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Zwischen Kunst und Vermarktung


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28 Antworten in diesem Thema

#1 Mammut

Mammut

    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben 18 Januar 2026 - 13:00

Als Autor, so denkt man, konzentriert man sich zuallererst auf das Schreiben. Schreiben, überarbeiten, veröffentlichen. Aber damit ist es nicht getan. Man braucht Networking, Öffentlichkeitsarbeit und Erfolge, um aus dem Heer der Schriftsteller herauszustechen.

 

Wie seht ihr das mit der Diskrepanz zwischen Schreiben (allein im Kämmerchen) und dem Erarbeiten des VIP Status (It-Autor)?


Bearbeitet von Mammut, 18 Januar 2026 - 13:24.


#2 Naut

Naut

    Semantomorph

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Geschrieben 18 Januar 2026 - 13:22

Du meinst "Heer der Schriftsteller", das andere war der mit den Ringen. ;)

Die Frage lässt sich heute nur beantworten, wenn zunächst beantwortet wird, was man überhaupt sein will: So gelten für Selfpublisher viel höhere Anforderungen bzgl. Selbstvermarktung als für Verlagsautoren, denn PR ist ja eine der Kernaufgaben eines Verlags. Trotzdem muss man heute bereit sein, viel für Lesereisen, Lesungen, Interviews und Social-Media bereitzustehen, auch und gerade im Verlagsbereich, sonst funktioniert das einfach nicht angesichts der Konkurrenz.
Oder man kann einfach direkt zum Einsiedler-Kultstatus springen - schwierig! :)
Liest gerade: Zafón - Der dunkle Wächter

#3 Mammut

Mammut

    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben 18 Januar 2026 - 13:47

Danke für die Korrektur.

KI wirft folgendes Ergebnis raus:

Die Aufgaben eines Autors in der heutigen Zeit gehen weit über das reine Schreiben hinaus. Durch die Digitalisierung, die Zunahme des Selfpublishings und die veränderte Mediennutzung ist der Beruf vielseitiger und unternehmerischer geworden. Autoren agieren heute oft als "Content-Unternehmer". 
Hier sind die zentralen Aufgaben in der jetzigen Zeit:
1. Kernaufgabe: Inhaltliche Erstellung & Recherche
  • Schreiben: Verfassen von fiktionalen Romanen, Sachbüchern, Drehbüchern, Biografien, Blogs oder Beiträgen für soziale Medien.
  • Recherche: Intensive Vorab-Recherchen, um Fakten zu überprüfen und Geschichten authentisch zu gestalten.
  • Überarbeitung & Lektorat: Zusammenarbeit mit Lektoren oder eigenständige Überarbeitung, um das Manuskript zur Druckreife zu bringen. 
2. Digitale Präsenz & Selbstvermarktung (Author Branding)
  • Aufbau einer Online-Präsenz: Pflege einer eigenen Autoren-Website als zentrale Anlaufstelle.
  • Social Media Marketing: Aktive Nutzung von Plattformen wie Instagram (Bookstagram), TikTok (BookTok) oder Facebook, um Leser zu binden.
  • Community Management: Direkter Austausch mit Lesern, um eine Fangemeinde aufzubauen und zu pflegen.
  • Newsletter-Marketing: Aufbau eines Verteilers, um treue Leser direkt über neue Veröffentlichungen zu informieren. 
3. Unternehmerische Aufgaben (insb. im Selfpublishing)
  • Verlagsunabhängigkeit: Viele Autoren agieren als ihr eigener Verleger, was Aufgaben wie Buchsatz, Cover-Design, Preisgestaltung und Vertrieb beinhaltet.
  • Marketing & Werbung: Planung von Werbekampagnen (z.B. Amazon Ads, Facebook Ads), um die Sichtbarkeit zu erhöhen.
  • Finanzplanung: Kalkulation von Produktionskosten und Einnahmen. 
4. Anpassung an neue Technologien & Formate
  • Arbeiten mit KI: Nutzung von künstlicher Intelligenz als Werkzeug, z.B. für Brainstorming, Recherche oder Entwürfe, wobei die kreative Leitung beim Menschen bleibt.
  • Format-Diversifizierung: Erstellung von E-Books, Taschenbüchern, Hardcovern oder Hörbüchern. 
5. Kreative Markenpflege
  • Aufbau einer Marke: Autoren müssen heute eine konsistente "Marke" darstellen, um aus der Masse herauszustechen.
  • Trend-Bewusstsein: Erkennen von populären Genres, Themen und Tropes (besonders auf BookTok/Bookstagram), um die Leserschaft gezielt anzusprechen. 
Zusammenfassend ist der moderne Autor ein kreativer Künstler, der gleichzeitig als Vermarkter und Unternehmer tätig ist, um in einer wettbewerbsintensiven Medienlandschaft sichtbar zu bleiben. 


#4 Naut

Naut

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Geschrieben 18 Januar 2026 - 14:30

Das scheint mir eine umfassende Analyse zu sein, die eigentlich alle Aspekte beleuchtet. Da können wir die Akte ja schließen und uns wieder unseren Social-Media-Präsenzen widmen. ;)
Liest gerade: Zafón - Der dunkle Wächter

#5 Pogopuschel

Pogopuschel

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Geschrieben 18 Januar 2026 - 15:06

Das scheint mir eine umfassende Analyse zu sein, die eigentlich alle Aspekte beleuchtet. Da können wir die Akte ja schließen und uns wieder unseren Social-Media-Präsenzen widmen. ;)

Und das Schreiben der KI überlassen.



