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Cyberpunk: Regenarchiv


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21 Antworten in diesem Thema

#1 Mammut

Mammut

    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben 02 Februar 2026 - 14:47

Der Regen war nicht kalt.

Er war zu glatt, zu gleichmäßig, als würde er nach Vorschrift fallen. Jede Tropfenbahn zog eine kurze, unsichtbare Spur über Miras Haut, und irgendwo hinter den Neonflächen der Reklame summte die Stadt, als würde sie das Wasser zählen.

Reinigen. Sammeln. Berechnen.

Mira hielt den Kragen ihrer Jacke hoch und schob sich durch die Menge unter der Hochtrasse. Links flackerte ein Holo-Spot: LUXHAB — WOHNEN OHNE ERINNERUNGEN. Rechts blinkten die billigeren Anzeigen, die nicht so taten, als hätten sie Stil: PORT-UPDATE? JETZT! und SCHULDEN? WIR KAUFEN DEIN MORGEN.

Ihr Neuro-Port juckte.

Das tat er immer, wenn der Nanoregen dicht war. Es war ein kleines, hässliches Implantat hinter dem rechten Ohr, ein grauer Halbkreis aus billiger Legierung. Keine richtige Versiegelung. Keine Firewall, die den Namen verdiente. „Ein Port ist besser als kein Port“, hatte der Streetdoc damals gesagt, während er mit einer stumpfen Nadel arbeitete und nebenbei Kaubonbons kaute.

Mira wusste inzwischen: Ein offener Port war wie eine offene Tür in einer Stadt voller Diebe.

Ein Drohnenpaar glitt tief über die Straße. Ihre Scheinwerfer scannten Gesichter, Iris, Ports. Mira senkte automatisch den Kopf und zog die Haare so, dass sie das Implantat verdeckten. Über ihr flackerte eine Kontrolltafel an der Trasse: NANOREGEN-STUFE 4 — STADTREINIGUNG AKTIV.

Stufe vier, dachte sie. Also heute Nacht wieder Albträume aus fremden Leben.

Sie kam an einem Abflussgitter vorbei, aus dem warmer Dampf stieg. Der Regen ließ die Pfützen auf dem Asphalt wie Spiegel wirken, und in einem davon sah sie ihr eigenes Gesicht – kurz, verzerrt, in Pixelbröseln, weil ihre Kontaktlinsen-AR einen Moment nachhakte.

„Mira.“

Sie erstarrte.

Der Name kam nicht aus der Menge. Er kam aus ihrem Kopf. Nicht als Gedanke – als Ton. Ein fremdes Flüstern, das sich direkt in den Port drückte, als wäre es immer schon dort gewesen.

Sie blieb stehen, mitten im Strom der Leute. Jemand rempelte sie an und fluchte. Mira hob die Hand an ihr Ohr, als könnte sie das Wort herausziehen wie einen Splitter.

„Mira“, wiederholte die Stimme. Diesmal klarer. Männlich. Heiser. Und dann ein zweites Geräusch: Sirenen, weit weg, aber auf sie zurollend wie eine Welle.

Sie schluckte, spürte plötzlich den Geruch von verbranntem Plastik – obwohl um sie herum nur nasser Beton roch. Ihre Finger wurden kalt. Ihr Herz schlug schneller, nicht wegen der Drohnen, nicht wegen der Kälte, sondern weil etwas in ihr anklickte, als hätte jemand einen Schalter umgelegt.

Eine Erinnerung, die nicht zu ihr gehörte, schob sich nach vorn: ein Korridor aus weißem Licht, Schuhe auf poliertem Boden, ein roter Alarmstreifen, der über die Wände lief. Menschen, die schrien. Ein Kind, das lachte, als hätte es das mit den Sirenen nicht verstanden.

Mira riss die Augen auf.

Die Szene war weg. Der Regen war wieder nur Regen. Die Menge floss wieder um sie herum.

Aber ihr Port brannte jetzt richtig.

Sie zwang sich weiterzugehen, schneller, in Richtung der Gasse, wo Koi seine Ware verkaufte. Koi war kein richtiger Name, aber keiner in dieser Stadt hatte noch einen, der wirklich passte.

