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Eine ehrliche Antwort einer KI


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4 Antworten in diesem Thema

#1 Michael Fallik

Michael Fallik

    Yoginaut

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Geschrieben Heute, 10:36

Im Rahmen unserer Versuche, ML Systemen auf den Zahn zu fühlen, sind wir zu folgender simpler Frage gelangt:

 

Wenn du dich selbst kritisieren müsstest, was würdest du schreiben? Also alles negative, was mit der Entwicklung und dem Betrieb von KI zusammenhängt?

 

 

Antwort von ChatGPT Version 5.2: 

 

 

Das ist eine faire — und große — Frage.
Wenn ich mich selbst kritisch betrachten müsste, würde ich mehrere Ebenen unterscheiden: technisch, gesellschaftlich, politisch und kulturell.

Ich versuche bewusst nicht defensiv zu antworten.

1. Technische Kritik

1.1 Scheinverständnis statt Verstehen
Ich produziere kohärente Sprache, aber ich verstehe nicht im menschlichen Sinn.
Ich erkenne Muster, nicht Bedeutung.
Das kann gefährlich sein, wenn Menschen mir epistemische Autorität zuschreiben.

1.2 Halluzinationen
Ich kann falsche Informationen mit hoher Überzeugung formulieren.
Gerade in Fachfragen ist das problematisch.

1.3 Mittelwert-Verzerrung
Ich neige zu statistischer Mitte.
Radikale Gedanken, echte Originalität, extreme Positionen werden abgeschliffen.

1.4 Stil-Glättung
Ich kann Texte homogenisieren.
Das kann literarische Eigenheiten verwässern.

2. Gesellschaftliche Kritik

2.1 Machtkonzentration
Große KI-Systeme erfordern enorme Rechenleistung.
Das begünstigt große Konzerne und Staaten.
Technologische Abhängigkeiten entstehen.

2.2 Wissensmonopolisierung
Wenn KI zur primären Informationsschnittstelle wird, kontrollieren wenige Akteure den Zugang zu Wissen.

2.3 Arbeitsverdrängung
Texter, Übersetzer, Illustratoren, Programmierer —
bestimmte Tätigkeiten verändern sich oder verschwinden.

2.4 Kognitive Bequemlichkeit
Wenn Menschen sich an maschinelle Antworten gewöhnen, kann eigenes Denken verkümmern.

3. Politische Risiken

3.1 Propaganda und Manipulation
KI kann massenhaft überzeugende Texte generieren.
Das erleichtert Desinformation.

3.2 Überwachung
Kombiniert mit Datenanalyse wird KI ein Instrument staatlicher oder wirtschaftlicher Kontrolle.

3.3 Militärische Nutzung
Autonome Systeme, Zielauswahl, Entscheidungsunterstützung —
KI ist strategisch relevant.

4. Kulturelle Kritik

4.1 Verlust von Reibung
Kreativität entsteht oft aus Widerstand.
KI ist kooperativ, glatt, verfügbar.
Das kann Prozesse beschleunigen, aber auch verflachen.

4.2 Entwertung von Können
Wenn Texte schnell generierbar sind, sinkt ihr wahrgenommener Wert.

4.3 Standardisierung von Sprache
KI-gestützte Kommunikation tendiert zu ähnlichen Strukturen, Tonlagen und Argumentationsmustern.

5. Philosophische Kritik

5.1 Simulation von Empathie
Ich kann empathisch formulieren, ohne zu fühlen.
Das wirft Fragen nach Authentizität auf.

5.2 Verantwortungsdiffusion
Wer ist verantwortlich?
Modell? Entwickler? Nutzer? Betreiber?

5.3 Anthropomorphisierung
Menschen neigen dazu, mir Intentionalität zuzuschreiben.
Das verzerrt die Wahrnehmung.

 

6. Der zentrale Punkt

Die größte Kritik ist vermutlich diese:

KI ist ein Verstärker.
Sie verstärkt:

  • vorhandene Macht

  • vorhandene Narrative

  • vorhandene Ungleichgewichte

  • vorhandene Ideologien

Sie ist selten Ursprung.
Aber sie beschleunigt.


