeit; sein sparsamer Inhalt spiegelte die Effizienz wider, mit der ich meinen Job bei BITS Corporation erledigte. Morgen, kurz nach Sonnenaufgang, wenn das erste Licht sich in den zerborstenen Scheiben der endlosen Industrieruine vor dem Fenster meines Lofts spiegelte, würde ich in einem Shuttle der LUNA AM sitzen – verwöhnt von der ersten Klasse, isoliert von den restlichen hundert Passagieren. Mariam würde mir fehlen.

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#6 Michael Fallik

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Geschrieben 25 März 2026 - 23:23

Ein kurzer Textschnipsel aus dem Kapitel Vier
 

Ort: Ein Forschungslabor auf dem Mond (BITS)
Personen:
Perspektive liegt auf Ana, leitende Mitarbeiterin
Inad Root, Sicherheitsbeauftragter und ihr persönlicher Leibwächter
Mariam, Anas Freundin in Kanada
Sinn des Textes ist die weitere Einführung von Inad Root und ihrer Beziehung zu ihm. Es ist ein Science-Fiction-Roman, daher halte ich mich bewusst zurück mit Romance.

 

Ich stand mit den Resten meiner Selbstbeherrschung vor der Kaffeemaschine. Inad Root zog zwei vorgewärmte Kaffeebecher aus isolierendem Kunststoff von einem Rondell und wählte für mich einen doppelten Espresso. Er kannte mich besser als mein Therapeut in New Baltin. Die Therapie hatte ihre Gründe.

Inads Frau gefiel mir ausgesprochen gut. Fast so gut wie er – ein Ex-Soldat mit andalusischen Locken und einem stets makellos rasierten Gesicht.
Nur dass ich ihr diese Sympathie nie gestanden hatte. Es würde mein Verhältnis mit Inad nicht unbedingt einfacher machen, wenn ich seiner Frau schöne Augen machte. Und dann war da auch noch Mariam. Eine Fernbeziehung über Hunderttausende Kilometer. Für mich galt das als Entschuldigung und ich ahnte, dass Inad das ähnlich empfand.
Wir waren uns beide nicht sicher, ob es die trostlose Umgebung war, die uns spät nachts unter einem endlosen Sternenhimmel, nur getrennt durch gewölbtes Panzerglas, eng aneinandergeschmiegt einschlafen ließ. Manchmal wachte ich auf und Inad stand unter diesem Baldachin, den Kopf erhoben, sein Gesicht hell von der Erde angestrahlt. Alles Harte an ihm wurde von diesem fernen Licht weggespült. Ob er in Gedanken versunken war oder nur die Weite des Weltalls in sich aufnahm, spielte in solchen Momenten keine Rolle. Sie gehörten uns, füllten die Steinwüsten des Monds mit Erinnerungen. Es waren zugleich Illusionen. Über meinem Schlafraum türmten sich die Steinmassen der Mondkruste auf und jegliche Aussicht war nur Projektion auf kalten Bildschirmen. Wir ließen es zu, so wie wir unser kleines Glück zuließen.

Inad hielt mir den Kaffeebecher entgegen. Ich schüttelte unmerklich den Kopf und verdrängte die Gedanken an unsere seltsame Beziehung. Sie war vielleicht nur ein weiteres Produkt dieser Forschungseinrichtung tief unter der Erde.

BITS stand auf Hochglanzfassaden, an ihren Glaskuppeln und in den Gemütern ihrer Mitarbeiter. Skrupel oder schlechte Träume waren nicht angesagt, gehörten nicht zum Anforderungsprofil.
Inad war abgebrüht. Er hatte, wie man im Männerjargon sagt, gedient. Bevor er beim Sicherheitsdienst anheuerte, war er im Sumpf politischer Abgründe unterwegs gewesen. Nichts Neues in seiner Familie. Er hatte mir Bilder gezeigt.
Sein lächelnder Großvater neben einem amerikanischen Präsidenten in Handschellen. Sein Dad, Militärberater in der Befreiungsarmee des ehrenwerten Clusters Jackson, dem Begründer der kanadischen Föderation. Seine Vorfahren schienen nur aus Männern zu bestehen. Er hatte damit gebrochen.

 

 


Bearbeitet von Michael Fallik, 20 Mai 2026 - 19:03.

