Na gut, da ich kaum noch zum Lesen komme, hier ein Roman, den ich durch meine Arbeit an seiner deutschen Neuausgabe kennen gelernt habe (ja, ich bin natürlich befangen). Ich hatte ihn schon vor vielen Jahren das erste Mal in der Heyne weißen Reihe gelesen, aber erst jetzt ist mir so richtig bewusst geworden, wie gut er geschrieben ist.
Zum Inhalt kann man einige Infos auf der Verlagsseite finden, bei der Paperback-Ausgabe hat man den reinen Text der Neuübersetzung, bei der Sonderausgabe gibt es noch einige Extras dazu. Die Story kennt sicher jeder, Mann wird von radioaktiver Gischt kontaminiert, beginnt zu schrumpfen und muss sich in einer immer seltsameren Welt behaupten, kongenial verfilmt von Jack Arnold - Nostalgie pur. Und die Spinne...
Das Buch ragt über vergleichbare Werke einfach deshalb hinaus, weil sich der Autor tatsächlich ernsthaft mit der Situation des "Heldens" auseinandersetzt. Mathesons Sohn schrieb im Vorwort, dass sein Vater beim Schreiben des Romans jeden Morgen nach dem Frühstück in den Keller des Hauses ging und sich dort in die Situation hineinversetzt hatte. Es gibt schon Action, aber hauptsächlich wird die Psyche des Schrumpfenden analysiert - er wird nicht einfach in eine unbegreifliche Situation hineinversetzt - er kommt auch nie zur Ruhe, er kann sich nicht anpassen, da er immer weiter schrumpt. Dinge die an dem einen Tag noch möglich waren, sind am nächsten nicht mehr machbar und so immer weiter. Es wird auch nicht linear erzählt, sondern zum Teil in Rückblenden und letztendlich entsteht das Gesamtbild, wie er überhaupt in den Keller gekommen ist usw.
Matheson war da seiner Zeit in vielen Dingen voraus, er schildert auch die Probleme, die den Protagonisten quälen, weil er in seiner Familie die ihm konservativ zugeschriebene Rolle nicht mehr ausüben kann und aus diesem Schema herausfällt. Von daher finde ich auch den neuen Titel "Der schwindende Mann" ganz passend. Der Autor beschönigt nichts und spricht auch unangenehme Themen an, die den Mann da nicht sympathisch erscheinen lassen.
Das Buch ist übrigens zuvor als "Die unglaubliche Geschichte des Mr. C" schon erschienen (weiß natürlich jeder hier, sorry), wobei ich da die Version der Heyne SF Bibliothek (weiße Reihe) empfehlen würde, die anderen Heyne-Übersetzungen sind gnadenlos gekürzt und verflacht.


