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"Near-future Sf hat die Aufgabe Prognosen über zukünftige Entwicklungen zu geben!" - Really?


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5 Antworten in diesem Thema

#1 head_in_the_clouds

head_in_the_clouds

    Infonaut

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Geschrieben 14 Juli 2026 - 12:00

Um jüngeren Sf Autoren etwas von dem Druck zu nehmen, 'korrekte' Prognosen für die nahe Zukunft abgeben zu müssen:
 

Wer bei technischen oder gesellschaftlichen Entwicklungen der nahen Zukunft falsch liegt, dem wird das eher selten verziehen...oder?

 

Aber Vorhersagen bilden nicht den Kern einer Science-Fiction-Geschichte. 

Gelingt es ,  Auswirkungen auf das Individuum und die Gesellschaft überzeugend darzustellen, wird einem dies trotzdem hoch angerechnet.

 

Sofern Technologie eine wesentliche Rolle für die Geschichte spielt, kann man Gregory Benford zitieren  (einen Physiker, der Hard-SF schreibt):

„... jede Hard-SF sollte sich an die physikalischen Gesetze halten, doch ist es notwendig, sie zu vermenschlichen.“

Mit anderen Worten: Auch hier dürfen die technologischen Auswirkungen dieser Veränderungen auf das Individuum sowie auf gesellschaftspolitische Bereiche nicht außer Acht gelassen werden. Zwar mag der Schwerpunkt eines Autors  auf einem dieser beiden Aspekte liegen, doch darf er sich niemals auf nur einen davon beschränken. Das sie tatsächliche Entwicklungen richtig fortschreibt, ist sekundär.

 

Glaubhafte Charaktere mit nachvollziehbaren Handlungen (selbst in exotischen Umgebungen) sind Kern eines Plots.

 

Was meint ihr?


"Why should one be afraid of something merely because it is strange?"

  • (Buch) gerade am lesen:Jck Womack - Zufällige Akte sinnloser Gewalt

#2 Stephan

Stephan

    Infonaut

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Geschrieben 14 Juli 2026 - 12:24

Der Spaß an den Zukunftsvorstellungen besteht für mich darin sie zu durchdenken, sie nachzuvollziehen und manchmal auch mich darin hineinzuträumen und selbst was dazu auszudenken.

Ob die Vorhersagen später zutreffend sein werden ist mir egal.

Bzw. wenn eine Dystopie irgendwann eintritt freue ich mich nicht. Eigentlich eher im Gegenteil.

Ich lese heute auch gerne Retro-SF in denen besonders wilde Zukunftsprojektionen enthalten sind, die allesamt durch unsere Wirklichkeit überholt wurden und nicht mehr wahr werden können.

Diese "vergangene verunmöglichte Zukunft" hat ihren ganz eigenen Reiz.

Von daher würde ich auch sagen, das Geschichte und Handlung wichtiger sind als die funktionierende Glaskugel.

Edit: wenn so Near Future SF durch Realität widerlegt wird, hat das auch als "Was wäre wenn" bzw. "Es hätte auch so kommen können" eine ganz eigene Spannung. Es ist dann wie Alternative-History-Geschichten nur das sie eben nicht nachträglichch mit der Sicherheit des Zurückblickenden geschrieben wurde. Hat viel Potential.

Bearbeitet von Stephan, 14 Juli 2026 - 12:37.

Mein Blog über Science Fiction: www.ostinspace.blog  :)

  • (Buch) gerade am lesen:"Mythen, Monster und Manien" von Ian Watson
  • (Buch) als nächstes geplant:"ZOI" von Jane Mondrup
  • • (Buch) Neuerwerbung: "Athos 2643" von Nils Westerboer

#3 Carsten

Carsten

    Infonaut

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Geschrieben 14 Juli 2026 - 12:54

Wer sich ein bisschen mit den Themen Foresight oder Future Studies beschäftigt, wird schnell feststellen, dass es praktisch nie um "korrekte Prognosen" geht. Die sind nämlich notorisch schwer zu treffen. 

Egal ob "Szenarien" (eine Methodik von Foresight) oder Geschichten, die man als narrative "Prototypen" sehen kann, es geht darum verschiedene "Was wäre wenn?"-Konstellationen intellektuell durchzuspielen. Daraus kann man lernen, Rückschlüsse ziehen und auch Handlungsempfehlungen ableiten. Aber niemand, der in dem Gebiet aufrichtig unterwegs ist, würde von Vorhersagen sprechen (zumindest nicht über den kurzfristigen Zeithorizont hinaus)



#4 Helge

Helge

    Biblionaut

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Geschrieben 14 Juli 2026 - 14:55

Vorhersagen sind schwierig, besonders, wenn sie die Zukunft betreffen. :devil: .