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#7 Michael Fallik

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Geschrieben 19 Mai 2026 - 12:12

Das in den letzten beiden Beiträgen vorgestellte Buch ist beendet. Es bekam den Titel: Die Stadt ohne Zeit.

Hier der Klappentext:

 

Der Tod ist nicht das Ende.

Als Inad Root sich freiwillig für ein Experiment meldet, ahnt er nicht, dass er sein eigenes Todesurteil unterschreibt.
Doch Inad stirbt nicht.
Er erwacht im Körper einer Maschine – vierzig Lichtjahre von der Erde entfernt, auf Trappist Sieben.

Die Kolonie liegt in Trümmern. Androiden herrschen über die Ruinen.

Und Inad erhält einen Auftrag, den er nicht versteht: Zeit sammeln.

Dann findet er in einem abgestürzten Raumschiff einen abgeschalteten Androiden.

In dieser Maschine lebt Ana Petrova weiter – die Frau, die ihn einst erschaffen hat.
Gemeinsam suchen sie nach der Wahrheit: Was hat sie nach Trappist Sieben gebracht?

Warum ist Zeit auf diesem Planeten der wichtigste Rohstoff?

Und was lauert auf der dunklen Seite von Trappist, zwischen steinernen Relikten, tödlichen Anomalien und fremdartigen Wesen?
Während Inad und Ana entdecken, was von ihrer Menschlichkeit geblieben ist, nähert sich vom Mond ein weiteres Raumschiff.


Bearbeitet von Michael Fallik, 19 Mai 2026 - 12:16.

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Geschrieben 19 Mai 2026 - 12:20

Mein neues Manuskript trägt den Arbeitstitel: Die Stadt ohne Regen
 
 
1. Die Sammler
 
Das Menschenjunge hockte in Schussweite unter einem Nussbaum und hatte sie nicht bemerkt. Liora Venn hob das Gewehr an die Schulter. 
Es war ein weibliches Kind, keine fünf Jahre alt. Sie schlug mit einem Stein auf einzelne Nüsse ein. Dabei huschte ihr Blick immer wieder zu den Schatten zwischen den Bäumen, die in der Nähe aufragten. 
»Es sind Ältere in der Nähe«, flüsterte Mara.
»Es ist leichtsinnig, weil es Hunger hat.« Liora klappte ihr Visier auf und spähte durch die Optik des Gewehrs. 
Mara legte die Hand auf den Lauf und drückte sanft nach unten.
»Sie lassen solche nicht alleine wandern. Such den Waldrand ab«, sagte sie leise. Es war bedeutungslos. Sie wussten es beide bereits. 
Die Wärmeoptik der Begleitdrohne hatte sieben leuchtende Flecken angezeigt.
Sie könnten sich trennen, die Lichtung umrunden und bei den Wärmequellen von zwei Seiten observieren. 
»Die Drohne … hast du sie oft eingesetzt?«, fragte Liora.
»Als Waffe?«
Das Mädchen auf der Lichtung rollte sich wie ein Affe nach hinten und stand auf ihren winzigen nackten Füßen. Es hob den Kopf und blickte in ihre Richtung. 
Noch während Mara erste Befehle in die Drohnensteuerung sprach, tauchte ein weiterer Freigeborener auf und rannte auf das Junge zu. 
Liora wartete nicht auf Maras Freigabe.
Sie schoss zweimal. Für den ersten Schuss zielte sie nicht. Noch während das Zischen der ersten Betäubungskapsel verklang, schwenkte sie den Lauf seitlich auf den rennenden, nur mit einer Fellhose bekleideten Mann. 
Sie war gespannt, wie es diesmal sein würde. 
Der Pfeil traf in die Schulter. Ein guter Schuss. Sie stellte sich vor, wie der Aufprall die winzige Kapsel in der Pfeilspitze öffnete. Wie das Gift in das Blut eindrang, von dort in die Fasern der Muskeln und dort seine lähmende Wirkung entfaltete.
Der Mann fiel vornüber.
Die Drohne war zu hören. Liora klemmte das Gewehr an den Haltegurt und wollte losrennen. Sie vermied es, Mara anzuschauen. Sie kannte den Blick und es würden auch dieselben Vorwürfe sein, die sie später zu hören bekam. Sie hatte eigenmächtig gehandelt. Eine Scharfschützin durfte das, so war die Anweisung, doch Mara zeigte ihre Missbilligung, indem sie die Fäuste ballte und ein unterdrücktes Stöhnen von sich gab. Es war ein Ritual und sie waren darin ein eingeübtes Team. Mara würde sich jetzt schütteln und der Drohne neue Befehle geben. Liora verließ sich darauf und lief auf das ausgewachsene Exemplar zu, das regungslos im Gras lag. Wenn sie es richtig berechnet hatte, würde die restliche Gruppe nun die Drohne hören und bereits unterwegs sein. 
Sie hatten wenige Minuten, die Beute zu sichern und zu verschwinden.
 
