In der Fingerübung 11 wird eine Szene oder Kürzestgeschichte gesucht, die sicheinem aktuellen Thema aus den Nachrichten widmet und daraus eine phantastische Story bastelt.
Fingerübung 11 - aktuelles Thema
#2
Geschrieben 11 März 2026 - 22:20
Hab in der Zeitung gelesen, das die Temperaturen steigen:
Knowing India von M.Fallik
Mein Name ist Adul. Ich soll sechsundzwanzig Jahre alt sein und lebte in Neu-Delhi. So steht es zumindest auf der kleinen Karte, die sich in dem Jutebeutel findet, der, bildhaft beschrieben, mit meinem hageren Körper verwachsen ist. Es finden sich weitere Dinge in diesem fleischlosen Körperteil, dem Rest meiner Vergangenheit, der mich stets begleitet. Das Foto einer Frau, daneben ein fremder Adul. Ein Adul, der lacht und volle Wangen zeigt. Wo wurde das Bild aufgenommen? Es muss Neu-Delhi sein, es ist der gleiche Himmel. Alles andere hat sich verändert. Meine Lider zittern, ein Nachhall des Übergangs einer traumlosen Nacht in einen weiteren Tag.
Der Lehmboden unter meinem Körper ist mit Lagen bräunlicher Pappe ausgelegt. Ich weiß, dass darin teure Dinge verpackt waren. Die Stelle, auf der ich die Nacht verbracht habe, zeigt ein feuchtes Abbild meiner abgemagerten Gestalt. Es war eine gute Nacht. Die brütende Hitze des vergangenen Tages wurde von einem Vorläufer des drohenden Monsuns weggeweht. Über mir, wie das innere Dach des Shiva Mandir, sehe ich die Streben der Brücke. Es ist mein Schlafplatz, mein kleines Reich.
Ich bin früh aufgewacht. Wie ein einsamer, knorriger Baum stehe ich inmitten schlafender Körper. Bald werden sich die Tore öffnen, und die Körper werden sich, sorgsam am Rand des schlafenden Teppichs beginnend, in das Umland ergießen, und alle werden das gleiche Ziel haben. Ich mag es nicht, über schlafende Menschen zu steigen. Daher warte ich, bis sich Namib erhebt, dessen Atem mir diese Nacht in den Nacken blies.
Neben den Ausgabestationen für Leichensäcke stehen einige gelbe Trucks. Gelb wie Hoffnung, auch die Lebensmittelrationen sind mit gelber Folie verschweißt. Die Robs erwarten keinen Dank. Ihnen ist es gleichgültig, ob ich lebe oder Namib sich einige hundert Rupien verdient, indem er meine dürren Überreste in einem der schwarzen Leichensäcke abgibt. They Take Care For Us, in Gelb auf Schwarz, lese ich jeden Morgen auf einem Plakat, das nicht verrotten will.
Da ist was dran. Sie sorgen für uns.
Mir bleibt die Entscheidung, wie ich heute meinen Tag verbringe. Am Fluss Yamuna werden wie in alten Zeiten Leichen verbrannt. Ich mag die Gerüche von Weihrauch und knusprigem Fleisch. Selbst die Blumen sind dort noch echt. Es ist das Privileg der wenigen Auserwählten, nach den alten Bräuchen begraben zu werden. Kollaborateure, die den Robs die Türen öffneten. Sagt Namib, und der war früher Lehrer. Hat er in einer schlaflosen Nacht erwähnt.
Ich beschließe, zur Mauer zu gehen, bevor die Mittagssonne mir die Kopfhaut verbrennt. In ihrem Schatten finde ich manchmal Dinge, die mich an mein anderes Leben erinnern. Entsorgt von glücklichen Menschen, so bilde ich es mir ein. In meinen Gedanken färbt dieses erkaufte Glück auf mich ab, kühlt meine verbrennende Existenz.
Auf den umlagerten Bildschirmen am Rand der Shahdara Road sehe ich zwischen verstaubten Haarschöpfen den Wetterbericht. Es wird kühler werden, und auch Regen wird wie ein Geschenk des Gottes Parjanya in Aussicht gestellt. Ich habe für heute genug erlebt und beschließe zu gehen.
Die Kühle des Invasivraums dringt durch den Anzug, der meine Nerven mit Eindrücken versorgte. Ich zwänge mir den Helm vom Kopf, schüttle die Haare.
»Du bekommst auch gar nicht genug. Beeil dich, deine Mutter hat Rogan Joh Curry gemacht.«
Ich brauche eine Sekunde, um die Stimme meinem Vater zuzuordnen.
