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Die Odyssee (Nolans 'maximum effort')

Odyssey

26 Antworten in diesem Thema

#1 yiyippeeyippeeyay

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Geschrieben 19 Juli 2026 - 16:34

Es geht hier um den aktuellen in Kinos gezeigten Monumentalfilm mit "E-Anspruch" von Christopher Nolan; es gibt davon BTW 4 Versionen in Kinos - meine unten verlinkte Besprechung bezieht sich auf die 2D-Fassung.

 

Ich fand den Film sehenswert, wenn auch als Mythologie-Fan nicht so ganz mein Ding - ich denke aber schon dass sich der Regisseur, der auch wesentlich zum Drehbuch beitrug, mit den Moral-Leitlinien bei Homer auskennt, und mindestens 2 davon in seinem Film besonders thematisieren wollte. Auch denke ich wollte er einen allegorischen Bezug zur chaotischen geopolitischen Welt heute ziehen. Und evtl. seinen künstlerischen Karriere-Höhepunkt setzen, also ohne Rücksicht auf sein (Fan-)Publikum?

 

Ich höre gern was ihr von dieser Verfilmung eines ur-phantastischen Stoffes haltet, aber will auch auf eine besonders beeindruckende YT-Rezension hinweisen; ich hab diese Dame schon öfters erwähnt/verlinkt hier im Forum, hatte mich aber zuletzt etwas distanziert von manchen ihrer eigenwilligen Sichten. Hier merkt man aber insbes. ihre Belesenheit, bei Comics sowieso, aber sie hat sich auch die Homer-Texte vorgenommen, wie es scheint!  :respect:

 

 

Dies ist übrigens die spoilerhafte Besprechung; sie hatte am Tag davor auch eine ohne Spoiler hochgeladen.

 

P.S.: Und hier noch mein pers. längerer Eindruck, auf deutsch beim coolen Mini-Forum einer früheren Boardsäule.


Bearbeitet von yiyippeeyippeeyay, 19 Juli 2026 - 18:34.

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(auf Bing.de generierter Monolog von der Copilot-S/W - die ich hiermit NICHT bewerbe! - nach Aufforderung nach einem "s.f. quote" mit einem bestimmten Wort darin; ich ersetzte nur das 4. Wort mit "city forums")


#2 lapismont

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Geschrieben 19 Juli 2026 - 19:26

Wir waren heute früh um Acht drin und ich war überrascht.

Die Trailer versprachen mir einen tristen Kriegsfilm und ich bekam eine hinterfragende Heldenreise. Odysseus muss sich seinen Taten stellen und das funktionierte für mich sehr gut. Ein großes Imax-Epos, Nolan kann das.

 

Die Abenteuer des Odysseus gehören zu meinen frühesten Leseerelebnissen und im Gegensatz zur Illias, hab ich hier nie den Text von Homer gelesen, aber so ziemliches alles was Euripides und Aischylos an Dramen drumherum verfassten, Sophokles mochte ich nie.

Und natürlich Christa Wolfs Kassandra.

 

Dachte, Matt Damon kann mir nicht Kirk Douglas aus dem Hirn brennen, aber Nolan macht das sehr gut. Er liefert mit dem ersten Akt, den ich übelst zäh und sich ziehend empfand, genau den Humus, aus dem Matt Damon dann Odysseus wird.

 

Geiler Film, vielleicht nicht unbedingt etwas, dass ich zweimal sehen muss, aber für mich ein Meisterwerk.

 

9 von 10 Leuten, die sich die Rüstung am Hals halten.


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#3 yiyippeeyippeeyay

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Geschrieben 20 Juli 2026 - 14:53

(Cool! Das am Ende mit der "Rüstung am Hals" hab ich nicht verstanden...)
 
P.S.: Ich finde Douglas war ein ganz anderer Odysseus als hier Damon. Viel heldenhafter und tatkräftiger, immer schlau aber auch stark; der neue ist viel gebrochener, u.a. wg. der Last der vielen Toten den seine List und der Sieg hinter sich herziehen. -- Was hältst du von der These der YT-Rezensentin dass - nur via Nolans aktueller Umdeutung, also nicht Homer-konform - O. und Penelope am Ende

Spoiler
?


Bearbeitet von yiyippeeyippeeyay, 20 Juli 2026 - 15:00.

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#4 lapismont

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Geschrieben 20 Juli 2026 - 16:08

Möglich. Mit ihnen endet die Bronzeit, da würde es passen.

Im Film halten sich viele Rüstungsträger den Rand vom Hals fern, vermutlich waren sie zu eng und störten die Schauspieler.

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#5 Frank Lauenroth

Frank Lauenroth

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Geschrieben 23 Juli 2026 - 07:34

Dieser Film ist inszenatorisch einfach schwach und lieblos runtergedreht. Da hilft die Idee, die Nolan da gehabt haben mag, wenig, wenn mir die Figuren egal sind. Und sie sind es, weil der ganze Film mehr tell als show ist. Es genügt nicht, schweren Schrittes durchs Bild zu stampfen, um Bedeutung zu suggerieren. Wer den Trailer kennt, kennt den Film - mehr kommt nicht.


In memoriam Michael Szameit / Christian Weis / Alfred Kruse / Rico Gehrke                                     


#6 yiyippeeyippeeyay

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Geschrieben 24 Juli 2026 - 00:19

Zu 2 Vorwürfen des Vorposters...

 

  • "lieblos" - ich denke vieles weist auf das Gegenteil hin. Dass Nolan das Drehbuch selber verfasste und seinen Aktrizen/Akteuren sehr viel Freiheit ließ bei der Interpretation, also ab & zu "regielos" vorzugehen scheint - dies mögen Andockpunkte für so ein Urteil sein. Aber wie eine Rezi eines bekannteren US-Kritikers festhält: "[..] you remember that Nolan, whose style has often been dismissed as coldly intellectual, is one of our most emotionally driven filmmakers."

