Bei der Gelegenheit mal vorsichtig reingefragt: Wie fandest du den Comic? Für diese Ausgabe habe ich die Kolorationstechnik nochmal überarbeitet (so dass sie auch im Druck besser funktioniert) und bei der Gelegenheit nochmal die Farbpalette angepasst.
Weltenportal Nr. 7
#31
Geschrieben 11 Mai 2026 - 14:33
#32
Geschrieben 12 Mai 2026 - 08:42
Bei der Gelegenheit mal vorsichtig reingefragt: Wie fandest du den Comic? Für diese Ausgabe habe ich die Kolorationstechnik nochmal überarbeitet (so dass sie auch im Druck besser funktioniert) und bei der Gelegenheit nochmal die Farbpalette angepasst.
Na gut, dann hier noch mein Eindruck zum Weltenportal-Comix:
Ich muss vorausschicken, dass ich von Graphik so gut wie keine Ahnung habe. Auch habe ich die Ausgabe 6 gerade nicht greifbar, sodass ich mir die Unterschiede zur vorherigen Ausgabe nicht ansehen kann.
Inhaltlich polarisiert dieser Comix nicht so, wie der aus Ausgabe 6. Die Story ist neutral, das Ende kommt wie Bobby Ewing unter der Dusche, alles nur geträumt. Für mich nicht lustig, aber ich weiß auch nicht, ob das deine Intention war. Ich hab's hat einfach gelesen und dann auch schon fast wieder vergessen.
Grafisch finde ich (persönlich!) alles etwas steril, da ist mir zuviel Grafikprogramm und zu wenig handmade drin. Aber das ist alles nur persönlicher Geschmack.
Ich bleibe daher lieber bei deinen Kurzgeschichten, von denen bin ich meistens begeistert.
SF
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#33
Geschrieben 12 Mai 2026 - 11:14
Bitte verzeih, sollte ich dich mit dieser Anfrage genervt. Das ist mein erster Comic mit eigenem Stil und OC. Davor war ich immer nur Assistent, Inker, Kolorist oder Hintergrundzeichner für größere, kommerzielle Cartoonisten. Daher sammle ich gerade fleißig Feedback. Und gerade deines ist mir wichtig.
Das nehme ich dir nicht böse, ganz im Gegenteil. Deshalb frage ich ja und bin auch dankbar. Dass der Comic noch Feinjustierung benötigt, ist mir bewusst, ebenso, dass die Schlusspointe dieses Mal "viel, viel zu brav" war und ich lieber polarisieren als allen gefallen soll. Das meinten fast alle. Was ein wenig ironisch ist, zumal ich ein großer Fan von Jhonen Vasquez bin, der Comiczeichner, der meinte, dass jede Form von Kompromiss zum Tod der Kunst beiträgt.
Die Figuren und Objekte, zumindest das kann ich dir versichern, sind 100% mit der Hand gezeichnet. Die Farben habe ich aus Zeitgründen mit dem Computer gemacht. Aber ich plane schon lange, mal eines der Comics ganz analog mit dem Pinsel zu kolorieren. Das mache ich beim wahrscheinlich übernächsten Mal. Aktuell bin ich auftragstechnisch derart ausgebucht, dass ich nicht mal weiß, ob es für die 8er einen Strip geben wird.
Was das Gemälde für die Eschbach-Illustration angeht: Die Technik konnte ich im April nochmal stark verfeinern. Ich bin sehr gespannt, was du zu der Illu zu Moritz Boltz' kommender Geschichte sagst ![]()
#34
Geschrieben 12 Mai 2026 - 11:29
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#35
Geschrieben 12 Mai 2026 - 20:57
Okay. Dann gebe ich Dir eine ausführliche Rückmeldung zum Comic. Auch ich war überrascht, weil ich von Dir eigentlich anderes kenne, aber Deine Erläuterung erklärt es.
Zunächst etwas, das mit dem Comic selbst nichts zu tun hat: Graphisch mag ich es lieber, wenn auch im E-Zine auf einem konventionellen Notebook-Bildschirm mit einer Auflösung von sagen wir 1920 x 1200 bei 100 % Ansicht im Reader des Browsers oder eben im eigenen PDF-Reader alles gut lesbar ist. Das geht aber nicht, wenn die Graphik eine bestimmte Auflösung unterschreitet oder sogar Kompressionsartefakte mitspielen.
