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Über den Einfluss der Fantastik auf Politik und Gesellschaft


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4 Antworten in diesem Thema

#1 Kai Brassel

Kai Brassel

    Yoginaut

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Geschrieben Gestern, 17:05

Unter dem Titel Über den Einfluss der Fantastik auf Politik und Gesellschaft – Chancen, Risiken, Desiderata sind kürzlich fünf Forumsbeiträge in der Zeitschrift für Fantastikforschung erschienen, die aus der praktischen Perspektive von Lehrenden, Schreibenden und einem Herausgeber unterschiedliche Schneisen durch das Thema schlagen, wie es in der Einleitung so schön heißt.

 
Über diese Beiträge und ihre Thesen, darunter auch mein Zwischen Science und Fiction: vom Sense of Wonder zum Sense of Insight? würde ich hier gerne diskutieren. Jol Rosenbergs Essay Kann Phantastik progressiv sein, wenn sie keine Infragestellung des Status Quo beinhaltet? aus Weltenportal Nr. 6 würde ich gerne dazunehmen, sowie natürlich weitere Beiträge, die euch zum Thema einfallen. Das Forum der ZfF kann man kostenfrei lesen oder herunterladen (https://zff.openlibh...ticle/id/26819/) und das Weltenportal gibt es als PDF umsonst hier: https://weltenportal...gabe-6-09-2025/.
 
Jols und mein Ausgangspunkt sind jeweils die persönliche Rezeption und Auseinandersetzung mit dem SF-Genre sowie ein gewisses Unbehagen daran. Mein Unbehagen hängt stark mit der Sprachlosigkeit zwischen »den zwei Kulturen« (J.P. Snow), zwischen Science und Fiction, zusammen sowie damit einhergehend: einem unproduktiven Verhältnis zwischen modernen und postmodernen Strömungen. Ähnlich wie Jol sehe auch ich reichlich konservative SF und frage mich, inwieweit das noch zeitgemäß sein kann.
 
Während ich mich in Bezug auf »Desiderata« primär frage, wie die Vielfalt der Fantastik erhalten werden kann und welche Rolle Quereinsteigern dabei zukommen könnte, benennt Jol konkret die sprachlichen, dramatischen und inhaltlichen Probleme, an denen sich die Fantastik abarbeiten sollte, wenn sie progressiv, also gesellschaftsverändernd, wirken will.
 
Interessant?

Bearbeitet von Kai Brassel, Gestern, 17:22.

Nichts ist praktischer als eine gute Theorie.


#2 Helge

Helge

    Typonaut

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Geschrieben Gestern, 18:38


Während ich mich in Bezug auf »Desiderata« primär frage, wie die Vielfalt der Fantastik erhalten werden kann und welche Rolle Quereinsteigern dabei zukommen könnte, benennt Jol konkret die sprachlichen, dramatischen und inhaltlichen Probleme, an denen sich die Fantastik abarbeiten sollte, wenn sie progressiv, also gesellschaftsverändernd, wirken will.
 
Interessant?

 

An der Stelle entdecke ich schon mal einen Fehler, denn Veränderung und Fortschritt sind keineswegs das Gleiche.

Die Vielfalt der Fantastik sehe ich nicht in Gefahr, denn die ist im Laufe der Jahrzehnte immer größer geworden, und unter der Voraussetzung, dass sie sich frei entfalten kann, wird das auch so weitergehen. Es sei denn, es gelangen Menschen an die Macht, die der Fantastik sagen, woran sie sich abarbeiten sollte - aber selbst das wird nicht weltweit passieren.
 



#3 Jol Rosenberg

Jol Rosenberg

    Temponaut

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Geschrieben Gestern, 19:24

Ich freue mich, dass/wenn mein Essays zur Diskussion anregt.

 

Ich sehe die Vielfalt durchaus gefährdet, einfach durch die Tatsache, dass nicht alle Personen in der Lage sind, sich Schreibzeit zu verschaffen und ihre Stimmen hörbar zu machen. Es gibt also eine systematische Verzerrung durch Privilegien und Diskriminierungen, die sich auch in den Texten widerspiegelt. Auch darüber lässt sich dann wieder SF machen ...

 

Was genau meinst du denn mit der Sprachlosigkeit zwischen den Kulturen, Kai?


Ernsthafte Textarbeit gefällig? https://www.federteufel.de/

 

Science-Fiction-Buchblog: https://www.jol-rose.../de/rezensionen

  • (Buch) gerade am lesen:Schildmaid
  • (Buch) als nächstes geplant:Empfindungsfähig
  • • (Film) gerade gesehen: Paradise
  • • (Film) als nächstes geplant: nope

#4 Kai Brassel

Kai Brassel

    Yoginaut

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Geschrieben Gestern, 20:10

Was genau meinst du denn mit der Sprachlosigkeit zwischen den Kulturen, Kai?