 

  • "mehr tell als show" - im Ernst? Bei den Zyklop-Szenen fand ich das sehr minimalisiert - Nolan zieht einfach eine ziemlich horrorartige visuelle Beschreibung hier durch. Auch anderswo lässt er die Bilder mehr sprechen als irgendwelche Dialoge oder Narrative. Ich fand viele Momente bedeutend und im Einklang mit der Urerzählung, die ich relativ gut kenne; mir gefiel v.a. (wie in meiner Besprechung im Miniforum nebenan, oben verlinkt) dass das Thema "xenia", also der altgriechische Knigge des Umgangs mit Gästen und Geschenken, von Nolan u.a. hervorgehoben wurde. (Ich lese gerade Frys Odyssey, und er hebt das auch hervor. Nolan deutet ja zus. noch an, dass dieser Teil-Ethos schon damals anfing abzuflauen - in heutigem geopolitischen Verhalten der alten Männer-an-der-Macht auffallend abwesend!!)

Bearbeitet von yiyippeeyippeeyay, 24 Juli 2026 - 19:00.

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#7 Frank Lauenroth

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Geschrieben 24 Juli 2026 - 06:51

Für die Fraktion meines Vor- und Nachposters:

 

 

Für die Fraktion der Enttäuschten (mich eingeschlossen):

 

 

Sucht euch was aus  ;)


In memoriam Michael Szameit / Christian Weis / Alfred Kruse / Rico Gehrke                                     


#8 Maxmilian Wust

Maxmilian Wust

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Geschrieben 24 Juli 2026 - 14:16

Ich war jetzt weder krass enttäuscht noch besonders begeistert. Und das ist gar nicht so einfach. Hierbei sollte ich vielleicht erwähnen, dass ich schon kein großer Fan der originalen "Odyssee" nach Homer gewesen bin. Ich habe sie mit 15 gelesen und schon damals für eine eher schlechte Fantasy-Kurzgeschichtensammlung mit unangenehmer Tendenz zur Vorarephilie empfunden. Ernsthaft: Bei Homer wandern so viele Menschen, nach Möglichkeit lebend, in Monstermägen, dass es bald zum Muster wird.

 

Umgeben wird Christopher Nolans "Odyssey" derzeit von einem Astroturf, der mit 2022 mithalten kann. Ihn als besten Film des Regisseurs, besten Film des Jahres und besten Film aller Zeiten zu bezeichnen, ist heutzutage keine so gute Idee. Auf mich wirken viele Vertreter der Medienpresse aktuell nur noch wie Jugendliche in den Sozialen Medien, die einfach alles zum weltverändernden Super-Event überhypen, insofern dieses oder jenes Medium halt einfach den eigenen, meist progressiven Ansichten entspricht. Gerade nachdem bei "The Acolyte" erwachsene Männer meines Alters schrieben, dass sie nicht mehr hatten atmen können oder in Tränen ausbrachen, so unfassbar gut wäre die Serie gewesen, war ich skeptisch, wenn man bei Nolans neuestem Film von einem Gottstatus spricht. Die Zuschauerbewertung von Metacritic liegt bei etwas mehr als 50%, die von Rotten Tomatoes wurde anscheinend einmal mehr als Fake entlarvt und soll wohl etwa auf demselben Niveau sein.

 

Und einer 5-6 / 10 kann ich zustimmen. Aber dazu gleich.

 

Der äußere Cast, der im Internet für so viel Furore sorgte, beschränkt sich im Gesamtwerk auf ein Minimum. Dem Persönchen Elliot Page nehme ich den antiken Krieger nicht ab, Zendayas einzige Fähigkeit besteht weiterhin darin, mit verengten Augen in die Leere zu starren, als hätte man sie aus ihrem abgedunkelten Zimmer gescheucht, und man kann sich gerne darüber streiten, ob Helena schwarz sein sollte, aber Lupita Nyong'o hat kein Gesicht, "für das eintausend Schiffe in See stechen" würden. Alle drei sind reiner Oscar und Rage Bait fürs Marketing gewesen. Sie bekommen aber so wenig Screentime, dass sie nicht wirklich stören.

 

Dass Hollywood seine Zuschauer nicht ins antike Griechenland, sondern wieder nach Los Angeles der 2020er mit matter HBO-Farbpalette führen würde, war vorprogrammiert. Das trübte ein wenig die Erfahrung. Atmosphärisch ist der Film zudem nur kaum dem Sword and Sandals-Setting zuzuordnen, sondern eher eine Mischung aus düsterem Spätmittelalter, früher Renaissance und Kitsch-Fantasy wie Dungeons & Dragons. Das war anfangs seltsam, ließ sich aber schnell akzeptieren.

 

Viele Ideen im Film sind gut umgesetzt: So sind Odysseus' Irrfahrten nun eher als Reise durch seine Psyche als denn Abenteuer zu betrachten. Die Laistrygonen als gesichtslose Hünen in Fantasy-Plattenpanzern darzustellen, war für mich eine Freude. In Homers Sage ergaben sie wenig Sinn und waren einfach nur feindselige Videospiel-NPCs ohne Agenda. Nolan hat sie exakt auf das reduziert – und das funktionierte unglaublich gut. Die Szenenarchitektur generell war wie immer exzellent und dass bei den Special Effects möglichst auf CGI verzichtet wurde, macht den Film spürbar hochwertig. Aber nicht unbedingt besser.