»Wann beabsichtigt der junge Herr, etwas für die Schule zu tun?«
Er musste das sagen, erkläre ich mir, so sind die Regeln, mit denen er seine Rolle als Vater verbindet.
»Noch nie was von Anschauungsunterricht gehört? So paukt man heutzutage Geschichte.«
Ich trag’ voll auf, wiederhole Details zur Erderwärmung, zur Robokalypse, habe mir sogar die Straßennamen gemerkt. Er nickt zufrieden.
»Was jetzt mit Essen?«
Nicht, dass ich mich groß darauf freue, auf das allabendliche Sit-in bei Reis und gebratenem Huhn. Es erfordert die Kunst der Vermeidung. Meine Tabuthemen sind anders als ihre.
Mom erscheint, frisch abgenabelt von ihrer Arbeit. Tabuthema Nummer eins. Koordinatorin für den automatisierten Abbau von Ressourcen, auf deren Vorhandensein uns erst die guten, alten Robs gebracht haben. Früher nannte man das einen Kumpel unter Tage. Heutzutage fliegen wir dafür zum Jupiter und plündern seine Asteroiden.
Mein Dad, der seine laute Stimme nun mit seiner imposanten Erscheinung manifestiert, ist Biologe. Er nennt das so, weil er mit Pflanzen arbeitet. Unsere Pflanzen, selbst gezogen, selbst geerntet, selbst gekocht.
Das Zeug, das in der Schüssel vor mir grünlich schimmert.
Tabuthema Nummer zwei.
Unser Haus ist autonom. Wir sind autonom. Ach fuck, die ganze Welt ist jetzt autonom. Wir haben die Kurve gekriegt, aber letztendlich nur, weil die Robs beschlossen, die Biege zu machen. Das ist das Thema, das meine Eltern vermeiden. Ich denk’ mir, sie leben in der Vorstellung, dass die Menschheit überlegen war. Ich denk’ mir, den Robs war es bei uns zu langweilig.
Eines Tages waren sie weg.
Na ja, nicht ganz. Sie haben ihren Abfall dagelassen. Gute Sachen, so viel ist klar. Leere Batterien, deren chemische Raffiniertheit zunächst Rätsel aufgab. Sonnenkollektoren, deren mineralischer Aufbau jedes auf Silizium basierende Solarpanel zu einem Spiegel degradierte.
Okay, jetzt kommt Mom mit ihrem Lieblingsthema dazu. Extraterrestrische Mineralien, die niemand auf dem Schirm hatte. Sie kann stundenlang darüber reden.
Ich kaue das Rogan Joh Curry und schaue durch die Kuppel auf unsere Felder, lasse mich von dem beruhigenden Kreiseln der Windrotoren einlullen, während mir Mom von Startsequenzen und Abbaumethoden erzählt.
Ich bin woanders.
Eigentlich stecke ich gedanklich schon wieder in meinem immersiven Anzug und pauke Geschichte.
Diese Simulation ist so cool. Knowing India, Delhi Edition. Ein echter Geheimtipp.
Meine Freunde werden begeistert sein …
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#3
Geschrieben 11 März 2026 - 22:33
Hallo Science Fiction Fan. Wenn dir meine Schreibe gefällt, gestern ist mein drittes Buch erschienen. "Ein irischer Sommer" Hier der Klappentext:
Irische Westküste, 1973. Ein rätselhaftes Flugobjekt versinkt im Moor. Kurz darauf taucht ein Fremder auf dem Hof der Harrows mit einem unmöglichen Ziel auf: Wiedergutmachung. Jahre zuvor verschwand ihr Sohn unter ungeklärten Umständen. Das Wesen, das nun unter ihnen lebt, versucht zu verstehen, was Menschsein bedeutet und beginnt, in ihr Leben einzugreifen. Die Farm blüht auf, Krankheiten verschwinden, das Dorf erlebt einen unerklärlichen Aufschwung. Doch jede Einmischung hat Folgen. Und das Wesen erkennt zu spät, dass es in eine Welt eingreift, die sich nicht regulieren lässt. Ein irischer Sommer ist ein leiser, zunehmend verstörender Roman über Nähe und Fremdheit, über Verwandlung und die Grenzen dessen, was sich verdrängen lässt.
Erhältlich für 12,60 €, Amazon & Co.
Bearbeitet von Michael Fallik, 12 März 2026 - 06:58.
