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Tatsuzō Ishikawa: Die letzte Utopie


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Eine Antwort in diesem Thema

#1 Ulrich

Ulrich

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Geschrieben Heute, 10:52

Tatsuzō Ishikawa
Die letzte Utopie
Roman
Aus dem Japanischen von Yuri Mizobuchi und Sabine Mangold
Mitteldeutscher Verlag, Februar 2025

 

Der Roman von 1952 erzählt die fesselnde Geschichte eines fiktiven Volksaufstands gegen eine korrupte Regierung in einer abgelegenen Provinz Japans. In einer nicht allzu fernen Zukunft ist die gesamte Welt zu einer einzigen Republik vereint. Krieg und Armut gehören der Vergangenheit an, Geld existiert nicht mehr. Lebensmittel und Materialien werden in unbegrenzten Mengen verteilt, Roboter übernehmen den Großteil der harten Arbeit, und die Menschheit lebt sorglos in dieser hochentwickelten Utopie. Doch ein neues Experiment am „Moral-System“ der Roboter bringt das fragile Gleichgewicht ins Wanken. Massenproteste brechen aus. Die Menschen, bislang durch die Zivilisation eingeschläfert, erwachen und stellen die perfekte Gesellschaft infrage.
Tatsuzō Ishikawa wird von Kritikern als einer der scharfsinnigsten Chronisten der japanischen Nachkriegsgesellschaft geschätzt. In „Die letzte Republik“ seziert er die gesellschaftlichen Umwälzungen, menschlichen Leidenschaften und politischen Spannungen der Zeit. Sein eindrucksvolle Porträt einer Nation im Wandel gilt bis heute als eines der wichtigsten Werke der japanischen Literatur.

 

Ich fand den Roman gut lesbar, allerdings kann die fragmentarische Form auf manche Leser distanziert und weniger emotional wirken.Die letzte Utopie ein Klassiker der japanischen Science-Fiction, der zum Nachdenken über die Grenzen jeder Utopie anregt.



#2 Pogopuschel

Pogopuschel

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Geschrieben vor 30 Minuten

Ich hatte auf Tor Online in meinem Artikel Fünf japanische Science-Fiction-Bücher ein paar Zeilen dazu geschrieben:

 

Die letzte Utopie | Tatsuzō Ishikawa (Saigo no kyōwakoku, 1952)

Nach Ende des 2. Weltkriegs lagen Japan und Tokio in Trümmern. Es herrschten Armut, Hunger und Zensur durch die amerikanische Militärverwaltung. Akira Kurosawas Film Drunken Angel schildert ganz gut die damaligen Zustände. Zu Beginn der 1950er ging es schon langsam aufwärts, wie wir auch in den Werken von Yasujirō Ozu (Reise nach Tokyo) sehen können.

Das Buch erinnert vom distanzierten, sachlich wirkenden Sound an die Werke von Autoren wie Isaac Asimov und kommt auch als Sammlung fiktiver Zeitungsberichte daher. Wir finden uns in einer Zukunft wieder, in der menschenähnliche Roboter uns viel Arbeit abnehmen und uns in einer vermeintlich utopischen Gesellschaft leben lassen, in der die Roboter aber auch wie Sklaven arbeiten müssen und immer wieder Aufstände proben, um für ihre Rechte zu kämpfen.

 

Das Setting der Geschichte ist global angelegt, es geht viel um die Weltregierung, aber es gibt auch ein paar Figuren, die uns durch die Geschichte begleiten. Wissenschaftler, die sich mit Reproduktion beschäftigen und immer kürzere Schwangerschaften versprechen; aber auch eine junge Sängerin aus der russischen Einöde, die sich zu einem Medienphänomen entwickelt.

Das Buch steck voller Kuriositäten, wie z. B. »Loloa: Arznei, die eine Aversion gegen Männergeruch auslöst. (Lesbische Frauen lösen dieses weiß-kristalline Pulver in Getränken auf, damit sie sich nicht in Männer verlieben).«

 

Dafür, dass Die letzte Utopie schon 1952 in Japan erschienen ist, wirkt der Roman in vielerlei Hinsicht sehr modern, sowohl was technische als auch gesellschaftliche Entwicklungen angeht, allein das Frauenbild des Autors ist sehr gewöhnungsbedürftig. Ich bin aber erstaunt, wie viel Raum Themen wie Homosexualität, Reproduktion und Sexualität bei ihm einnehmen.

Die Handlung setzt übrigens im Jahr 2025 ein. Und es ist faszinierend zu sehen, wie der Autor sich unsere Gegenwart vorgestellt hat.

 

Tatsuzō Ishikawa erzählt ein großes Panorama der Menschheit im Zeichen des technologischen Fortschritts und der moralischen und ethischen Fragen, die damit einhergehen. Anders als bei Assimov und Co. wird dieser Fortschritt nicht rein positiv betrachtet, sondern sorgt für gesellschaftliche Verwerfungen, die teils dystopische bis apokalyptische Züge annehmen.

Für heutige Lesegewohnheiten ist das Buch sicher nicht ganz einfach zu lesen, stellt aber ein interessantes Zeitdokument dar, das zeigt, dass Science Fiction in Japan auch schon kurz nach dem 2. Weltkrieg ein Thema war.

 

Die deutsche Übersetzung stammt von Sabine Mangold und Yuri Mizobuchi.

 




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