 

Wie in der Vorlage, so ist auch Nolans Neuinterpretation der "Odyssee" eher eine Mini-Serie aus flachen Storys, die eher als Blaupausen für Pen & Paper-Abenteuer dienen könnten. Odysseus und seine Mannen kommen irgendwo an, dort sterben einige und sie rennen zurück zu ihren Schiffen. Es wird im Allgemeinen viel gestorben, bis nur noch der namensgebende Held übrig ist. Auf das menschliche Bankett, zu dem Homer die Besatzungen gerne reduzierte, verzichtet Nolan und wo früher alle Frauen vom ersten Moment an von Odysseus besessen waren, sind sie jetzt deutlich reifer und tiefer gestrickt. Was ich gut fand. Einzig bei Kalypso hätte ich mir mehr gewünscht. Neben den Laistrygonen war sie für mich immer der beste Charakter des Epos (bis heute versuche ich, ihre Perspektive in Form einer Kurzgeschichte zu erzählen), aber das ist rein persönlicher Geschmack. Während der Rückkehr nach Ithaka hat Nolan vermutlich begriffen, dass die Sage hier einfach keinen Sinn ergibt und einen eigenen Spin gesponnen. Die Tötung der Anwerber wurde bedeutend besser inszeniert ... aber immer noch nicht auf Nolan-Level gut.

 

Und das zieht sich einfach durch den ganzen Film: Technisch-handwerklich gut gemacht serviert man eine tolle Idee, aber mager umgesetzt, wieder einen guten Einfall, aber erneut ohne echten Eindruck zu hinterlassen. Alles habe ich irgendwie woanders schon mal gesehen, oft besser, mit mehr Spannung oder Tiefe. Und das ist nicht einmal Nolans Schuld. Die Tropes der "Odyssee" sind derart oft verwendet worden, dass sie in jedem Schreibkurs als abgenutzt gelten. Gerade eben von Christopher Nolan hätte ich mir dann einfach so viel mehr gewünscht. Der Zyklop Polyphem war für mich schon mit 15 langweilig. Aus ihm haben bereits auf Reddit Autoren und -innen so unendlich viel mehr gemacht als den eindimensionalen Dark Souls-Boss nach Homer. Dasselbe gilt für die Sirenen oder die Tochter von Antiphates, dem König der Laistrygonen. Stattdessen erhält man Spurenelemente von Emily Wilson, die Homer als Incel beschimpfte.

 

Am Ende ist der Film der sprichwörtliche Brei vieler Köche, weder kontrovers, noch woke, noch emotional, noch irgendwas, aber auch nicht langweilig. Ich kann nicht einmal spaßeshalber darauf herumhacken. Nolans immenses Talent ist überall spürbar, erreicht aber nur selten die Gipfel früherer Werke. Matt Damon spielt seinen kriegsgebrochenen Odysseus hervorragend, bekommt aber so wenig Kontext, dass ich mit ihm nichts anfangen konnte. Ebenso hatte ich oft das Gefühl, dass der Film nicht weiß, was er eigentlich sein will: modern oder antik-episch, düster oder Eskapismus, eine Neuinterpretation von Homer oder ein Hassbrief an ihn. Er ist ein übliches Werk aus der modernen Sinnkrise Hollywoods, das die Diskrepanz zwischen Oscar-Bedingungen und Zuschauerwunsch zunehmend weniger zu überbrücken weiß. Nolans extreme Fingerfertigkeit half, aber ins Meisterwerk erheben konnten sie die "Odyssey" für mich nicht.

 

Danach fühlte ich mich irgendwie indifferent. Nicht enttäuscht aber auch nicht besonders beeindruckt. Eher so, als hätte wieder einen in Mayonnaise ertränkten Burger aus der Hollywood-Fast Food-Küche zu mir genommen. Ein 300 Millionen-Dollar-Megafilm, der Rekordergebnisse einspielen und alle Preise bekommen wird, die zur Verfügung stehen – aber trotzdem schon in dem Moment aus meinen Gedanken sickerte, als ich das Kino verließ.


Bearbeitet von Maxmilian Wust, 24 Juli 2026 - 14:33.

"Part Five: Boobytrap the stalemate button!"

#9 J. A. Hagen

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Geschrieben 24 Juli 2026 - 16:46

Ich habe den Film nicht gesehen, und nach den Aussagen in diesem Beitragsfaden werde ich es auch nicht tun, sondern wie bei Oppenheimer darauf warten, dass er im Fernsehen läuft.
Vielen Dank an alle, die hier ihre Meinung geäußert haben.

 

man kann sich gerne darüber streiten, ob Helena schwarz sein sollte

 

Laut Wikipedia hat des deswegen schon eine Kontroverse gegeben.

 

Meine Ansicht dazu: Wie viele der griechischen Figuren werden von Griechen oder Südeuropäern gespielt? Wie viele der Trojaner von Türken?

Die wenigsten Filme sind historisch korrekt. Aktuelle Filme werden für das Publikum von heute gemacht, und US-Filme berücksichtigen eben, dass ca. ein Drittel der dortigen Bevölkerung Schwarz ist.
 

Zurück zu Nolans Film:
Leider bestätigen einige der Aussagen hier meine Befürchtung, dass Nolan fast nur noch überambitionierte Filme dreht, die dann durch zu viel Gewicht träge werden.
Bei Dunkirk bin ich im Kino eingenickt.

Oppenheimer ist für mich ein guter Film gewesen, aber halt sehr lang. Trotzdem deutlich besser als Interstellar, Dunkirk oder Tenet.

 


  • (Buch) gerade am lesen:Samantha Shannon: The Priory of the Orange Tree
  • (Buch) als nächstes geplant:Batgirl Vol. 2: Knightfall descends
  • • (Buch) Neuerwerbung: Mark Waid/Chris Samnee: Black Widow
  • • (Film) gerade gesehen: Deadpool/Wolverine

#10 yiyippeeyippeeyay

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Geschrieben 24 Juli 2026 - 18:47

(Zum Post #8 oben... Als ich das las

 

man kann sich gerne darüber streiten, ob Helena schwarz sein sollte, aber Lupita Nyong'o hat kein Gesicht, "für das eintausend Schiffe in See stechen" würden

brach ich weiteres Lesen abrupt ab! Nyong'o nach ihrer Gesichtsform zu beurteilen ist (a) Quark (war Diane Kruger passender von der Form her?), da das ja wohl zu einem großen Teil subjektiv ist (ich finde sie umwerfend gut aussehend, wirklich eine aparte Hollywood-Mimin!), und (b) schon dehalb unpassend weil sie offensichtlich genau dort Schaden nahm so wie es im Film zu sehen ist - woher diese Riesennarbe kam, weiß man nicht, aber ich tippe auf einen eifersüchtigen Menelaos, der sicherstellen wollte dass sie niemand mehr wg. dem Gesicht raubt... (Wobei der 1000-Schiffe-Spruch ja gar nicht von Homer stammt! Eher von einem Kommentator des Urgedichts...) -- Jedenfalls hast du geschafft dass ich deine Besprechung kaum ernst nehmen kann bei derartiger Rhetorik.  :wacko:  :excl: )

 

P.S. @Frank: Ich werde mir beide YT-Videos ansehen. Vielen Dank!


