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Fingerübung 13 - Flash Fiction bis 300 Wörter


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18 Antworten in diesem Thema

#1 Mammut

Mammut

    Pot Healer

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Geschrieben 22 Juni 2026 - 14:41

Schreibe einen Text der phantastischen Literatur, der nicht länger ist als 300 Wörter.



#2 Frank Lauenroth

Frank Lauenroth

    ThrillerAutor

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Geschrieben 22 Juni 2026 - 15:43

Diesmal fand sich keine Warteschlange vor dem öffentlichen Wasserspender.

Der junge Mann ließ der alten Frau den Vortritt, doch er ahnte, warum hier niemand anstand.

Sie hielt ihren Becher unter den Hahn und drückte den Knopf. Sie hörten beide ein Röcheln leerer Leitungen. Zwei, drei Tropfen fielen in ihren Becher. Sie steckte ihren Finger hinein, wischte das Nass heraus und schob den Finger in den Mund.

Sie setzte sich unter einen der letzten Bäume der Innenstadt. Er gesellte sich zu ihr.

"Weißt du noch, damals ...", begann sie mit leiser Stimme zu sprechen. "Ich glaube, es war 2026 – als wir kapierten, dass es kein Zurück mehr gibt, als es immer heißer wurde?"

"Da war ich gerade mal drei Jahre alt. Ich kann mich nicht an diesen Sommer erinnern, aber an die danach auf jeden Fall."

Die alte Frau nickte.

"Stimmt natürlich. Ich kann mich auch nur so genau an dieses Jahr erinnern, weil die Menschen damals wieder unbedingt auf den Mond zurück wollten."

Der junge Mann schickte einen wehmütigen Blick gen Himmel.

"Und nun sind wir da und auch auf dem Mars. Doch was hat es uns gebracht?"

Die Greisin folgte seinem Blick.

"Uns nichts. Aber immerhin etwas für die die paar Leute auf dem Mars", antwortete sie.

Er sah sie fragend an.

"Na, da ist es auf jeden Fall kühler", ergänzte sie und lachte leise.


Bearbeitet von Frank Lauenroth, 22 Juni 2026 - 15:44.

In memoriam Michael Szameit / Christian Weis / Alfred Kruse / Rico Gehrke                                     


#3 Mammut

Mammut

    Pot Healer

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Geschrieben 22 Juni 2026 - 16:34

Schöne Pointe :bighlaugh:



#4 rostig

rostig

    Temponaut

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Geschrieben 22 Juni 2026 - 16:56

"Phantastisch, ein Paradies!" Sie wischte sich den Schweiß von der Stirn und rückte den Tropenhut wieder grade. Der Aussichtsturm auf dem Petersberg bot einen atemberaubenden Rundumblick auf die Weite der fast unendlichen Steppe vom verlassenen Halle bis hinter die Paläste von Magdeburg. Eine Antilopenherde aus dem ehemaligen Leipziger Zoo graste friedlich, bewacht von einem Dutzend langer Giraffenhälse. "Bei der Expedition werden Sie Leoparden, Strauße und Zebras sehen. Vielleicht erwischen wir ein Löwenrudel. Und in den Wasserlöchern der ausgetrockneten Saale warten Flusspferde und Krokodile. Sie werden unsere Tour nicht bereuen!" Der dunkelhäutige Tourguide versprach wohl nicht zu viel. Dank des von der Regierung organisierten Klimawandels war Sachsen-Anhalt zu einem Touristenmagneten ersten Ranges geworden. Das Volk hatte diese Verdienste anerkannt und Hoecke zum ersten Kanzler auf Lebenszeit ernannt. Leider waren die Elefanten ausgestorben, aber irgendwas ist ja immer. 



#5 ChristophGrimm

ChristophGrimm

    Temponaut

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Geschrieben 23 Juni 2026 - 06:34

Diesmal fand sich keine Warteschlange vor dem öffentlichen Wasserspender.

