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Fingerübung 10 - Drabble


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20 Antworten in diesem Thema

#1 Mammut

Mammut

    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben 17 Januar 2026 - 11:41

Viele schreiben gerne Zyklen, Mehrteiler und dicke Bücher wo man Platz und Raum zum fabulieren hat. Gezielt auf den Punkt schreiben ist dagegen nicht so einfach. 

Drabble sind eine beliebte Form im Englischen, wie man auf dem Blog von Andreas Flögel erkennen kann, der dort regelmäßig veröffentlicht:

Dr-Dings' Notizen | Beiläufige Bemerkungen in zufälliger Zusammenstellung | Random Remarks in Casual Compilation

 

Zum Thema Drabble:

Drabble – Wikipedia

 

Daher schreibe ein Drabble, also eine phantastische Kurzgeschichte mit maximal 100 Wörtern. Themenwahl ist offen, aber es muss eine phantastische Geschichte sein.

 

 



#2 Tse-Eh

Tse-Eh

    Mikronaut

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Geschrieben 24 Januar 2026 - 07:29

Sie wollen erreichen, dass ich mich umbringe. Damit werden sie scheitern. Ihre Technologie grenzt zwar an Magie, aber die Psyche können sie nicht manipulieren.

Jemand mit Messer betritt den Raum. Ein Klon von mir! Ich greife zum Messer. Meine Uhr schlägt zwölf, das scheint ihn zu verwirren. Das nutze ich für einen tödlichen Stich.

Ich schaue in den Flur und kehre in den Raum zurück. Da ist schon wieder ein Klon! Er greift nach dem Messer und mich an. Da schlägt die Uhr zwölf. Schon wieder? In diesem Moment spüre ich einen Stich. Schmerz. Dann Erkenntnis: Das war kein Klon.
 



#3 Mammut

Mammut

    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben 24 Januar 2026 - 08:53

Sehr schön. Gefällt mir gut. 



#4 Tse-Eh

Tse-Eh

    Mikronaut

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Geschrieben 24 Januar 2026 - 09:36

Sehr schön. Gefällt mir gut. 

Danke. Die Hundert-Wörter-Grenze ist eine interessante Erfahrung. Es ist schon erstaunlich, wie viel man weglassen kann, ohne dass das Ergebnis völlig unverständlich wird.



#5 Mammut

Mammut

    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben 24 Januar 2026 - 16:24

Danke. Die Hundert-Wörter-Grenze ist eine interessante Erfahrung. Es ist schon erstaunlich, wie viel man weglassen kann, ohne dass das Ergebnis völlig unverständlich wird.

 

Vor allem ist es schwierig, mit so wenig Raum eine interessante Geschichte zu erzählen. Wie Fredric Brown, der dafür berühmt war:

Fredric Brown – Wikipedia



#6 Helge

Helge

    Biblionaut

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Geschrieben 24 Januar 2026 - 21:35

Das Auto war neu und voll KI-gestützt. Er saß am Steuer, sie traute dem Wagen nicht.

„Sag dem Navi, dass wir nach Einhornhausen wollen, Elfenstraße 11“, sagte sie.

Das Navi forderte nach der Eingabe, in einhundert Metern rechts abzubiegen.

„Siehst du?“ sagte er zufrieden. „Das ist Fortschritt.“

Sie erwiderte: „Es gibt kein Einhornhausen, aber KIs können halluzinieren.“

Nach fast zwei Stunden Fahrt stürzte das Auto in einen Steinbruch, und während sich das Paar aus dem verbeulten Wrack befreite, fragte sie: „Wieso gehorchst du dem Navi, ohne hinzusehen?“

Er antwortete schulterzuckend: „Irgendetwas war sicherlich noch nicht ganz ausgereift.“



#7 Tse-Eh

Tse-Eh

    Mikronaut

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Geschrieben 25 Januar 2026 - 08:02

Schöne Geschichte, aber Probleme mit Menschen, die dem Navi blind folgen und dann zum Beispiel im Fluss landen, gibt es schon bei normalen Navis.



#8 Mammut

Mammut

    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben 25 Januar 2026 - 10:33

Für meinen Geschmack etwas zu brachial und offensichtlich.



#9 Michael Fallik

Michael Fallik

    Yoginaut

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Geschrieben 25 Januar 2026 - 11:36

Der Wagen parkte am Rand der Klippen. Das Meer wummerte, wie gleichgültig, erwartend. Möwen zogen stumm ihre Kreise. Feiner Salznebel legte sich auf Haut und Kleidung. Liam warf Steine hinab. Er tat es mechanisch. Eine Steinwurfmaschine. Ein Mensch. Margaret blieb am Wagen stehen. Unten schlug das Wasser geduldig gegen den Fels, ohne Zorn, ohne Geheimnisse. Eine Böe kam von oben, drückte die Luft zur Seite, verschwand. Der feine Nebel stob auseinander, verflüchtigte sich. Einbildung, sagte sie sich. Sie blickte auf. Liam war verschwunden. Sie öffnete die Wagentür. Der Schlüssel steckte. Der Sitz war noch warm. Sie fuhr zurück ins Dorf. 


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  • (Buch) als nächstes geplant:Tagebuch eines Killerbots?
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#10 Mammut

Mammut

    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben 25 Januar 2026 - 12:14

Gefällt mir, sehr weird in all dieser Kürze. Gelungen.



#11 Michael Fallik

Michael Fallik

    Yoginaut

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Geschrieben 25 Januar 2026 - 20:25

Gefällt mir, sehr weird in all dieser Kürze. Gelungen.