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#4
Geschrieben 12 März 2026 - 14:50
Steigende Temperaturen siehst du als aktuelles Thema?
#5
Geschrieben 12 März 2026 - 16:21
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• (Film) gerade gesehen: Arthur Rimbaud - Sechs Monate in der Hölle
#6
Geschrieben 12 März 2026 - 17:21
Und? Soll ich dir einen ähnlichen Artikel von 2006 raussuchen?
#7
Geschrieben 12 März 2026 - 17:25
Ich erinnere mich, dass der damals recht populäre Hoimar von Ditfurth bereits Ende der 70iger vor dem Schmelzen der Polkappen durch den Treibhauseffekt warnte.
#8
Geschrieben 12 März 2026 - 17:29
Und? Soll ich dir einen ähnlichen Artikel von 2006 raussuchen?
Entschuldige, das ich nicht exakt deinen Vorgaben entspreche. Du hast natürlich vollkommen Recht mit deiner Kritik. Wünsche dir noch einen schönen Donnerstag Abend. ![]()
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#9
Geschrieben 12 März 2026 - 17:53
Ich erinnere mich, dass der damals recht populäre Hoimar von Ditfurth bereits Ende der 70iger vor dem Schmelzen der Polkappen durch den Treibhauseffekt warnte.
Was würdet ihr denn als interessantes aktuelles Thema sehen? Konkret, zu was würdet ihr gerne eine Szene lesen?
#10
Geschrieben 12 März 2026 - 18:39
Mir ist folgende Geschichte aufgefallen:
https://de.nachricht...-112919737.html
Man könnte sie im Lichte folgender Meldung betrachten:
https://www.upday.co...-eltern/plesw2b
Beide Meldungen sind fraglos aktuell und eignen sich eventuell für eine Kurzgeschichte.
Bearbeitet von Fermentarius, 12 März 2026 - 18:41.
#11
Geschrieben 12 März 2026 - 19:47
Mir ist folgende Geschichte aufgefallen:
https://de.nachricht...-112919737.html
Man könnte sie im Lichte folgender Meldung betrachten:
https://www.upday.co...-eltern/plesw2b
Beide Meldungen sind fraglos aktuell und eignen sich eventuell für eine Kurzgeschichte.
Ja, das Thema gibt einiges her, da stimme ich dir zu.
#12
Geschrieben 14 März 2026 - 08:24
Eigentlich konnte nichts schiefgehen. Eine organisierte Tour, all inclusive. Nicht billig, aber ich wollte nichts dem Zufall überlassen. Nun, der Zufall hat gewonnen.
Es war mein Traum gewesen: Einmal Urlaub auf einem anderen Planeten. Eine echte Alien-Kultur erleben. Anfangs hatte es auch noch so ausgesehen, als ob sich die zehn Jahre sparen gelohnt hätten. Eine Reise in einem Luxus-Raumschiff, der Sprung durchs Wurmloch war ein spektakuläres Erlebnis. Dann die Ankunft auf Sasana. Eine fremde Welt. Rostbrauner Himmel, Schwerkraft von 0,8g, alles sehr aufregend. Ein Luxus-Hotelzimmer, auf menschliche Bedürfnisse ausgelegt, mit hohen Decken. Die Faszination, wie hoch man hier mit einem einfachen Sprung kommt. Aber bis dahin habe ich nur Menschen gesehen.
Dann am Tag darauf die Guided Tour durch die Stadt, oder das Alien-Äquivalent dazu. Ich würde zum ersten mal echte Aliens sehen. Vor lauter Aufregung bekam ich kaum etwas von den Sicherheitsbelehrungen am Anfang mit. Hätte ich doch nur besser aufgepasst. Aber ich konnte es nicht erwarten, endlich die Sasaner zu sehen. Ich hatte natürlich schon Bilder von ihnen gesehen. Ich fand, sie sahen aus wie eine Mischung aus Spinne und Oktopus. Aber sie mit eigenen Augen zu sehen, war definitiv etwas anderes.
Während der Sicherheitsbelehrung hatte ich geprüft, dass ich genug Platz auf meinem Gerät frei hatte, denn ich wollte natürlich viele Aufnahmen machen von der Tour. Außerdem wollte ich versuchen, ob ich irgendwie den Copyright-Filter umgehen konnte, der die Ausführungen des Guides aus den Aufnahmen ausfiltern würde. Als ich angesprochen wurde, was ich den an meinem Gerät rummache, wo ich doch den Sicherheitsbelehrungen meine volle Aufmerksamkeit schenken sollte, habe ich behauptet, es sei ein Problem mit der Bezahl-App aufgetreten, und ich wolle sicherstellen, dass die Zahlung der Tour wirklich erfolgt ist. Das hatten sie dann akzeptiert, schließlich wollten sie ja das Geld. Und die Tour war wirklich nicht billig.