#6 Mammut

Mammut

    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben 18 Januar 2026 - 15:13

Und das Schreiben der KI überlassen.

 

Also spielt man das reine It-Girl :bighlaugh:



#7 Helge

Helge

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Geschrieben 18 Januar 2026 - 15:17

Ich habe keinen Bock, eine eigene Homepage zu betreiben, arbeite nicht mit KI und auch jage auch keinen Trend- und Modethemen nach - also werde ich wohl nie ein richtiger Autor werden.



#8 Pogopuschel

Pogopuschel

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Geschrieben 18 Januar 2026 - 15:24

Du meinst "Heer der Schriftsteller", das andere war der mit den Ringen. ;)

So gelten für Selfpublisher viel höhere Anforderungen bzgl. Selbstvermarktung als für Verlagsautoren, denn PR ist ja eine der Kernaufgaben eines Verlags. Trotzdem muss man heute bereit sein, viel für Lesereisen, Lesungen, Interviews und Social-Media bereitzustehen, auch und gerade im Verlagsbereich, sonst funktioniert das einfach nicht angesichts der Konkurrenz.

So rosig sind die Zeiten für Verlagsautor*innen leider nicht mehr. Von denen wird inzwischen von vielen (Publikums-) Verlagen inzwischen eine Social-Media-Präsenz verlangt. Eine hohe Zahl an Followern fließt (oft) als Kriterium mit ein, ob jemand einen Vertrag erhält (was aber trotzdem keine hohen Verkäufe garantiert). Midlist-Autor*innen werden in Sachen Marketing zusehens allein gelassen. 



#9 Mammut

Mammut

    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben 18 Januar 2026 - 15:25

Ich habe keinen Bock, eine eigene Homepage zu betreiben, arbeite nicht mit KI und auch jage auch keinen Trend- und Modethemen nach - also werde ich wohl nie ein richtiger Autor werden.

 

Was genau auch immer ein richtiger Autor ist. Aber man kann sich natürlich fragen, ob die ganzen Marketingaktivitäten am Ende überhaupt erfolgreich sind oder ob die Wahl des Textthemas (oder der richtige Zeitpunkt) der wichtiger Part ist.



#10 Naut

Naut

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Geschrieben 18 Januar 2026 - 21:00

So rosig sind die Zeiten für Verlagsautor*innen leider nicht mehr. Von denen wird inzwischen von vielen (Publikums-) Verlagen inzwischen eine Social-Media-Präsenz verlangt. Eine hohe Zahl an Followern fließt (oft) als Kriterium mit ein, ob jemand einen Vertrag erhält (was aber trotzdem keine hohen Verkäufe garantiert). Midlist-Autor*innen werden in Sachen Marketing zusehens allein gelassen.

Mir ist, als habe ich exakt das geschrieben. Aber gut, dass Du das bestätigst.
Liest gerade: Zafón - Der dunkle Wächter

#11 Helge

Helge

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Geschrieben 18 Januar 2026 - 22:38

Mal dumm gefragt: Wenn Verlage als Voraussetzung verlangen, dass Autoren ihr eigenes Marketing schon mitbringen, wozu sollten die eigentlich noch einen Verlag brauchen? Verlegen heißt verkaufen - und wenn ein Verlag das nicht bringt, sondern es vom Autor verlangt, dann ist er überflüssig und kann weg.



#12 Tse-Eh

Tse-Eh

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Geschrieben 18 Januar 2026 - 22:38

Und das Schreiben der KI überlassen.

Oder die Social-Media-Präsenz der KI überlassen. Obwohl, wenn die dann über kurz vor der Veröffentlichung stehende Bücher halluziniert, dann könnte man schon etwas Probleme bekommen …



#13 Pogopuschel

Pogopuschel

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Geschrieben 19 Januar 2026 - 09:08

Mal dumm gefragt: Wenn Verlage als Voraussetzung verlangen, dass Autoren ihr eigenes Marketing schon mitbringen, wozu sollten die eigentlich noch einen Verlag brauchen? Verlegen heißt verkaufen - und wenn ein Verlag das nicht bringt, sondern es vom Autor verlangt, dann ist er überflüssig und kann weg.

Das haben sich viele Midlistautor*innen in den letzten Jahren auch gefragt. Und viele sind auch ins Selfpublishing gegangen. Aber da wird die Luft durch eine Schwemme an KI-generierten Büchern von Fake-Autor*innen immer dünner. Die Sichtbarkeit auf Amazon schwindet.

 

Ist nicht so, als würden die Verlage gar nichts mehr machen, aber es wird weniger, und die Vorschüsse schrumpfen auch weiter. Und die Verkaufszahlen für Phantastik jenseits der Romantasy sind in den letzten Jahren ebenfalls stark zurückgegangen. Auch für Titel, für die sich die Verlage ins Zeug gelegt haben.



#14 Kai Brassel

Kai Brassel

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Geschrieben 19 Januar 2026 - 19:35

Aber da wird die Luft durch eine Schwemme an KI-generierten Büchern von Fake-Autor*innen immer dünner. Die Sichtbarkeit auf Amazon schwindet.