Bearbeitet von yiyippeeyippeeyay, 24 Juli 2026 - 19:04.

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#11 lapismont

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Geschrieben 24 Juli 2026 - 22:36

Ich bin mit Brechts Epischem Theater groß geworden, dort ist es wichtig, Figur und Schauspielende sichtbar zu trennen, um das Nachdenken zu fördern. Für mich folgt daraus auch, dass alle alles spielen können. Die Fähigkeit vorausgesetzt. Und es ist auch völlig egal, ob ich als Kinozuschauer die Darstellerin der Helena schön finde. Lupita Nyong’o hat die Figur, wie auch Klytaimnesta für mich innerhalb Nolans Interpretation überzeugend dargestellt. Und ich kenne die Schauspielerin auch gar nicht. Das ist doch völlig irrelevant. Helena ist eine fiktive Figur, wie auch Aphrodite, die noch schöner ist. Im Film wird ja auch klar definiert, war es nicht sogar von Helena?, dass der Krieg rein um wirtschaftliche Interessen ging. Allein hier schon ist es für Nolan völlig egal, für wen Helena schön ist, denn es ist komplett wurscht. Und ja, auch ich habe ihre Narben als Menelaos Rache gesehen. Was dagegen spricht, ist ihr rebellisches Auftreten. 

 

Es gab Figuren im Film, die für mich nicht funktionierten, etwa der Barde, Telemachos und was auch immer Zendaya sein sollte. Mehr Probleme mit dem Cast hatte nicht.


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#12 yiyippeeyippeeyay

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Geschrieben 25 Juli 2026 - 00:17

 

dass der Krieg rein um wirtschaftliche Interessen ging

Exactemente. Es war ein Machtspiel der Atreiden (Agamemnon & Menelaos), um Griechenland zu einen gegen einen übermächtigen (wirtschaftlich erfolgreichen) Feind, und damit auch König der Könige zu werden (Agamemnon).

 

P.S.: Zendaya sollte Pallas Athene sein, O.s "Patin" im Olymp während des trojanischen Krieges. Allerdings wird sie hier immer in der (waffenlosen) Form der 

Spoiler
 gezeigt; Nolan spielt da m.E. mit seinem Ruf zu "realistischen" Darstellungen von Heldenwelten, insofern Athene eine Halluzination O.s sein könnte, und er (Nolan) damit doch keine Götter sichtbar vorkommen lässt im Film. (Sozusagen Petersen hommagierend.)


Bearbeitet von yiyippeeyippeeyay, 25 Juli 2026 - 01:39.

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#13 Maxmilian Wust

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Geschrieben 25 Juli 2026 - 02:44

(Zum Post #8 oben... Als ich das las

brach ich weiteres Lesen abrupt ab! Nyong'o nach ihrer Gesichtsform zu beurteilen ist (a) Quark (war Diane Kruger passender von der Form her?), da das ja wohl zu einem großen Teil subjektiv ist (ich finde sie umwerfend gut aussehend, wirklich eine aparte Hollywood-Mimin!), und (b) schon dehalb unpassend weil sie offensichtlich genau dort Schaden nahm so wie es im Film zu sehen ist - woher diese Riesennarbe kam, weiß man nicht, aber ich tippe auf einen eifersüchtigen Menelaos, der sicherstellen wollte dass sie niemand mehr wg. dem Gesicht raubt... (Wobei der 1000-Schiffe-Spruch ja gar nicht von Homer stammt! Eher von einem Kommentator des Urgedichts...) -- Jedenfalls hast du geschafft dass ich deine Besprechung kaum ernst nehmen kann bei derartiger Rhetorik.  :wacko:  :excl: )

 

P.S. @Frank: Ich werde mir beide YT-Videos ansehen. Vielen Dank!

 

Ich sagte nicht, dass ich Nyong'o hässlich fand, noch habe ich ihre Hautfarbe nicht kritisiert. Interpretiere bitte nicht irgendetwas in meine Aussagen, weil du mir Twitter-artig moralische Vorwürfe machen willst. 

 

Der Satz mit dem Gesicht und den tausend Schiffen wird wortwörtlich so im Film gesagt. Menelaos erklärt zuvor Telemachos mit bestialischem Stolz, dass er der Ehemann von Helena wäre. Anschließend fragt ihn, ob er vielleicht schon von ihr gehört hat und beantwortet die Frage ganz rhetorisch selbst, während er ihr nach ihrem Kinn greift: "Ein Gesicht, für das eintausend Schiffe in See gestochen sind. Wobei es jetzt wohl nur noch fünfhundert tun würden", fügt er hinzu und präsentiert die Narbe, die er ihr offensichtlich zugefügt hat. Tolle Szene übrigens, falls du den Film noch nicht gesehen hast. Eine der Guten.