Der junge Mann ließ der alten Frau den Vortritt, doch er ahnte, warum hier niemand anstand.

Sie hielt ihren Becher unter den Hahn und drückte den Knopf. Sie hörten beide ein Röcheln leerer Leitungen. Zwei, drei Tropfen fielen in ihren Becher. Sie steckte ihren Finger hinein, wischte das Nass heraus und schob den Finger in den Mund.

Sie setzte sich unter einen der letzten Bäume der Innenstadt. Er gesellte sich zu ihr.

"Weißt du noch, damals ...", begann sie mit leiser Stimme zu sprechen. "Ich glaube, es war 2026 – als wir kapierten, dass es kein Zurück mehr gibt, als es immer heißer wurde?"

"Da war ich gerade mal drei Jahre alt. Ich kann mich nicht an diesen Sommer erinnern, aber an die danach auf jeden Fall."

Die alte Frau nickte.

"Stimmt natürlich. Ich kann mich auch nur so genau an dieses Jahr erinnern, weil die Menschen damals wieder unbedingt auf den Mond zurück wollten."

Der junge Mann schickte einen wehmütigen Blick gen Himmel.

"Und nun sind wir da und auch auf dem Mars. Doch was hat es uns gebracht?"

Die Greisin folgte seinem Blick.

"Uns nichts. Aber immerhin etwas für die die paar Leute auf dem Mars", antwortete sie.

Er sah sie fragend an.

"Na, da ist es auf jeden Fall kühler", ergänzte sie und lachte leise.

 

"Phantastisch, ein Paradies!" Sie wischte sich den Schweiß von der Stirn und rückte den Tropenhut wieder grade. Der Aussichtsturm auf dem Petersberg bot einen atemberaubenden Rundumblick auf die Weite der fast unendlichen Steppe vom verlassenen Halle bis hinter die Paläste von Magdeburg. Eine Antilopenherde aus dem ehemaligen Leipziger Zoo graste friedlich, bewacht von einem Dutzend langer Giraffenhälse. "Bei der Expedition werden Sie Leoparden, Strauße und Zebras sehen. Vielleicht erwischen wir ein Löwenrudel. Und in den Wasserlöchern der ausgetrockneten Saale warten Flusspferde und Krokodile. Sie werden unsere Tour nicht bereuen!" Der dunkelhäutige Tourguide versprach wohl nicht zu viel. Dank des von der Regierung organisierten Klimawandels war Sachsen-Anhalt zu einem Touristenmagneten ersten Ranges geworden. Das Volk hatte diese Verdienste anerkannt und Hoecke zum ersten Kanzler auf Lebenszeit ernannt. Leider waren die Elefanten ausgestorben, aber irgendwas ist ja immer. 

 

Euch beiden ist gerade zu warm, oder? ;) 

Gute Pointen, schön erzählt. Well done.


SF/Fantasy-Literaturzeitschrift: https://weltenportalmagazin.de | SF hautnah: https://eridanusverlag.de | Meine Welt der Worte: https://christophgrimm.com
  • (Buch) gerade am lesen:DSFP-Nominierungen KG, "Int:Elegance", "Das Schloss im Laacher See" (M. O. Bendrin)
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#6 ChristophGrimm

ChristophGrimm

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Geschrieben 23 Juni 2026 - 10:32