Dann ging es endlich los. An jeder Ecke gab es so viel neues zu sehen. Die Häuser, deren Türen breiter als hoch waren, entsprechend der Anatomie der Sasaner. Viele Sasaner waren unterwegs, in einer Geschwindigkeit, mit der er nicht hätte mithalten können, offenbar war das für sie ein normales Tempo. An einer Straßenecke standen mehrere Sasaner, die eifrig mit ihren Tentakelarmen fuchtelten. Ich erinnerte mich,gelesen zu haben, dass die Sasaner keine Lautsprache hatten, sondern nur Zeichensprache. Die Gruppe war also eifrig im Gespräch. Ob sie irgendetwas aushandelten? Oder über Politik diskutierten? Vielleicht auch über ihre Urlaubspläne. Was machten Sasaner wohl so im Urlaub? Vielleicht plante ja einer von ihnen, mal was ganz besonderes zu machen, einen Ausflug zur Erde. Ich malte mir aus, wie eine Gruppe Sasaner auf der Erde ankam. Feststellen musste, wie sehr die stärkere Schwerkraft jede Bewegung behinderte. Wahrscheinlich war die Schwerkraft der wahre Grund dafür, dass noch nie Sasaner auf der Erde waren.
Da plötzlich fuhr ich aus meinen Gedanken auf: Wo war meine Gruppe? Die Guided Tour? Vor lauter Gedanken hatte ich gar nicht gemerkt, dass sie schon längst weitergegangen war. Ich schaute mich um. Weit und breit kein Mensch zu sehen. Wie lange war ich in Gedanken gewesen? War die Reisegruppe nur um die Ecke, oder schon ganz woanders? Aber wo wollte sie als nächstes hin?
Ich beschloss, es wäre am sinnvollsten, zum Hotel zurückzugehen. Ich startete die Navi-App, nur um festzustellen, dass ich für hier keine Karten heruntergeladen hatte. Natürlich nicht, ich hatte ja nicht damit gerechnet, mich hier selbst orientieren zu müssen. Und natürlich konnte sich mein Gerät auch nicht mit den lokalen Netzen verbinden. Die Tour Guides führten immer einen mobilen Hotspot des Hotels mit sich, der Preis für die Nutzung war in der Teilnahmegebühr enthalten. Aber der Hotspot war jetzt natürlich außer Reichweite.
Da half nur eines: Sich durchzufragen. Natürlich konnte ich die lokale Sprache nicht, und ich war mir auch nicht sicher, ob ich sie mit meinen nur zwei Armen überhaupt sprechen hätte können. Aber ich hatte ja eine Übersetzungs-App, und die konnte angeblich alle bekannten Sprachen des Universums übersetzen und alle Schriften anzeigen. Die App bot mir auch gleich drei lokale Sprachen an. Ich hatte keine Ahnung, welche die richtige wäre, und nahm auf gut Glück die erste. Dann tippte ich die Frage nach dem Weg zum Hotel ein, und ein mir unverständliches Gewirr von Zeichen erschien auf dem Display. Aber die Sasaner würden es hoffentlich verstehen können. Ich näherte mich langsam einem der Sasaner, der offenbar in meine Richtung schaute, zumindest interpretierte ich das so. Wie machte man einem Sasaner klar, dass man etwas fragen wollte? Würde er meine Annäherung richtig verstehen? Ich beschloss, das Gerät mit dem Schirm zu ihm zu halten, so dass er die Frage sofort sehen konnte. Dann würde er wohl mein Anliegen verstehen.
Allerdings war seine Reaktion nicht das, was ich erwartet hatte. Er griff nach dem Gerät und lief dann einfach davon. War ich gerade ausgeraubt worden? Oder hatte ich ihm, ohne es zu ahnen, signalisiert, dass ich ihm das Gerät schenken wollte, und er hat einfach das Geschenk angenommen? Ich kannte ja nicht die Sitten und Gebräuche hier. Tatsache war aber, dass ich jetzt noch nicht einmal mein Gerät hatte. Meine einzige Möglichkeit, hier zu kommunizieren.
