James Salter, geboren 1925 in den USA, veröffentliche „The Hunters“ (dt. „Jäger“) , 1957 als sein Debut, das so erfolgreich wurde, das er seinen Beruf als Kampfpilot aufgab und Vollzeitautor wurde. 1997 überarbeitet er sein Werk und der Rezension liegt die neu herausgegebene Fassung in der deutschen Übersetzung zu Grunde. Salter lässt in seinem Roman dabei seine eigene Erfahrung als Jagdpilot im Koreakrieg einfließen. Seine Sprache ist einzigartig und er wird in einer Reihe mit großen zeitgenössischen amerikanischen Autoren wie Norman Mailer, Gore Vidal oder James Irving genannt.
Inhalt
Er erzählt die packende Geschichte von Captain Cleve Saville , einem begabten USAF-Flieger, der es im Koreakrieg Anfang der 1950er in der Beherrschung des neuen F86-Düsenjäger zum besten Piloten gebracht hat. Die Piloten seiner Schwadron liefern sich über Korea Luftkämpfe mit russischen MiGs und Saville ist zuversichtlich, dass seine Position als Schwadronführer es ihm ermöglichen wird, ein Spitzenpilot zu werden, der als erster fünf feindliche Flugzeuge abschießt. Die sogenannten „5 Kills“ , die als rote Sterne auf den Flugzeugrumpf aufgemalt werden. Damit würde er zur Jagdpilotelite gehören und die Anerkennung seiner Kameraden wäre ihm sicher.
Die Bewunderung seiner Kameraden für sein fliegerisches Können ist der einzige Grund, der ihm dabei wichtig ist. Der Gedanke an den größeren Ruhm, der mit militärischem Heldentum einhergeht, bedeutet ihm nichts. Die Flugmissionen über feindliches Territorium und das führen der Schwadron bedeutet für ihn in der Konzentration auf das Fliegen, Jagen, gejagt werden und dem Sieg eine einzigartige Erfahrung , eine auf das wesentliche reduzierte Klarheit. Das stille Selbstvertrauen beginnt allerdings zu schwinden, da andere, weniger erfahrene Piloten das Glück haben, Abschüsse zu verzeichnen, das Cleve versagt bleibt. Cleves Unruhe darüber steigert sich als Ed Pell , ein Fliegerkollege und im Gegensatz zu Cleve mit sichtbarem Hunger nach Ruhm , selbst die „5 Kills“ für sich beanspruchen will. Er bringt das Gleichgewicht das in der Schwadron herrschte, damit aus der Balance.
Einige der Abschüsse sind allerdings fragwürdiger Natur , da diese soweit in Feindgebiet hätten stattfinden müssen und wegen Treibstoffbeschränkungen die die F86‘s dann zur Rückkehr zwingen würden, so gar nicht möglich wären. Da Cleve aber dann selbst in der Luft ist , kann er die Rückkehrzeit Pell’s nicht überprüfen. Ohne die Selbstlosigkeit, die das Geschwader routinemäßig an den Tag legt, fügt der egoistische Pell dem Rumpf seiner F86 rote Sterne hinzu, da sich seine Abschüsse bald häufen und er an Cleve vorbeizieht. Die unausgesprochene Rivalität zwischen den Männern beherrscht Cleve jede wache Stunde und nur mit einem Stern an seinem Flugzeug und am Ende der letzten Tour bevor er aus Korea abgelöst wird ,verfestigt sich bei ihm die Gewissheit dass er, obwohl der bessere Pilot, den Respekt seiner Kameraden möglicherweise nie zurückgewinnen wird.
Kritik
Salter flog selbst im Koreakrieg die F86 in zahlreichen Einsätzen. Er kennt also das Metier wenn er die notwendige punktgenaue Geschicklichkeit der Kampfpiloten beschreibt – dabei hilft ihm sein sicheres Urteilsvermögen bei der Wahl der Worte. Anstatt sein Buch mit Technogeplauder zu füllen, verwendet Salter eine reine und klare Prosa und verbindet sie nahtlos mit der Schilderung der physischen Aktion in der Luft ohne in Klischees abzudriften. Es gibt Momente im Buch, wo Salter uns durch einen Satz führt , in dem jedes Wort so brillant platziert ist, dass es den Leser ins Geschehen hineinziehen muss - man glaubt , man sitzt mit im Cockpit.
Man lernt viel darüber, wie es tatsächlich ist, in einer Kriegssituation gewesen zu sein und eines der Dinge, die immer wieder zur Sprache kommen, ist die Art und Weise, wie die Piloten durch die Flugzeugreichweite limitiert sind, die Notwendigkeit, wegen des Treibstoffs zurückkehren zu müssen – immer mit dem Risiko andernfalls über Feindesgebiet abzuspringen
Die moralische Reinheit der Motive von Saville wird dem Leser überzeugend vermittelt , so das umso mehr der erschütternde Höhepunkt von „Jäger“ unvergessen bleibt. Vor dem Leser hat sich eine Geschichte entfaltet, die viel Wahrheit durch die Unterscheidung zwischen Kriegsheldentum und der komplexen Beziehung zwischen Konkurrenten enthüllt.
Gleichzeitig ist es für das Erscheinungsjahr 1957 ein frühes Aufgreifen eines heute aktuellen Themas nämlich über männliche Vorstellungen von Ehrgeiz, Erfolg und dem Umgang mit Scheitern und was es diesbezüglich heißt, männlich zu sein. Salters Roman ist eine klischeefreie Lektüre für Männer , aber durchaus auch Frauen – es geht um männliche Charakterentwicklung, über die Erwartungen was ein Mann tun 'sollte' und was er bereit ist, sich selbst anzutun.
Fun fact: der Roman wurde 1958 mit Robert Mitchum als Cleve Saville und Robert Wagner als Ed Pell verfilmt.
über James Salter:
https://de.wikipedia...ki/James_Salter
"Jäger" - James Salter
Berlin Verlag Taschenbuch
2016
ISBN: 9783833310386
Bearbeitet von head_in_the_clouds, vor 31 Minuten.