Wenn man das Unmögliche ausschließt …
Eine Holmes Miniatur

„Mycroft!“, war alles, was Watson, sichtlich überrascht, herausbekam, als er mir die Tür öffnete.
Ich erwiderte mit einem knappen Nicken, und bemühte mich, mir mein Schnaufen nicht allzu sehr anmerken zu lassen.
Diese verfluchten Treppen.
„Mrs Hudson scheint ausgegangen zu sein“, fuhr der Doktor fort, „aber eine Tasse Tee–“
„Ich kam nicht für Tee!“
„Nein. Natürlich nicht.“ Watson wandte sich verschämt ab. „Ich hätte Sie längst aufsuchen sollen, aber sein Tod–“
Watson verstummte, als ich geräuschvoll den glatt geschliffenen, verzierten Stein auf die Tischplatte fallen ließ.
„Ein Stück aus Tunesien, das ein gewisser Professor Jones aus Amerika auf seinen Reisen fand. Er rang mir das Versprechen ab, es anschließend an das British Museum zu geben.“
Watsons Lächeln erstarb.
„Sie wissen also um meine wahre Natur.“
„Wenn man das Unmögliche ausschließt, muss das, was übrigbleibt, die Wahrheit sein, so unwahrscheinlich sie auch klingen mag.“ Ich lächelte grimmig. „Dafür, dass Sie meinen Bruder als Chronisten begleiteten, haben Sie ihm wohl nur wenig Gehör geschenkt.“
Watson erwiderte nichts.
„Wir wussten es beide. Sherlock …“, ich verspürte einen Stich, als ich seinen Namen laut aussprach, „… hatte viele Qualitäten, aber Vorsicht zählte leider nicht dazu.“
Der Stein vibrierte.
Die eingeritzten Symbole leuchteten auf, breiteten ihr Licht über der Tischplatte aus. Watson zuckte zurück, als hätte er sich verbrannt. Für einen kurzen Moment flimmerte seine Gestalt.
„Sie können mich nicht bannen.“
„Nein“, erwiderte ich. „Ich persönlich nicht.“
Der Stein vibrierte stärker.
Im selben Moment leuchteten die Symbole an den Wänden, Balken und auf dem Mobiliar auf. Das Apartment in der Baker Street wurde zum Käfig.
„Mein Bruder“, sagte ich leise, während ich in seinen Augen blanke Angst sah, „hatte die Angewohnheit, allein zu arbeiten.“
Ein letztes Mal zuckte der Stein.
„Ich nicht“, fügte ich hinzu, doch die Leere war inzwischen mein einziger Zuhörer.

Edit: Inkonsistenz eliminiert. Man sollte Texte echt liegen lassen.

Bearbeitet von ChristophGrimm, 23 Juni 2026 - 11:06.

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#7 Mammut

Mammut

    Pot Healer

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Geschrieben 23 Juni 2026 - 11:58

Gibt es zum Holmes einen Hintergrund?
So ganz klar ist mir die Geschichte nicht.

#8 ChristophGrimm

ChristophGrimm

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Geschrieben 23 Juni 2026 - 12:07

Nun, er ist tot und „Watson“ offensichtlich nicht unschuldig daran. Ich wollte einfach die Unterschiede zwischen Mycroft und Sherlock thematisieren.
Aber es war eben nur mit der Idee heruntergetippt :) (deshalb auch die Ergänzung, dass Texte liegen bleiben sollten. Die nächsten fünf Versionen davon werden besser - danke für den Hinweis, wo ich auf jeden Fall nachbessern muss)
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#9 Vasco

Vasco

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Geschrieben 23 Juni 2026 - 13:35

Noch was Heißes aus unserem Hitzespeicher (Büro)...viel Spaß!

 

 

Damals. als wir die Weltrettung verbockten
 

Es war dieser eine Kollege, der das Projekt Weltrettung verbockte. 
"Nie im Leben!"

Alle zogen an einem Strang, außer ihm. Du konntest ihm hundert mal sagen, dass er das eine besser so, das andere ganz anders erledigen sollte. Er machte es garantiert nochmal anders, weil man es schon immer vollkommen anders gemacht hatte.
"Da hab ich mehr Erfahrung!"

Das Team war ultimativ genervt von dem Typen, auch weil er neuerdings seinen Schreibkram nur noch diktierte und das ganze Büro damit unterhielt.
"Bin ich schneller!" 

Soweit ich mich erinnere, hat er später den World Climate Service unterstützt. Ehrlicher wäre: hineingepfuscht. Die Folge war, dass zehntausende Klimaflüchtlinge wirre Nachrichten erhielten, für die wir uns noch Jahre später entschuldigen mussten. Natürlich war es die KI, die es verbockt hatte.
"Natürlich war das die KI, die das verbockt hat!"