Was sollte ich tun? Ich hatte keine Ahnung, in welche Richtung ich das Hotel suchen sollte. Da sah ich ein Raumschiff am Himmel, das offensichtlich gerade zur Landung ansetzte. Natürlich, der Raumhafen! Ich beobachtete, wo das Raumschiff hinflog, bis es hinter den Gebäuden verschwand. In diese Richtung lag also der Raumhafen. Entschlossen lief ich in diese Richtung los.
Ich kam aber nicht weit, weil ich über das Tentakelbein eines Sasaners stolperte. Wo hatte ich nur meine Augen gehabt? Ich rappelte mich auf, und machte instinktiv eine entschuldigende Geste. Was darauf folgte, war unerwartet: Alle Sasaner verließen fluchtartig den Ort, binnen Sekunden war ich alleine. Bedeutete meine Geste in ihrer Sprache irgendwas Schlimmes? Hatte ich gerade gedroht, den Platz in die Luft zu sprengen, oder etwas in der Art? Nun, ich konnte offenbar niemanden fragen. Vielleicht war das ja in den Sicherheitsbelehrungen erklärt worden. Sicher war es das, Ich hätte hinhören sollen.
Aber jetzt war es dafür zu spät. Nun gut, eine leere Straße hatte zumindest den Vorteil, dass ich schneller vorankommen würde. Dachte ich. Doch daraus wurde nichts, denn plötzlich kam ein Fahrzeug angefahren, das so fremdartig aussah, dass ich seine Form gar nicht erfassen konnte, bevor es neben mir stand, und einige Tentakeln mich ergriffen und hineinzogen. Das einzige, was ich noch registrieren hatte können, waren blinkende Lichter. Was das ein Polizeiauto?
Jedenfalls sitze ich jetzt schon seit Stunden alleine in einer Zelle. Ich weiß nicht, was jetzt mit mir passieren wird. Suchen sie nur nach einem Dolmetscher, um die Situation klären zu können? Ist dies hier eine Art Untersuchungshaft? Oder erwartet mich irgendeine wie auch immer geartete Strafe? Werde ich bald zur Erde zurückkehren, oder für immer in dieser Zelle sitzen? Oder werde ich einfach verdursten, weil niemand hier auf die Idee kommt, dass ich täglich trinken muss? Wie oft trinken eigentlich Sasaner? Solche Gedanken sind das einzige, was mir jetzt noch bleibt. Immerhin, das können sie mir nicht nehmen. Oder doch?
#13
Geschrieben 14 März 2026 - 09:29
Tse-Eh, die Geschichte basiert auf Fermentarius verlinkte Artikel?
Das ist für mich das Problem der unterhaltsamen Szene. Wenn ich die beiden nicht kenne, denke ich beim Lesen, man ist der blöd und kann es nicht nachvollziehen.
#14
Geschrieben 14 März 2026 - 09:37
Ja, es basiert auf den Artikeln.
Und sich in seinen Gedanken zu verlieren ist kein Zeichen von Blödheit. Die einzige Dummheit war, den Sicherheitsbelehrungen nicht aufmerksam zu folgen, und die unzureichende Vorbereitung. Aber ich glaube nicht, dass das eine ungewöhnliche Form von Dummheit ist.
#15
Geschrieben 14 März 2026 - 09:46
Erst mal Danke, das du dich der Sache angenommen hast . Dein Text überträgt die Pressemeldung in andere Dimensionen. Das ist dir erst mal gelungen. Phantasiemäßig lässt du dir einiges einfallen. Wo für mich der Text schwächelt, sind die vielen Fragen. Mehr als zwanzig Mal fragt sich dein Prota etwas, reflektiert und liefert potenzielle Erklärungen. Da wäre weniger mehr. Es gibt einige Sprünge in der Zeitform, die aber kaum auffallen.
Schön, mal wieder was von dir lesen zu dürfen.
- • (Buch) gerade am lesen:Der Engel Esmeralda - Don DeLillo
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• (Film) gerade gesehen: Arthur Rimbaud - Sechs Monate in der Hölle
#16
Geschrieben 14 März 2026 - 09:58
Ja, es basiert auf den Artikeln.
Und sich in seinen Gedanken zu verlieren ist kein Zeichen von Blödheit. Die einzige Dummheit war, den Sicherheitsbelehrungen nicht aufmerksam zu folgen, und die unzureichende Vorbereitung. Aber ich glaube nicht, dass das eine ungewöhnliche Form von Dummheit ist.
Also ich bin mal nach Südostasien geflogen. Da bereite ich mich doch vor. Ich lass mich impfen, schau, wo es hin geht, welche Kultur da vorherrscht, weiß ungefähr, wohin ich will, etc.
