Ein interessantes Thema, das ich aus japanischer Perspektive ergänzen kann.
In Japan gibt es ein Format namens „Bunkobon" (文庫本) — das entspricht ungefähr dem deutschen Taschenbuch, aber noch kleiner und günstiger. Die meisten Romane, auch ältere Klassiker, erscheinen irgendwann in dieser Form. Das klingt nach einer praktischen Lösung für das Platzproblem — ist es aber nicht wirklich, weil viele Leser einfach noch mehr kaufen, sobald die Bücher billiger werden. Ich kenne Menschen, deren Wohnungen buchstäblich von Bücherstapeln dominiert werden, die langsam in Richtung Decke wachsen. Das japanische Wort dafür ist „Tsundoku" (積ん読) — Bücher kaufen und stapeln, ohne sie zu lesen. Es gibt sogar einen gewissen kulturellen Stolz darauf.
Was die Entsorgung betrifft: Das Problem kennen wir hier genauso. Antiquariate nehmen immer weniger an, und auch Bibliotheken sowie Universitätsbibliotheken räumen ihre Bestände zunehmend aus. Bekannt wurde in Japan der Fall der Funabashi-Stadtbibliothek, wo Anfang der 2000er Jahre Hunderte von Büchern heimlich entsorgt wurden — darunter Werke bestimmter Autoren, was später zu einem Gerichtsverfahren führte. Seitdem ist das Thema Bibliotheksaussonderung politisch sensibel, passiert aber trotzdem weiter, oft leise und ohne Aufsehen.
Universitätsbibliotheken stehen zusätzlich unter dem Druck der Digitalisierung. Viele lagern ältere Printbestände aus oder geben sie ab, um Platz für elektronische Ressourcen zu schaffen. Was nicht digitalisiert wurde, verschwindet manchmal einfach.
Das Ergebnis ist paradox: Ein Land, das Bücher kulturell sehr ernst nimmt, produziert trotzdem dieselben Entsorgungsprobleme wie überall sonst.