Einerseits ein typischer Ertlov: witzig von albern bis zynisch, flott geschrieben mit sympathischen Charakteren und viel Liebe zu Australien, actionreich und unterhaltsam. Andererseits ein unerwartet bitterer Grundton: hier schreibt sich einer seinen Frust über ein aktuelle Entwicklung genannt Technofaschismus von der Seele. Er zeigt uns eine Welt in der nahen Zukunft beherrscht von Technokraten in der der leistungsfähigste Quantencomputer bestimmt, wer das Sagen hat. Eine Welt in der keine Information mehr sicher ist, denn die KI kann jede Verschlüsselung knacken, jede Identität faken. Und so befinden sich China und die diktatorisch regierte USA in einem permanenten Informationskrieg und zwingen den Rest der Welt unter ihre Vorherrschaft. Und immer wenn der Leser denkt, das ist ja SF, zitiert Ertlov aktuelle Entwicklungen und Nachrichten die zeigen, wie weit wir schon auf diesem Wege sind. Natürlich ist das SF, insb. wenn er Quantencomputer und Multiversum verknüpft, aber es der aktuellste, der bitterste, der mahnendste Ertlov, den in bislang gelesen habe. Das Buch hat eben dort auch seine Stärken, wenn er die Konsequenzen der sehr real drohenden technokratischen Diktaturen aufzeigt wobei er insb. auf Trump und Musk verweist (mich hat bewegt, wie hier ein amerikanischer Soldat den Sturm auf das Capitol schildert und seine Erwartung, dass alle Amerikaner gegen diesen Angriff auf die Verfassung aufstehen sowie seine Enttäuschung, als viele den Sturm bejubeln) und natürlich ist Ertlov immer wieder überzeugend wenn es um Australien, seine Menschen, seine Natur geht. Für mich schwächeln ausgerechnet die Action- und Kampfszenen. Irgendwie weiß man ja, wie es ausgeht (denn die Protagonisten werden für die Fortsetzung gebraucht) und wie bei James Bond kommt (für mich) keine echte Spannung auf, es bleibt ein inszeniertes Geballer.
Fazit: Leseempfehlung
Ivan Ertlov - Quantensprung
Erstellt von
rostig
, Heute, 11:16
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#1
Geschrieben Heute, 11:16
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