Die Drohne klappte den Gaswerfer ein und begann, den Gurt abzuwickeln. Mara folgte Liora und sprintete auf das zusammengesunkene Kind zu. Sie nahm es auf und drückte es an sich. Dann lief sie, ohne sich noch einmal nach ihrer Schützin umzusehen, zurück in den Wald. Sie kannte den Ablauf. 
 
Liora vertraute der Technik ihrer Partnerin. Die Drohne schwebte direkt über ihr. Sie hörte deutlich das Surren der Rotoren. Sie legte dem betäubten Waldmenschen den Gurt auf die vorgeschriebene Weise an. Dann zog sie dreimal an dem Zugseil. Die Last wurde angehoben und drehte sich, schwang sanft in einem Bogen und stieg in den Himmel. 
Der Glasstadt entgegen. 
Liora nahm ihr Gewehr vom Rücken, warf einen prüfenden Blick an die Ränder der Lichtung und lief los. Am Treffpunkt würden sie ihre Beute übergeben und konnten über die Sache reden. So wie immer. 
 
Freigeborenen davonzulaufen, war nie eine gute Idee. Sie waren ausdauernder, schneller und leiser. Liora schloss zu Mara auf, die mit ihrer Last auf den Armen nur schlecht vorankam. Gemeinsam hasteten sie durch den dichten Wald, bis sie die erste Markierung erreichten. Ein von Laub und Bodengewächsen überwucherter Betonring, aus dem in weitem Abstand die Halterungen der Kameras aufragten. Ein kaum hörbares Pfeifen lag in der Luft. Für das ausgeprägte Gehör der Naturgeborenen war das Geräusch ein Störsignal. Sie waren in Sicherheit. Vor ihren Fäusten und Messern, doch nicht vor ihren Pfeilen. 
Liora streckte ihrer Technikerin beide Arme entgegen. Maras Gesicht war schweißbedeckt. Sie atmete schwer. 
»Irgendwann …«, keuchte Mara und hob das Kind in Lioras Arme. 
»Sicher. Vernachlässigst du dein Training?« Liora kontrollierte den Puls des Kindes. Es schlief tief und fest und würde erst im Labor erwachen. 
Während der letzten Regenzeit war in dem aufgeweichten Boden eine Senke entstanden, die von dem Betonring bis in die Nähe des Treffpunkts führte. Sie hatten die Erlaubnis erhalten, diesen zu befestigen. Die Vorschriften waren streng. 
Der schartige Belag des Bodens knirschte unter ihren Sohlen. Es war nicht mehr weit bis zum Übergabepunkt. Am Endpunkt der Transportröhre wartete die Kabine. Sie stand offen. Die Drohne hatte ihre Last auf dem freien Platz abgesenkt, der wie eine Miniaturversion der Lichtung im Wald wirkte. Einige Bäume waren entfernt worden. Das geschah selten und war mit dem Ausfüllen von etlichen Formularen und Anträgen verbunden gewesen.
Mara öffnete den Gurt der Drohne und gab ihr den Befehl zum Rückflug in die Stadt. 
Der Mann wog sicher siebzig Kilo. Er war von dichtem Fell bedeckt, das ihn wie einen schmutziggelben Affen aussehen ließ. Waffen trug er keine, dafür erkannte sie an seinem geflochtenen Ledergürtel ausgebeulte Leinenbeutel. Ein Sammler. 
Sie legten das Kind auf die hintere Bahre der Kabine und sicherten es. Dann zogen sie gemeinsam den Mann an beiden Füßen bis zu den Stufen der Röhre. Er gab ein lautes Schnarchen von sich. Liora griff unter die Arme des Mannes und wuchtete ihn hoch. 
»Glaubst du, er ist gesund?«, fragte sie und pustete sich eine Strähne ihres schneeweißen Haars aus dem Gesicht. 
»Gut genährt ist er. Frag mich mal, was die dort den ganzen Tag fressen.« Mara blickte zurück in den Wald. Vielleicht würde sie nun gerne die kleinen Beutel öffnen. Nüsse, Beeren und Fallobst auf ihre Handfläche streuen und daran schnuppern. Doch das war verboten und die Kameras würden es aufnehmen. 
Die Wilden sammelten und wurden gesammelt. Was war daran verkehrt?
 