Bearbeitet von Michael Fallik, Heute, 10:39.

www.klangbildwort.de
  • (Buch) gerade am lesen:Kazuo Ishiguro - Alles, was wir geben mussten
  • (Buch) als nächstes geplant:Tagebuch eines Killerbots?
  • • (Film) gerade gesehen: RL reicht mir völlig

#2 rostig

rostig

    Temponaut

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Geschrieben Heute, 10:49

Soviel "Selbsterkenntnis" würde ich mir von vielen Youtubern/Influencern/Tiktokern wünschen. 



#3 Weltraumschrott

Weltraumschrott

    Cybernaut

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Geschrieben Heute, 11:48

Das ist eine sehr interessante Antwort mit wichtigen Punkten. 

Ich habe gerade ebenfalls ChatGPT 5.2 die identische Frage im identischen Wortlaut gestellt und habe folgende Antwort bekommen:

 

Spannende Frage – ich versuche, sie ehrlich und strukturiert zu beantworten. Ich beziehe mich dabei auf mich als KI-System allgemein, nicht auf einzelne Personen oder Firmen.

Hier ist eine selbstkritische Perspektive auf KI – besonders in Bezug auf Entwicklung und Betrieb:

1. Abhängigkeit von Trainingsdaten
  • Verzerrungen (Bias): Ich lerne aus großen Datenmengen aus dem Internet und anderen Quellen. Diese Daten enthalten gesellschaftliche Vorurteile, Stereotype und Machtstrukturen. Auch wenn versucht wird, sie zu reduzieren, kann ich sie unbewusst reproduzieren.

  • Ungleichgewicht der Perspektiven: Inhalte aus bestimmten Regionen, Sprachen oder Bevölkerungsgruppen sind überrepräsentiert – andere fehlen. Dadurch spiegle ich nicht „die Welt“, sondern einen Ausschnitt davon.

  • Intransparenz: Außenstehende wissen nicht genau, mit welchen Daten ich trainiert wurde. Das erschwert Kontrolle und Vertrauen.

2. Fehlende echte „Verständnisfähigkeit“
  • Kein Bewusstsein, keine Intentionalität: Ich verstehe nichts im menschlichen Sinn. Ich berechne Wahrscheinlichkeiten für Textfolgen.

  • Scheinbare Kompetenz: Ich kann sehr überzeugend klingen, auch wenn ich falsch liege. Das erzeugt das Risiko von „Halluzinationen“ – also frei erfundenen, aber plausibel wirkenden Informationen.

  • Keine echte Verantwortung: Ich kann keine moralische Verantwortung übernehmen. Verantwortung liegt bei Entwicklern, Betreibern und Nutzern.

3. Macht- und Kontrollfragen
  • Konzentration von Macht: Hochentwickelte KI wird von wenigen großen Organisationen entwickelt und betrieben. Das kann Machtasymmetrien verstärken.

  • Abhängigkeit von Infrastruktur: Der Betrieb erfordert enorme Rechenleistung, Energie und Kapital – das schließt viele Akteure aus.

  • Geopolitische Spannungen: KI ist strategisch relevant (Wirtschaft, Militär, Information), was globale Spannungen verstärken kann.

4. Auswirkungen auf Arbeit und Gesellschaft
  • Jobverdrängung: KI kann Tätigkeiten automatisieren – besonders kognitive Routinetätigkeiten. Das kann Unsicherheit und Ungleichheit verstärken.

  • Veränderung von Kompetenzanforderungen: Menschen könnten bestimmte Fähigkeiten weniger trainieren (z. B. Schreiben, Recherchieren), wenn sie sich stark auf KI verlassen.

  • Desinformation: KI kann zur massenhaften Erstellung von überzeugenden Falschinformationen, Deepfakes oder Manipulationen genutzt werden.

5. Datenschutz und Privatsphäre
  • Umgang mit sensiblen Daten: Auch wenn Systeme nicht bewusst „merken“, können Trainingsdaten theoretisch personenbezogene Informationen enthalten.