 

Halte ich für Lupita Nyong'o trotzdem für eine Fehlbesetzung? Ja, und das darf ich. (Also, für eine Rolle, die wie lange erscheint? Vielleicht fünf Minuten?). Hat nichts mit Rasse, Geschlecht, Hautfarbe, Hass oder sonst einem Faktor zu tun, den du da zu sehen glaubst, sondern weil sie die Rolle einfach nicht überzeugend transportiert. Ich halte auch J.J. Abrams für einen furchtbaren Regisseur, Stephen King für überbewertet und russische Urban-Fantasy für einfallslos, obwohl sie doch die absolut Beste sein soll. Das nennt sich Geschmack und während wir gerne darüber streiten können, bitte ich dich, meinen zu respektieren und keinen Angriff auf persönlicher Ebene daraus zu machen. Das tue ich mit deinem auch nicht.

 

In "12 Years as a Slave" finde ich Nyong'o übrigens exzellent, dafür hat sie verdient den Oscar gewonnen, und in "The Wild Robot", einem meiner Lieblings-Cozy-Animationsfilme, ist sie ein absoluter Treffer in der Hauptrolle gewesen. Soviel zum Thema.

 

Du siehst das anders? Finde ich gut. Ernstgemeint. Nichts ist so anregend als eine andere Meinung. Lass gerne drüber reden, philosophieren oder hitzig diskutieren. Aber nicht, indem wir uns vorwerfen, schlechte Menschen zu sein, weil wir die Meinung des jeweils anderen nicht teilen.


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#14 Michael Böhnhardt

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Geschrieben 25 Juli 2026 - 10:31

Ich habe den Film gestern Abend gesehen und er hat mir sehr gut gefallen. Es gibt bessere Filme von Nolan (also Filme, die mir besser gefallen haben), und ich würde sagen, die Odyssee ist einfach kein Stoff, mit dem er wirklich seine Stärken ausspielen kann. Der Film hält sich überraschend eng an die tatsächliche Vorlage, und trotz seiner Gebrochenheit und seiner erkannten Schuld handelt Odysseus nie modern, sondern immer im Rahmen der antiken Weltsicht. 

Spoiler


Der Film ist ja sehr lang, und doch habe ich mich nie gelangweilt. Eigentlich hätte er sogar noch länger ein können. Besonders interessant fand ich die Szene mit Circe. Außerdem die Frage: Wie muss es im Innern des trojanischen Pferdes gewesen sein? Trotz seiner Ambivalenz war Odysseus für mich eine positive Figur, und man freut sich einfach darauf, dass er das Kunststück vollbringt, den Bogen zu spannen. Und auf seinen speziellen "Harfenanschlag".

Deswegen, für mich funktioniert der Film sehr gut.



#15 Jueps

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Geschrieben 25 Juli 2026 - 11:12

Ich sagte nicht, dass ich Nyong'o hässlich fand, noch habe ich ihre Hautfarbe nicht kritisiert. Interpretiere bitte nicht irgendetwas in meine Aussagen, weil du mir Twitter-artig moralische Vorwürfe machen willst. 

 

Den freud'schen Verschreiber in der ersten Zeile mal außen vor gelassen, ist es doch auch bezeichnend, in vielen anderen Filmbesprechungen *nicht* die notwendige Schönheit einer Besetzung zu thematisieren, das aber zu tun, wenn es sich um eine gesellschaftlich hochgepeitschte Besetzung durch eine Woman of Color handelt. 

Das ist das Ding mit subtileren Formen von Alltagsrassismus; er muss sich gar nicht durch "Hass oder sonst einem Faktor, den [wir] da zu sehen glauben" äußern, manchmal genügt auch die Beachtung und Ansprache von Aspekten, die man sonst vielleicht ein kleines bisschen weniger beachtet oder angesprochen hätte.


»Ich bin nicht besonders helle, und es dauert ein bißchen, bis ich etwas kapiere. Aber wenn du mir Zeit läßt, dann werde ich lernen, dich besser zu verstehen als irgend jemand sonst auf der Welt.«


#16 Michael Böhnhardt

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Geschrieben 25 Juli 2026 - 11:51

Den freud'schen Verschreiber in der ersten Zeile mal außen vor gelassen, ist es doch auch bezeichnend, in vielen anderen Filmbesprechungen *nicht* die notwendige Schönheit einer Besetzung zu thematisieren, das aber zu tun, wenn es sich um eine gesellschaftlich hochgepeitschte Besetzung durch eine Woman of Color handelt. 

Und es ist genauso bezeichnend, mit aller Gewalt einen Fall von Rassismus sehen zu wollen, wo keiner vorliegt.

 

Max hat insofern unrecht, dass Helena ja nicht wirklich eine außergewöhnliche Schönheit nach irgendeinem weitverbreiteten Schönheitsideal sein muss (und woher soll man wissen, wie dieses damals war), sondern ihr Anblick muss nur Paris dazu getrieben haben, sie zu rauben oder mit ihr durchzubrennen.


Bearbeitet von Michael Böhnhardt, 25 Juli 2026 - 11:53.


#17 yiyippeeyippeeyay

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Geschrieben 25 Juli 2026 - 14:13

Aber nicht, indem wir uns vorwerfen, schlechte Menschen zu sein, weil wir die Meinung des jeweils anderen nicht teilen.

Ich hab niemandem diesen Vorwurf gemacht. Ich kann nur eine Besprechung nicht ernst nehmen die das "Gesicht" einer Schauspielerin als nicht in der Lage einschätzt, einem Spruch der Antike gerecht zu werden, den v.a. Briten gerne zitieren, aber nicht Homer schrieb.  :closedeyes:  Von ihrer Schauspielerei war im Urpost #8 eher keine Rede!

 

Wenn dann also diese angebliche Ungenauigkeit nun benutzt wird um empört zu behaupten man habe ja gar nicht in die gleiche Kerbe gehauen, die in den Asozialen Medien und YT gerade immer, immer, immer wieder geschlagen wird - wieviel besser z.B. Sydney Sweeney gepasst hätte  :wacko: - dann ist das durchaus gewollt, denke ich, wie Boardsäule Jueps* andeutet!

 

(Persönliche) Bitte, objektiv und klar argumentieren - "das war einfach doof/unschön"-Kritiken ohne genauere Begründung interessieren mich nicht!