Wenn ich jetzt die Möglichkeit habe, nach Alpha Centauri zu fliegen, dort eine völlig neue Spezies lebt. Erkundige ich mich nicht vorher, was das für Wesen sind? Welche Sprache die sprechen, wo ich bin, etc.
Ich meine, das ist ja jetzt kein typischer Pauschalurlaub nach Alanya, wo ich mich beschwere, wenn keine Liege frei ist und ich 15% Nachlass erstreite, weil irgendwas nicht nach Vorschrift läuft.
Also der Typ ist ungewöhnlich dumm. Warum der so ungewöhnlich dumm ist, das wäre ja der Kern und hätte eine schöne Verbindung zum verlinkten Artikel.
#17
Geschrieben 14 März 2026 - 10:07
Doch, in der Geschichte war das ein Pauschalurlaub, eben All Inclusive. Wenn das nicht klar geworden ist, hätte ich das vielleicht etwas klarer formulieren sollen. Insofern ist der Protagonist eben ein typischer Pauschalurlauber.
#18
Geschrieben 14 März 2026 - 10:10
Erst mal Danke, das du dich der Sache angenommen hast . Dein Text überträgt die Pressemeldung in andere Dimensionen. Das ist dir erst mal gelungen. Phantasiemäßig lässt du dir einiges einfallen. Wo für mich der Text schwächelt, sind die vielen Fragen. Mehr als zwanzig Mal fragt sich dein Prota etwas, reflektiert und liefert potenzielle Erklärungen. Da wäre weniger mehr. Es gibt einige Sprünge in der Zeitform, die aber kaum auffallen.
Schön, mal wieder was von dir lesen zu dürfen.
Danke für die Rückmeldung. Das mit den Fragen war mir so gar nicht bewusst, da sollte ich wohl mehr drauf achten. Bei den Zeitsprüngen hatte ich schon einiges korrigiert, aber mir sind wohl trotzdem noch einige entgangen.
#19
Geschrieben 14 März 2026 - 10:15
Doch, in der Geschichte war das ein Pauschalurlaub, eben All Inclusive. Wenn das nicht klar geworden ist, hätte ich das vielleicht etwas klarer formulieren sollen. Insofern ist der Protagonist eben ein typischer Pauschalurlauber.
Doch, das kam rüber. Ich habe mich natürlich nach der Lektüre gefragt, warum spielt das nicht in z.B. Kirgistan? Was ist das besondere an der Geschichte, dass es auf einem fremden Planeten spielt? In Kirgistan verstehe ich die Leute auch nicht, kann nichts lesen und bin genauso fremd und verloren.
Da bleibt die andere Schwerkraft und die schnellere Bewegung. Ansonsten ist es ein Pauschalurlaub in einer exotischen Ecke. Dafür braucht man keine SF zu schreiben.
#20
Geschrieben 14 März 2026 - 13:01
Nun ja, ich würde mal annehmen, dass in Kirgistan menschliche Körpersprache halbwegs korrekt interpretiert wird. Aber vielleicht irre ich mich ja.
#21
Geschrieben 14 März 2026 - 13:03
Mammut, auf jeden Fall ist deine Ausgangssituation bei dieser Fingerübung sehr interessant. Ich greife einen anderen Beitrag aus diesem Forum auf: Planet 9. Hier der Link:
Das könnte glatt ein Grundthema für einen weiteren Sci Fi Roman ergeben. Was, wenn es gar kein Planet ist, sondern etwas ... anderes
? Wenn dort, ähnlich wie in meinem ersten Roman versteckt hinter Ganymed, dem äußersten Monds des Jupiters, eine fremde Präsenz über uns wacht?? Ich würde mir Zeit lassen, dass Thema zu vertiefen, weit bis ins nächste Jahr hinein. Genug Zeit, mir zuvorzukommen
.
Bearbeitet von Michael Fallik, 14 März 2026 - 13:04.
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• (Film) gerade gesehen: Arthur Rimbaud - Sechs Monate in der Hölle
#22
Geschrieben 14 März 2026 - 13:22
Das ist auch ein schönes Thema, da gebe ich dir Recht.
#23
Geschrieben 14 März 2026 - 14:56
Nun ja, ich würde mal annehmen, dass in Kirgistan menschliche Körpersprache halbwegs korrekt interpretiert wird. Aber vielleicht irre ich mich ja.
Hängt wohl immer vom Land ab:
Gestik: Gesten aus aller Welt - [GEOLINO]
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