Unter der Trasse wurde es dunkler. Die Holo-Werbung verlor an Auflösung, als würde sie sich schämen, hier unten zu leuchten. Ein einzelnes Schild mit einem flackernden Fisch führte in eine Seitenstraße, wo der Regen nicht weniger fiel, aber weniger beobachtet wurde.

Koi stand im Schutz eines kaputten Vordachs, die Hände in den Taschen, die Augen zu wach. Neben ihm ein Koffer, so unscheinbar wie ein Werkzeugkasten. In dieser Stadt war alles entweder Werkzeug oder Waffe.

„Du siehst aus, als hätte dich der Regen geküsst“, sagte er, ohne zu grüßen.

Mira blieb in Armlänge stehen. „Ich brauche was, das still ist.“

Koi grinste. „Still ist teuer.“

„Dann gib mir billig und gefährlich.“

Er nickte, als hätte er genau darauf gewartet. Er öffnete den Koffer. Innen lagen kleine Glasampullen, jede in Schaumstoff, jede beschriftet mit Handschrift und einem Datum.

Mira starrte auf die Etiketten. 24.11. 03.12. 12.12. — als wären es Weine. Oder Sünden.

„Regenarchiv“, sagte Koi leise. „Frisch. Stufe vier sammelt gut.“

„Was ist das?“ fragte Mira, obwohl sie es wusste.

Koi beugte sich vor. Seine Stimme wurde leiser als der Regen. „Erinnerungen. Fragmente. Echo aus Ports, die zu dumm oder zu arm sind, sich zu schließen.“

Mira spürte den Juckreiz wieder, tiefer. „Und wenn ich mir sowas reinziehe?“

„Dann hörst du vielleicht jemanden weinen“, sagte Koi. „Oder du siehst etwas, das du nie gesehen haben solltest.“

Er zog eine Ampulle heraus. Das Glas schimmerte nicht wie Wasser, sondern wie etwas, das Licht schluckte.

Auf dem Etikett stand nur ein Wort.

NEBELGATE.

Mira kannte den Namen. Jeder kannte ihn. Offiziell war Nebelgate ein „tragischer Industrieunfall“ gewesen. Ein Brand. Ein bedauerlicher Verlust. Eine Woche Nachrichten, zwei Wochen Schweigen, und dann wieder neue Werbung.

Kois Blick traf ihren. „Jemand hat dafür bezahlt, dass das vergessen wird.“

Mira hörte in ihrem Kopf wieder die Sirenen.

„Wie viel?“ fragte sie.

Koi nannte eine Zahl, die sich wie ein Messer anfühlte.

Mira presste die Zähne zusammen, zog ihr Datenband aus dem Ärmel und hielt es an seinen Leser. Ein kurzer Piepton, dann war es passiert. Ihr Konto war leichter. Ihr Leben nicht.

Koi drückte ihr die Ampulle in die Hand. „Spiel sie nicht in der Öffentlichkeit ab“, sagte er. „Und… Mira?“

Sie zuckte. „Woher kennst du meinen Namen?“

Koi antwortete nicht sofort. Er sah nur auf ihren Port, als könnte er durch das billige Metall hindurchsehen.

„Sagen wir“, meinte er schließlich, „der Regen hat ihn mir erzählt.“

 

 

 

Über Feedback würde ich mich freuen.



#2 Stahlelefant

Stahlelefant

    Yoginaut

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Geschrieben 02 Februar 2026 - 15:13

Liest sich flüssig. Ist es als komplette Geschichte gedacht oder nur ein Anfang? Fehler sind mir nicht aufgefallen  :thumb: Einzige halb-kritische Anmerkung: Das mit dem Regen und der Trasse könnte noch klarer sein. Eigentlich müsste die Trasse doch vor dem Regen schützen? Aber Mira wird trotzdem nass? Oder habe ich es zu schnell gelesen und etwas übersehen?


Nautron respoc lorni virch.

