Ich betrachte dahingehend Reddit als einen guten Prüfstein. Die Fülle von Reddit-Kurzgeschichten ist mit gewaltig noch untertrieben. Täglich werden dort Hunderte veröffentlicht, wenn nicht sogar noch mehr, und selbst, wenn man sich nur auf ein Subgenre beschränkt und sich Ausschlusskriterien auferlegt (wie z.B., dass man nach drei Absätzen abbricht, wenn es einem nicht gefällt oder schon nach Titeln aussortiert), kann man diese schiere Masse niemals lesen. Was schade ist, denn einige sind wirklich gut.
Letztendlich entscheide ich fast nur noch über Opinion Leader, deren Geschmack den meinen trifft (und die anscheinend allesamt arbeitslos sind, so viele Texte wie sie täglich bewerten) oder nach Schöpfer selbst, sprich, wenn sich jemand bewährt hat. Wobei Reddit die schwere Tendenz hat, Menschen mit Erfolg verrückt zu machen und sich viele Content Creator nach erster Aufmerksamkeit in politische Diskussionen werfen, als könne ihr Wort könne die Zukunft der Welt entscheiden. Daher habe ich auch die Opinion Leader zuerst genannt.
Ansonsten suche ich noch nach Storys, die angeeckt haben, vielleicht eine überraschend bizarre Sicht auf die Dinge werfen oder einen persönlichen Lebensaspekt betreffen (wie z.B. Design, Kunst, Arbeitswochen ohne freie Tage, Mäuse als Haustiere oder so in der Art). Werke, die auf ein "NPC Mindset" hindeuten, wie man sagt, ignoriere ich vollständig. Nicht, weil ich etwas dagegen habe (ich habe selbst eines), sondern schlicht, weil mir die Zeit dazu fehlt.
Dasselbe gilt leider auch für Anthologien. Ich habe schon diverse Kurzgeschichtensammlungen gekauft, um mir ein Bild zu machen – und leider muss ich sagen, dass die allermeisten unter dem "More of the same"-Problem leiden. Im Science-Fiction bedeutet das vor allem Themen wie KIs, der ewige Konflikt zwischen Schöpfer und Schöpfung, Erstkontakte (so unendlich viele Erstkontakte) und vielleicht ein wenig Isolation. Zwischendrin gibt es ein wenig IT, die eine oder andere Strandung auf einem fremden / feindseligen Planeten und seit 2020 Identitätspolitik, die die Antikriegsnarrative der 2000er abgelöst hat. Einige wenige wie Uwe Hermann oder Thorsten Küper machen das dermaßen gut, dass sie dadurch auffielen; Michael Schmidt und Erik Hauser gingen unterhaltsam andere Wege. Alle anderen mussten entweder komplett neue Ideen liefern oder extrem provokant sein, um nicht in der Masse unterzugehen. Und den erhobenen Zeigefinger der Moral kann ich seit spätestens 2024 kaum noch ertragen.
Das größte Potenzial sehe ich daher in eben Themen-Anthologien, wenn es darum geht, auch die Casuals zu bedienen, wobei sie schon wirklich sehr relatable sein müssten: Die "Smartokratie" ist dafür das aktuell beste Beispiel, weil eben absolut jeder mit Smarttechnologie zu tun hat. "int:elegance" trifft sicher auch einen gewissen Nerv (oder bzw. einen in mir). Ansonsten seid ihr das sicher mehr firm als ich.
Hätte ich die Möglichkeit, würde ich eine Ausschreibung zu Krieg und Kriegsführung eröffnen – denn da hat die Menschheit längst die pyrotomischen Strahlenkanonen und Terminatoren überholt. Allein die Drohnen in "ARC Raiders", die ja tatsächlich von KIs gesteuert werden, finde ich spannend gruselig. Sie bewegen sich und agieren so gar nicht wie Menschen oder Tiere. Wobei ich dieses Thema jetzt aus der Sicht eines aktiven Gamers bewerte 
Bearbeitet von Maxmilian Wust, 27 April 2026 - 13:46.