Zum Inhalt wechseln


Foto

Cyberpunk: Was der heutige Postfaschismus mit den besten SF-Romanen der 1980er Jahre zu tun hat


  • Bitte melde dich an um zu Antworten
15 Antworten in diesem Thema

#1 Mammut

Mammut

    Pot Healer

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 9.979 Beiträge
  • Geschlecht:männlich

Geschrieben 10 Juli 2026 - 11:50

Wir leben heute schon in den Dystopien der 1980er Jahre. Manchmal muss es einem erst jemand so deutlich unter die Nase reiben, wie es die französische Politikwissenschaftlerin Asma Mhala in diesem Buch tut, das nicht grundlos „Cyberpunk“ heißt. Denn was wir heute erleben – die Verwandlung der liberalen westlichen Welt in eine Dystopie der Überwachung, der ungelösten Krisen und der demolierten Demokratie –, das kennen Leser der SF der 1980er Jahre schon. Damals sorgte eine völlig neue Science-Fiction-Welle für Aufsehen: der Cyberpunk. Und das nicht ohne Grund.

 

Cyberpunk: Was der heutige Postfaschismus mit den besten SF-Romanen der 1980er Jahre zu tun hat · Leipziger Zeitung



#2 Christian Hornstein

Christian Hornstein

    Temponaut

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 1.016 Beiträge
  • Geschlecht:männlich
  • Wohnort:Bonn

Geschrieben 10 Juli 2026 - 18:05

Wir sind noch nicht ganz da, wo der Cyberpunk uns in den 1980ern literarisch hingeführt hat, aber zuweilen wirkt der damalige übertechnisierte Hyperkapitalismus wie eine Vorlage, an der sich heutige Prädatoren orientieren.


Bearbeitet von Christian Hornstein, 10 Juli 2026 - 18:05.


#3 Mammut

Mammut

    Pot Healer

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 9.979 Beiträge
  • Geschlecht:männlich

Geschrieben 10 Juli 2026 - 18:22

Da gab es heiße Diskussionen zu im Cyberpunk Panel auf dem Metropolcon. Einer der Zuhörer hatte das Buch hier empfohlen.
Den Link zum Buch hatte Starcadet auf Facebook gepostet.

Bearbeitet von Mammut, 10 Juli 2026 - 18:23.


#4 Starcadet

Starcadet

    Bücherretter

  • SFCD-Moderator
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 3.656 Beiträge
  • Geschlecht:männlich
  • Wohnort:Eppertshausen bei Darmstadt

Geschrieben 10 Juli 2026 - 20:59

...und bei Bluesky.  :)


23753abef3102012.gif


#5 Stephan

Stephan

    Infonaut

  • Mitglieder
  • PIPPIP
  • 237 Beiträge
  • Geschlecht:männlich
  • Wohnort:Berlin

Geschrieben 10 Juli 2026 - 21:50

Mich lässt der Artikel an einigen Stellen etwas ratlos zurück. Ich bin ja gerne (meist auch zu eifrig und zu schnell) dabei die heutigen Zustände zu verdammen und zu verteufeln, aber hier bin ich mir unsicher.

 

Der Artikel erklärt leider nicht was er unter Postfaschismus versteht, das ist schwierig, weil es ganz verschiedene Bedeutungen haben kann. In Italien ist eine postfaschistische Partei z.B. eine, die heute aktiv ist, aber ganz konkrete organisatorische Ursprünge in der Mussolini-Diktatur hat. In Deutschland sprechen viele oft vom Postfaschismus, wenn sie konkrete Zeitabschnitte aus der Zeit NACH (daher Post) 1945 meinen und dann ganz bestimmte gesellschaftliche Gefüge, personelle Kontinuitäten in Ämtern oder auch weiterhin wirkmächtige Einstellungsmuster charakterisieren wollen.

 

Wie Postfaschismus jetzt in eine Kritik der heute aktuellen Techkonzerne hineinläuft versteh ich so aus dem Text heraus nicht. Dazu kommt, das auch noch an einer Stelle zu "postfaktisch" gewechselt wird, was noch mal ein ganz anderer Schuh ist. Wenn wir die heutigen Zustände kritisieren, wären wir ja aber eher in einer Prä-Faschistischen Periode (oder je nach nach Land auf das wir gucken, vielleicht auch mitten drinn), aber nicht "Post"?

