Zum Inhalt wechseln


Foto
- - - - -

Tom McCarthy: „Remainder - ein Stück über Realitätsfälschung“ - oder die CV eines Slipstream SF Romans


  • Please log in to reply
Keine Antworten in diesem Thema

#1 head_in_the_clouds

head_in_the_clouds

    Infonaut

  • Mitglieder
  • PIPPIP
  • 158 Beiträge
  • Geschlecht:männlich

Geschrieben Heute, 12:04

- spoilerfrei -

 

Ein Mann steht zur falschen Zeit am falschen Ort und hat auf einmal zwei Probleme: Was stellt man mit einer Abfindung von 8 ½ Millionen an? Und wie lässt sich ein Leben wieder ins Lot bringen, dem plötzlich etwas Entscheidendes fehlt - die Selbstverständlichkeit!"

 

Der Debütroman „Remainder“ des britischen Autors Tom McCarthy erschien erstmals im November 2005 beim Pariser Kunstverlag Metronome. Nachdem er sich in Frankreich zu einem Kultroman entwickelt hatte (!), griffen ihn  zunächst  britische Online-Magazinen auf (er wurde vom 3:AM Magazine zum Buch des Jahres 2005 gekürt) - und anschließend von der Literaturpresse gefeiert. Erst danacn  erschien „Remainder“ als Neuauflagen bei Alma Books in Großbritannien (2006) und Vintage in den USA (2007).

 

In Deutschland hat er es zumindest (aber erst 2019!) in die ug. NDR- Hörspielfassung gebracht.

 

Dies ist auch ein wohl typisches Beispiel für die Behandlung von Slipstream-Science-Fiction , bei der es nicht selten ist, das Verlage nicht wissen , wie sie diese vermarkten sollen. Innovative , kleinere Verlage (wie der in Frankreich) riskieren es und für diesen lief es  glücklicherweise so, das  der Stoff zum Kulthit wurde. Das wirft auch ein Licht auf die (meist fehlende) Risikobereitschaft bei den Großverlagen (hier z.b. UK oder Deutschland) für neue Autoren, die wirklich etwas zu erzählen haben und die Leserschaft was interessante Sf Lesestoffe anbetrifft , eher kurz halten. Lieber werden ihre gehypten Cash Cows gefüttert.

 

Dabei sind die Fragen, die McCarthy aufwirft doch auch die Motive , die in anspruchsvoller Genre SF zu finden sind: Nämlich  über Authentizität von Realität, das suchen von Identität und der Sehnsucht technische Systeme zu entwerfen, die uns vermeintlich transzendieren sollen... McCarthy reiht sich hier ebenfalls  in die philosophische Sf ein, die wirklich unser Leben hinterfragt. Wer technologische Gimmicks erwartet , wird enttäuscht werden , wer aber diese Art SF zu schätzen weiß , wird damit belohnt, das existentiellen Fragen Raum gegeben wird, in einem bizarren Szenario, in das unser Held sich selbst stürzt.

 

Das McCarthy schon 2005 thematisch Realitätsfälschung als umsetzbare Möglichkeit ansieht, sollte uns in unserer heutigen Lage von ungeregelter KI und Desinformation die Wahrheit von Lüge ununterscheidbar machen möchte, und so einen Raum alternativer Fakten aufspannen will, zu denken geben.

 

 

* Tom McCarthy: „Remainder - Hörspiel über Realitätsfälschung“

 

Download hier: https://www.ardsound...f8b3012866b30b/

 

Bearbeitung u. Regie: Hannah Georgi, Komposition: Andreas Bick Mit Jan Krauter, Matthias Bundschuh, Peter Kurth, Sigrid Burkholder u.a. NDR 2019

 

* Tom McCarthy: „Remainder“ (2006, UK) (Roman)


Bearbeitet von head_in_the_clouds, Heute, 13:17.

"Why should one be afraid of something merely because it is strange?"

  • (Buch) gerade am lesen:John Sladek - Roderick oder Die Erziehung einer Maschine


Besucher die dieses Thema lesen: 0

Mitglieder: 0, Gäste: 0, unsichtbare Mitglieder: 0