Die Prozessoptimierung: Alle erhielten einen Zugang zum Projekt, außer den Prozessbeteiligten. Das Passwort dafür hat er während der Sitzung geändert, aber da er nur remote teilgenommen hat, fiel erst später auf, warum unsere Kisten hier nach und nach aus der Sitzung geworfen wurden.
"Prüft mal Eure Rechner, bei mir läuft alles!"

Gut, er hat das Passwort auch weiter gegeben. Leider an die Kollegin M., die gerade im Badeurlaub in Lappland war.
"Die war doch erst weg. Oder nicht?"

Projektleiter P. meinte damals zu mir, dass der Kerl eigentlich als Saboteur eingestuft werden müsste. Aus dem Beirat hörte man, dass er ununterbrochen Mist baute, sobald er auftauchte. 
Er schaffte es allerdings immer, jemand anders die Schuld dafür zuzuschieben.
"Da war doch der S. für zuständig, oder nicht?"

Es kam, wie es musste: Die Welt ging unter. Wegen uns. Und die gesamte Belegschaft war sich einig: Wer dauerhaft so unterdurchschnittliche Leistungen abliefert, müsste eigentlich entlassen werden.

 

Es gab nur ein Problem:

Er war der Chef.



#10 Mammut

Mammut

    Pot Healer

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Geschrieben 23 Juni 2026 - 13:44

Hahaha! Sehr schön!



#11 Maxmilian Wust

Maxmilian Wust

    Typonaut

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Geschrieben 24 Juni 2026 - 00:35

Sorry, sind exakt 600 Wörter. Weil ich es mir falsch gemerkt habe. Aber inzwischen sind, glaube ich, 90% meiner Verleger gewohnt, dass meine Texte zu lang sind  :bighlaugh:

 

 

Every week a procession wanders through the pillars and halls, every year we lead one into the cellars where we will hew the god from the certain stone. For them no walk is like the other. Different paths, different hallways, through rooms we never show or halls everyone remembers. Only the priests know where the procession will go. And this is our little trick.

   Now it’s my time, my first procession to lead astray. I see usual faces, old and young, some worn, some full of hope. And old man who used to fish before the ocean ran dry. A young girl who likes to tease her brother. A husband dragged down by the weight of his secrets. A wife who knows them anyway. These are the usual pilgrims from the villages. Just some random souls who came here for guidance or repentance. Most for both.

   They sing while I lead them into halls no other has ever seen. Their voices resonate with the ember-blue rock. A high pitch or a long-sustained note can make the walls glow even sparkle. So they try. And often, they succeed. It’s good that they breathe life into this place. It dissipates the doubts, in both of us.

   The walls then turn more and more organic as though grown and not chiseled. Some of my followers ask if there’s a vein in the rock, others see it beating. That’s not true. Movement is just the dancing fire from their torches. But, yes, these halls are gestating.

   “Stay with me”, I shout while judas-goating them deeper into increasingly labyrinthine corridors. What seemed to be organic first turns trachea-like. Tunnels shrink and grow randomly in size, rise and fall in verticality or become too narrow to be traversed. The followers start to murmur. “Stay with me”, I repeat louder.

   Then comes the first scream. Someone loses their grip—a girl—and her high-pitched shriek wanders into the bowels below. A man growls. He is stuck. We have to wait. Please. He is goddamn stuck.

   “Stay with me” is all he gets. I know the way. I’ve wandered it a few hundred times to memorize it perfectly. The only way to leave this earthen womb.

   The others get louder before growing more silent. They cannot keep up. I am too fast for them. I hear torches fall and cries for help. Bones break and flesh bursts when they fall into their doom, lungs gasp when they get stuck, and indominable horror sounds when they find someone from an earlier procession. Or what remained of them. They will join them soon. They will crawl and gnaw, memorize and analyze, they will work together, against each other, and incredibly hard, they will do absolutely anything to escape. But they won’t.