Nach Technikprodukten kann ich nach Dutzenden von Kriterien suchen. Dagegen sind die Suchmöglichkeiten für Bücher grottig. Warum eigentlich? Um mich selbst zu zitieren: "Momentan beschränken sich diese darauf, aus zwei Dutzend mehr oder weniger sinnvoll definierten Genres eins auszuwählen, um dann in einer endlosen Liste von Titeln zu scrollen, in der Hoffnung, dass eines der Cover die Aufmerksamkeit so erregt, dass man dem Klappentext Aufmerksamkeit schenkt, der dann doch nicht so aussagekräftig ist wie gewünscht. Was aber, wenn man nach »lektorierter« »Science-Fiction« eines »Self-Publishers« suchen könnte, »nicht älter als fünf Jahre«, zwischen »200 und 500 Normseiten« stark, die in der »nahen Zukunft« spielt, und sich mit den Themen »Umweltzerstörung« und »KI« befasst, und dies eher »distanziert-kritisch« als heldenhaft-emotional? In den ebenfalls sehr komplexen Märkten für technische Produkte sorgen Vergleichsportale mit entsprechenden Suchmöglichkeiten schon lange für eine bessere Markttransparenz. Angebote, wie VLB-TIX gehen wohl in diese Richtung, sind aber dem Buchhandel vorbehalten und kostenpflichtig. Böte sich hier nicht eine sinnvolle Anwendungsmöglichkeit für textanalytische KI-Anwendungen?" (vgl. diesen Nachbarthread)


Nichts ist praktischer als eine gute Theorie.


#15 Michael Fallik

Michael Fallik

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Geschrieben 20 Januar 2026 - 09:57

KI 

 

 

Danke für die Korrektur.

KI wirft folgendes Ergebnis raus:

Die Aufgaben eines Autors in der heutigen Zeit gehen weit über das reine Schreiben hinaus. Durch die Digitalisierung, die Zunahme des Selfpublishings und die veränderte Mediennutzung ist der Beruf vielseitiger und unternehmerischer geworden. Autoren agieren heute oft als "Content-Unternehmer". 
Hier sind die zentralen Aufgaben in der jetzigen Zeit:
1. Kernaufgabe: Inhaltliche Erstellung & Recherche
  • Schreiben: Verfassen von fiktionalen Romanen, Sachbüchern, Drehbüchern, Biografien, Blogs oder Beiträgen für soziale Medien.
  • Recherche: Intensive Vorab-Recherchen, um Fakten zu überprüfen und Geschichten authentisch zu gestalten.
  • Überarbeitung & Lektorat: Zusammenarbeit mit Lektoren oder eigenständige Überarbeitung, um das Manuskript zur Druckreife zu bringen. 
2. Digitale Präsenz & Selbstvermarktung (Author Branding)
  • Aufbau einer Online-Präsenz: Pflege einer eigenen Autoren-Website als zentrale Anlaufstelle.
  • Social Media Marketing: Aktive Nutzung von Plattformen wie Instagram (Bookstagram), TikTok (BookTok) oder Facebook, um Leser zu binden.
  • Community Management: Direkter Austausch mit Lesern, um eine Fangemeinde aufzubauen und zu pflegen.
  • Newsletter-Marketing: Aufbau eines Verteilers, um treue Leser direkt über neue Veröffentlichungen zu informieren. 
3. Unternehmerische Aufgaben (insb. im Selfpublishing)
  • Verlagsunabhängigkeit: Viele Autoren agieren als ihr eigener Verleger, was Aufgaben wie Buchsatz, Cover-Design, Preisgestaltung und Vertrieb beinhaltet.
  • Marketing & Werbung: Planung von Werbekampagnen (z.B. Amazon Ads, Facebook Ads), um die Sichtbarkeit zu erhöhen.
  • Finanzplanung: Kalkulation von Produktionskosten und Einnahmen. 
4. Anpassung an neue Technologien & Formate
  • Arbeiten mit KI: Nutzung von künstlicher Intelligenz als Werkzeug, z.B. für Brainstorming, Recherche oder Entwürfe, wobei die kreative Leitung beim Menschen bleibt.
  • Format-Diversifizierung: Erstellung von E-Books, Taschenbüchern, Hardcovern oder Hörbüchern. 
5. Kreative Markenpflege
  • Aufbau einer Marke: Autoren müssen heute eine konsistente "Marke" darstellen, um aus der Masse herauszustechen.
  • Trend-Bewusstsein: Erkennen von populären Genres, Themen und Tropes (besonders auf BookTok/Bookstagram), um die Leserschaft gezielt anzusprechen. 
Zusammenfassend ist der moderne Autor ein kreativer Künstler, der gleichzeitig als Vermarkter und Unternehmer tätig ist, um in einer wettbewerbsintensiven Medienlandschaft sichtbar zu bleiben. 

 

 

 KI wird Meta? Es genügen zwei beeinflussende Sätze im Prompt und das Ergebnis liest sich völlig anders. Eine zweite Wahrheit? 

 

KI wirft folgendes Ergebnis raus:

 

 

 

Die Aufgaben eines Autors in der heutigen Zeit gehen weit über das reine Schreiben hinaus. Was häufig als Fortschritt beschrieben wird, ist zugleich Ausdruck einer tiefgreifenden Kommerzialisierung der Literatur. Digitalisierung, Selfpublishing und veränderte Mediennutzung haben den Beruf nicht nur vielseitiger, sondern auch stärker marktorientiert und normierend gemacht. Autoren werden zunehmend zu „Content-Produzenten“, deren künstlerischer Wert sich an Reichweite, Sichtbarkeit und Verkaufszahlen misst.
Im Folgenden werden die zentralen Aufgaben moderner Autoren kritisch beleuchtet – mit Blick auf die Auswirkungen auf die literarische Kunst.

