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Reddit


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7 Antworten in diesem Thema

#1 Mammut

Mammut

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Geschrieben 14 Juni 2026 - 10:08

Vermehrt bin ich jetzt über Reddit – Das Herz des Internets gestolpert. Nutzt das hier jemand aus Literatursicht? Also lesen, besprechen oder werben?



#2 ChristophGrimm

ChristophGrimm

    Temponaut

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Geschrieben 15 Juni 2026 - 09:51

Da würde ich mich nicht mal als Zaungast bezeichnen, auch wenn ich ein paar interessante (nicht literaturbezogene) Threadverläufe gelesen habe. Gefühlt weniger Trollerei und Aggression als auf den Plattformen von Zuckerberg und Musk, aber vielleicht bin ich auch nur in zufällig in anständigen Diskussionen gelandet.

Social Media allgemein empfinde ich aber zunehmend als unangenehm, daher hatte ich bislang nicht das Bedürfnis mich mit dieser (oder einer anderen) Plattform näher zu beschäftigen.

 

Laut Max W. wird dort wohl aktiv über Literatur diskutiert. Vielleicht äußert er sich ja dazu :)


SF/Fantasy-Literaturzeitschrift: https://weltenportalmagazin.de | SF hautnah: https://eridanusverlag.de | Meine Welt der Worte: https://christophgrimm.com
  • (Buch) gerade am lesen:DSFP-Nominierungen KG, "Int:Elegance", "Das Schloss im Laacher See" (M. O. Bendrin)
  • (Buch) als nächstes geplant:Irgendwas vom SuB im RuB
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#3 Maxmilian Wust

Maxmilian Wust

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Geschrieben 15 Juni 2026 - 12:59

Ich bin ziemlich viel auf Reddit unterwegs, wenn auch eher als Lurker (vor allem, weil ich die ganzen politischen Streitigkeiten nicht mehr ab kann, aber dazu kann ich ein andermal mehr verlieren). Bei r/writing habe ich mir einige meiner wichtigsten Tipps geholt und bei r/books oder r/literature suche ich mir meistens meine Leseroute für das aktuelle Jahr heraus, nicht allerdings bei r/buecher. Ebenso weniger begeistert bin ich von r/manga (aus besagten politischen Gründen) und r/draw besuche ich, obwohl Zeichner, gar nicht mehr. r/design kann ausgesprochen ergiebig sein, aber ich gehe hier zu tief in einen Beruf, dem hier nur drei Leute nachgehen, wie ich glaube. Aber ja, Literatur wird auf Reddit in einer Quantität diskutiert, die erstickend ist. Nach einem Post kann es gut sein, dass du dich schon am nächsten Morgen ein Dutzend bis einhundert Antworten lesen musst. Es reicht, zu schreiben, dass du es blöd fandest, dass sie sich bei der Verfilmung von "Project Hail Mary" nicht ans originale Ende gehalten haben  :bighlaugh:

 

Vielleicht könnten ein paar Grundlagen helfen. Kurzer Disclaimer vorweg: Fragst du zwei Redditors über Reddit so erzählen sie dir von komplett unterschiedlichen Plattformen, die anscheinend nichts miteinander zu tun haben. Die folgenden Erfahrungen sind rein aus meiner Sicht:

 

1) Reddit ist nicht gleich Reddit, sondern riesig – eine wirklich gewaltige Plattform aus vielen Subreddits, den sogenannten r/. Viele davon fließen ineinander, wie etwa der Subreddit für Comics in den für Mangas "bleedet" und vice versa, aber die Stimmung und Anforderungen können je nach Sub komplett variieren. Was in einem erlaubt ist und eine gängige Redewendung, kann dir in einem anderen eine Menge Ärger oder sogar einen Bann einbringen.

 

2) Reddit verwendet ein Karma-System, sprich: Gefällt Usern dein Post, voten sie dich hoch. Tt er das hingegen nicht, fällst du in Ungnade ... und die roten Bereiche. In diversen Subreddits kann nur posten, wenn man eine gewisse Karmazahl hat (meist sind das 500), aber das lockert sich aktuell zum Glück wieder etwas. Karma-Farming ist zudem alles andere als leicht, zumal das inzwischen die User bemerken. Früher gab es da viele, die einfach auf r/trans gegangen sind, die erstbeste Transperson für ihr Aussehen gelobt und so "easy karma" gemacht haben. Solltest du heute nicht mehr tun – es sei denn, du bist wirklich tief in der LGBTQ-Szene. Hierbei muss man allerdings anfügen, dass besonders hohes und niedriges Karma nur wenig darüber entscheidet, wie sehr man deine Meinung ernstnimmt. Rechtschreibung und Textlänge tun das.