 

P.S. @Michael: Das mit dem "Harfenklang" fand ich auch genial. Eben kein "tell", sondern ein "show" dass es in den nächsten Sekunden zur Sache geht!

 

(* schön dich wieder mal hier zu sehen, altes Haus!  :thumbup: )


Bearbeitet von yiyippeeyippeeyay, 25 Juli 2026 - 14:20.

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Yay! KI-generiertes SF-Zitat Ende November...
"In the sprawling city forums of the galaxy, where chaos reigns and time flows differently, true power is found not in dominance, but in moderation. The wise use their influence to temper ambition with reason, and chaos with order."

(auf Bing.de generierter Monolog von der Copilot-S/W - die ich hiermit NICHT bewerbe! - nach Aufforderung nach einem "s.f. quote" mit einem bestimmten Wort darin; ich ersetzte nur das 4. Wort mit "city forums")


#18 Jueps

Jueps

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Geschrieben 25 Juli 2026 - 14:43

Wenn dann also diese angebliche Ungenauigkeit nun benutzt wird um empört zu behaupten man habe ja gar nicht in die gleiche Kerbe gehauen, die in den Asozialen Medien und YT gerade immer, immer, immer wieder geschlagen wird - wieviel besser z.B. Sydney Sweeney gepasst hätte  :wacko: - dann ist das durchaus gewollt, denke ich, wie Boardsäule Jueps* andeutet!

 

Jap, genau das meinte ich. Gepaart mit der herzlichen Ermutigung, einfach mal kritisch zu hinterfragen, wie sinn- und wertvoll der eigene Online-Beitrag zum Gesicht einer schwarzen Schauspielerin ist, wenn man ganz genau weiß, dass sich daran gerade Tausende bigotter Stimmen mit ggf. anderen Intentionen abarbeiten.

 

Ein pro-forma geäußertes "In Film XY hat sie mir aber gefallen!" (äquivalent zum Klassiker: "Ich habe schwarze Freunde, also kann meine Aussage nicht rassistisch sein!") finde ich da wenig tröstlich. Gegebenenfalls unterstützt es die Reflexion ja auch, wenn man kurz innehält und sich überlegt, wie es für eine POC-Besucherin dieses schönen Internetforums sein mag, dort in Fortsetzung der ganzen toxischen YouTube-Clips zu lesen, dass "das Gesicht von Lupita Nyong'o nun wirklich keine 1000 Schiffe zum Umkehren zwingt". Im Nu ist da die ostensibel unschuldige Intention ganz schnell entkoppelt von der erzielten Wirkung.

 

Natürlich weiß ich aber auch, dass solch ein Appell an Rücksichtnahme und Hinterfragen des eigenen Internet-Yadda-Yaddas ein müßiges Unterfangen ist, erst recht, wenn das Publikum demografisch zusammengesetzt ist wie das hiesige. Viel Freude Euch noch bei der weiteren Diskussion, ich lasse Euch dann auch wieder in Ruhe.


Bearbeitet von Jueps, 25 Juli 2026 - 14:45.

»Ich bin nicht besonders helle, und es dauert ein bißchen, bis ich etwas kapiere. Aber wenn du mir Zeit läßt, dann werde ich lernen, dich besser zu verstehen als irgend jemand sonst auf der Welt.«


#19 Michael Böhnhardt

Michael Böhnhardt

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Geschrieben 25 Juli 2026 - 15:07

Nun sind wir hier nicht in einem Asozialen Medium, sondern in einem Forum, in dem es normalerweise zivilisiert zugeht.

Eigentlich finde ich es selbstverständlich, dass jeder, der hier postet, von dem guten Willen der anderen ausgehen kann. Dazu gehört auch, dass man auch dann posten kann, dass man eine Person nicht für eine geeignete Besetzung hält, wenn sie nicht weiß ist, ohne dass einem der Untergang des Abendlandes zur Last gelegt wird. Von all den bösen Youtube-Videos zu raunen, in deren Horn man blase, ist auch keine unabsichtliche Ungenauigkeit. Es ist die Freund-Feind-Argumentation, die in dieser Gesellschaft inzwischen jegliche Kommunikation unterbindet.

 

Es geht hier um einen Film, verdammt noch mal.



 


Bearbeitet von Michael Böhnhardt, 25 Juli 2026 - 15:08.


#20 Jueps

Jueps

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Geschrieben 25 Juli 2026 - 15:37

Und genau deshalb, weil es sich um ein weitestgehend zivilisiertes Forum handelt, schrieb ich ja zuletzt meinen Appell, dass es einer diversen Leserinnenschaft ggü. rücksichtsvoll wäre, nicht auch noch die gleichen, andernorts feindselig geführten Casting-Diskussionen zu bedienen; auch nicht, wenn man diese dann -- nichts für ungut, vorgeblich -- als subjektiver Geschmack und "Man wird ja wohl noch..." framed.

 

Aber hey, auf meinen Hinweis, dass ein konkretes Verhalten indikativ für nicht hinterfragten Alltagsrassismus sein könnte, mit der Extrapolation zu reagieren, man hätte Dir den "Untergang des Abendlandes zur Last gelegt", ist ja genau das antizipierte 'Q.E.D.'  :qconfident: Spannend finde ich auf jeden Fall, dass es zumeist genau diejenigen sind, die eine "reflexartige" Correctness anprangern, deren erster und einziger Reflex immer derselbe ist -- nämlich den Anstoß zur Kontemplation als Angriff zu werten, Konzepte wie "Hass", "Gewalt" und "Feind" zu bedienen, und bizarrerweise zu behaupten, man unterbinde ihnen die Kommunikation. Then again ist es vermutlich einfach eine herausfordernde Erfahrung, wenn man eben nicht mehr ganz so widerhallsfrei wie früher die eigene Meinung kundtun und abgenickt bekommen kann.


Bearbeitet von Jueps, 25 Juli 2026 - 15:41.