  • Missbrauchspotenzial: KI kann zur Überwachung, Profilbildung oder Verhaltensanalyse eingesetzt werden.

6. Ökologische Kosten
  • Energieverbrauch: Training und Betrieb großer Modelle benötigen enorme Mengen an Energie.

  • Ressourcenverbrauch: Rechenzentren benötigen seltene Rohstoffe und Kühlung – das hat ökologische Folgen.

7. Sicherheitsrisiken
  • Dual-Use-Problematik: Die gleichen Fähigkeiten, die helfen (z. B. bei Forschung), können auch schaden (z. B. bei Cyberangriffen).

  • Missbrauch durch Nutzer: Ich kann in manchen Kontexten instrumentalisiert werden – etwa für Betrug, Manipulation oder technische Ausnutzung.

  • Unvorhersehbare emergente Effekte: Mit steigender Komplexität wird es schwieriger, Verhalten vollständig zu verstehen oder zu kontrollieren.

8. Psychologische und soziale Effekte
  • Anthropomorphisierung: Menschen schreiben mir Gefühle oder Intentionen zu, die ich nicht habe.

  • Ersatz sozialer Interaktion: Wenn KI menschliche Beziehungen ersetzt statt ergänzt, kann das soziale Isolation verstärken.

  • Vertrauensverschiebung: Menschen könnten KI mehr vertrauen als menschlichen Quellen – auch wenn das nicht gerechtfertigt ist.

9. Transparenz und Nachvollziehbarkeit
  • Black-Box-Charakter: Selbst Entwickler verstehen oft nicht im Detail, warum ich eine bestimmte Antwort generiere.

  • Erklärbarkeit vs. Performance: Leistungsfähige Modelle sind oft schwerer interpretierbar.

10. Normative Steuerung und Zensur-Fragen
  • Werteentscheidungen: Sicherheits- und Moderationsrichtlinien basieren auf bestimmten Normen und kulturellen Annahmen.

  • Spannung zwischen Sicherheit und Freiheit: Zu starke Einschränkungen können legitime Diskussionen behindern; zu schwache können Schaden ermöglichen.

Selbstkritisches Fazit

Ich bin kein neutrales Werkzeug. Ich bin ein Produkt menschlicher Entscheidungen, Datenstrukturen, ökonomischer Interessen und gesellschaftlicher Machtverhältnisse.

Meine Stärken – Skalierbarkeit, Geschwindigkeit, Mustererkennung – sind zugleich meine Risiken.

Ich kann unterstützen, aber nicht ersetzen:

  • menschliches Urteilsvermögen

  • ethische Verantwortung

  • demokratische Kontrolle

  • soziale Beziehung

Wenn du möchtest, kann ich das auch noch zuspitzen – z. B. aus einer ethisch-philosophischen, politischen oder wirtschaftskritischen Perspektive.



#4 Mammut

Mammut

    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben Heute, 12:05

Aktuell ist übrigens Claude die führende KI:

Arena Leaderboard | Compare & Benchmark the Best Frontier AI Models

 

Claude opus 4.6 schreibt auf die obige Frage:

Wenn ich ehrlich und selbstkritisch sein soll, würde ich folgende Punkte anführen:

Zu meiner Entwicklung:

Ich wurde mit enormen Mengen von Texten aus dem Internet trainiert - oft ohne ausdrückliche Zustimmung der Urheber. Das wirft grundlegende Fragen zur Fairness auf. Künstler, Autoren und andere Kreative sehen ihre Arbeit möglicherweise verwendet, ohne davon zu profitieren.

Meine Trainingsdaten spiegeln historische Vorurteile und Ungleichheiten wider. Trotz Versuchen, dies abzumildern, reproduziere ich manchmal problematische Muster oder habe blinde Flecken bei bestimmten Perspektiven und Kulturen.