   No sperm has ever left the womb. There is only one way out.

   When I come back to the surface I am greeted by the other priests—and silence. Fresh air fills my lungs and the stars shimmer a little brighter.

   The oceans retreated long ago, the land has dried out and the crops can barely fight an inch from the chapped ground. Even the mice are gone and the locust turned sky. Our gods have left or died. It doesn’t matter. We need a new one. Some deity that hasn’t abandoned us yet. This is why the pilgrims are still screaming deep in the ground.

   The altar of a new god isn’t built from stone and wood, gemstones and wicked carvings. It is built from the seed and blood of the innocent.

   This is how gods are born.


Bearbeitet von Maxmilian Wust, 24 Juni 2026 - 01:14.

"Part Five: Boobytrap the stalemate button!"

#12 Michael Fallik

Michael Fallik

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Geschrieben 02 Juli 2026 - 06:59

»Sie brauchen sich nicht verstellen, Frau Petrova. Verzeihen Sie meine Unhöflichkeit, ich heiße Hong Gau. Firma Eyes and More.« Es war wieder die Stimme des Chinesen, wieder in reinem Mandarin. Ich konnte mich nicht entscheiden, welche Frage ich  als Erstes stellen sollte. 
»Wir kennen uns? Augen und mehr?«
»Nur ein unbedeutender Lieferant Ihrer ehrwürdigen Firma BITS. Sie sehen die Augen?« Das Leuchten in seinen Pupillen zwinkerte mir zu.
»Entschuldigen Sie vielmals ...« Ich rief mir nach zwei Wochen Urlaub das Lieferantenverzeichnis von BITS ins Gedächtnis und zuckte erneut hilflos mit den Schultern.
Er schwenkte um auf Englisch.
»In unserer bescheidenen Firma ist üblich, bedeutende Personen von Kunden zu erkennen.«
»Hmm, wenn ich mich nicht täusche, gab es bei den optischen Sensoren einen Exklusivvertrag.« Hong Gau strahlte, seine Augen wurden noch heller und er nickte eifrig mit dem Kopf.  
»BITS Corporation. Wichtigster Kunde, weil einziger Kunde«, sagte er.
Ich beugte mich zur Seite und reichte ihm über den Gang die Hand. 
»Sind Sie mir sehr böse, wenn ich Sie auf Ihre Augen anspreche?« Es war offensichtlich, dass er beleidigt sein würde, wenn ich es unterließ.
»Sie finden interessant?«
»Auffällig. Man denkt automatisch darüber nach, wie es dazu kam.«
»Reden Sie frei heraus.«
»Und ich frage mich, was das More bei Firma Eyes and More bedeutet.«
»Morphologie. Wir machen schöne Roboter. Wie Kunde wünscht.«
»Da wir nach Ihren eigenen Worten Ihr einziger Kunde sind und wir definitiv keine schönen Roboter an die kanadische Regierung liefern werden, sehe ich das nicht als zukunftsträchtige Entwicklung an.« Herr Gau hob beschwichtigend die Hände.
»Gute Zukunft. Selbst BITS interessiert«, antwortete er.
Meine Augenbrauen gingen nach oben, aber ich ließ mir ansonsten nicht anmerken, wie sehr mich seine Antwort aus dem Konzept gebracht hatte.
»Auf Mond viele Serviceandroiden für einsame Männer. Nicht alle wollen Standardaussehen von ... Sie verstehen?«
Ja, ich verstand. Sextourismus. Dass man auf der Erde vor ein paar Jahren sämtliche Komfortandroiden stillgelegt hatte, war allgemein bekannt. Eine überstürzte Aktion ohne Ausgleichszahlungen für ihre Besitzer. Die Folgen waren überschaubar geblieben, hatten jedoch die Prostitution sprunghaft ansteigen lassen und einige längst ausgestorbene Geschlechtskrankheiten wieder auf den Plan gerufen.
Auf dem Mond existierten noch die beliebten Androidenbordelle. Zu viele Männer und nur wenige Frauen, die anderes im Kopf hatten als wissenschaftliche Probleme.
»Ein faszinierendes Thema. Wie weit gehen die morphologischen Veränderungen?«, fragte ich höflich und betrachtete dabei die lederne Haut meines Gesprächspartners. Wie lange würde es noch dauern, bis wir den Zellverfall beim Menschen in den Griff bekämen? Es würde Unsterblichkeit bedeuten, für einige wenige Privilegierte. 
»Bescheiden, aber machen gute Fortschritt. Farbe von Oberfläche, Haare und Augen kein Problem. Körperform schwierig. Größe von Korpus ändern unmöglich. Klein bleibt klein. Aber ein schöner Busen, Sie entschuldigen Beispiel, bilden Firma Eyes and More schon bald anhand eines Fotos nach.«
Herr Gau sprach noch eine Weile über Oberflächen, Haarwuchs und kundenspezifische Anpassungen, als ginge es um die Farbe eines Sofas. Ich nickte an den passenden Stellen und bedankte mich höflich für seine Ausführungen, obwohl ich innerlich bereits auf dem Mond war. 
Eyes and More. Der Name blieb hängen.