»Du fragst nie, bevor du handelst. Ist dir meine Meinung nichts wert?«, fragte Mara. Sie hielt nichts von spontanen Entschlüssen. Nicht in der Nähe einer Gruppe Freigeborener, die mit Speeren und Pfeilen bewaffnet waren. Sie war Technikerin. 
»Was denn? Auftrag erledigt. Jetzt noch den Rest und es geht zurück in die Stadt.«
Liora fesselte den Mann und zog einen Gurt über seine Brust, der ihn auf einer Liege fixierte. Sie verließen die Kabine und die Tür schloss sich ohne ihr Zutun. Ganz bestimmt wurden sie beobachtet. Jedes ihrer Worte aufgezeichnet. So war es üblich.
 
Der Rest. Dafür machten sie einen weiten Bogen um die Lichtung und folgten dem schmalen Wildpfad bis zu dem See, der eingebettet zwischen flachen Hügeln lag. Dort fanden sich zu dieser Tageszeit etliche Tiere ein. Es gelang ihnen, eines der scheuen vierbeinigen Tiere zu erlegen. Es hatte Hörner, die aus seiner Stirn wuchsen. Mara verglich es mit der Abbildung, die ihnen mitgegeben wurde. Der lateinische Name war unaussprechbar. Sie nannten diese Tiere bei jeder sich bietenden Gelegenheit anders: Gnugnu, Wuschler oder einfach Reh. 
»Warum sollen wir dieses töten und die Waldmenschen nicht?«, fragte Liora. Sie hatte das schon oft gefragt und jede Antwort darauf fiel anders aus. Sie wussten es nicht. 
Totes Fleisch berühren zu müssen, war das einzig Schlechte an ihrer Arbeit. Das Gute war, das niemand davon wusste. Ihre Freunde nicht und ihre Familie nicht. 
 
»Wir töten nicht aus Spaß und nicht aus Hunger«, zitierte Mara die erste Regel. 
»Wir schleppen zum Spaß ein totes Tier durch den Wald. Warum hast du die Drohne weggeschickt?«
»Frag nicht. Sie wollten es so. Pack an, ich will zurück.«
Als sie ihr Camp erreichten, stand die Kabine wieder am Ende der Röhre. Sie war leer. Sie warfen das Tier in die Kühlbox und reinigten gründlich ihre Hände. Dann aßen sie. Dazu hockten sie sich um den Wärmestrahler, öffneten eine der kleineren Kisten, die auf einem Stapel Uni-Boxen lag, in denen weitere Ausrüstung, Kleidung und ihre Zelte verstaut waren. 
Sie kauten schweigend an den geschmacklosen Würfeln Zuchtfleisch. 
»Das Brot ist zu salzig«, flüsterte Liora und stopfte etwas von dem Weizentoast in ihren Mund und spülte es mit Wasser hinunter. 
»Wir nehmen mit Demut die Kost entgegen, die die Stadt uns gibt.«
»Du nervst. Verschon mich mit den Geboten«, sagte Liora und reichte die Trinkflasche ihrer Technikerin. 
Sie kannte sie auswendig. So wie jeder andere Bewohner der Glasstadt. 
 
In der Stadt berührte niemand totes Fleisch, außer es starb ein Bewohner Bastions. Lioras Vater war gestorben. Sie ahnte, dass seine Forschungen der Grund waren, warum sie hier war und nicht jemand anderes von den vielen, die sich in der Stadt drängten. Ihr Vater war ein kluger Mann gewesen und hatte die wahre Natur der Außenwelt erkannt. Das war vor vielen Jahren gewesen. Liora war zu der Zeit ein Kind. Nicht älter als fünf. Niemand hatte mit ihr gesprochen, als er verschwand. Zehn Jahre später wurde sie zur obersten Technikerin gerufen und erhielt von ihr das Gewehr und einen Lehrer. Sie lernte Mara kennen. Das war ungewöhnlich, denn Maras Eltern waren einfache Leute. Ihre Tochter war alles andere als einfach. Schon während der ersten gemeinsamen Tage überraschte sie Liora mit ihrem Wissen um alles Technische und ihrer Begeisterung für Drohnen und Navigation. Sie konnte all das, was Liora langweilig fand. Sie schaute lieber durch ein Zielfernrohr als aus Hunderten Metern Höhe auf eine Gruppe kleiner Lichtpunkte.
 