1. Kernaufgabe unter Druck: Schreiben zwischen Kunst und Verwertbarkeit

Schreiben:
Literarisches Schreiben steht heute oft unter dem Vorbehalt der Marktlogik. Statt ästhetischer oder inhaltlicher Notwendigkeit entscheiden Trends, Algorithmen und Plattformlogiken darüber, was geschrieben wird. Besonders im Bereich der Unterhaltungsliteratur führt dies zu formelhaften Texten, wiederholten Tropes und kalkulierter Emotionalität.

Recherche:
Recherche dient nicht mehr ausschließlich der inhaltlichen Tiefe oder Wahrhaftigkeit, sondern häufig der Optimierung auf Zielgruppen und Erwartungen. Komplexe, sperrige oder widersprüchliche Themen geraten ins Hintertreffen, da sie sich schlechter „verkaufen“ lassen.

Überarbeitung & Lektorat:
Lektorate werden zunehmend zu marktkonformen Korrektiven. Stilistische Eigenheiten, Ambivalenzen oder experimentelle Formen werden geglättet, um Lesbarkeit, Tempo und Konsumierbarkeit zu erhöhen – oft auf Kosten literarischer Individualität.

2. Digitale Präsenz als Zwang: Autor statt Werk im Mittelpunkt

Aufbau einer Online-Präsenz:
Die Erwartung, ständig sichtbar zu sein, verschiebt den Fokus von der Literatur auf die Person des Autors. Schreiben wird zweitrangig gegenüber Selbstdarstellung, Storytelling über das eigene Leben und permanenter Verfügbarkeit.

Social Media Marketing:
Plattformen wie BookTok oder Bookstagram belohnen kurze Aufmerksamkeitsspannen, plakative Inhalte und emotionale Übertreibung. Literarische Qualität wird dabei oft durch Ästhetik, Trendkompatibilität und virale Vermarktbarkeit ersetzt. Leise, komplexe oder sprachlich anspruchsvolle Literatur ist strukturell benachteiligt.

Community Management:
Der direkte Austausch mit Lesern kann bereichernd sein, führt aber auch zu Anpassungsdruck. Autoren schreiben zunehmend „für die Community“, vermeiden Irritation oder Brüche und orientieren sich an Erwartungshaltungen, statt künstlerische Risiken einzugehen.

Newsletter-Marketing:
Literatur wird in Veröffentlichungszyklen und Verkaufsimpulse zerlegt. Das Werk verliert seinen Eigenwert und wird Teil einer fortlaufenden Marketingkommunikation.

3. Unternehmerische Logik statt literarischer Freiheit

Selfpublishing als doppelschneidiges Schwert:
Die Unabhängigkeit von Verlagen bedeutet zugleich vollständige Unterwerfung unter Marktmechanismen. Autoren müssen denken wie Produktmanager: Cover, Klappentexte und Preise werden nicht nach künstlerischen Kriterien, sondern nach Conversion-Raten gestaltet.

Marketing & Werbung:
Sichtbarkeit wird käuflich. Wer nicht wirbt, existiert kaum. Literarische Qualität allein reicht nicht aus, um wahrgenommen zu werden – ein Zustand, der Kunst in Konkurrenz zu Konsumgütern stellt.

Finanzplanung:
Der ökonomische Druck führt zu schneller Produktion, Serienlogik und kalkulierter Wiederholung erfolgreicher Muster. Schreiben wird zur Leistungseinheit.

4. Technologie und Effizienz statt literarischer Tiefe

Arbeiten mit KI:
KI-Tools verstärken die Tendenz zur Standardisierung. Sie begünstigen das Mittelmaß, reproduzieren bestehende Muster und belohnen Konformität. Die Gefahr besteht, dass Literatur zunehmend aus bereits bewährten Versatzstücken zusammengesetzt wird.

Format-Diversifizierung:
Die ständige Anpassung an neue Formate fragmentiert das Werk. Literatur wird nicht mehr als in sich geschlossenes Kunstwerk wahrgenommen, sondern als flexibel verwertbarer Inhalt.

5. Markenlogik als Gefahr für literarische Identität

Autor als Marke:
Die Reduktion des Autors auf eine klar erkennbare „Marke“ widerspricht der literarischen Entwicklung, die von Wandel, Widerspruch und Experiment lebt. Wer sich einmal positioniert hat, darf sich kaum noch verändern.

Trend-Bewusstsein:
Die Orientierung an aktuellen Tropes und Plattform-Trends führt zu einer Homogenisierung der Literatur. Was nicht trendtauglich ist, verschwindet – unabhängig von sprachlicher oder inhaltlicher Qualität.

Fazit

Der moderne Autor bewegt sich in einem Spannungsfeld zwischen Kunst und Markt, wobei die ökonomische Logik zunehmend dominiert. Soziale Medien und digitale Vermarktungsmechanismen verändern nicht nur die Arbeitsweise, sondern auch das Wesen der Literatur selbst.
Literatur droht vom Ausdruck individueller Erfahrung und ästhetischer Suche zu einem optimierten, schnell konsumierbaren Produkt zu werden. Die eigentliche Gefahr liegt nicht in der Technik, sondern darin, dass Aufmerksamkeit wichtiger wird als Bedeutung – und Sichtbarkeit wichtiger als literarische Wahrheit.