 

3) Auch wenn die User auch so langsam altern (die Jüngeren gehen eher zu Instagram oder TikTok), so ist die Plattform immer noch unglaublich aktiv. Du könntest nur aus deinen Lieblings-Subs einen Vollzeitjob machen und wärst immer noch nicht in der Lage, dort auch nur annähernd mitzuhalten. Was bedeutet, dass sich die meisten User selektiv verhalten, also nur Themen überhaupt lesen, die sie betreffen könnten und auch nur auf Fragen, Gedanken oder Kritik antworten, wenn sie dazu Zeit und Lust haben. Um das mal in Zahlen zu fassen: Einzelne Aussagen arten regelmäßig in Diskussion von 200 bis mehreren Tausend Antworten aus, an denen der Original-Fragesteller schon gar nicht mehr teilnimmt. Das kann großen Spaß machen, aber auch unglaublich ermüden.

 

4) Reddit ist in einigen Bereichen "gatekeepy" geworden, wie man sagt. Als Gatekeeping bezeichnet man vor allem die Praktik, sogenannte "Touristen" durch das Abfragen von Fachwissen draußen zu halten. Die Gründe dafür sind zahlreich, mehrere sogar verständlich, aber es bedeutet vor allem, dass du nicht versuchen solltest, einen "Hey fellow kids" zu machen, i.e. so zu tun, als wärst du einer von ihnen. Ein Beispiel: Willst du im Warhammer 40,000-Channel mitreden, wäre es gut zu wissen, wie das gemeinsame Kind von Guilliman und Yvraine heißt (nämlich Tarasha, nach seiner Adoptivmutter) – und das sie gar keines haben, sondern das reine Fan-fiction ist. Gilt übrigens auch maximal für Star Trek! In der Literatur äußert sich das meist so: Wenn du Bücher nur skimmst, also hastig drüberliest, weil du deinen Buchblog füllen willst (das ist meist der Grund), wird man das ziemlich bald bemerken und dich als Tourist brandmarken. Danach brauchst du den Subreddit nicht mehr besuchen. Teilweise kannst du es auch nicht mehr  :wink2:  

 

Kenntnis über die Lingo wird gerne gesehen, ist aber nicht notwendig.

 

5) Reddit ist ganz klar englischsprachig und US-zentriert. Es gibt wirklich gute deutsche Subreddits wie den "Fragt Männer", aber letztendlich dreht es sich dort vor allem um US-Themen im US-Fokus. Soll heißen: Die Rezepte auf r/cooking sind nicht nur schwer zu reproduzieren, sondern auch lebensgefährlich  :bighlaugh:  Spaß beiseite: Themen aus Europa oder Deutschland interessieren dort kaum jemanden, was auch und vor allem die Literatur betrifft. Der Kurt-Laßwitz-Preis und seine Gewinner bspw. sind dort bestenfalls eine Randnotiz und ich habe noch nie eine Diskussion zu der Exodus, der FFM oder sonst einem Magazin gefunden. Europäische oder deutsche Videospiele wie "Metal Garden", "Everspace", "SIGNALIS" oder "Gothic" hingegen können regelrechte Events werden.

 

6) That being said: Bücherwerbung ist auf Reddit fast nicht möglich. Irgendwelche Selbstverleger präsentieren endlos ihre mittelmiesen Werke mit KI-generierten Covers. Und wir sprechen wir von den USA und dem englischsprachigem Raum, weshalb das gerne mal an die fünfzig pro Tag sein können. Im Regelfall werden solche Posts entweder ignoriert und gehen in wenigen Stunden komplett unter oder, wenn der Poster stur sein möchte, werden sie von den Moderatoren geschlossen. Dein Werk interessiert absolut niemanden, es sei denn, du bist tief in der Community verwurzelt, hast eine große Ausschreibung gehostet oder bist mit einem der Mods verbandelt. Und selbst das hilft meist nicht. Ich habe ehrlich gesagt noch nie einen Fall erlebt, bei dem ein Nicht-Bestseller für auch nur vier Stunden über Wasser geblieben ist. Im deutschen Raum ist das um einiges gemäßigter, aber nicht viel anders.

