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Südkoreanische Anthologien/Collections


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3 Antworten in diesem Thema

#1 Ulrich

Ulrich

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Geschrieben Heute, 20:15

Hier ein paar Anmerkungen zur SF in Korea. Wer dazu nachlesen möchte, wird zum Beispiel in der Encyclopedia of Science Fiction fündig: Korea und Südkorea.

 

1. Anfänge: Übersetzte SF (1907–1920er)

Die erste bekannte SF-Veröffentlichung war die Serialisierung von Jules Vernes 20.000 Meilen unter dem Meer (1907–1908 in Taegukhakbo). Weitere Verne-Übersetzungen und westliche Abenteuer mit Technik folgten. Diese wurden oft im Kontext der koreanischen Aufklärungs- und Modernisierungsbewegung rezipiert.

 

2. Frühe originäre koreanische SF

  • Ideal Village (이상촌 / Ideal Village, 1921) von Jeong Yeon-gyu (정연규, auch Jeong Yeongyu): Utopische Erzählung mit futuristischen Elementen wie elektrischen Fahrzeugen, rationaler Produktion und einer idealisierten Gesellschaft.
  • The Study of Dr. K (K 박사의 연구 / Dr. K’s Research, 1929) von Kim Dong-in (김동인): Eine satirische, groteske Erzählung, in der ein exzentrischer Wissenschaftler gesellschaftliche Probleme (u. a. Nahrungsknappheit) mit radikalen wissenschaftlichen Methoden lösen will – mit dystopischen und sozialkritischen Untertönen (u.a. Verarbeitung von Exkrementen als Nahrung). Kombiniert SF-Elemente mit Realismus und Satire.
  • Ideal Village (1921) und Dr. K (1929) gelten beide als Pioniere der SF. Je nach Betrachtungsweise ist das eine oder das andere Werk das erste „echte“ SF-Werk.

 

3. 1930er Jahre: Avantgarde, Proto-SF und Moderne

Yi Sang (이상, eigentl. Kim Hae-gyeong, 1910–1937): Zentrale Figur der koreanischen literarischen Moderne. Seine Werke sind stark von Surrealismus, Dadaismus, Architektur und mathematischen Metaphern geprägt. Keine „harte“ SF, aber proto-SF- und Weird-Fiction-Elemente. Wichtige Texte von ihm sind:

  • Crow’s Eye View (오감도, 1931–1934) – experimentelle Gedichte.
  • The Wings (날개, 1936) – psychologischer, surrealistischer Text über Entfremdung.

Andere Autoren der Zeit experimentierten mit phantastischen oder futuristischen Motiven, blieben aber oft im Rahmen der modernistischen Literatur.

 

4. Fantasy und traditionelle Phantastik

Klassische westliche Fantasy war selten; stattdessen Geister-, Dämonen- (z. B. Gumiho) und buddhistisch-daoistische Erzählungen.

Wichtige Vorläufer:

  • The Cloud Dream of the Nine (구운몽, 17. Jh.) von Kim Man-jung – Traumreise und romantische Phantastik.
  • The Tale of Hong Gildong (홍길동전) von Heo Gyun – Abenteuer mit magischen Elementen, Sozialkritik und Robin-Hood-ähnlichem Helden.

5. Gründe für die geringe oder späte Entwicklung der Science Fiction

  • Zensur und politische Prioritäten unter japanischer Herrschaft.
  • Technik oft mit Kolonialmacht assoziiert.
  • Fokus auf „seriöse“ realistische Literatur. Science Fiction galt lange als Jugend- oder Unterhaltungsliteratur.

 

 

 



#2 Ulrich

Ulrich

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Geschrieben Heute, 20:19

Koreanische Science Fiction in den 1950ern

 

Nordkorea: Staatlich geförderte SF als Erziehungsinstrument

  • Planetary Flight (1950): Die Übersetzung der sowjetischen Erzählung von Vladimir Obruchev erschien 1950 in Nordkorea und gilt als einer der ersten SF-Texte dort. Sie passte zur dortigen Propaganda, z. B. Förderung von Wissenschaft, Raumfahrt und sozialistischem Fortschritt.
  • Zeitschrift „World of Science“ (Kwahak ui Segye / 과학의 세계): Anfang der 1950er Jahre veröffentlichte sie Übersetzungen sowjetischer SF sowie wissenschaftlich-fantastische Geschichten zu Themen wie Raumfahrt, neuen Energiequellen und Zukunftsvisionen. Die Zeitschrift diente der Wissenschaftspopularisierung im sozialistischen Sinne.
  • Adong Munhak (ab 1956): Kinder- und Jugendmagazin. Zwischen 1956 und 1965 erschienen dort zahlreiche Geschichten mit Themen wie Mondflügen, Unterwasserstädten, neuen Maschinen und idealen sozialistischen Gesellschaften. Diese Texte sollten Kinder für Wissenschaft und Technik begeistern und sie als zukünftige Erbauer des Sozialismus positionieren. Viele Geschichten waren von sowjetischen Vorbildern beeinflusst.