Bearbeitet von Michael Fallik, 20 Januar 2026 - 09:59.

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#16 Mammut

Mammut

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Geschrieben 20 Januar 2026 - 10:52

Selfpublishing als doppelschneidiges Schwert:

Die Unabhängigkeit von Verlagen bedeutet zugleich vollständige Unterwerfung unter Marktmechanismen. Autoren müssen denken wie Produktmanager: Cover, Klappentexte und Preise werden nicht nach künstlerischen Kriterien, sondern nach Conversion-Raten gestaltet.

Marketing & Werbung:
Sichtbarkeit wird käuflich. Wer nicht wirbt, existiert kaum. Literarische Qualität allein reicht nicht aus, um wahrgenommen zu werden – ein Zustand, der Kunst in Konkurrenz zu Konsumgütern stellt.

 

Ich greife diese beiden Punkte mal heraus.

Zum Thema Marketing & Werbung stimme ich zu. Auf Grund eines Überangebots an Literatur sowie schwerer Auffindbarkeit abseits großer literarischer Strömungen ist es sehr unwahrscheinlich, dass dich der passende Leser von alleine findet.

Der Genrebegriff war ja ursprünglich auch dafür da, Literatur zu sortieren und besser auffindbar zu machen. Wenn man natürlich sieht, wie breit mittlerweile der Begriff Science Fiction ist, sieht man die Schwierigkeit, das für sich passende herauszusuchen und erschwert damit die Begegnung zwischen Autor und Leser anhand des Werks.

 

Bei Selfpublishing als doppelschneidiges Schwert würde ich der Analyse aber widersprechen. SP ermöglicht dir, kostengünstig (bis kostenlos) zu veröffentlichen. Die Entscheidung, ob es damit genug ist oder ob man sich dem Markt unterwirft, ist etwas, das man selbst trifft. Im Gegensatz dazu ist es der Verlag, der dir Vorgaben macht an dein Werk. Freie Entscheidung hast du nur beim SP. Die Verlagswahl gibt dir natürlich andererseits die Möglichkeit, mit einem Kundenstamm in Kontakt zu treten und wenn dein Werk und die Ausrichtung des Verlags zusammen passen, ist das eine gute Möglichkeit. SP hat natürlich zusätzliche Anforderungen, aber das würde ich nicht als Unterwerfung unter Marktbedingungen bezeichnen. Du kannst ja selbst entscheiden, welches Titelbild du verwendest und musst nicht den Mustern des Marktes folgen.



#17 Michael Fallik

Michael Fallik

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Geschrieben 20 Januar 2026 - 12:02

Ich betrachte beide Versionen der KI Ausführungen als bloße Hülle, die eine beliebige Meinung hübsch verpacken. Ehrlich gesagt, ich denke über solche Sachen nur marginal nach. Manchmal agiere ich spontan, so wie beim Klappentext meines zweiten Buchs. Einige Onlinehändler haben ihn komplett ignoriert. Er existiert für sie nicht. Drauf geschis....


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#18 Mammut

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Geschrieben 20 Januar 2026 - 12:59

Macht echt Spaß sich mit dir zu unterhalten. :bighlaugh:



#19 Michael Fallik

Michael Fallik

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Geschrieben 20 Januar 2026 - 13:31

Macht echt Spaß sich mit dir zu unterhalten. :bighlaugh:

 Ich deute das mal als Kompliment. Manchen Menschen macht es Spaß, nackt in einem Eisloch zu baden. Also ein dehnbarer Begriff.  :bighlaugh:


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#20 Tse-Eh

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Geschrieben 21 Januar 2026 - 19:50

Also, nachdem hier ja schon zwei KI-Antworten stehen, und bekanntlich KIs besonders die Rule of Three schätzen, hier noch eine dritte:

 

Die “Diskrepanz” ist eigentlich eine Arbeitsteilung: Schreiben ist die Wertschöpfung (das Produkt), Öffentlichkeitsarbeit ist Distribution (Auffindbarkeit) – und beides wirkt zusammen, aber nicht symmetrisch.

  1. Der Markt ist extrem ungleich verteilt. Buchverkäufe folgen einer heavy-tailed Verteilung: sehr wenige Titel verkaufen extrem viel, sehr viele sehr wenig. Das heißt: “VIP/It-Autor” ist strukturell selten, egal wie gut jemand schreibt. (barabasi.com)

  2. Auffindbarkeit entscheidet, ob überhaupt jemand dein Buch “probe-liest”. In einer großen Konsumentenstudie (BookNet Canada) gaben Käufer 2024 als häufigste Wege zur Bekanntheit an: Autor*in schon gekannt (20%), Empfehlung/Review (19%), Browsen/Suchen online oder im Laden (19%) – und 70% sahen (zumindest manchmal) Marketing/Ads für Bücher, die sie interessieren. Das stützt: Ohne Sichtbarkeit keine Chance auf Auswahl. (BookNet Canada)

  3. Nach der ersten Aufmerksamkeit übernimmt Qualität/Resonanz (Mundpropaganda). Empirisch zeigen Daten zu Online-Reviews, dass Veränderungen in Bewertungen/Rezensionen messbar mit relativen Verkäufen zusammenhängen; besonders negative Signale können stark wirken. Öffentlichkeitsarbeit kann also den Einstieg fördern, aber sie kann mittel- bis langfristig kein schwaches Leseerlebnis “überstimmen”. (kk.org)