 

Ich fürchte daher ich muss erst dieses Buch lesen um zu verstehen was hier gemeint sein soll. Da bin ich auch gar nicht abgeneigt. Mal gucken ob ich das irgendwo auftreiben kann.


Mein Blog über Science Fiction: www.ostinspace.blog  :)

  • (Buch) gerade am lesen:"Mythen, Monster und Manien" von Ian Watson
  • (Buch) als nächstes geplant:"ZOI" von Jane Mondrup
  • • (Buch) Neuerwerbung: "Athos 2643" von Nils Westerboer

#6 Zack

Zack

    Temponaut

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 1.001 Beiträge
  • Geschlecht:unbekannt
  • Wohnort:Karlsruhe

Geschrieben 10 Juli 2026 - 22:16

Spannender Artikel! 

 

Ich dachte in den letzten Jahren auch öfter: aha, wir sind schon fast da, also im Cyberpunk ... noch nicht in "Neuromancer", aber schon fast in der Bridge-Trilogie. 

 

Manche Sachen sind auch ganz nice, wie mit dem Smartphone seine Pakete aus der Packstation holen, sowas war im 20. Jahrhundert auch noch Cyberpunk ;)  ... aber das Dystopische kommt leider mit, viele Entwicklungen erinnern an Cyberpunkromane - wobei der frühe Cyberpunk die Klimakrise noch nicht so auf dem Schirm hatte. Umweltverschmutzung/-zerstörung ja, aber nicht den Verlauf der Klimakrise, der damals durchaus schon absehbar war. 

 

Was ich aber insbesondere bei William Gibson immer bewundert habe bzw. immer noch bewundere: sein unglaubliches Gespür dafür, wie Menschen mit neuen Technologien umgehen, wie diese genutzt und auch missbraucht werden und wie sich Gesellschaften entwickeln. Ich hoffe, bald kommt mal der dritte Band der Jackpot-Trilogie (wo Klima eins der zentralen Themen ist, neben einer weirden Zeitreisestory).


“Die Farben sind der Ort, wo unser Gehirn und das Universum sich begegnen.” (Paul Cézanne)


http://www.literatopia.de

#7 FraRa

FraRa

    Mikronaut

  • Mitglieder
  • PIP
  • 38 Beiträge
  • Geschlecht:männlich

Geschrieben 11 Juli 2026 - 17:48

Danke für den Link! Überaus anregender Artikel, und ich stimme Vielem zu.

Möglicherweise wird aber der Tech-Elite die Macht von eben jenem Ding aus der Hand geschlagen, das sie erschaffen: künstlicher Intelligenz.

Für Freiheit-Menschenrecht-und Demokratieliebende wird dadurch allerdings nichts besser.

Das Schicksal der Zivilgesellschaft wird davon abhängen, wie weit es gelingt, sich den  Zerstörungen zu widersetzen. All zu optimistisch bin ich da im Moment leider nicht.

Vielleicht kommt aber, was die Kunst betrifft, mit den Herausforderungen auch wieder Science Fiction, die Utopien entwickelt statt lediglich Dystopien auszubreiten.


Ich habe den Forenadmin darum gebeten, dieses Profil zu löschen.

  • (Buch) gerade am lesen:Tagebücher von Alan Rickman

#8 Helge

Helge

    Biblionaut

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIP
  • 568 Beiträge
  • Geschlecht:männlich

Geschrieben 11 Juli 2026 - 20:49

Ich habe die Neuromancer-Trilogie tatsächlich erst im letzten Jahr gelesen - und fand, dass sich das aus heutiger Sicht eher wie eine Utopie denn wie eine Dystopie liest.



#9 J. A. Hagen

J. A. Hagen

    Typonaut

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIP
  • 420 Beiträge
  • Geschlecht:männlich

Geschrieben 15 Juli 2026 - 12:07

Ich habe mir das Buch bestellt.

Danke für den Hinweis, Mammut.


Derzeit komme ich nicht viel zum Lesen, aber sobald ich mir das Buch vornehme, schreibe ich meine Meinung dazu. Sollte ich die Lektüre abbrechen, weil mir der Inhalt nicht gefällt, gebe ich ein Zwischenfazit.