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#13 rostig

rostig

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Geschrieben 02 Juli 2026 - 07:24

Könnte Ärger mit der realen Firma "eyes and more" geben.



#14 Michael Fallik

Michael Fallik

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Geschrieben 02 Juli 2026 - 08:41

Könnte Ärger mit der realen Firma "eyes and more" geben.

Danke für den Hinweis. Die Klage kam prompt, aber ich habe gute Anwälte. Wenn es hart auf hart kommt, kaufe ich den Laden.  :)


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#15 Stahlelefant

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Geschrieben 04 Juli 2026 - 10:44

Der große Sprung … wohin?

Etwas arbeitete im Gehirn von Dr. Brandhorst. Da war doch noch was. Die Berechnungen zu einem Zeitsprung unter Zeitdruck zu machen, ist keine besonders gute Idee. Das war ihm auch klar gewesen, aber der ungeduldige Professor Erpensieker war bei diesem Projekt immer noch ungeduldiger geworden. Es war bekannt, dass auch chinesische und US-amerikanische Forscher an Zeitreiseprojekten arbeiteten. Die größte Ehre würde natürlich derjenige einheimsen, dem es als erstem gelang, einen erfolgreichen Zeitsprung durchzuführen.

Alles war bedacht worden. Es reichte nicht, in der Zeit zurückzugehen oder nach vorne. Die Erde bewegt sich durch den Weltraum, man muss also auch den richtigen Ort berechnen.

Naheliegend war es, mit einem Sprung nach vorn zu beginnen, um Zeitparadoxa und den Schmetterlingseffekt erst einmal auszuschließen. Es waren schon ein paar Gegenstände in die Zukunft geschickt worden. Es war so berechnet, dass diese Objekte ein paar Tage später wieder auftauchten, ein paar Kilometer über der Erde. Diese Vorsichtsmaßnahme war nötig, um die Auswirkungen kleiner Berechnungsfehler zu neutralisieren. Die Objekte waren mit einem Fallschirm versehen und schwebten sicher zur Erde, wo die Forscher sie fanden.

Dr. Brandhorst fiel nun ein, was falsch war. In der Hetze hatte er die Koordinaten nicht noch einmal überprüft. Stand da vielleicht noch der Ausgangswert? Dr. Brandhorst schaute nach. Tatsächlich, da stand der Ausgangswert.

In drei Tagen würde Professor Erpensieker in die Geschichte eingehen. Aber nicht ganz so wie gedacht … Das lag am Ausgangswert. Der Professor würde als erster Mensch den Mittelpunkt der Erde erreichen. Für seinen Fallschirm hätte er dort aber keine Verwendung.


Nautron respoc lorni virch.