  4. Dass Autor*innen Marketing machen “müssen”, ist nicht nur Bauchgefühl. In der Authors-Guild-Erhebung (2018) lag der Marketing-/Promo-Aufwand im Schnitt bei 7,5 Stunden pro Woche – bei gleichzeitig ernüchternder Einkommenslage (nur ein kleiner Teil profitiert stark). (The Authors Guild) Ergänzend zeigt die Authors-Guild-Erhebung 2023: Selbst Vollzeitautorinnen hatten 2022 einen Median von 10.000 USD Bucheinkommen (20.000 USD inkl. autorinnennaher Neben-Einkünfte wie Lehre, Vorträge etc.). “VIP-Status” ist also oft auch Ergebnis von Skalierung/Backlist/zusätzlichen Einnahmequellen, nicht nur “besser schreiben”. (The Authors Guild)

Fazit: Schreibhandwerk ist die notwendige Basis, aber im übervollen Markt ist Auffindbarkeit die Eintrittskarte. Realistisch ist ein Modell: 80% Qualität/Produkt (Text + Klappentext/Cover/Metadaten), 20% gezielte Sichtbarkeit – und der “It-Autor”-Effekt ist meist kumulativer Vorteil (Reputation + Empfehlungen), nicht ein reines Networking-Projekt.



#21 Michael Fallik

Michael Fallik

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Geschrieben 21 Januar 2026 - 22:16

Also, nachdem hier ja schon zwei KI-Antworten stehen, und bekanntlich KIs besonders die Rule of Three schätzen, hier noch eine dritte:

 

Die “Diskrepanz” ist eigentlich eine Arbeitsteilung: Schreiben ist die Wertschöpfung (das Produkt), Öffentlichkeitsarbeit ist Distribution (Auffindbarkeit) – und beides wirkt zusammen, aber nicht symmetrisch.

 

 

Danke für diese Präzisierung. Die Frage ist somit, welches Ziel man letztendlich als Schreibender verfolgt. So wie ich diese dritte Antwort verstanden habe, hilft die beste Werbung nichts, wenn die Qualität nicht stimmt. Meine Texte sind nicht gut genug, um dafür die Werbetrommel zu rühren. Vielleicht in einigen Jahren. Stellt sich trotzdem die Sinnfrage. Mir geht es ums Erschaffen, nicht um Bekanntheit  oder Anerkennung. Ich ziehe die Neandertaler zu Felde, die in dunklen Höhlen aus einem inneren Drang heraus erstmals Kunst geschaffen haben. Das ist es, was den Menschen ausmacht, nicht zwei Millionen Follower auf TikTok. Da muss was Elementares in uns sein, das über Außendarstellung hinaus geht.

 

Die Unterhaltungsmaschine muss bedient werden. Das hat Berechtigung. Aber Kunst ist eine andere Ebene. Insofern ist die Überschrift zu dieser Diskussion kritisch zu betrachten.


Bearbeitet von Michael Fallik, 22 Januar 2026 - 18:41.

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#22 Mammut

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Geschrieben 23 Januar 2026 - 13:09

  1. Dass Autor*innen Marketing machen “müssen”, ist nicht nur Bauchgefühl. In der Authors-Guild-Erhebung (2018) lag der Marketing-/Promo-Aufwand im Schnitt bei 7,5 Stunden pro Woche – bei gleichzeitig ernüchternder Einkommenslage (nur ein kleiner Teil profitiert stark). (The Authors Guild) Ergänzend zeigt die Authors-Guild-Erhebung 2023: Selbst Vollzeitautorinnen hatten 2022 einen Median von 10.000 USD Bucheinkommen (20.000 USD inkl. autorinnennaher Neben-Einkünfte wie Lehre, Vorträge etc.). “VIP-Status” ist also oft auch Ergebnis von Skalierung/Backlist/zusätzlichen Einnahmequellen, nicht nur “besser schreiben”. (The Authors Guild)

 

Der PAN (Phantastik Autoren Netzwerk) hat eine ähnliche Umfrage unter seinen Mitgliedern gemacht. Das Ergebnis: 2/3 verwenden pro Woche 1-10h für Marketing, etc., der größte Teil davon 1-5 h.



#23 Nina

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Geschrieben 26 Januar 2026 - 10:43

 

 

Mal dumm gefragt: Wenn Verlage als Voraussetzung verlangen, dass Autoren ihr eigenes Marketing schon mitbringen, wozu sollten die eigentlich noch einen Verlag brauchen? Verlegen heißt verkaufen - und wenn ein Verlag das nicht bringt, sondern es vom Autor verlangt, dann ist er überflüssig und kann weg.

 

Das frage ich mich auch immer. Als Self-Publisher kann man wenigstens entscheiden, was einem Spaß macht. Manche haben ja große Freude mit sozialen Medien, andere hassen sie. Manche lieben Leserunden, andere haben jedes Mal vorab schon Bauchschmerzen. Manche möchten sich bei ihrer eigenen Lesung am liebsten in ein Mauseloch verkriechen - andere blühen richtig auf. 

 

Da stellt sich mir die andere Frage: Bringt das überhaupt was, sich zu zwingen? - Leser sind ja auch nicht blöd. Man merkt doch, ob jemand Teil einer Community ist oder nur ein Pflichtprogramm abnudelt! Das sind diese Ein-Beitrags-Poster beispielsweise. Oder Autoren, die zehn Minuten vor ihrer Lesung auf dem Literaturevent anrauschen (übrigens wird ausschließlich hingegangen, wenn man auch Programm macht, ein Mal wo einfach aus Freude am Thema hinzugehen, kommt manchen gar nicht in den Sinn), dann natürlich irrsinnigen Stress machen, weil sofort ein Zuständiger verfügbar sein muss. Das macht auch nicht gerade sympathisch. Und zehn Minuten nachher sind sie wieder weg. 