 


  • (Buch) gerade am lesen:Samantha Shannon: The Priory of the Orange Tree
  • (Buch) als nächstes geplant:Batgirl Vol. 2: Knightfall descends
  • • (Buch) Neuerwerbung: Mark Waid/Chris Samnee: Black Widow
  • • (Film) gerade gesehen: Deadpool/Wolverine

#10 Mammut

Mammut

    Pot Healer

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 9.979 Beiträge
  • Geschlecht:männlich

Geschrieben 15 Juli 2026 - 14:18

Ich habe mir das Buch bestellt.

Danke für den Hinweis, Mammut.


Derzeit komme ich nicht viel zum Lesen, aber sobald ich mir das Buch vornehme, schreibe ich meine Meinung dazu. Sollte ich die Lektüre abbrechen, weil mir der Inhalt nicht gefällt, gebe ich ein Zwischenfazit.

 

Super, das wäre sehr hilfreich.



#11 J. A. Hagen

J. A. Hagen

    Typonaut

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIP
  • 420 Beiträge
  • Geschlecht:männlich

Geschrieben 14 August 2026 - 14:20

Bisher habe ich nur die ersten Kapitel geschafft, welche die Einleitung bilden.

Der Text ist sehr subjektiv geschrieben. Die Autorin spricht von sich auch als "ich", und sie versucht auch nicht, objektiv zu sein. Das heißt, dass "Cyberpunk" nicht den Standards einer wissenschaftlichen Arbeit entspricht. Das behauptet das Buch allerdings auch nicht von sich.

Asma Mhalla will aufzeigen, wie aus ihrer Sicht die Verflechtung von Big State und Big Tech dazu führt, dass Menschen gezielt in bestimmte Richtungen gelenkt werden, und wie so das demokratische System unterlaufen wird.

 

Im September habe ich Urlaub und lese dann weiter. Das Buch ist nicht allzu dicht, aber ich habe aktuell nicht die Konzentration dafür.


Bearbeitet von J. A. Hagen, 14 August 2026 - 14:20.

  • (Buch) gerade am lesen:Samantha Shannon: The Priory of the Orange Tree
  • (Buch) als nächstes geplant:Batgirl Vol. 2: Knightfall descends
  • • (Buch) Neuerwerbung: Mark Waid/Chris Samnee: Black Widow
  • • (Film) gerade gesehen: Deadpool/Wolverine

#12 Mammut

Mammut

    Pot Healer

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 9.979 Beiträge
  • Geschlecht:männlich

Geschrieben 14 August 2026 - 15:08

Das klingt jetzt auf den ersten Blick für mich nicht so interessant. Mal sehen was du berichtest, wenn du weiter liest.



#13 Fermentarius

Fermentarius

    Cybernaut

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIP
  • 399 Beiträge
  • Geschlecht:männlich
  • Wohnort:Münster

Geschrieben 14 August 2026 - 18:12

Die Politologin Asma Mhala vertritt eine interessante, aber doch sehr konventionelle Sichtweise. Und deshalb möchte ich hier einmal eine dezidierte Gegenposition vorstellen.

Nicht die Gorillas, die brüllend auf ihre Brust schlagen, sind die wirklichen Machthaber, sie halten sich nur dafür. Die Gefahren liegen anderswo. Wer bedroht denn tatsächlich unsere Demokratie, und warum? Ein sehr reicher Mensch wie Elon Musk, Mark Zuckerberg oder Jeff Bezos sind nicht daran interessiert, dass ein Politiker zu mächtig wird. In Russland hat Putin immer wieder Oligarchen entmachtet, enteignet oder ermordet. Xi Jinping hat das auch schon vorexerziert. Standard Oil, seinerzeit eines der größten Unternehmen der Welt, wurde zerschlagen. 

Oligarchen und Techbros und Superreiche brauchen also eine schwache Staatsmacht, weil ihnen der direkte Zugriff auf die Staatsgewalt fehlt. Ihre Konzerne liefern vielleicht die Infrastruktur und die Technik für eine komplette Überwachung, aber letztlich sind es die Staaten, die diese Werkzeuge einsetzen. Die Kapriolen von Musk und Zuckerberg mögen uns widerwärtig erscheinen, aber sie sind keine direkte Gefahr. Anders sieht es bei staatlichen Akteuren aus. Russland betreibt seit Jahren einen Cyberkrieg gegen den Westen. Desinformation ist in Demokratien eine scharfe Waffe, und sowohl China als auch Russland machen davon ausgiebig Gebrauch. 