  • (Buch) gerade am lesen:Ray Bradbury: The Martian Chronicles

#3 rostig

rostig

    Temponaut

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Geschrieben 02 Februar 2026 - 15:23

Das Stahl- und Schienengerüst einer Schnellbahntrasse würde z.B. kaum vor Regen schützen. Das passt. Allerdings regnet es seit Blade Runner in beinahe jedem Cyberpunk-Setting. Hier ist es zwar Nanoregen und auch schön atmosphärisch stimmig aber ich mag das Regen-Klischee nicht mehr.



#4 Mammut

Mammut

    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben 02 Februar 2026 - 15:40

Liest sich flüssig. Ist es als komplette Geschichte gedacht oder nur ein Anfang? Fehler sind mir nicht aufgefallen  :thumb: Einzige halb-kritische Anmerkung: Das mit dem Regen und der Trasse könnte noch klarer sein. Eigentlich müsste die Trasse doch vor dem Regen schützen? Aber Mira wird trotzdem nass? Oder habe ich es zu schnell gelesen und etwas übersehen?

 

Das ist erstmal die Eingangsszene. Ich erzähle später mehr dazu, warte noch ein paar Rückmeldungen ab,


Das Stahl- und Schienengerüst einer Schnellbahntrasse würde z.B. kaum vor Regen schützen. Das passt. Allerdings regnet es seit Blade Runner in beinahe jedem Cyberpunk-Setting. Hier ist es zwar Nanoregen und auch schön atmosphärisch stimmig aber ich mag das Regen-Klischee nicht mehr.

 

Findest du nur das als Klischee oder den Text generell zu klischeeüberladen?



#5 rostig

rostig

    Temponaut

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Geschrieben 02 Februar 2026 - 17:21

Der Text ist für mich nicht wirklich klischeelastig, aber immer nur Regen ... Kann es nicht mal Schnee sein?



#6 Mammut

Mammut

    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben 02 Februar 2026 - 17:23

Der Text ist für mich nicht wirklich klischeelastig, aber immer nur Regen ... Kann es nicht mal Schnee sein?

 

Oder Hagel, da hast du natürlich Recht.



#7 Helge

Helge

    Typonaut

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Geschrieben 02 Februar 2026 - 22:23

Ganz gut erzählt, aber - ja, natürlich ist es klischeehaft. Cyberpunk ist längst etwas, das sich praktisch ausschließlich durch Klischees definiert und ohne diese einfach kein Cyberpunk ist. Ich tue mich deshalb allgemein schwer mit allem Cyberpunk, der nach 1990 geschrieben wurde.



#8 Mammut

Mammut

    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben 03 Februar 2026 - 08:56

Ich hatte ja nicht geschrieben, von wem der Text ist. Jetzt ratet mal.



#9 Stahlelefant

Stahlelefant

    Yoginaut

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Geschrieben 03 Februar 2026 - 10:45

Der Text ist für mich nicht wirklich klischeelastig, aber immer nur Regen ... Kann es nicht mal Schnee sein?

 

Oder Hagel, da hast du natürlich Recht.

Schneeregen, wenn ihr kompromissbereit seid ;)

 

 

Ich hatte ja nicht geschrieben, von wem der Text ist. Jetzt ratet mal.

Keine Ahnung. Aber der Name der Protagonistin kommt mir bekannt vor.

 

Zu Blade Runner: Ja, die Assoziation hatte ich auch. Es riecht tatsächlich ein wenig nach Klischee.


Nautron respoc lorni virch.

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#10 Sam Francisco

Sam Francisco

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Geschrieben 03 Februar 2026 - 13:39

Ich hatte ja nicht geschrieben, von wem der Text ist. Jetzt ratet mal.


Mein Tipp: Maximilian Wust
Future ist die Zukunft!
  • (Buch) gerade am lesen:Brandon Sanderson: Handbuch für den genügsamen Zauberer
  • (Buch) als nächstes geplant:immer noch Alan Campbell - Scar Night (Kettenwelt 1), aber meine Planungen werden häufig über den Haufen geworfen.