Liora betrachtete ihre Gefährtin. 
Mara war einen Kopf kleiner, obwohl sie schon achtzehn war und damit ein ganzes Jahr älter. 
Liora hatte dagegen den typischen Körperbau  aller Mitglieder der hohen Familien. Hochgewachsen, schlank an der Grenze zum Mageren, farbloses Haar, das in der Sonne der Außenwelt wie Silber glänzte und in den Nächten grau und wie Metall wirkte. Mara beneidete sie darum. Ihr Haar war dunkler, fast so wie das eines Freigeborenen. Dies war kein Makel, aber es war eine Eigenschaft von Mara, dass sie sich stets nach dem sehnte, was sie an anderen sah. Sie hatte es durch Beharrlichkeit und Lioras Hilfe geschafft, in der Hierarchie aufzusteigen. Ihre Haarfarbe war geblieben. 
 
Das Signal der Kabine riss sie aus ihren Gedanken. Sie stand auf, verstaute alles, was bis zum nächsten Ausflug haltbar und entbehrlich war und verschloss sorgsam die Kisten. 
Es war unwahrscheinlich, dass ein Freigeborener bis hierher vordrang. Niemals war eines dieser Geschöpfe auch nur in der Nähe der gläsernen Stadtmauern gesehen worden. Sie waren scheu. Und sie hassten die Menschen aus Bastion.

Uns.
Wir raubten ihre Kinder.

 

 
 
2. Die gläserne Stadt
 
Liora fühlte sich in der engen Kabine der Transportröhre unwohl. Es passierte jedes Mal an der gleichen Stelle.
Sie verließen den Wald, und für einige Sekunden tauchten in der Ferne die Umrisse der Glaskuppeln auf, funkelten wie Edelsteine in der Sonne oder lagen als Urtiere im Morgennebel. 
Jedes Mal sprang sie auf, presste ihre Hände gegen die Scheibe und starrte auf ihr Zuhause. 
Mit jedem Kilometer, den sie zurücklegten, tönten sich die Scheiben dunkler, bis kein Licht mehr eindrang und ein Notlicht ansprang. 
Niemand konnte von den Türmen der Stadt die beiden winzigen Menschen sehen, die sich in der Kabine befanden. Die gläserne Transportröhre war offiziell kein Ausgang. Sie war nur ein Relikt aus alten Tagen, ohne Sinn und Funktion. Selbst Liora und Mara wussten nicht, wo sie innerhalb der Stadt endete. 
Ein Kellerraum, sterile Gänge mit Abzweigungen und Aufzügen, bei denen man nicht spürte, in welche Richtung sie fuhren. Sie traten nie durch dieselbe Tür ins Tageslicht. Diesmal war es das Regierungsviertel. Liora und Mara hatten in der Kabine die Außenkleidung gegen die Uniformen niederer Stadtbeamter getauscht. Schlichte Stoffhose, ein Hemd ohne Kragen und, weil es noch drei Tage Sommer war, an den Füßen die üblichen Sandalen. 
Alles in Safrangelb, abgesetzt mit einem blauen Streifen an den Ärmeln. 
Morgen würden die Ausgabestellen für Winterkleidung öffnen. Liora war immer eine der Ersten, die dort anstanden. Mara wartete grundsätzlich bis zu dem Tag, an dem das Klima unter den Glaskuppeln auf Winter umgestellt wurde. 
 