#24 Mammut

Mammut

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Geschrieben 27 Januar 2026 - 14:57

Zum Thema:

Little verzichtet auf Social-Media-Accounts, Autoren-Websites oder Lesereisen und gibt nur selten Interviews. Trotz dieser Verweigerung gegenüber modernen Formen der (Selbst-)Vermarktung sind seine seit 1990 im Jahrestakt erschienenen Romane zumeist Erfolge:

Bentley Little – Wikipedia



#25 Gerd

Gerd

    Giganaut

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Geschrieben 27 Januar 2026 - 16:04

Zum Thema:

Little verzichtet auf Social-Media-Accounts, Autoren-Websites oder Lesereisen und gibt nur selten Interviews. Trotz dieser Verweigerung gegenüber modernen Formen der (Selbst-)Vermarktung sind seine seit 1990 im Jahrestakt erschienenen Romane zumeist Erfolge:

Bentley Little – Wikipedia

Naja, er veröffentlicht seit 1990. Im vorigen Jahrtausend war das mit der Social-Media-Präsenz noch nicht so das ganz große Thema, iirc. ;) Auch das mit den Autoren-Websites hat damals gerade erst angefangen. Und Lesereisen macht Thomas Pynchon afaik auch keine - und der gibt auch selten Interviews.

 

Aber mal Spaß beiseite, das Phänomen, dass ein Autor/eine Autorin sehr sichtbar sein muss - sprich: eine starke Online-Präsenz braucht - ist doch vergleichsweise neu. Ein Autor wie Bentley Little kann sich durchaus in den ersten zehn Jahren seiner Karriere eine Stammleserschaft erschrieben haben und profitiert seither vielleicht von dem angeblich immer noch besten Mittel, um Erfolg zu haben: Mund-zu-Mund-Propaganda, Empfehlungen von Freunden, anderen Lesern. Und was sich Little vielleicht langsam aufgebaut hat, wird auch nicht ganz schnell erodieren, wohingegen die Leserschaft des einen gehypten Titels möglicherweise ganz schnell der neuen Sau hinterläuft, die sehr wahrscheinlich schon am nächsten Tag durchs Dorf getrieben wird.


Bearbeitet von Gerd, 27 Januar 2026 - 16:05.

Sudden moroseness. One hop too far.

#26 Mammut

Mammut

    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben 27 Januar 2026 - 16:44

Aber mal Spaß beiseite, das Phänomen, dass ein Autor/eine Autorin sehr sichtbar sein muss - sprich: eine starke Online-Präsenz braucht - ist doch vergleichsweise neu. Ein Autor wie Bentley Little kann sich durchaus in den ersten zehn Jahren seiner Karriere eine Stammleserschaft erschrieben haben und profitiert seither vielleicht von dem angeblich immer noch besten Mittel, um Erfolg zu haben: Mund-zu-Mund-Propaganda, Empfehlungen von Freunden, anderen Lesern. Und was sich Little vielleicht langsam aufgebaut hat, wird auch nicht ganz schnell erodieren, wohingegen die Leserschaft des einen gehypten Titels möglicherweise ganz schnell der neuen Sau hinterläuft, die sehr wahrscheinlich schon am nächsten Tag durchs Dorf getrieben wird.

 

Ich verweise mal auf Helloween und deren Interview:

Helloween im Interview: "Damit wird Musik zu etwas, wie einem Frühstücksei" - FOCUS online

 

Zitat:

Kiske macht sich eher Sorgen um junge Musiker. "Heute verkaufst du keine Platten mehr", so Kiske. "Das heißt auch: Keine Plattenfirma investiert mehr. Wie kriegen junge Künstler dann noch hin, gehört zu werden? Da hat man YouTube oder Spotify – aber das ist überschwemmt mit guten Leuten, aber auch mit viel Rotz. Das ist eine Krankheit, dass man immer in diesem Algorithmus drin sein muss."
 
Die bedeute, dass man so viel wie möglich veröffentlichen muss, um weiter relevant zu sein und in Playlists und Co. aufzutauchen. "Man muss immer etwas Neues raushauen und damit wird Musik zu so einem alltäglichen Ding – wie ein Frühstücksei." 


#27 ChristophGrimm

ChristophGrimm

    Illuminaut

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Geschrieben 27 Januar 2026 - 17:18

Little ist ebenso wie jede/r andere "Ich schreibe/male/musiziere und mache sonst nix"-Künstler:in die absolute Ausnahme von der Regel, wenn es um Erfolg geht. Was sind schon einige Brandhorst, Eschbach, Follett, Goldie, Straub, Little usw. gegen Zigtausend andere (!) pro VÖ-Jahr (!!)? Eine Klinkenputzenpräsenz - früher eben anderer Art -, unterstützt von den Möglichkeiten von Verlage und Labels, war doch schon immer erfolgsversprechender, als im stillen Kämmerlein kunstschaffend auf das Beste zu hoffen. 