Ich beziehe mich da auf einen berühmten Vortrag von C. P. Snow und beschreibe das in meinem Beitrag so (leider etwas aus dem Zusammenhang gerissen):

"Kurzum und sicherlich verkürzt: Damals wie heute arbeiten sich Natur- und Ingenieurwissenschaften, dem kritischen Rationalismus verpflichtet, am noch lange nicht abgeschlossenen Projekt der Moderne (vgl. Habermas) ab, welches gleichzeitig durch postmoderne Strömungen in Literatur, Geistes- und Sozialwissenschaften grundsätzlich hinterfragt wird. Die Kluft zwischen den zwei Kulturen, die C. P. Snow schon 1959 beschrieb, zeigt sich hier erneuert. Vielleicht stärker als je zuvor teilt sich das Geistesleben in zwei Sphären. In der einen Sphäre bewegen sich jene, die ausgezeichnet mit natürlicher Sprache und Worten umgehen können, in der anderen solche, die formale Sprachen beherrschen und Zahlen zu interpretieren wissen. Suchen Erstere die Welt zu verstehen, sind Letztere darauf aus, sie zu erklären."

Ich erläutere das weiter auch an Beispielen von Tagungen, auf denen ich war. Ein gutes Beispiel für die Kluft ist vielleicht auch unsere unterschiedliche Interpretation der Hypostasis-Geschichte aus Weltenportal Nr. 6, worauf ich im Nachbar-Thread eingegangen bin.

 

Was die Vielfalt der Fantastik angeht, meinte ich weniger die Vielfalt der Produktion als die, auch durch Marktversagen hervorgerufene, Vielfalt der Rezeption. Nähere Begründung findet sich im Beitrag.


Bearbeitet von Kai Brassel, Gestern, 20:13.

Nichts ist praktischer als eine gute Theorie.


#5 Michael Tillmann

Michael Tillmann

    Infonaut

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Geschrieben Gestern, 22:39

 

Unter dem Titel Über den Einfluss der Fantastik auf Politik und Gesellschaft – Chancen, Risiken, Desiderata sind kürzlich fünf Forumsbeiträge in der Zeitschrift für Fantastikforschung erschienen, die aus der praktischen Perspektive von Lehrenden, Schreibenden und einem Herausgeber unterschiedliche Schneisen durch das Thema schlagen, wie es in der Einleitung so schön heißt.

 
Über diese Beiträge und ihre Thesen, darunter auch mein Zwischen Science und Fiction: vom Sense of Wonder zum Sense of Insight? würde ich hier gerne diskutieren. Jol Rosenbergs Essay Kann Phantastik progressiv sein, wenn sie keine Infragestellung des Status Quo beinhaltet? aus Weltenportal Nr. 6 würde ich gerne dazunehmen, sowie natürlich weitere Beiträge, die euch zum Thema einfallen. Das Forum der ZfF kann man kostenfrei lesen oder herunterladen (https://zff.openlibh...ticle/id/26819/) und das Weltenportal gibt es als PDF umsonst hier: https://weltenportal...gabe-6-09-2025/.
 
Jols und mein Ausgangspunkt sind jeweils die persönliche Rezeption und Auseinandersetzung mit dem SF-Genre sowie ein gewisses Unbehagen daran. Mein Unbehagen hängt stark mit der Sprachlosigkeit zwischen »den zwei Kulturen« (J.P. Snow), zwischen Science und Fiction, zusammen sowie damit einhergehend: einem unproduktiven Verhältnis zwischen modernen und postmodernen Strömungen. Ähnlich wie Jol sehe auch ich reichlich konservative SF und frage mich, inwieweit das noch zeitgemäß sein kann.
 
Während ich mich in Bezug auf »Desiderata« primär frage, wie die Vielfalt der Fantastik erhalten werden kann und welche Rolle Quereinsteigern dabei zukommen könnte, benennt Jol konkret die sprachlichen, dramatischen und inhaltlichen Probleme, an denen sich die Fantastik abarbeiten sollte, wenn sie progressiv, also gesellschaftsverändernd, wirken will.
 
Interessant?

 

 

Ich bin entzückt! Phantastik-Postmoderne-Politik! Mein Lieblingsthema! Ich bin begeistert!


An der Stelle entdecke ich schon mal einen Fehler, denn Veränderung und Fortschritt sind keineswegs das Gleiche.

Die Vielfalt der Fantastik sehe ich nicht in Gefahr, denn die ist im Laufe der Jahrzehnte immer größer geworden, und unter der Voraussetzung, dass sie sich frei entfalten kann, wird das auch so weitergehen. Es sei denn, es gelangen Menschen an die Macht, die der Fantastik sagen, woran sie sich abarbeiten sollte - aber selbst das wird nicht weltweit passieren.
 

 

Du hast es ganz genau auf den Punkt gebracht! Nicht überall, wo Progressivität draufsteht ist auch Progressivität drin!


Autonomer Autor! KEIN Mitglied der PAN.
Autor von "Jenseits des Zeitgeistes lauern Gespenster. ANTI-Wokeness-Phantastik"
  • (Buch) gerade am lesen:Shirley Jackson "Die Lotterie"


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