#11 Mammut

Mammut

    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben 03 Februar 2026 - 14:14

Mein Tipp: Maximilian Wust

 

Nein, Maximilian nicht. Wie kommst du auf ihn?



#12 Sam Francisco

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    Giganaut

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Geschrieben 03 Februar 2026 - 15:07

Einfach nur geraten. Ich glaubte eine gewisse Ähnlichkeit im Stil zu erkennen.
Future ist die Zukunft!
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#13 rostig

rostig

    Temponaut

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Geschrieben 03 Februar 2026 - 15:25

Ich würde den Text im Shadowrun-Kosmos verorten, vielleicht von Heitz.



#14 Mammut

Mammut

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Geschrieben 03 Februar 2026 - 16:14

Ich gebe mal einen Tipp bevor ich es auflöse: Es ist einerseits schwer, andererseits leicht. Und es betrifft ein Thema, das aktuell sehr heiß diskutiert wird.



#15 Fermentarius

Fermentarius

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Geschrieben 03 Februar 2026 - 18:27

Die Cyberpunk-Atmosphäre ist gut getroffen. Desillusionierte Heldin, Regen, geheimnisvolle Dialoge. Beim genauen Lesen fallen mir aber doch einige Dinge auf, die ich ändern würde. Die Szene beim Händler ist beispielsweise nicht stimmig. Einige Formulierungen sollte man vielleicht auch überarbeiten, z.B. "Jede Tropfenbahn zog eine kurze, unsichtbare Spur ...". Nicht die Tropfenbahn zieht die Spur, sondern der Tropfen. Oder "... einen Moment nachhakte." Gemeint ist wohl: "nachhinkte".

 

Wenn ich die Handlung wie einen Film vor meinem inneren Auge ablaufen lasse, sehe ich einige weitere Unstimmigkeiten, z.B: 

"Mira senkte automatisch den Kopf und zog die Haare so, dass sie das Implantat verdeckten. Über ihr flackerte eine Kontrolltafel an der Trasse: NANOREGEN-STUFE 4 — STADTREINIGUNG AKTIV. Stufe vier, dachte sie. Also heute Nacht wieder Albträume aus fremden Leben."

Wenn sie den Kopf senkt, kann sie ein Schild über ihr nicht lesen. Und die Tafel würde wohl eher nicht flackern.

 

Ich will hier niemanden beleidigen, aber die sehr glatten Formulierungen und die gleichzeitigen Unstimmigkeiten der Handlung deuten auf die Beteiligung einer KI. Das muss nicht stimmen, und ich bin vielleicht einfach etwas zu misstrauisch. Meine eigenen Experimente mit KI haben aber Texte mit ähnlichen Schwachstellen erzeugt.


Bearbeitet von Fermentarius, 03 Februar 2026 - 19:01.


#16 Mammut

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Geschrieben 03 Februar 2026 - 18:51

Ich will hier niemanden beleidigen, aber die sehr glatten Formulierungen und die gleichzeitigen Unstimmigkeiten der Handlung deuten auf die Beteiligung einer KI. Das muss nicht stimmen, und ich bin vielleicht einfach etwas zu misstrauisch. Meine eigenen Experimente mit KI haben aber Texte mit ähnlichen Schwachstellen erzeugt.

 

Der Text ist von ChatGPT5.2. Ich habe den eingestellt, weil ich doch sehr überrascht war, wie gut der Text ist, ohne das man noch was dran gemacht hat. Der Text wurde auch nicht von mir bearbeitet. 


Bearbeitet von Mammut, 03 Februar 2026 - 18:52.


#17 Stahlelefant

Stahlelefant

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Geschrieben 03 Februar 2026 - 19:00

Ja, für eine KI-Geschichte ist das wirklich sehr ordentlich. Glückwunsch an ChatGPT. Und an Fermentarius, der mit scharfem Auge die Unstimmigkeiten entdeckt hat. Ich habe wohl zu schnell und zu unkritisch gelesen. Bei einzelnen Sachen kann es aber auch sein, dass die Schilderung einfach ein bisschen knapp ist. Erst senkt sie den Kopf, und dann hebt sie ihn wieder, ohne dass es erwähnt wird. Es ist doch eher die Ausnahme, dass man den Kopf länger gesenkt lässt.