Frühe Autoren:

  • Sok Yun-gi (석윤기): Einer der ersten einheimischen SF-Autoren. Seine Geschichten aus der Nachkriegszeit verbanden Wissenschaft mit sozialistischem Aufbau und Erziehung.
  • Pae Pung schrieb wissenschaftlich-utopische Erzählungen über technische Entwicklung und die Zukunft Koreas.
  • Hong Sung-won (z. B. Last Lifeline, 1965).

 

Südkorea

In Südkorea gab es in den Jahren 1950–1955 (und weitgehend bis in die 1960er) praktisch keine eigenständige SF-Literatur. Die Literatur konzentrierte sich auf:

  • Kriegserlebnisse und Flüchtlingsschicksale,
  • Antikommunismus,
  • Wiederaufbau und Gegenwartsbewältigung.

Literarische Kreise bevorzugten realistische und sozial engagierte Prosa; Genre-Literatur wie SF galt als eskapistisch oder didaktisch (oft auf Jugendliteratur beschränkt). Die Entwicklung eigenständiger Science Fiction begann erst stärker in den 1960er Jahren (z. B. Moon Yoon-sung: Perfect Society, 1967). Frühe Kaiju/SF-Filme wie Bulgasari (1962) waren teilweise japanisch beeinflusst.



#3 Ulrich

Ulrich

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Geschrieben Heute, 20:23

Aktuelle Anthologien/Collections

 

Readymade Bodhisattva: The Kaya Anthology of South Korean Science Fiction (hrsg. von Sunyoung Park & Sang Joon Park, Kaya Press, 2019)

Die erste große englische Anthologie koreanischer Science Fiction enthält 13 Geschichten von den 1960er Jahren bis in die 2010er.

Themen: Roboter im buddhistischen Tempel (Asimov trifft Buddhismus), Post-Apokalypse mit Nord-/Südkoreanern auf einem anderen Planeten, Weltraummissionen mit sozialen Themen usw. 

 

Einzel-Autor-Sammlungen, englischsprachig (SF/Speculative)

  • Bae Myung-hoon: Tower (2021). Ein Hochhaus mit 674 Stockwerken als eigenes souveränes Land, miteinander verwobene Texte als satirische Gesellschafts-Metapher. 
  • Kim Bo-Young: I’m Waiting for You and Other Stories (2021). Enthält u. a. die Titelgeschichte über ein Paar, das sich durch Zeit und Raum zu verständigen versucht.
  • Kim Bo-Young: On the Origin of Species and Other Stories (2021)
  • Bora Chung: Cursed Bunny (2022). Mischt SF, Horror, Märchen und Gesellschaftskritik. (International Booker Prize Shortlist).
  • Bora Chung: Your Utopia (2024). Weitere dystopische Kurzgeschichten.
  • Kim Cho-yeop: If We Cannot Go at the Speed of Light (2026)

 

Deutsche Übersetzungen

  • Die Sterne leuchten am Erdenhimmel, Science Fiction aus Südkorea, herausgegeben von Sylvana Freyberg, Alexandra Dickmann & Jaewon Nielbock-Yoon. (Memoranda Verlag, 2024)
  • Bora Chung: Der Fluch des Hasen. Storys. (CulturBooks, 2023)
  • Bora Chung: Dein Utopia: Kurzgeschichten mit Science-Fiction-Elementen über Technologie, Unsterblichkeit und den Verlust der Menschlichkeit. (CulturBooks, 2025)
  • Bo-Young Kim: Ich warte auf dich (Sammlung von zusammenhängenden Erzählungen bzw. Episoden. Heyne Verlag, 2025)

 



#4 Ulrich

Ulrich

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Geschrieben Heute, 20:28

Die Sterne leuchten am Erdenhimmel, Science Fiction aus Südkorea, herausgegeben von Sylvana Freyberg, Alexandra Dickmann & Jaewon Nielbock-Yoon. (Memoranda Verlag, 2024)




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