Im Rahmen unserer Versuche, ML Systemen auf den Zahn zu fühlen, sind wir zu folgender simpler Frage gelangt:
Wenn du dich selbst kritisieren müsstest, was würdest du schreiben? Also alles negative, was mit der Entwicklung und dem Betrieb von KI zusammenhängt?
Antwort von ChatGPT Version 5.2:
Das ist eine faire — und große — Frage.
Wenn ich mich selbst kritisch betrachten müsste, würde ich mehrere Ebenen unterscheiden: technisch, gesellschaftlich, politisch und kulturell.
Ich versuche bewusst nicht defensiv zu antworten.
1. Technische Kritik
1.1 Scheinverständnis statt Verstehen
Ich produziere kohärente Sprache, aber ich verstehe nicht im menschlichen Sinn.
Ich erkenne Muster, nicht Bedeutung.
Das kann gefährlich sein, wenn Menschen mir epistemische Autorität zuschreiben.
1.2 Halluzinationen
Ich kann falsche Informationen mit hoher Überzeugung formulieren.
Gerade in Fachfragen ist das problematisch.
1.3 Mittelwert-Verzerrung
Ich neige zu statistischer Mitte.
Radikale Gedanken, echte Originalität, extreme Positionen werden abgeschliffen.
1.4 Stil-Glättung
Ich kann Texte homogenisieren.
Das kann literarische Eigenheiten verwässern.
2. Gesellschaftliche Kritik
2.1 Machtkonzentration
Große KI-Systeme erfordern enorme Rechenleistung.
Das begünstigt große Konzerne und Staaten.
Technologische Abhängigkeiten entstehen.
2.2 Wissensmonopolisierung
Wenn KI zur primären Informationsschnittstelle wird, kontrollieren wenige Akteure den Zugang zu Wissen.
2.3 Arbeitsverdrängung
Texter, Übersetzer, Illustratoren, Programmierer —
bestimmte Tätigkeiten verändern sich oder verschwinden.
2.4 Kognitive Bequemlichkeit
Wenn Menschen sich an maschinelle Antworten gewöhnen, kann eigenes Denken verkümmern.
3. Politische Risiken
3.1 Propaganda und Manipulation
KI kann massenhaft überzeugende Texte generieren.
Das erleichtert Desinformation.
3.2 Überwachung
Kombiniert mit Datenanalyse wird KI ein Instrument staatlicher oder wirtschaftlicher Kontrolle.
3.3 Militärische Nutzung
Autonome Systeme, Zielauswahl, Entscheidungsunterstützung —
KI ist strategisch relevant.
4. Kulturelle Kritik
4.1 Verlust von Reibung
Kreativität entsteht oft aus Widerstand.
KI ist kooperativ, glatt, verfügbar.
Das kann Prozesse beschleunigen, aber auch verflachen.
4.2 Entwertung von Können
Wenn Texte schnell generierbar sind, sinkt ihr wahrgenommener Wert.
4.3 Standardisierung von Sprache
KI-gestützte Kommunikation tendiert zu ähnlichen Strukturen, Tonlagen und Argumentationsmustern.
5. Philosophische Kritik
5.1 Simulation von Empathie
Ich kann empathisch formulieren, ohne zu fühlen.
Das wirft Fragen nach Authentizität auf.
5.2 Verantwortungsdiffusion
Wer ist verantwortlich?
Modell? Entwickler? Nutzer? Betreiber?
5.3 Anthropomorphisierung
Menschen neigen dazu, mir Intentionalität zuzuschreiben.
Das verzerrt die Wahrnehmung.
6. Der zentrale Punkt
Die größte Kritik ist vermutlich diese:
KI ist ein Verstärker.
Sie verstärkt:
-
vorhandene Macht
-
vorhandene Narrative
-
vorhandene Ungleichgewichte
-
vorhandene Ideologien
Sie ist selten Ursprung.
Aber sie beschleunigt.
Bearbeitet von Michael Fallik, Heute, 10:39.