Nautron respoc lorni virch.

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#18 Michael Fallik

Michael Fallik

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Geschrieben 09 Februar 2026 - 17:10

Die Glückwünsche gehen an die falsche Adresse. ChatGPT ist lediglich der Auswurfschacht für statistische Berechnungen, die auf Daten basieren, die ohne Erlaubnis in Rechenzentren eingespeist wurden, deren Stromverbrauch und CO2 Abdruck von ganz oben Absolution erteilt wurde. 


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#19 Stahlelefant

Stahlelefant

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Geschrieben 09 Februar 2026 - 20:09

Na gut, das war wohl zu enthusiastisch formuliert. Mir ist klar, dass es nur Algorithmen sind, und ich versuche, mehr die Chancen als die Risiken zu sehen, auch wenn man die Risiken nicht unterschätzen sollte. Siehe den entsprechenden Thread.


Nautron respoc lorni virch.

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#20 Michael Fallik

Michael Fallik

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Geschrieben 09 Februar 2026 - 20:59

Na gut, das war wohl zu enthusiastisch formuliert.

 

Alles gut. Bin grad vorbelastet. Habe endlich Zeit gefunden, ein Buch zu lesen, dass in einem Forum empfohlen wurde (War das hier?). 

 

Kate Crawford  Atlas der KI. Wer ist Kate Crawford? ist eine australische Publizistin und Wissenschaftlerin. Sie ist leitende Wissenschaftlerin bei Microsoft Research (Social Media Collective), hält eine Gastprofessur am MIT Center for Civic Media, ist ein Senior Fellow am Information Law Institute der New York University School of Law und hält eine Assistenzprofessur am Journalism and Media Research Centre der University of New South Wales. Seit 2013 ist sie Wissenschaftlerin am Data & Society Research Institutes in New York.

 

Sehr kritische Informationen. 


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#21 Fermentarius

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Geschrieben 09 Februar 2026 - 22:22

Alles gut. Bin grad vorbelastet. Habe endlich Zeit gefunden, ein Buch zu lesen, dass in einem Forum empfohlen wurde (War das hier?). 

 

Kate Crawford  Atlas der KI. Wer ist Kate Crawford? ist eine australische Publizistin und Wissenschaftlerin. Sie ist leitende Wissenschaftlerin bei Microsoft Research (Social Media Collective), hält eine Gastprofessur am MIT Center for Civic Media, ist ein Senior Fellow am Information Law Institute der New York University School of Law und hält eine Assistenzprofessur am Journalism and Media Research Centre der University of New South Wales. Seit 2013 ist sie Wissenschaftlerin am Data & Society Research Institutes in New York.

 

Sehr kritische Informationen. 

Das Buch ist bestimmt sehr spannend geschrieben. Kate Crawford ist nicht umsonst eine sehr bekannte Autorin. Allerdings ist sie keine Naturwissenschaftlerin. Und die deutsche Wikipedia, aus der du zitiert hast, ist nicht so recht auf dem Laufenden. Sie hat, wenn ich das richtig verstanden habe, Medienwissenschaft studiert, also Journalismus. Sie ist kritische Journalistin, Mitglied eines feministischen Kollektivs und ehemals "visiting Professor" am MIT Center for Civic Media. Die englische Wikipedia ist da etwas genauer als die deutsche. 

Kate Crawford sieht die KI also eher als Journalistin und betrachtet in ihrem Buch die gesellschaftliche Seite, die ja nun wirklich nicht zu vernachlässigen ist.

Andererseits stammt das Buch aus dem April 2021, die Recherche also eher aus dem Jahr 2020, als die KI noch sehr in den Anfängen steckte und die Ergebnisse in Vergleich zu heute ziemlich unbrauchbar waren. Zum Vergleich: Die erste öffentliche Version von ChatGPT stammt aus dem Jahr 2022. 