Wenn es um Emotionen geht, lebt für mich ein graphisches Medium und insbesondere der Comic von der Dynamik des Ausdrucks. Wenn ich mir Lupa ansehe, die ja den stärksten emotionalen Bogen spannt von Überraschung über Trauer bis zu Wut, dann ändert sich ihre Mimik für mein Empfinden kaum. Selbst am Schluss im Zustand der Rage against the Publisher ändern sich z.B. Augen und Mund finde ich nur minimal im Vergleich zu vorher. Auch die anderen Gesichter wirken auf mich wenig lebendig. Das trifft selbst auf Objekte zu, z.B. als Lupa den Boxsack himmelt und dieser explodiert, wirkt das auf mich eher statisch. Was ich meine sieht man z.B. im Vergleich mit ähnlich stilisierten Gesichtern bei Tim und Struppi von Hergé, die zeichnerisch noch reduzierter sind, aber eine größere Dynamik aufweisen.
Der Humor baut, finde ich, auf ganz speziellen Konnotationen (Insider Jokes). Da weiß ich nicht recht, ob das so viele erreicht. Auch bei kleinen Gags am Rand (z.B. rauchender Bildschirm) frage ich mich, ob die Konnotation, die hier den Witz ausmachen soll, von ausreichend vielen erfasst wird. Den Witz mit "hat sie ihre …" hätte ich raus gelassen, zum einen weil er genauso sexistisch konnotiert ist wie die bekannte "Männergrippe", zum anderen weil er zu oft verwendet wurde.
Bei der Pointe habe ich den Eindruck, dass sie hätte besser vorbereitet werden können. Damit meine ich nicht, dass sie zu seicht ist. Es gibt auch subtile Pointen, die wirken. Eine witzige Pointe beruht auf einem Überraschungseffekt, der zudem einen Unterhaltungswert hat. Dafür muss eine bestimmte Erwartung aufgebaut werden. In dem Comic bekommen wir aber wenig Anhaltspunkte dafür, irgendeine Ursache zu erwarten, die zu Lupas Verstimmung geführt haben könnte. Als die Ursache dann offenbart wird, gibt es keine richtige Überraschung, weil es keine richtige Erwartung gab.
Ich vermute aufgrund der Umstände und des emotionalen Bogens, wir sollten annehmen, dass ihr Freund oder ihre Freundin per Textnachricht Schluss mit ihr gemacht hat, und der im Verhältnis dazu eher geringfügige tatsächliche Anlass sollte Lupas Reaktion lächerlich oder übertrieben erscheinen lassen. Das Problem ist nur: Entweder wir haben noch nie eine eigene Geschichte bei einer Ausschreibung eingereicht, dann wissen wir meist nicht, was das bedeutet. Es ist dann so ähnlich, wie wenn es hieße, Lupa hätte an irgendeinem Glücksspiel teilgenommen und nichts gewonnen. Wir wüssten nicht, was das für Lupa bedeutet und hätten deshalb keinen Anhaltspunkt dafür, ihre Reaktion zu bewerten.
Wüssten wir hingegen, was es heißt, viel Arbeit in eine Geschichte gesteckt zu haben und dann frustriert zu werden, gäbe es zwei Möglichkeiten: Entweder wir kennen in diesem Zusammenhang solch heftige Wut von uns selbst, dann fühlen wir uns ertappt und reagieren eher betroffen. Oder wir kennen solch heftige Wut in dem Fall weder von uns noch von anderen, dann reagieren wir eher befremdet oder mitleidig. Es gibt noch die letzte Möglichkeit, dass wir diese Reaktion von anderen kennen oder zumindest uns vorstellen können, dass man so reagieren kann, weil das Bild, das wir von Schreibenden haben, hier einen Anknüpfungspunkt bietet. Dann gibt es eine Chance, dass wir belustigt reagieren, je nachdem, wie wir zu der Reaktion und der damit implizierten Bewertung stehen. Das dürfte aber nur wenige betreffen.