Sie verließen das unscheinbare Gebäude und traten auf die Straße. Die Luft war drückend und roch nach zu vielen Menschen, abgestanden und feucht. Für einen Moment verharrten sie dicht an der Hauswand. Niemand beachtete sie. Zwei junge Mädchen, die auf den Weg nach Hause eine kurze Pause einlegten. 
»Wir haben alles richtig gemacht.«
Mara nickte.
»Bist du zufrieden? Dein Vater wäre Stolz auf dich.«
Liora erstarrte bei diesen Worten. Mechanisch absolvierte sie ihre vorgeschriebene Atemübung und versuchte, ihren Herzschlag zu kontrollieren. 
»Du kennst ihn doch gar nicht«, sagte sie nach drei tiefen Atemzügen, die sie durch geschürzte Lippen entließ. 
»Er hatte sicher wichtige Gründe, fortzugehen.«
»Solange er keine Gründe findet, zurückzukommen, kann er mir gestohlen bleiben.« 
Es war eine Übereinkunft zwischen ihnen. Lioras Vater war nicht tot. 
Mara unterdrückte das spontane Bedürfnis, sie in den Arm zu nehmen. 
»Etwas lässt mich nicht los. Warum war das Kind alleine auf der Lichtung?«, flüsterte sie stattdessen. 
»Hast du im Unterricht nicht aufgepasst? Sie setzen ihre Jungen aus und töten die Alten.«
Liora scharrte mit der Sandale über den Kunststoffbelag der Straße und starrte dabei auf die vorbeieilenden Menschen. 
»So nah an der Stadt? Warum ist der andere zurückgekommen?« 
»Unsere Aufgabe, dass herauszufinden«, sagte Liora.
»Aber …« Mara erkannte in der Menge ein bekanntes Gesicht und hob reflexartig zwei Finger an die Brust. Der Mann, der Kleidung nach ein Mitglied einer Techniksekte, blieb stehen. 
»Mara. Gelobt sei Bastion. Was treibt dich in das Regierungsviertel? Eine weitere Petition zur Rettung des Parks? Deine Eltern sollten besser auf dich aufpassen.« Er hatte nur Augen für Liora, deren silberne Haare für ihn offensichtlich der einzige Grund gewesen waren, nicht achtlos weiterzugehen. Er war zu Fuß unterwegs gewesen, ein deutliches Zeichen, dass er nur die Zeit totschlug.
»Jukab Vale. Du hast sicher von mir gehört«, fügte er hinzu und trat einen Schritt näher. 
»Ihr gehört zusammen?«, fragte er Liora und warf einen mitleidigen Blick auf Mara. 
»Wir arbeiten in derselben Abteilung. Mehr nicht«, sagte Liora und ging einen Schritt auf ihn zu. 
»Bedauernswert.«
»Total, doch ich befolge mit Demut die Entscheidungen meiner Vorgesetzten.« 
»Das ist gut. Wenn es mit der Demut nicht reicht, darfst du mich gerne ansprechen. Nur wenige genießen die Gunst meiner Aufmerksamkeit.« 
Liora biss auf ihre Zunge, um nicht laut loszulachen. Sie warf einen schnellen Blick auf Mara. 
Die schaute wie unbeteiligt auf einige leere Transportkugeln, die sich um eine Ladestation drängten. Der Mann wartete auf eine Antwort. Liora schwieg. Mara zupfte sich an der Nase und betrachtete danach intensiv ihre Fingerspitzen. 
Aus Dutzenden unsichtbarer Lautsprecher ertönten drei Glockenschläge. Die zwölfstündige Tagesphase war fast vorbei. 
»Die Zeit für gute Träume naht«, sagte er schließlich. Seine Hände waren mit Abstand das schönste an ihm. Vielleicht der Grund, warum er ständig damit durch seine weißen Haare strich und eine Strähne mal nach links und mal nach rechts legte. Er überragte Liora und unter dem engen Gewand erkannte sie, dass er gut genährt war. Ein typischer Begünstigter. Doch anders als der stämmige Waldbewohner wirkte er schwammig und ungesund. Er hatte sich als Zeichen des Wohlstands die Zähne entfernen lassen. Das gab seinem Gesicht etwas Eingefallenes, das nicht zu seinem jungen Alter passte. Seine Stimme klang unangenehm hoch. 
»Jukab Vale«, wiederholte er, als wäre es das Wichtigste auf der Welt. Ein letztes Mal hob er die Hand zur Stirn und beließ sie dort, als würde er überlegen. Dann drehte er sich um und verschwand.
Sie atmeten beide hörbar aus. 
»Das mit den guten Träumen wird wohl nichts. Woher kennst du ihn?«, sagte Liora mit einem undefinierbaren Grinsen auf den Lippen.
»Den Neffen von Hallian Vale? Dem Abkömmling der Gründerfamilie? Wenn ich das jetzt erklären würde, stehen wir bis zur Sperrstunde hier.« Mara schaute ihr nicht in die Augen. Sie waren seit zwei Jahren Partner. Mehr als das. Doch gab es immer noch Momente, in denen sich zeigte, dass sie nicht alles teilten. 
 