 

 

Aber Vorhersagen bilden nicht den Kern einer Science-Fiction-Geschichte. 

Gelingt es ,  Auswirkungen auf das Individuum und die Gesellschaft überzeugend darzustellen, wird einem dies trotzdem hoch angerechnet.

Bei der Near-Future-Fiction gibt es schon ein paar Sachen, die sich vorhersehen lassen; insbesondere sind die Hard Factors wesentlich vorhersehbarer als die Soft Factors. Die Vorstellung, dass es in absehbarer Zeit flache Fernseher geben würde, die man wie ein Bild an die Wand hängen kann, kam schon in den 1970ern auf und war auch technisch absehbar. Dass dann trotzdem nur die Wenigsten den Flachfernseher tatsächlich an die Wand hängen würden, aber eher nicht. Dass Computer nach und nach immer weniger Mechanik enthalten würden und all die Laufwerke durch reine Elektronik ersetzt würde, war schon in den 1990ern absehbar, dass Gamer-PCs in Glaskästen mit quietschbunter Rummelplatzbeleuchtung gebaut werden würden, allerdings nicht.

Ein Bereich, an dem jegliche Vorhersehbarkeit komplett unmöglich ist, das ist die Mode - da lassen sich schon die nächsten zwei, drei Jahre nicht vorhersagen. Niemand kann vorhersehen, ob die Mehrheit der Leute sich in zwei Jahren bimmelnde Glöckchen an den Hals hängen, auf Pogo-Sticks durch die Straßen hopsen oder wieder gepuderte Lockenperücken tragen wird, ob die Damen wieder Krinolinen und die Herren wieder Zylinder tragen werden oder auch umgekehrt, da ist absolut alles drin.

Ich empfinde es schon als eine sportliche Herausforderung, bald Kommendes halbwegs stimmig vorherzusehen, aber das ist kein Muss. Wenn das nicht klappt, kann eine Story trotzdem gut sein.



#5 Christian Hornstein

Christian Hornstein

    Temponaut

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Geschrieben 18 Juli 2026 - 08:50

Die Funktionen der Alleinstellungsmerkmale des SF-Genres sind vielfältig und nicht jede muss in einer Geschichte genutzt werden. Die Zukunft vorher zu sagen ist eine dieser Funktionen, jedoch aus meiner Sicht weniger interessant als manch andere, z.B. reizt mich mehr die Funktion der kritischen Reflektion aktueller Entwicklungen oder das Gedankenexperiment. SF, die sich auf die Vorhersage-Funktion beschränkt, wird didaktisch und verkommt zum futurologischen Diskurs. Das ist für eine Geschichte nicht passend, die auch spannend und menschlich anrührend sein sollte.



#6 clearwater

clearwater

    Bambinaut

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Geschrieben 19 Juli 2026 - 21:24

Vor vielen Jahren habe ich mal was treffendes dazu gelesen: Science Fiction hat die Aufgabe mögliche Entwicklungen, also auch insbesondere negative, aufzugreifen und in Büchern/Geschichten so zu verarbeiten, dass die Dystopie gerade nicht eintritt, weil durch die Bücher bereits klar ist, das kann nichts Gutes werden.

 

Ich finde Prognosen müssen und sollten oft auch nicht korrekt sein. Wenn der Autor es schafft mögliche Entwicklungen so in seinen Werken aufzugreifen, dass sich die Leser darin wiederfinden und die damit vorgewarnt sind oder die Prognosen im Geiste so ändern kann, dass die Menschheit davon profitieren würde (und sich der Leser da hineinversetzen kann), dann hat der Autor in meinen Augen ein gutes (Lehr)buch geschrieben.

Für mich steht immer die Geschichte im Vordergrund, nicht die perfekte Anwendung von Technik, oder die Länge vom Buch. Glaubhafte Dialoge, und damit auch Charaktere, fallen für mich unter "Technik", eine durchaus wichtige, um viele Leser zu gewinnen, aber die Geschichte (der Plot) ist weitaus wichtiger. Und der Kern einer Geschichte ist mehr als nur glaubhafte Charaktere und nachvollziehbare Handlungen.

 

Ich zumindest will beim Lesen von Büchern den Geist schweifen lassen, inspiriert werden.




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