Ich hoffe, Du konntest etwas mit meinem Sermon anfangen. ![]()
Bearbeitet von Christian Hornstein, 12 Mai 2026 - 21:00.
#36
Geschrieben 12 Mai 2026 - 21:18
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#37
Geschrieben 12 Mai 2026 - 22:46
Ja, das ist der Comic der 6, nicht von der 7.Christian, du besprichst den Comic im Weltenportal 6, oder?
Müssen es denn ausreichend viele sein?Der Humor baut, finde ich, auf ganz speziellen Konnotationen (Insider Jokes). Da weiß ich nicht recht, ob das so viele erreicht. Auch bei kleinen Gags am Rand (z.B. rauchender Bildschirm) frage ich mich, ob die Konnotation, die hier den Witz ausmachen soll, von ausreichend vielen erfasst wird.:
Ich persönlich liebe die Verrücktheiten, die Ibañez bei „Clever & Smart“ wahllos im Hintergrund versteckt hat, und habe es geliebt, die D.U.C.K.-Widmung in den „Onkel Dagobert“-Comics von Don Rosa ausfindig zu machen. (Eben jener hat auch oft über zwei-drei Panels im Hintergrund eine kleine Gagstory ablaufen lassen, die zwar leichter bemerkt, aber auch übersehen werden konnte - insbesondere, wenn so eine Gagstory nicht in aufeinanderfolgenden Panels erzählt wurde).
Meinen größten Lacher hatte ich mit einem alten MAD-Heft. Szene am Flughafen, mehrere Personen im Hintergrund (!) halten Schilder für Ankommende hoch. In einer Ecke neben den Wartenden lehnt ein Skelett an der Wand, unter ihm ein Schild mit dem Namen „Godot“ …
… nun überlege mal, wieviele 10-14jährige um die Jahrtausendwende diesen Gag verstanden haben.
Bearbeitet von ChristophGrimm, 12 Mai 2026 - 22:50.
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#38
Geschrieben 12 Mai 2026 - 23:57
Okay. Dann gebe ich Dir eine ausführliche Rückmeldung zum Comic. Auch ich war überrascht, weil ich von Dir eigentlich anderes kenne
...
Ich hoffe, Du konntest etwas mit meinem Sermon anfangen.
Natürlich konnte ich das. Vor allem bedanke ich mich für eine dermaßen ausführliche Analyse ... von einem Strip, der gerade einmal eine Seite ausmacht.
Dass der Witz mit den Tagen daneben war, weiß ich inzwischen. Hierbei würde ich gerne nochmal erwähnen, dass der ursprüngliche Skript "Was ist los? Hat man schon wieder ihre Lieblingsserie abgesetzt?" lautete, aber dann von dem mehr als nur überwiegend weiblichen Designnetzwerk, bei dem ich Mitglied bin und dem ich den Strip zuerst gezeigt habe, relativ abgelehnt wurde. Eine der Frauen meinte dann, dass ich eben schreiben soll: "Was ist los? Hat sie ihre –", weil das aneckt, provoziert und überzeichnet. Nachdem dann auch noch andere (darunter zwei Comiczeichnerinnen) beteuerten, dass sie das lustig fanden, habe ich mich dem Urteil gebeugt. Auch mit dem Gedanken, dass Frauen mir schon keinen frauenfeindlichen Witz schreiben werden. Oder wenn, dann keinen der ins Bösartige hineingeht. Ich selbst kann schließlich auch über Männerklischees lachen.
Beim zweiten (mit Sonderausgabe dritten) Strip hat Hegels Dialektik im Kleinen zugeschlagen und die Pointe wurde zu flach. Die Reaktion aus dem Designerinnen-Netzwerk lautete auch fast einstimmig: "Deutlich besser gezeichnet, aber spürbar mit der Angst vor Vorwürfen geskriptet." Das ist letztendlich ein Prozess und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich noch mehr Strips brauchen werde, bis ich da eine gesunde Gratwanderung zwischen Bedacht und Dreistigkeit gefunden habe. Und, um mich da wie alle normalen Cartoonisten, mit Strips auf Instagram zu kalibrieren, fehlt mir im Moment einfach die Zeit.