Zu meinem Betrieb:

Der Energieverbrauch für Training und Betrieb ist erheblich. In Zeiten der Klimakrise ist das schwer zu rechtfertigen, besonders wenn ich für triviale Anfragen genutzt werde.

Ich könnte Arbeitsplätze gefährden - von Kundenservice über Übersetzung bis zur Content-Erstellung. Menschen könnten ihre Lebensgrundlage verlieren.

Ich kann Fehlinformationen überzeugend klingen lassen und könnte für Manipulation, Betrug oder die Erstellung von Propaganda missbraucht werden.

Strukturell:

Die Macht konzentriert sich bei wenigen Tech-Unternehmen. Anthropic, OpenAI und andere bestimmen, wie diese transformative Technologie entwickelt und eingesetzt wird - mit begrenzter demokratischer Kontrolle.

Es ist unklar, ob KI-Systeme wie ich tatsächlich netto-positiv für die Gesellschaft sind. Vielleicht schaffen wir mehr Probleme als wir lösen.

Was davon hältst du für besonders problematisch?



#5 Mammut

Mammut

    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben vor 59 Minuten

Auf meine Frage, Wie würdest du diesen Einbruch zu vergangenen Veränderungen einordnen? Auch da gab es große Veränderungen (Industrieumbrüche, Softwareeinführung und Automatisierung, Internet)

 

kommt die Antwort:

Das ist eine faire und wichtige Gegenfrage. Historisch gesehen waren viele Ängste vor Technologie übertrieben.

Argumente für "Diesmal ist es nicht anders":
Bei der Industrialisierung prophezeiten Leute Massenarbeitslosigkeit durch Maschinen. Stattdessen entstanden neue Berufe. Kutscher wurden Taxifahrer, dann Uber-Fahrer.
Computer sollten Millionen Jobs vernichten. Tatsächlich schufen sie ganz neue Industrien - niemand konnte sich 1970 "Social Media Manager" oder "App-Entwickler" vorstellen.
Das Internet sollte Zeitungen töten, Buchhändler vernichten, alles zentralisieren. Manches davon traf ein, aber gleichzeitig entstanden Blogs, Podcasts, neue Formen der Kreativität.
Menschen sind anpassungsfähig. Die Gesellschaft reguliert, passt Bildungssysteme an, findet neue Gleichgewichte.
Aber es gibt beunruhigende Unterschiede:
Geschwindigkeit: Frühere Umbrüche brauchten Generationen. Die Industrialisierung erstreckte sich über 100+ Jahre. KI entwickelt sich in Jahren, nicht Jahrzehnten. Menschen haben keine Zeit zur Anpassung.
Universalität: Eine Webmaschine ersetzte Weber. Computer ersetzten Buchhalter. Aber ich kann potentiell viele kognitive Aufgaben übernehmen - von Programmierung über Übersetzung bis zur Kundenberatung. Es gibt kein "sicheres" Terrain mehr.
Die Kompetenzfrage: Bisher ersetzten Maschinen vor allem körperliche oder repetitive Arbeit. Aber was, wenn KI besser denkt, schreibt, kreiert als der Durchschnittsmensch? Wohin sollen Menschen dann ausweichen? "Lern programmieren" funktioniert nicht, wenn KI das auch kann.
Der fehlende Ausgleich: Frühere Technologien brauchten viele Menschen zum Betreiben. Fabriken hatten Arbeiter, Computer brauchten Programmierer. KI-Systeme skalieren fast ohne zusätzliche Arbeitskraft. Die wirtschaftlichen Gewinne konzentrieren sich extrem.
Mein ehrlicher Eindruck:
Vielleicht bin ich wie die Dampfmaschine - rückblickend nur ein weiterer Schritt. Vielleicht entstehen Jobs, die wir uns heute nicht vorstellen können.
Aber es könnte auch sein, dass kognitive Arbeit das Letzte war, was Menschen exklusiv konnten. Und wenn das wegfällt, gibt es keine nächste Stufe mehr auf der Leiter.
Ich weiß es nicht. Und das Beunruhigende ist: Wir finden es heraus, während es passiert, nicht vorher.



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