
Vor ein paar Tagen erschien die zweite Ausgabe der CAPRICE im Handel. Und bei der Gelegenheit würde ich gerne auf sie aufmerksam machen – aus nicht ganz unegoistischen Gründen, wie ich gleich noch erklären will.
Inhalt:
Wie beim letzten Mal so hat auch Frank G. Gerigk dieses Mal KI-generierte Bilder vorgegeben, aus denen eingeladene Autoren und -innen Geschichten entwerfen sollten. Diese lieferten (in veröffentlichter Reihenfolge):
Dieter Bohn - Ein Haufen Geschichte
Ellen Norten - Que pasa?
Thomas Le Blanc - Der Turm der Wahrheit
Alexander Röder - Hieronimus Institoris, Inquisitor Cosmicorum 53
Axel Aldenhoven - Ostfriesisches Juju (Teil 1 von 2)
Regina Schleheck - Mein oder nicht mein
Maximilian Wust - Silphium
Anja Bagus - Projektionen
Jörn Lausen - Die singende Flamme
Gerry Haynaly - Verlorene der Stadt
Christian Endres - Keine Sterne zu vergeben
Guido Rohm - Elias Wanderklee
Achim Stößer - Morituri
Gabriele Behrend - Unterwerfung
Alexander Röder - Die Nacht, die Stadt und die Kapuzen
Hubert Hug - Schatten der Biomembranen
Tamara Schinner - Die Strafe des Universums
Mala Jay Suess - Chromatophoren
Jan Gardemann - Freundschaft & Zwist / Exportgut Erde
Franck Sezelli - Mysteriöser Besuch
Maximilian Wust - Epistemie
Friedrich Salzmann - Widerstand ist zwecklos
Kurz-Rezension:
Ich würde gerne zu jeder einzelnen Geschichte eine Rezension schreiben – mehrere hätten es definitiv verdient – aber im Moment fehlt mir ehrlich die Zeit und hinke mit Rezensionen sowieso schon nach.
Im Gesamten empfand ich die zweite Ausgabe nochmal um ein gutes Stück intensiver als die erste. "The highs are higher, the lows are lower", wie man in der Gaming-Szene sagen würde. Soll heißen: Die guten Geschichten waren wirklich gut, die Schlechten fühlten sich wie aus der Schublade an. Gerade Gabriele Behrend und Christian Endres beweisen sich als die Meister, die sie sind, und liefern Stoff, den ich eventuell sogar beim nächsten KLP nominieren werde. Überrascht hat mich auch Tamara Schinner mit ihrer "Strafe des Universums", wobei ich hier noch nicht sagen kann, ob ich die Geschichte loben oder verreißen will. Irgendwie beides. Aber sie blieb hängen. Zudem bin ich froh, dass Christian Endres hier nicht ins Forum schaut, denn seine Story in dieser Anthologie ("Keine Sterne zu vergeben") ist tatsächlich die beste, die ich bisher von ihm gelesen habe. Keine Politik, kein Gang über Eierschalen (den ich ihm ja vorgeworfen habe), keine gottverdammten Rechtfertigungen – einfach nur echtes, ungezügeltes Talent, das wahrscheinlich genauso viel Spaß am Schreiben hatte, wie ich beim Lesen. Jetzt frage ich mich, was passiert, wenn man Christian Endres einfach mal von der Leine lässt ...
Handwerklich ist die Sammlung solide – was auch dem geschuldet ist, dass sie eigentlich nur von bereits erfahrenen Schreibern verfasst wurde. Mir sind jetzt keine größeren Stolpersteine oder Logiklücken aufgefallen.
Kritikpunkte habe ich daher nicht viele. Ein paar der Geschichten lesen sich, als wäre eher ein Bild herausgesucht worden, um eine anderswo abgelehnte Story doch noch irgendwie unterzubringen. Das ist jetzt nicht per se schlimm, zumal ich selbst schon ein gutes Dutzend Abgelehnte anderswo veröffentlichen konnte, aber bei der einen oder anderen Story blieb mir dieser Nachgeschmack von "Joa, würde mich nicht wundern, wenn sie jemand nicht wollte". Aber, als Gegenargument, ich habe bis auf "Alien: Contagium" und "Der Tod kommt auf Zahnrädern" noch keine Anthologie gefunden, bei der ich wirklich alle Geschichten als befriedigend empfand.
Nun aber ...
In eigener Sache: Silphium
Selbstverständlich, in der CAPRICE 02 sind auch zwei meiner Geschichten drin, also ist es nur wenig verwunderlich, dass ich dafür ein bisschen werbe ... aber darum geht es mir tatsächlich nur tertiär.
Vor allem würde ich gerne auf die Geschichte "Silphium" aufmerksam machen. Diese ist, ganz offen, nicht die Beste in der Sammlung – Gabriele Behrend und Christian Endres stellen mich spielend in den Schatten. Laut meinen Testlesern ist sie nicht einmal die bessere von meinen beiden. Aber sie ist eine der für mich Wichtigsten, die ich jemals geschrieben habe.
Dabei bist du, der Leser oder Leserin, die Hauptperson – so seltsam es klingen mag. Stell dir vor, du schlüpfst wie aus einem Ei und das in eine ferne Zukunft hinein. Die Erde ist ein toxisches Ödland geworden. Biomaschinen beherrschen ihr Antlitz, kaum noch ein Tier überlebt in der neuen Welt und die Menschheit ist ausgestorben. Eine Entität namens Gott, so erklärt man dir, habe sie bis zum Letzten ausgerottet, bevor er selbst von den Maschinen der Menschen getötet wurde. Kaum hat man dir das gesagt, machen eben jene auf dich Jagd. Ihr dabei gefährlichstes Werkzeug ist Juri Gargarin, der erste Astronaut, der es irgendwie auch in die Zukunft geschafft hat und sich bald schon mit maximalem Tötungseifer an deine Fersen heftet.
Und ja, dieses Wirrwarr ergibt am Ende Sinn (hoffe ich) ;-)
Ursprünglich hatte ich meine erste Geschichte "Epistemie" bereits eingereicht und nicht geplant, eine weitere für die CAPRICE zu schreiben. "Silphium" war eines dieser Experimente, das ich nur für ein paar Freunde und mich verfasst habe – eine phantastische Art (im Dark Biopunk-Horror), mit der ein ehemaliger Christ seine Loslösung vom Glauben verarbeitet. Bevor ich sie an diese weitergab, wollte ich lediglich (und nein, das ist jetzt keine Lüge), dass auch mal ein professioneller Autor drüberschaut. Da allerdings Christoph Grimm und Michael Schmidt mit ihren eigenen Projekten mehr als genug zu tun hatten (und haben), wandte ich mich an Frank Gerigk – der die Geschichte dann überraschenderweise für seine CAPRICE beanspruchte. Da ich hier nicht den beeindruckten Underdog spielen will: Es war nicht das erste Mal, das ein Verleger eine ihm gar nicht zur Veröffentlichung präsentierte Story von mir haben wollte, und auch nicht das letzte Mal, aber die erste, persönlichere Geschichte, die von mir abgedruckt wurde.
Ich danke hierbei auch Sam Francisco sehr, dass er sich als Testleser vor der Veröffentlichung zur Verfügung stellte. Und natürlich euch, wenn ihr euch jetzt tatsächlich durch mein Werbe-Blabla gearbeitet habt ;-) Wobei es dieses Mal ehrlich war. Ich werde aber zu vermeiden versuchen, das nochmal zu sein.