 

Danke  :)


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#12 rostig

rostig

    Temponaut

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Geschrieben 26 Januar 2026 - 07:58

Beim ersten Niesen flogen ihm die Zähne aus dem Mund. Hört sich irgendwie lustig an, war es aber nicht, denn er hatte kein künstliches Gebiss.
Das zweite Niesen zerfetzte einen Großteil der Lunge und die Luftröhre.
Ein drittes Niesen gab es nicht, nur ein ersterbendes Röcheln, dann Stille und plötzlich Applaus.
"Wunderbar! Endlich mal ein Virus das wir gebrauchen können. Ab in die Produktion damit."



#13 Mammut

Mammut

    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben 26 Januar 2026 - 08:31

Heftig, aber gut. Sehr schön, bildlich und mitreißend.



#14 Stahlelefant

Stahlelefant

    Yoginaut

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Geschrieben 28 Januar 2026 - 21:53

Das Wort „Leichenbitter“ kannte ich nicht, bis ich es neulich in W. Jeschkes Der letzte Tag der Schöpfung gesehen habe, wo es an einer Stelle vorkommt. Und dann kam kurz danach dein Vorschlag mit den Drabbles, das kann man ja mal ausprobieren. Ich hab gerade unter dem Wikipedia-Link gesehen, dass Drabbles traditionell exakt 100 Wörter haben sollen, aber na gut, man könnte es noch ein bisschen auffüllen (Anzahl der Wörter: 81) :

 

Es klopfte an die Tür von Johannes Mertenbach. Er war der Leichenbitter der Stadt, und es war die Zeit des Roten Todes, wo er viele Botschaften überbringen musste, die er immer mit „Ich bin Ihr Diener“ schloss. Johannes Mertenbach öffnete die Tür. Davor stand … er selbst, in einem roten Gewand. Aber der Leichenbitter wusste, wer da wirklich vor ihm stand und ihm eine Botschaft überbrachte. Johannes wusste, dass sein Leben geendet hatte. Der Tod schloss mit „Ich bin dein Diener.“


Bearbeitet von Stahlelefant, 28 Januar 2026 - 23:28.

Nautron respoc lorni virch.

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#15 Mammut

Mammut

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Geschrieben 28 Januar 2026 - 22:05

Sehr schön, auch die Inspiration voranzustellen. Der Rote Tod ist von Poe inspiriert?



#16 Stahlelefant

Stahlelefant

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Geschrieben 28 Januar 2026 - 22:16

Sehr schön, auch die Inspiration voranzustellen. Der Rote Tod ist von Poe inspiriert?

Ja, genau. Ich hatte erst an die Pest oder so was gedacht, aber der Rote Tod fiel mir auch noch ein. Das kam mir interessanter vor, und dann kommt ein Gedanke zum anderen –> rotes Gewand.


Nautron respoc lorni virch.

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#17 Michael Fallik

Michael Fallik

    Yoginaut

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Geschrieben 29 Januar 2026 - 11:41

Deine fehlenden 19 Wörter:

Johannes Mertenbach verbeugte sich, genau in der Art, die er sich von seinen Kunden gewünscht hätte. Der Tod grinste. 


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#18 Stahlelefant

Stahlelefant

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Geschrieben 29 Januar 2026 - 11:50

Deine fehlenden 19 Wörter:

Johannes Mertenbach verbeugte sich, genau in der Art, die er sich von seinen Kunden gewünscht hätte. Der Tod grinste. 

Danke, aber „Kunden“ und „grinsen“ passen nicht in diese kurze Kurzgeschichte. Vor allem würde ich die 19 Wörter auf jeden Fall weiter vorne einbauen. Ich will das „Ich bin dein Diener“ jetzt nicht als geniale Punchline verkaufen, aber es ist allemal als Punchline gedacht. Danach kommt nix mehr.


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#19 rostig

rostig

    Temponaut

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Geschrieben 02 Februar 2026 - 09:54

Das ist das verkürzte Ende einer Geschichte die ich für die Sternenlichtantho schreiben wollte. Also stellt euch die Kommandokanzel eines Orion-Raumschiffs vor:

 

Absolute Dunkelheit, Kälte, Stille. Licht aus 118 LEDs flutet den Raum und heiße Atemluft strömt hinein, gefriert zu glitzernden Kristallen auf den Instrumentenpulten, bildet bläuliche schillernde Lachen auf dem Boden, verdampft und erwärmt den Raumschiffkontrollraum, schnell, zu schnell: Metall kreischt, Plastik knackt, Glas splittert. Die Automatik weckt die SchiffsKI um die Crew aus den Kälteschlafkammern zu holen, doch unter den Plexiglaskuppeln liegt nur grau-weißer Staub. Die KI erlebt ein Dejavu, reaktiviert ihre Gedächtnisprotokolle. Die Automatik warnt vor niedrigen Speicherständen. Da kein menschlicher Befehl erfolgt, saugt sie die Luft ab und schaltet alle Energieverbraucher - zuerst die KI, zuletzt sich selber - aus und stellt den Weckmechanismus wieder auf 99,99 Jahre.



#20 Mammut

Mammut

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Geschrieben 02 Februar 2026 - 10:00

Gefällt mir auch.

 

Man könnte fast eine Abstimmung machen, welcher Drabble euch am besten gefällt. Was denkt ihr?



#21 Stahlelefant

Stahlelefant

    Yoginaut

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Geschrieben 02 Februar 2026 - 10:56

Klar, wieso nicht. Aber so richtig viele haben ja nicht mitgemacht, da ist das Ergebnis vielleicht nicht besonders repräsentativ, denn es gäbe wohl nur wenige Abstimmende.


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