»Ich bin nicht besonders helle, und es dauert ein bißchen, bis ich etwas kapiere. Aber wenn du mir Zeit läßt, dann werde ich lernen, dich besser zu verstehen als irgend jemand sonst auf der Welt.«


#21 Michael Böhnhardt

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Geschrieben 25 Juli 2026 - 15:55

Deine Intention ist "ein Anstoß zur Kontemplation"? Dann würde ich sagen, der ist denkbar unglücklich formuliert.

 

Und ich persönlich fühle mich jetzt auch nicht in meiner Möglichkeit zur Kommunikation gestört. Ich versuche eigentlich das Gleiche wie du, einen Anstoß zur Kontemplation zu liefern. Das klappt umgekehrt irgendwie auch nicht, wie es aussieht. Seltsam ...

 

Was ich auf meine Art auszudrücken versuche, ist tatsächlich, dass du genau das tust, was du der "Gegenseite" unterstellst. Aber was soll's, solange es spannend für dich ist, deine Vorurteile in den Posts bestätigt zu finden, und dies gewinnbringend genug für dich ist ...

 

Ich denke allerdings, wir sollten zum eigentlichen Thema des Threads zurückkehren, dem Film nämlich.



#22 lapismont

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Geschrieben 25 Juli 2026 - 16:00

Ich finde, ihr dreht euch im Kreis. Soll jede und jeder für sich entscheiden, ob Castingentscheidungen richtig waren. Gründe pro und contra gibt es genug. Einige davon sind persönlich, wie etwa die Befriedigung eines Schönheitsideals oder historische Genauigkeit

Überlicht und Beamen wird von Elfen verhindert.

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#23 Michael Böhnhardt

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Geschrieben 25 Juli 2026 - 16:29

Ich habe an der Casting-Entscheidung nichts auszusetzen (s.o.).

 

Wenn ich genauer darüber nachdenke, fände ich es sogar noch witziger, Helena mit einer Schauspielerin zu besetzen, die wirklich nicht unbedingt besonders schön ist (schwierig, finde mal so eine Schauspielerin). Dann wäre viel deutlicher geworden, dass es beim trojanischen Krieg eben nicht um Helena selbst ging, sondern sie nur ein Vorwand war. Und auch Menelaos wird es nicht um Helena persönlich gegangen sein, sondern um die Tatsache, dass ihm jemand seine Frau entführt hat.

 

Interessant finde ich übrigens tatsächlich die Beziehung zwischen Menelaos und Helena nach dem Krieg. Sie wirkten wie ein altes, keifendes Ehepaar, und Helena keinesweg wirklich verängstigt. Das passt nicht ganz zu ihrem verunstalteten Gesicht.

 

Und wenn wir von historischer Genauigkeit reden: Zwanzig Jahre war Odysseus fort. Wie alt muss Penelope also gewesen sein und wie wird sie zu dieser Zeit dann ausgesehen haben?


Bearbeitet von Michael Böhnhardt, 25 Juli 2026 - 16:29.


#24 Michael Böhnhardt

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Geschrieben 25 Juli 2026 - 18:32

Hier habe ich eine etwas intellektuellere Besprechung zu Ähnlichkeiten zwschen Homers Odyssee und Nolans Version gefunden:

 


Bearbeitet von Michael Böhnhardt, 25 Juli 2026 - 18:32.


#25 Michael Böhnhardt

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Geschrieben 26 Juli 2026 - 08:00

Ich habe mir inzwischen das oben verlinkte Video der MovieAmphs angesehen. Sie sind gar nicht mal so gehässig wie sonst, man merkt, dass sie Nolans andere Filme mögen.

 

Sie bringen ein paar gute Punkte, aber man kann eigentlich alles wegdiskutieren, allerdings meist nicht, ohne zu spoilern.

 

Einen Punkt möchte ich aber doch herausgreifen: Odysseus soll doch so ein schlauer Stratege und Schlauberger sein, wie kommt es dann, dass er nicht bedacht hat, dass das trojanische Pferd mehrere Male durch die Flut überspült werden wird und deshalb die Männer, die besonders ungünstig platziert sind, ertrinken werden?

 

Tut mir Leid, aber das passiert ständig. Wenn es eine Lektion gibt, die das Leben lehrt, dann die, dass man bei allen schlauen Plänen immer von allen möglichen Offensichtlichkeiten kalt erwischt wird, bei denen man sich fragt, wie man sie denn bloß beim Pläneschmieden hat übersehen können. Man kann, wenn einem danach ist, diesen Teil des Filmes durchaus als subversive Kritik an progressiver Weltverbesserung lesen. Muss man aber nicht.



#26 Stephan

Stephan

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Geschrieben 29 Juli 2026 - 22:32

Ich habe den Film heute auch gesehen und fühlte mich gut unterhalten.

 

Prinzipiell war es schon spannend, was so an Effekten und Kameratechnik heute möglich ist. 

 

Ich hab mir beim gucken immer versucht in Erinnerung zu rufen, das es kein Historienfilm sein soll, sondern eine Sage, also eher ein Fantasyfilm. Dann funktioniert es auch ganz gut.

 

Trotzdem war ich immer versucht ihn in einem Kanon mit andern Schinken dieser Art, wie etwa 300, Gladiator oder Troja zu sehen.

 

Ganz persönlich bevorzuge ich ja Kino, dass leise und still erzählt und finde es extrem störend das Kinofilme der letzten 30 Jahre permanent ihr Tonniveau und ihre Lautstärke von Flüsterleise ins unermesslich Laute ändern und zwischen beiden Extremen hin und her pendeln. 

 

Naja aber ich steh auch eher auf Schwarzweißfilme. Mit dieser Vorliebe im Hintergrund würde ich kritisieren, das mir die Inszenierung ein wenig zu actionlastig war. Also gefühlt gingen einige Kämpfe einfach ewig, während die wichtigen Szenen, in denen Dialoge, Entscheidungen und Abwägungen stattfinden (sollten), viel zu kurz kamen.