Die Anfänge und Grundlagen der heutigen KI liegen in der Tat bei Programmen, die zu einem gegebenen Text (oder einem sogenannten Seed für Bilder) die wahrscheinlichste Erweiterung berechnete. Inzwischen sind die Firmen aber doch sehr viel weiter. Es gibt zusätzlich Feedback-Schleifen, Regeln, und immer wieder Optimierungen. Der Stand von ChatGPT 5.2 ist also mit dem Stand der KI aus dem Jahr 2020 nicht mehr vergleichbar. Es wäre etwa so als würde man sagen, dass das menschliche Gehirn schließlich nur aus Nervenzellen zusammengesetzt ist, die lediglich unter bestimmten Umständen elektrische Impulse weiterleiten, die sie von anderen Nervenzellen erhalten. 

Damit wir uns aber richtig verstehen: Das macht die heutige KI eher gefährlicher, nicht nur wegen des Ressourcenverbrauchs. Und die Geschichte hier zeigt das ziemlich eindrucksvoll. 



#22 Michael Fallik

Michael Fallik

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Geschrieben Gestern, 08:22

Das Buch ist bestimmt sehr spannend geschrieben. Kate Crawford ist nicht umsonst eine sehr bekannte Autorin. Allerdings ist sie keine Naturwissenschaftlerin. Und die deutsche Wikipedia, aus der du zitiert hast, ist nicht so recht auf dem Laufenden. Sie hat, wenn ich das richtig verstanden habe, Medienwissenschaft studiert, also Journalismus. Sie ist kritische Journalistin, Mitglied eines feministischen Kollektivs und ehemals "visiting Professor" am MIT Center for Civic Media. Die englische Wikipedia ist da etwas genauer als die deutsche. 

Kate Crawford sieht die KI also eher als Journalistin und betrachtet in ihrem Buch die gesellschaftliche Seite, die ja nun wirklich nicht zu vernachlässigen ist.

Andererseits stammt das Buch aus dem April 2021, die Recherche also eher aus dem Jahr 2020, als die KI noch sehr in den Anfängen steckte und die Ergebnisse in Vergleich zu heute ziemlich unbrauchbar waren. Zum Vergleich: Die erste öffentliche Version von ChatGPT stammt aus dem Jahr 2022. 

Die Anfänge und Grundlagen der heutigen KI liegen in der Tat bei Programmen, die zu einem gegebenen Text (oder einem sogenannten Seed für Bilder) die wahrscheinlichste Erweiterung berechnete. Inzwischen sind die Firmen aber doch sehr viel weiter. Es gibt zusätzlich Feedback-Schleifen, Regeln, und immer wieder Optimierungen. Der Stand von ChatGPT 5.2 ist also mit dem Stand der KI aus dem Jahr 2020 nicht mehr vergleichbar. Es wäre etwa so als würde man sagen, dass das menschliche Gehirn schließlich nur aus Nervenzellen zusammengesetzt ist, die lediglich unter bestimmten Umständen elektrische Impulse weiterleiten, die sie von anderen Nervenzellen erhalten. 

Damit wir uns aber richtig verstehen: Das macht die heutige KI eher gefährlicher, nicht nur wegen des Ressourcenverbrauchs. Und die Geschichte hier zeigt das ziemlich eindrucksvoll. 

Danke für die Ergänzungen. Was für mich das Buch interessant macht, sind die Auswirkungen der KI-Infrastruktur auf die Umwelt.  Zudem erfährt man sehr detailliert, woher und auf welche Art und Weise die ersten Musterdaten entnommen wurden. Das z.B. zur Objekterkennung Flickr geplündert wurde und die Bilder von unterbezahlten Hilfskräften katalogisiert wurden. Sie geht auf die Probleme ein, die für die KI bei Emotionserkennung bestehen. Und, zwar für Otto Normalbenutzer eher nebensächlich, die vielfältigen erfolgreichen Ansätze, freiheitliche Rechte legal zu beschneiden. Sinnbildlich: "Sicher habe ich ihn verhaftet. Meine App hat ihn als verdächtig getackt. Die irrt sich nie, ist doch eine Maschine."


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