Wer glaubt, dass amerikanische Firmen ein Monopol auf Führung  bei KI, Raumfahrt oder Energieerzeugung haben, übersieht den Elefanten im Raum: China. Die zentrale Steuerung der Stoßrichtung bei der Hightech-Entwicklung und die auf Jahrzehnte ausgerichtete Planung machen China (wie auch Japan) zum äußerst mächtigen internationalen Player. China hat seit zwanzig Jahren das Monopol bei den seltenen Erden und bei der Herstellung von Solarzellen vorangetrieben. Der Westen hat das spät gemerkt, und EU steht jetzt vor der Aufgabe, in fünf Jahren die kompletten Lieferketten nach Europa zurückzuholen. Scheitern ist dabei keine Option, wenn die Abhängigkeit nicht gefährlich werden soll.

Russland betreibt aus Eigeninteresse die Zerschlagung Europas, weil nur ein geeintes Europa gegen Russland seine Interessen durchsetzen kann. Die Konzerne hingegen wollen verkaufen, nicht beherrschen. Und die EU hat mehrfach gezeigt, dass sie dagegen vorgehen kann.

 

Zum Schluss noch zu den Definitionen:

Knackpunkt beim echten Cyberpunk ist die Verbindung von Körper, Geist und Technik. Es gibt einen Cyberraum, den Menschen mit entsprechenden Implantaten direkt bereisen können. Und dort spielen sich die entscheidenden Schlachten ab. Diese Verbindung gibt es nicht, und sie ist (aus meiner Sicht als Mediziner) nicht in Sicht. Weder der Upload des Geistes in eine Maschine noch die digitale Gehirnprothese hat bisher den Bereich der Science Fiction verlassen. Wir sind also nicht in einer Cyberpuink-Zeit. Nicht die gesichtslosen Konzerne, sondern die staatlichen Akteure haben an Macht gewonnen, wobei ihnen die Macht von den Konzernen verkauft wurde.

 

Faschismus/Postfaschismus/Neufaschismus etc.

 

Der Begriff "Faschismus" mit allen möglichen Präfixen oder Attributen ist inzwischen zur Unkenntlichkeit und Beliebigkeit zertreten worden. "Faschist" ist eher eine Beleidigung als eine Standortbestimmung. Der historische Begriff "Faschismus" beschreibt die Bewegung von Mussolini, der sich ausdrücklich als "Führer des Faschismus" titulierte, insofern ist es sehr gut definiert.

 

In der Folge wurde der Begriff fast jeder autoritären Bewegung übergestülpt, die sich nicht ausdrücklich als "links" bezeichnete. Heute wird die Bezeichnung eigentlich nur noch abwertend und gegen erklärte politische Gegner angewendet. Ein Politologe, der eine solche Bezeichnung auf immer neue Erscheinungen autoritärer Führung anwendet, muss sich Denkfaulheit vorwerfen lassen - oder er tut das, was Politologen gerne tun, nämlich einen neuen Begriff einführen, den sie selbst definieren, und für dessen Definition sie dann jeder zitieren muss. Zitate sind die Münzen im Klingelbeutel der akademischen Gemeinden.

 

Also: Das Essay (immer vorausgesetzt, es ist richtig zitiert) lässt die wesentlichen Akteure aus. Es ignoriert die wirklichen Gefahren, die sich aus der immer schärferen Überwachung ergeben. Es überschätzt die Möglichkeiten der Konzerne. Es konzentriert sich auf das Schauspiel im Vordergrund und übersieht die Schatten an der Wand.


  • (Buch) gerade am lesen:wechselt ständig

#14 Christian Hornstein

Christian Hornstein

    Temponaut

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 1.016 Beiträge
  • Geschlecht:männlich
  • Wohnort:Bonn

Geschrieben 15 August 2026 - 12:19

@Thomas

Ich würde ergänzen, dass unsere Demokratie auch vom Volk selbst bedroht wird, indem sich die demokratisch gesinnte Mehrheit einfach zu wenig engagiert und "die da oben" meistens machen lässt. Aus meiner Sicht wird es höchste Zeit, dass Werkzeuge wie Bürgerräte systematischer und professionell genutzt werden, für die Politik verbindlicher werden, Bürgerbegehren, -entscheide und -einwände verbreiteter und die entsprechenden Verlängerungen auf Bundesebene (z.B. Volkseinwand) endlich eingeführt werden.