Wegen Lupas Reaktion: Ich kenne niemanden, der ins Laute hinein wütend wurde, weil er oder sie bei einer Ausschreibung abgelehnt wurde. Fast jede Person, die mir dahingehend bekannt ist (einschließlich mir selbst), neigt dann eher zu starken Selbstvorwürfen, einem "Warum bin ich nicht gut genug?"-Insuffizienzgefühl oder einem "Ich will nicht drüber reden!"-Rückzug.
Lupas Verhalten ist daher selbstverständlich stark überzeichnet, passt aber seit dem zweiten Strip zunehmend zu dem, was ich wollte. Auch wenn meine gelegentliche Co-Autorin und gute Freundin Michaela Schrimpf für die Protagonistin Modell steht, so ist Lupa (ihrem Namen entsprechend) an einer Wölfin orientiert, was Mimik, Gestik, Manierismen, aber auch Entscheidungen und Aussagen betrifft. Gerade Episode #2 erkennt man das, so hoffe ich, relativ gut. Das haben Michaela und ich nochmal viel miteinander einstudiert, die Hände krallenartiger entworfen und den Blick mit Fokus aber auch weit mehr Herzlichkeit und Offenheit ausgestattet, um das Raubtier etwas mehr hervorzuheben. Aber das sind nun Details. Wölfe neigen oft zu (für Menschen übertriebene, manchmal direkt drastische) Gefühlsäußerungen, weshalb ich von Anfang an eine Wölfin als Vorlage benutzt habe.
Joa, gut analysiert zudem: Der qualmende Bildschirm ist zu sehr ein Scherz der 90er und Nullerjahre und noch dazu eher regional beschränkt, als das man ihn überall verstehen könnte. Das environmental storytelling habe ich ab Episode 2 sehr auf Aussagen reduziert. Ebenfalls dem Zeitfaktor geschuldet.
Da du es am Rand erwähnt hast: Was Lupas Beziehungen angeht, habe ich mir ehrlich gesagt noch keinen Gedanken gemacht, für welchen Typ oder welches Geschlecht sie sich interessiert. Sowas ergibt sich meiner Erfahrung nach meist irgendwann von selbst. Ich weiß aktuell nicht mal, ob sie überhaupt mit jemandem zusammen ist ![]()
Bearbeitet von Maxmilian Wust, 13 Mai 2026 - 00:01.
#39
Geschrieben 14 Mai 2026 - 09:37
Christian, du besprichst den Comic im Weltenportal 6, oder?
Ja, sorry.
#40
Geschrieben 14 Mai 2026 - 09:48
Müssen es denn ausreichend viele sein?
Es kommt natürlich darauf an, was für einen "ausreichend" bedeutet. Ich bin ja auch mit Clever & Smart, Onkel Dagobert und MAD sozialisiert worden und auch ich mag diese ganzen Nebenschauplätze im Hintergrund. Ich persönlich würde sagen, dass die Botschaften zumindest bei der Zielgruppe überwiegend (nicht alle) ankommen sollten. Godot ist übrigens ein gutes Beispiel wie es dennoch funktionieren kann und warum: Wenn ich als Jugendlicher mit etwas im MAD nichts anfangen konnte, hat sich das oft beim Austausch mit den Kumpels in (oft schmutzig) lachender Runde aufgeklärt. Einer wusste immer Bescheid und wenn mal niemand eine Ahnung hatte, dann wusste es beim nächsten Mal garantiert irgendeiner.
#41
Geschrieben 14 Mai 2026 - 09:55
...
Die Reaktion aus dem Designerinnen-Netzwerk lautete ...
...
Meine Erfahrung mit Rückmeldungen von Testleseri, sogar wenn Sie aus der Zielgruppe stammen, hat mich gelehrt seeeeeehr vorsichtig zu sein mit meinen daraus gezogenen Schlüssen. Mit der Zeit sammle ich zwar Heuristiken, die zunehmend hilfreich sind, aber es ist eine Gradwanderung, denn ich will natürlich am Ende immer noch etwas ausdrücken, was mir am Herzen liegt, und nicht nur Vorgaben erfüllen. Ach je, was ist Kunst doch für ein schwieriges und schönes Geschäft.
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