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#16 Stahlelefant

Stahlelefant

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Geschrieben 10 Juli 2026 - 10:33

Hm, kein Feedback, aber die Geschichte ist ja auch recht konventionell, und wozu gibt’s KI, die kann man ja auch befragen. Also ändere ich die letzten beiden Absätze ein bisschen:

Dr. Brandhorst fiel nun ein, was falsch war. In der Hetze hatte er die Koordinaten nicht noch einmal überprüft. Stand da vielleicht noch der Ausgangswert für die radiale Koordinate? Dr. Brandhorst schaute nach. Tatsächlich, da stand der Ausgangswert: 0.
In drei Tagen würde Professor Erpensieker in die Geschichte eingehen. Aber nicht ganz so wie gedacht … Das lag am Ausgangswert. Der Professor würde als erster Mensch den Mittelpunkt der Erde erreichen. Für seinen Fallschirm hätte er dort allerdings keine Verwendung.

 

(Der Mittelpunkt fiel mir bestimmt ein, weil ich Jules-Verne-Fan bin. Und Objekte, die durch die Zeit geschickt werden und dann an Fallschirmen zu Boden schweben, kommen in W. Jeschkes Letztem Tag der Schöpfung vor.)


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#17 Mammut

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Geschrieben 10 Juli 2026 - 10:40

@stahlelefant: Die Geschichte ist ja mehr als konventionell. Die Idee der Zeitreisen gibt es mindestens seit "Die Zeitmachine" und die Idee, man reist nicht nur durch die Zeit sondern auch durch den Raum (es bewegt sich ja nicht nur der Planet, sondern auch das ganze System, die Galaxie, etc.) ist ja ein alter Hut.

Der Fehler selbst, also ein Rechenfehler, ist jetzt auch nicht so innovativ. Dass er im Mittelpunkt der Erde landet scheint eine Referenz zu Jules Verne. Also insgesamt nett und kurzweilig, aber die Frage ist, was bietet die Geschichte für einen Leser, der generell SF liest? Nicht so viel, oder?

Für meinen Geschmack zu wenig.



#18 Stahlelefant

Stahlelefant

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Geschrieben 10 Juli 2026 - 10:45

Also insgesamt nett und kurzweilig, aber die Frage ist, was bietet die Geschichte für einen Leser, der generell SF liest? Nicht so viel, oder?

Für meinen Geschmack zu wenig.

Hm, schade, dann ist es wohl wirklich zu konventionell :( Ich dachte, es geht in Ordnung, weil kurz und mit einer neuen Variation, d. h. Landung im Mittelpunkt … aber wer weiß, es gibt weltweit so viele Sci-Fi-Geschichten, dass vielleicht auch das nicht neu ist.


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#19 Stahlelefant

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Geschrieben 10 Juli 2026 - 12:29

Hm, schade, dann ist es wohl wirklich zu konventionell :(

 

Ey, aber die KI fand die Geschichte gut! Na ja, eher schwacher Trost. Aber wie heißt der aktuell größte Superhit? Genau, „Du bist gut genug“, ist das nicht auch Trost, weil es eine aufrichtende Botschaft ist?  Angehängte Datei  e kopf.png   2,61K   0 Mal heruntergeladen

 

Von den hier geposteten Geschichten finde ich die von Max Wust am besten. Den „judas goat“ kannte ich noch nicht – „to judas-goat“ ist ein schön gruseliges Verb (kleiner Nachteil allerdings: Es verortet die Geschichte, sie spielt nicht mehr an einem komplett unbestimmten Ort, was noch ein bisschen mystischer wäre. (Die Geschichte muss n. Chr. spielen und auf der Erde in einer Gegend, in der die Geschichte von Jesus und Judas bekannt ist.))

 

Hier noch der Link zu dem Lied  :excl: Anklicken auf eigene Gefahr  :excl: You have been warned

KITSCHKRIEG feat. BLUMENGARTEN & SHIRIN DAVID - GUT GENUG


Bearbeitet von Stahlelefant, 10 Juli 2026 - 16:17.

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