 

Der Cyberpunk der 80er war wesentlich breiter als die Verbindung von Körper, Geist und Technik. Er war auch eine Gesellschaftskritik, eine Desillusion und eine Kampfansage an den naiven Anthropomorphismus des Golgen Age bis hin zu antihumanistischen Tendenzen. Und er war schlicht genial.  ;) 



#15 Fermentarius

Fermentarius

    Cybernaut

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIP
  • 399 Beiträge
  • Geschlecht:männlich
  • Wohnort:Münster

Geschrieben 16 August 2026 - 18:20

@Thomas

Ich würde ergänzen, dass unsere Demokratie auch vom Volk selbst bedroht wird, indem sich die demokratisch gesinnte Mehrheit einfach zu wenig engagiert und "die da oben" meistens machen lässt. Aus meiner Sicht wird es höchste Zeit, dass Werkzeuge wie Bürgerräte systematischer und professionell genutzt werden, für die Politik verbindlicher werden, Bürgerbegehren, -entscheide und -einwände verbreiteter und die entsprechenden Verlängerungen auf Bundesebene (z.B. Volkseinwand) endlich eingeführt werden.

 

Der Cyberpunk der 80er war wesentlich breiter als die Verbindung von Körper, Geist und Technik. Er war auch eine Gesellschaftskritik, eine Desillusion und eine Kampfansage an den naiven Anthropomorphismus des Golgen Age bis hin zu antihumanistischen Tendenzen. Und er war schlicht genial.  ;)

Es ist immer einfacher, eine Bedrohung von Außen zu behaupten, als eigene Versäumnisse, oder Versäumnisse der eigenen sozialen Gruppe anzusprechen. Ob Bürgerräte oder mehr Volksabstimmungen aber irgendwas verbessern, halte ich für zweifelhaft. 

 

Für mich ist Cyberpunk mit der frühen Version des Cyberspace verknüpft und der Zeit der einsamen genialen Hacker. Auch die dystopische Vorstellung, dass korrupte Politiker und gesichtslose Konzerne aus Gier und Eigensucht die Welt zugrunde richten. Die Vorstellung vom genialen Einzelgänger, der das übermächtige System nicht umwerfen kann, aber doch eine individuelle Nische für sich geschaffen hat, ist eine irgendwie anheimelnde Vorstellung. 

 

Aber die Zeit ist doch ein bisschen darüber hinweg gegangen. Hacker sind im Staatsauftrag unterwegs, sie bieten ihre Dienste gegen Bezahlung an, sie verkaufen oder vermieten Baukastensysteme für das Eindringen in fremde Systeme. Cryptohacker sind die besten Devisenbeschaffer für autoritäre Regime wie Nordkorea. Die Robin-Hood-Romantik ist leider passé. 

 

Und neuerdings dringen KI-Systeme in den Bereich vor. Taiwan hat gerade eine groß angelegte Cyberattacke abgewehrt, die ausschließlich von KI-Systemen durchgeführt wurde, vermutlich aus China. Wenn wir Pech haben, erscheint uns Cyberpunk bald nicht mehr als Dystopie. 


  • (Buch) gerade am lesen:wechselt ständig

#16 Christian Hornstein

Christian Hornstein

    Temponaut

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 1.016 Beiträge
  • Geschlecht:männlich
  • Wohnort:Bonn

Geschrieben 21 August 2026 - 18:40

@Thomas

 

...

 

Die Vorstellung vom genialen Einzelgänger, der das übermächtige System nicht umwerfen kann, aber doch eine individuelle Nische für sich geschaffen hat, ist eine irgendwie anheimelnde Vorstellung. 

 

...

 

Wenn wir Pech haben, erscheint uns Cyberpunk bald nicht mehr als Dystopie. 

 

So habe ich das noch nicht gesehen, aber das stimmt. Ich sehe da mittlerweile auch denkbare Entwicklungen, die noch düsterer sind als so mancher Cyberpunk.

 

 

Ob Bürgerräte oder mehr Volksabstimmungen aber irgendwas verbessern, halte ich für zweifelhaft. 

 

Ja, es ist ungewiss, und der Erfolg von mehr direkter Demokratie ist an Voraussetzungen geknüpft, aber für mich steht fest, dass die repräsentative Demokratie in der heutigen Form nicht nachhaltig ist. So kann es keinesfalls bleiben.
 

 




Besucher die dieses Thema lesen: 1

Mitglieder: 0, Gäste: 1, unsichtbare Mitglieder: 0