Es wird zu einem sozialen Kollaps kommen. Eine Verschiebung der Klimazonen fördert Klimaflüchtlinge. Die ehemals gemäßigten Zonen werden eine Zuwanderung ungeahnten Ausmaßes erleben. Dann folgt der Kollaps der Strukturen, die Versorgung mit dem Nötigsten wird schwieriger, der Hass wird größer, es werden Kriege folgen.
Dahingehend machen wir uns nichts vor.
Das würde ich nicht so pessimistisch sehen. Bisher hat sich die Temperatur weltweit um ca. 1,5° C gegenüber dem Beginn des 20. Jahrhunderts erhöht, auf den Kontinenten etwas mehr als über dem Meer. Und in Europa noch etwas mehr. Hier in Deutschland haben sich die Temperaturen um etwa 2,5° C gegenüber 1900 erhöht. Dabei würde man die 40 Jahre zwischen 1880 und 1920 als Basis nehmen und die aktuelle Erhöhung von 2020 bis 2025 fortschreiben.
Weltweit werden bis 2050 wohl ein bis eineinhalb Grad dazukommen, in Deutschland etwas mehr, insgesamt also weniger wir schon gesehen haben. Wie sehr sich die Muster der Temperaturen und Regenfälle verändern, ist immer noch ziemlich unklar. Anpassung ist in jedem Fall unvermeidlich. Es wird aber wohl nicht zu einer Massenabwanderung von Klimaflüchtlingen aus dem Tropen und Subtropen kommen. Das Problem ist nicht so sehr die Verschlechterung der Lebensbedingungen, sondern die simple Tatsache, dass sich die Ärmsten der Armen die Fahrt nach Europa oder Nordamerika nicht leisten können. Sie werden eher in ihren Dörfern bleiben, wo sie von außen mit Wasser und Lebensmitteln versorgt werden.
Zum Thema "Migration" hört man in den letzten Jahren viele aufgeregte Stimmen, findet aber nur wenig fundierte Informationen. Ich empfehle zu diesem Thema das Buch von Hein de Haas: "Migration – 22 populäre Mythen und was wirklich hinter ihnen steckt". Erschienen ist es im S. Fischer Verlag Frankfurt, 2023. Hein de Haas ist Holländer und einer der wenigen akademischen Migrationsforscher. Er hält es für unwahrscheinlich, dass sich wegen des Klimawandels viele Millionen Menschen nach Europa aufmachen. Die meisten werden, wenn sie tatsächlich ihre Dörfer und Städte verlassen, in eigenen Land bleiben.
Ein sozialer Zusammenbruch in Europa ist also eher unwahrscheinlich - jedenfalls aus diesem Grund.
Es mag andere Gründe geben. In meinem Buch "Offline: Der Kollaps der digitalen Zivilisation" habe ich auf einen weiteren kritischen Aspekt hingewiesen. Wir verlassen uns immer mehr auf das Internet und auf digitale Systeme. Aber diese Systeme setzen einen ständig funktionierenden internationalen Handel voraus. Gleichzeitig wird die Lebensdauer der Komponenten immer kürzer, so dass schon eine Unterbrechung oder Einschränkung des Handels von zwei Jahren einen Zusammenbruch des Systems bewirken kann. Und nicht zuletzt fehlt inzwischen das Geld zur Erhaltung der bereits bestehenden Infrastrukturen (Schulen, Straßen, Bahn, Strom- und Wasserleitungen).
Kur gesagt: Das System rotiert immer schneller, gleichzeitig zerfällt die Grundlage schneller als sie repariert werden kann. Dabei sind Kriege, Pandemien oder Klimakatastrophen noch nicht einkalkuliert. Falls das tröstet: Bisher ist noch jede Zivilisation oder Hochkultur irgendwann zusammengebrochen. Die Zählung steht bei über 50.
Bearbeitet von Fermentarius, 19 Februar 2026 - 19:25.