 

Hierbei eine ernstgemeinte Warnung: KI-Covers sind dort ein absolutes K.O.-Kriterium. Wenn du eines lieferst, wird es nicht nur "downvoted into oblivion", wie man sagt, sondern du kannst einen neuen Account auf 500 Karma farmen, bevor du noch eines posten kannst. Das ist auch einer der Gründe, warum ich wieder und wieder empfehle, dass ihr einem Grafiker eures Vertrauens einen Obolus für ein wenigstens einfaches Cover zahlt, statt es mit Nano Banana zu generieren und pixelgebrochen drucken zu lassen!

 

7) Und nun leider der unangenehme Teil: Deutsche Literatur gilt dort im Allgemeinen als nicht besonders gut. Gerade im phantastischen Bereich wird sie wohl eher als hilflose Nachahmung der US-amerikanischen gesehen. Es gibt Autoren wie Patrick Süßkind, Schätzing oder Eschbach, die viel diskutiert, gelobt und kritisiert werden, aber sogar sie erreichen kaum ein Prozentual gegenüber Neil Gaiman, Clive Barker oder anderen, die ich eher als B-Lister einstufen würde.

 

8) Und bevor ich euch jetzt unter meinen Gedanken begrabe, noch ein persönlicher Punkt: Die Moderatoren auf Reddit haben die Tendenz machtberauscht zu werden. Ich verstehe zwar, dass täglich über hunderte wenn nicht sogar Tausende von Posts und User zu wachen den meisten Menschen früher oder später zu Kopf steigen würde, aber manchen dort ist mehr als nur das widerfahren. Das mündete schon in wirklich bizarre Situationen, Speichelleckerkults oder groteskem Meinungsdiktat (so nach dem Motto: "Stimm dem zu, was ich gerade gesagt habe oder ich verbanne dich!"). Ihr haltet Elon Musk für wahnsinnig? Buckle up buckaloo, denn dort werdet ihr früher oder später jemandem begegnen, der das Zehnfache an Selbstzentriertheit mitbringt und von sich glaubt, dass er der Sonne am Morgen das Aufgehen erlaubt ... während er im 7-Eleven an der Kasse arbeitet. Ist auch einer der Gründe, warum ich dort fast nur noch lese. Und nein, ich bin nie mit einem Mod zusammengestoßen. Nur Dog Whisteling hat man mir schon vorgeworfen.

 

Ach ja, für ein bisschen Schmunzeln ab und an kann man r/starterpacks besuchen. Die sind immer wieder lustig.


Bearbeitet von Maxmilian Wust, 15 Juni 2026 - 13:34.

"Part Five: Boobytrap the stalemate button!"

#4 Mammut

Mammut

    Pot Healer

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Geschrieben 15 Juni 2026 - 13:27

Ich habe gerade mal gestöbert, aber so ergiebig ist so ein Thread nicht, eher lustig:

Was ist eure Meinung zu deutscher Genreliteratur? : r/buecher

 

Richtig gute deutsche Bücher? : r/buecher



#5 ChristophGrimm

ChristophGrimm

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Geschrieben 15 Juni 2026 - 13:46

@Max: Danke für die Ausführungen. Wenn ich könnte, würde ich deinen Beitrag upvoten  :bighlaugh: .

Also ist es eigentlich wie überall: Mit den Gepflogenheiten vertraut machen, irrsinnig viel Zeit investieren – und nach zwei Jahren drei Buchkäufer mehr haben. Got it :D


SF/Fantasy-Literaturzeitschrift: https://weltenportalmagazin.de | SF hautnah: https://eridanusverlag.de | Meine Welt der Worte: https://christophgrimm.com
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#6 Perturbator

Perturbator

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Geschrieben 15 Juni 2026 - 14:51

Wer ein paar menschliche Abgründe entdecken will: https://www.reddit.c...0undSchwurbler/



#7 Uwe Hermann

Uwe Hermann

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Geschrieben 16 Juni 2026 - 04:36

Danke @Max! Sehr interessant. Also brauchen wir deutsche Autoren dort gar nicht erst Werbung für unsere Bücher zu machen.  