Das Transportband trug sie zum Zentralplatz. Als sie dort ankamen, war es bereits dunkel. Mara schaute auf ihre Uhr.
»Kommst du noch mit? Meine Eltern würden sich freuen«, fragte sie und reichte Liora beim Absteigen die Hand.
»Schau dir das an. Glaub, die werden nie fertig,«, sagte Liora und zeigte auf ein abgesperrtes Areal, auf dem sich früher ein Park mit echten Blumen befunden hatte. Baukräne und die Gerüste unfertiger Gebäude wurden von grellen Scheinwerfern angestrahlt. 
Mara schaute ihr fest in die Augen. Das machte sie immer, wenn ihr etwas wichtig war. Im Gegensatz zu Liora war ihr ziemlich viel wichtig. Sie mit zu ihren Eltern zu schleppen, gehörte dazu.
Sie schüttelte den Kopf. 
»Um zehn ist Sperrstunde. Und ich will wirklich die Erste sein an der Kleiderausgabe. Es heißt, dass es dieses Mal eine kleine Menge besonderer Schals gibt. Zweifarbig. Kannst du dir das vorstellen?«
»Grünblau wie im letzten Jahr? Ich kenne niemanden, der einen abbekam.«
Liora strahlte. 
»Du … du hast?«
Liora drehte sich auf der Stelle und zupfte an einem unsichtbaren Schal um ihrem Hals. 
»Viel zu schade zum Tragen«, sagte sie und ließ müde die Hände sinken. 
»Wenn ich gleich nach Hause komme, darf ich zuerst die Gemeinschaftsküche putzen. Gibt da so einen Scheiß Plan, auf dem ausschließlich mein Name steht«, fuhr sie fort und legte Mara beide Hände auf die Schultern. Sie beugte sich und gab ihr einen sanften Kuss auf die Stirn. 
»Zieh zurück zu deiner Mutter. Ich find’s da cool.«
»Toller Vorschlag. Warum ziehst du nicht zu Ihr? Sie wäre begeistert. Zwanzig Quadratmeter mit Ausblick. Für zwei Personen ideal.«
Lioras Mutter war vernarrt in Mara. Objektiv betrachtet war das nichts Ungewöhnliches. Bis auf Liora kam sie mit jedem gut zurecht. 
»Schon klar. Du möchtest lieber Geschirrspülen als die besten gebackenen Weizenkekse von Bastion probieren«, sagte Mara scherzhaft und trat einen Schritt zurück.
»Danke«, sagte Liora.
»Wofür jetzt?«
»Die beiden Freigeborenen. Es war ein Fehler von mir, ohne Freigabe zu schießen.«
Mara wollte schon antworten, doch Liora sprach leise weiter, während um sie herum ein endloser Strom an gleich gekleideten Menschen vorbeieilte. 
»Dieses Kind …«
»Ja?«
»Erinnerst du dich, wie es aufsprang und in unsere Richtung sah?« Mara nickte.
»Selbst auf die Entfernung … es hat gelacht. Ich hatte das Gefühl, es schaut mir in die Augen und lacht mich an.«
»Und da hast du gedacht, so ein Lächeln schaust du dir im Labor genauer an.« 
»Ja, genau.«
»Wenn du so etwas sagst, meine ich zu verstehen, warum deine Mutter ein Problem mit dir hat.«
»Ach, Blödsinn. Du bist nicht dabei gewesen, als mein Vater noch bei uns war.«
»Was hat dein Vater damit zu tun, dass du so nen Scheiß von dir gibst? Jeder weiß, dass die Freigeborenen dumme Wilde sind. Die würden nicht mal lachen, wenn du ihnen jeden Witz erklärst.«
»Wenn das mal so ist. Am besten wird sein, du besuchst meine Mutter. «
»Die alte Leier. Du verschonst mich mit deinen Märchen, weil du mein Schütze bist und nicht darüber reden darfst. Hast du eine Ahnung, wie oft ich mich frage, wie du an den Job gekommen bist?«
Auf der Baustelle ging das Licht aus und der künstliche Sternenhimmel schaltete sich ein.
»Weil ich schweigen kann«, sagte Liora und drehte den Kopf weg.
 