Damals ™ haben sicher Tausende probiert, in den überschaubaren Zeitschriften, Zeitungen, Zines, Radio- oder Fernsehshows unterzukommen, heute probieren es eben Tausende in der unüberschaubaren Flut aus Plattformen, Diensten und ja, auch noch in den verbliebenen "klassischeren" Medien, wahrgenommen zu werden. Das Ergebnis ist irgendwie dasselbe geblieben: Es sind immer nur Wenige, die Vielen auffallen. Damals, weil es überschaubar Gelegenheiten gab; heute, weil das anvisierte Publikum längst nicht mehr auch nur im Ansatz alle Gelegenheiten wahrnehmen kann.

(Dass Spotify für die Musikschaffenden ein Fiasko ist, ist hingegen tatsächlich neu. Wäre ja so, als wenn alle Leser:innen ihre Bücher hauptsächlich über KU beziehen würden. Ich habe keine Ahnung, wo das hinführt.).


SF/Fantasy-Literaturzeitschrift: https://weltenportalmagazin.de | SF hautnah: https://eridanusverlag.de | Meine Welt der Worte: https://christophgrimm.com

  • (Buch) gerade am lesen:„Das krumme Haus“ (Agatha Christie)
  • (Buch) als nächstes geplant:„Poirot and me“ (David Suchet), „Kryo“ (Ryan Rockwell)
  • • (Film) als nächstes geplant: „Star Trek: Strange New Worlds - S3“ (Bluray)

#28 Mammut

Mammut

    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben 27 Januar 2026 - 17:36

Was sind schon einige Brandhorst, Eschbach, Follett, Goldie, Straub, Little usw. gegen Zigtausend andere (!) pro VÖ-Jahr (!!)? Eine Klinkenputzenpräsenz - früher eben anderer Art -, unterstützt von den Möglichkeiten von Verlage und Labels, war doch schon immer erfolgsversprechender, als im stillen Kämmerlein kunstschaffend auf das Beste zu hoffen. 

 

Den Link hatte ich schon woanders gepostet, passt aber hier:

Zitat:

Auf der anderen Seite gibt es die großen Stars im Geschäft. Laut Berechnungen des Verbands deutscher Schriftsteller*innen gibt es in Deutschland etwa 40 Buchmillionäre. Einige in der Branche scheinen sich auch für ihre Auftritte gut bezahlen zu lassen:

Wie Eventisierung den Literaturbetrieb stresst | tagesschau.de

 

Von 40 Buchmillionären spricht auch das Börsenblatt:

Mehr Buchmillionäre – und viel Schatten

 

Also ist es doch bei den Aussichten wichtiger Spaß zu haben, oder?

 

Ach, noch was. Zu dem Zitat:

Nur 2 Prozent der Autoren können vom Schreiben leben

 

...habe ich eine schöne Anekdote. Ein Arbeitgeber von mir hat sich nach Ingenieuren in Bangladesch umgeschaut, da dort laut Unternehmensberatung der Durchschnittslohn bei 1 Dollar befand.

Tja, am Ende hat sich herausgestellt, der Ingenieur in Bangladesch war genauso teuer wie der in Bulgarien/Rumänien, wo sie auch Leute akquiriert hatten. Der 1 Dollar Lohn war ein Durchschnitt. Da waren z.B. viele Rikscha Fahrer, die den Lohnschnitt runter gezogen haben.


Bearbeitet von Mammut, 27 Januar 2026 - 17:42.


#29 Nina

Nina

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Geschrieben 30 Januar 2026 - 00:23

Die Frage ist auch: Wie wird das noch mit Social Media und KI? 

 

Und überhaupt der Social Media-Präsenz? Autorenpseudonyme sind ja ein alter Hut. Aber man könnte doch einen Facebookaccount doch praktisch täglich füttern. Gerade Pseudonyautoren haben ja laut Lebenslauf oft ein Jet-Setter-Leben, pendeln zwischen New York, Paris und London rum. Influencer können sich was mieten, eine Attrappe, die wie ein Flugzeug 1. Klasse aussieht, da können sie dann in ein paar Minuten ein Video machen und erzählen, dass sie beispielsweise gerade nach Dubai unterwegs sind. Nach spätestens einer Viertelstunde sind sie wieder draußen und immer noch daheim bzw. sind sie vielleicht auch 100 km weit für das Angebot gefahren, aber bestimmt nicht bis nach Dubai gekommen.

 

Mich erinnert das an eine KG, wo ein Mann zum Mars fliegen sollte, um die dortige Lyrik zu analysieren. Er hat den Flug verpasst und sich dann selbst Gedichte ausgedacht. Das hat funktioniert und heutzutage kann man ja alles mit Beweisbildern unterlegen und am Ende ist die Anwesenheit eines Autors, der bei Buchmesse in Frankfurt verschämt in einer Ecke stand und Social Media kaum nutzt weniger wert als die eines Autors, der irgendwelche aus dem Zusammenhang gerissene Bilder gepostet hat und behauptet hat, mitten im Geschehen gewesen zu sein. - Und man kann viel behaupten, ich denke mal an meinen Aprilscherz anno dazumals, wo ich behauptet hatte, zufällig auf einen Star Trek-Schauspieler getroffen zu sein, mit Geschichte nebenbei und Bild ... nun, von jemandem, der ihm ähnlich sah. Das haben erstaunlich viele geschluckt. - Aber jetzt mit der KI, da können alle möglichen Bilder entstehen. Derzeit erkennt man sie noch, die Konturen sind zu scharf, Hände bekommt es meist schlecht hin usw. - Aber das wird sich ändern.  




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