#8 Maxmilian Wust

Maxmilian Wust

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Geschrieben 16 Juni 2026 - 13:22

Ja und nein. Grundlegend würde ich mich nicht als Dschungelführer in Reddit sehen, ich lese dort nur täglich und beteilige mich selten an Diskussionen. Das sind rein meine Erfahrungen.

 

Im englischsprachigen Raum gibt es eine gewaltige Selfpublisher-Community, die allerdings fast nur mit sich selbst kommuniziert. Dort pinseln sich die meist selben Namen gegenseitig den Bauch oder stärken einander, wenn irgendwer auf Amazon eine miese Rezension bekam. Lesen tun sie meist nur wenig, stattdessen reden sie von irgendwelchen Preisen oder Magazinen, die sie aufmachen oder veröffentlichen wollen, so dass ihre Storys mehr Aufmerksamkeit bekommen. Oder redeten. Ich schaue da ehrlich gesagt schon seit 2022 nicht mehr rein, zumal auch die Romane keine interessanten oder frischen Ideen liefern. Ja, da darf man mich kalt nennen, aber die gefühlt eintausendste Fantasywelt-Bewohnerin, die an ihrem 16. oder 18. Geburtstag erlebt, wie ihre magischen Kräfte erwachen, hat mich irgendwann verjagt.

 

In Bereichen, wo es einfach nur im Literatur geht, wird halt vor allem diskutiert, was entweder gerade verfilmt wird, in Mode ist oder sie seit Jahrzehnten nicht mehr verlässt. Tatsächlich habe ich dort schon wirklich gute Gedanken zu z.B. "Der Fänger im Roggen" oder "Der alte Mann und das Meer" gelesen, die diese Werke auch über den Kontext von "Die sind zeitlos gut" hinaus beleuchtet haben. Kleine Romane bekommen da halt nur wenig Aufmerksamkeit, auch wenn sie für gut befunden werden. Liegt schlicht am Traffic. Der konzentriert sich halt vor allem auf das, was der Otto Normalleser mit seinen zwei bis drei Büchern pro Jahr registriert.

 

Der deutschsprachige Literatur-Teil von Reddit ist relativ gemäßigt. Allein jetzt sind die Threads überschaubar und nur die wenigsten handeln von Science-fiction oder Phantastik im Generellen. Wenn du derzeit drüberscrollst, wird dir auch auffallen, dass dort nicht ein Werbe-Thread für einen Roman aus der Selbstpublikation ist. Das ist kein Zufall. Wie so ziemlich alle Sozialen Medien, so wird auch Reddit mit eben solchen Posts bombardiert und filtert sie grausam aus.

 

Würdest du jetzt einen Account aufmachen und dort einen Roman bewerben, ist die Chance wirklich groß, dass man dein Profil durchleuchtet. Keine anderen Posts, kein Karma, bedeutet: Du bist nur irgendwer, der schnell Leser generieren will. Und damit endet der Versuch dann meist. Ein KI-generiertes Cover ist zudem ein guter Katalysator. Für Ausschreibungen stelle ich mir Reddit hingegen durchaus wertvoll vor, wobei ich nicht weiß, was die Moderation damit macht. Bisher habe ich seltsam wenige dort gefunden, als wären sie kategorisch ausgesiebt worden.

 

Wenn ihr auf Reddit Werbung machen wollt, würde ich euch zunächst empfehlen, erstmal dort zu lesen und zu posten. Wie gesagt, jeder Subreddit hat seine eigene Kultur, sein eigenes Wesen. Einfach mit den eigenen Werken hineinzupreschen, wird vermutlich nicht funktionieren. Ob es die Zeit wert wäre, sich dort hineinzufühlen und ob man damit wirklich Aufmerksamkeit generieren kann, kann ich nicht sagen. Ich habe einfach noch kein Beispiel gesehen, bei dem es funktionierte.

 

Und inb4: Ich möchte auch nicht der Kerl sein, der ständig alles mit seiner "Das klappt doch eh nicht"-Attitüde bremst. Ich will nur keine falschen Hoffnungen wecken. Das ist alles.


Bearbeitet von Maxmilian Wust, 16 Juni 2026 - 15:09.

"Part Five: Boobytrap the stalemate button!"


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