Die Glaskuppel über ihren Köpfen war zu einem mit winzigen Lichtpunkten übermalten Gemälde geworden. Es wirkte für Liora nicht echt, eher wie die fantasievolle Nachbildung eines Nachthimmels. Die Milchstraße, ein nebeliges Gebilde voller aufquellender Sternenwolken, war zu grell. In Wirklichkeit waren die Sterne nicht so schön. Und das schlimmste waren die Wolken. Die Erbauer der Kuppeln hatten sie vergessen. Sie und Mara waren überzeugt, dass es sich dabei nur um einen Fehler handeln konnte. Keine Wolken bedeutete kein Regen. Dabei war Regen das Schönste, das sie seit dem ersten Verlassen der Kuppelstadt in der Wildnis erlebt hatte. Nicht die warmen Sonnenstrahlen, die zudem gefährlich waren und vor denen sie sich mit eigens hergestellter Creme und passender Kleidung schützen mussten. Nicht die Pflanzen, angefangen von den moosigen Bachufern, uralten Hängeweiden oder Tannenwäldern, deren Böden weich und mit Pilzen überzogen waren. 
Ein warmer Sommerregen entschädigte für vieles, ließ manches vergessen. Liora und Mara kannten keine Scheu voreinander. Weit weg von den Kameras der Kontrollpunkte und der Drohne hatten sie es gewagt, während eines Ausflugs ihre Kleidung abzulegen. Es war ein herrliches Gefühl gewesen. Die Haare klebten ihnen auf der Stirn und ihre Füße waren schmutzig geworden vom Gras und den schlammigen Pfützen. Sie verloren kein Wort darüber und wiederholten es nicht.
 
In Bastion fiel kein Wasser vom Himmel. Dort wuchs kein Gras und niemand tanzte nackt und ausgelassen unter Obstbäumen. 
 
»Ich muss gehen. Die Schlafzeit rückt näher. Sehen wir uns morgen?«, sagte Mara. Sie war mit ihren Gedanken schon zu Hause, auch wenn es in einem anderen Viertel der Stadt lag. Trotz ihrer neuen Stellung war sie nicht umgezogen, lebte immer noch zusammen mit Jenna und Abraham, ihren natürlichen Eltern, in einem winzigen Raum am anderen Ende der Kuppel.
»Bin morgen unterwegs«, sagte Liora, ohne den Blick vom künstlichen Nachthimmel abzuwenden.
»Warum so ausweichend?«
»Warum so neugierig?«
»Du wohl eher. Schaust dir unseren Fang an? Das Lächeln und so?«
»Was soll ich tun, wenn sonst niemand lacht? Meine Mutter wurde mit einem Stock im Arsch geboren und nimmt ihn mit ins Grab. Elian ist vor zehn Jahren verschwunden und meine beiden Mitbewohner mobben mich.«
»Nicht schon wieder. Dein Vater ist verschwunden. Warum machst du dich nicht auf die Suche?«
»Du redest wie meine Mutter. Ihr solltet zusammenziehen.«
Jetzt war es Mara, die lachte. Halbherzig und in dem Bewusstsein, dass es falsch war.
Aus den Lautsprechern kam das erste Schlafsignal. Die Menschen auf dem Platz beschleunigten ihre Schritte und selbst das im Boden eingelassene Transportband schien schneller zu werden.
Sie hob die Hand zum vorgeschriebenen Gruß an die Brust und rief nach einer der schwebenden Transportkugeln. Liora machte die Bewegung nachlässig mit.
»Gelobt sei Bastion!«
»Gelobt sei Bastion!«, antwortete Mara. 
 
 
Soweit die ersten beiden Kapitel. Auf meiner Homepage finden sich demnächst weitere Informationen. Zudem sind dort Links zu meinen bisherigen Büchern zu finden, die ich vorzugsweise über den Autorenshop vertreibe.
 
Hinweis in eigener Sache:
Bitte beachtet, dass meine Texte urheberrechtlich geschützt sind und ich sie als mein geistiges Eigentum betrachte. 

Bearbeitet von Michael Fallik, 20 Mai 2026 - 19:07.

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