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Kontroverse um einen japanischen Autor — kennt ihr dieses institutionelle Schweigen?

yuri

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Eine Antwort in diesem Thema

#1 deepsea_uj

deepsea_uj

    Nochkeinnaut

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Geschrieben Heute, 04:43

Hallo zusammen,

ich schreibe aus Japan und bin mir nicht ganz sicher, ob das hier der richtige Ort dafür ist. Aber seit Wochen lässt mich eine Sache nicht los, und ich würde gerne eine Außenperspektive hören.
Seit einiger Zeit kursieren in japanischen sozialen Netzwerken Vorwürfe gegen einen Science-Fiction- und Yuri-Autor, der bei mehreren großen Verlagen veröffentlicht. Den Anfang machte jemand auf X, der über eine verstorbene enge Freundin schrieb und behauptete, diese habe eine Beziehung mit dem Autor gehabt. Gleichzeitig wurde ausdrücklich betont, das sei keine formelle Anschuldigung. Der Account wurde kurz darauf gelöscht, Archive existieren aber noch.
Daneben gibt es Diskussionen, die denselben Autor mit einer jungen Künstlerin in Verbindung bringen, die 2022 gestorben ist. Grundlage sind ein persönlicher Essay des Autors und rekonstruierte Zeitabläufe. Alles bleibt umstritten und nicht verifiziert.
Der Autor hat die Vorwürfe öffentlich zurückgewiesen, nach eigenen Angaben rechtlichen Rat eingeholt und die Sache der Tokioter Polizei gemeldet. 
Was mich dabei wirklich beschäftigt, sind weniger die einzelnen Vorwürfe als das Gesamtbild. Alles spielt sich in gelöschten Posts, Screenshots und anonymen Accounts ab, während jede Institution, die theoretisch reagieren könnte, schweigt. In Japan ist das Verleumdungsrecht streng genug, dass selbst persönliche Erfahrungsberichte rechtlich riskant sein können. Also schweigen die Leute, oder sie posten und löschen wieder. Und die Diskussion bleibt einfach hängen, weder geklärt noch verschwunden.
Die fundierteste englischsprachige Einschätzung zur Lage kommt vom Okazu-Blog von Erica Friedman, die im März dieses Jahres eine Stellungnahme veröffentlicht hat. Wer die Yuri-Szene verfolgt, kennt das Blog vermutlich.
Habt ihr ähnliche Muster schon erlebt? Fälle, in denen ernste Diskussionen nur in informellen Online-Räumen existieren, während Institutionen komplett schweigen? Wie lest ihr so eine Situation?
Kein Urteil über den Autor gesucht, eher ein Gespräch über das Phänomen selbst.

 

Quellen:
Hintergrundartikel zur Yuri-Szene: http://www.concatena...s4~26.html#yuri
Okazu-Blog, Stellungnahme: https://okazu.yurico...tant-statement/

Zusätzlicher Kontext (nicht verifiziert / Online-Diskussionen):
https://kiwifarms.st/threads/allegations-circulate-online-regarding-japanese-sf-writer-writer-denies-claims-and-reports-police-involvement.244972/



#2 Helge

Helge

    Biblionaut

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Geschrieben vor einer Minute

Ich verstehe ehrlich gesagt nicht ganz, worum es Dir geht. Was für Institutionen sollten sich denn in privaten Klatsch und Tratsch einmischen und warum sollten sie das tun? Und was wäre überhaupt ein Problem daran, wenn die beiden eine Beziehung miteinander gehabt hätten?




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