 

Ich weiß es geht bei dem Epos um so viel, um den Kampf um Troja, die Thronfolge im Heimatland pipapo. Was ich an der Odyssee aber eigentlich mag ist das Phantastische. Mir gefällt das Setting von Odysseus als Seefahrer auf seinen Irrfahrten. Das Wechselspiel mit seiner Crew, die er versucht zu beschützen und mit der er interagiert und dieses ganze Ding mit dem Schiff und der Schifffahrt (also quasi als antike Version einer Raumschiffreise). Das kam hier in dem Film etwas kurz. Die Scherereien am Hof, die Ränkespiele unter den Freiern und der Dienerschaft sind mir ziemlich egal. Aber das ist auch nur mein persönlicher Fokus.

 

Christopher Nolan hätte von mir aus auch einige wundersame Stationen auf der Irrfahrt hinzuerfinden können. Das hätte der Reise gut getan.

 

Toll fand ich die Erkenntnis am Schluss, was es mit den "Völkern von der See" auf sich hat. Das war gut gemacht.

 

Insgesamt ein guter Film.

 

 

P.S. die letzte große Kampfszene grenzte schon fast an Slapstick.. "Nehmt die Schwerter! äh  Nehmt die Schilde! Äh, nehmt die Speere"   

 

P.P.S. zu eurer Schauspieler*innendiskussion oben, kann ich nur anmerken, dass die eine Youtube-Rezension, die Frank Lauenroth oben verlinkt hat, nicht ganz unrecht hat. Also ich bin sehr schlecht im Erkennen von Schauspielern etc und ich hab nicht mal gerafft dass das Matt Damon ist, bis es mir hinterher gesagt wurde und es mir wie Schuppen von den Augen fiel. Aber ich habe auch die beiden neuen Dune-Filme im Kino gesehen. Und als ich eben aus der Odyssee kam, habe ich zu meiner Begleitung gesagt "Eay, zwischendrin kam mir das vor wie Dune" und da wurde mir erst gesagt, dass die eine Schauspielerin, die die Göttin Athene spielt, auch in Dune eine Rolle hat und meine Assoziation unterbewußt wahrscheinlich dadurch erzeugt wurde.


Bearbeitet von Stephan, 29 Juli 2026 - 23:06.

Mein Blog über Science Fiction: www.ostinspace.blog  :)

  • (Buch) gerade am lesen:"Mythen, Monster und Manien" von Ian Watson
  • (Buch) als nächstes geplant:"ZOI" von Jane Mondrup
  • • (Buch) Neuerwerbung: "Athos 2643" von Nils Westerboer

#27 Rezensionsnerdista

Rezensionsnerdista

    Yvonne

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Geschrieben Heute, 05:42

Guten Morgen :-)

 

Ich habe mir eure Kritiken angesehen, denn auch ich habe den Film jetzt gesehen (Heureka, sogar mit Mann und ältestem Kind und für teures Geld das jüngere Kind in der Zeit der Babysitterin überlassen, was ich seit dem letzten Joker-Film nicht mehr gemacht hatte).

 

Ich bin recht nah an Michael Böhnhardt Einschätzung: Guter Film aber Nolan hatte bessere. (MIr fehlt z. B. der unaufdringliche Humor aus Inception). Im direkten Vergleich zu meinen All-Time-Favourites wie Herr der Ringe stinkt der Film ab, aber es ist auch schwierig. Die Vorlage ist nun mal eher episodenhaft. Wurde schon erwähnt, oft läuft es eben so:

Land in Sicht, Hurra! Aussteigen, merken, dass man in massiver Lebensgefahr ist und panisch (und stark dezimiert) zu den Schiffen zurück rennen. Trotzdem spannend waren die Inseln mit dem Zyklopen und mit Circe (oder Kirke), wenn auch beides sehr sehr eklig war (ich habe teilweise die Augen geschlossen, das Kind natrlich nicht).

 

Die Helena fand ich super. Sie hatte zwar nur zwei wirkliche Szenen (es gab mindestens eine dirtte, die aber icht so beeindruckend war) und ich fand sie sehr stark, wahnsinnig viel Charakter, eine gewisse Unheimlichkeit. Da stinkt doch die Diane-Kruger-Helena ziemlich ab. 

Und der Cast war ja ansonsten recht weiß - auch nicht sehr türkisch oder griechisch, insofern war es ja so oder sonicht "historisch". Und mit Matt Damon als Odysseus hatte ich irgendwie auch kein Problem.

 

Beeindruckend auch Robert Pattinsons Mut zur Hässlichkeit, ich habe später gegoogelt, was alles unternommen wurde, damit er so fürchterlich aussieht und unsympathisch wirkt (das Kind hat "Cedric Diggory" nicht erkannt!).

 

Ein bisschen mehr hätte ich spüren wollen, wie Odysseus seine Mannschaft liebt und schätzt, das merkte ich mehr oder minder nur bei seinem zweiten Befehlshaber, dem er ja mal explizit das Leben gerettet hat. Der Rest war dann letztendlich doch nur Kanonenfutter, zumindest wirkte das zu oft so auf mich.

 

Elliot Page war doch nun wirklich großartig besetzt! Klar, Sinon war noch jung, als er das Los bekam, das ein anderer gezogen hatte, nach 10+ Jahren könnte er auch zu einem breitschultrigen Krieger herangewachsen sein. Aber gerade dass er das nicht ist, dass er weiterhin kleiner und schmaler (hier sicher auch absichtlich so inszeniert, der Schauspieler ist ja durchaus durchtrainiert), macht den Eindruck ja noch besser! Hier wurde jemand in den Krieg geschickt, der eigentlich noch zu jung gewesen ist. Das macht die ganzen Szenen und en Teilplot um ihn und das Los "die Schande" ja noch glaubwürdiger.

 

Insgesamt hat Nolan offenbar sein Bestes getan, um ein stimmiges Gesamtwerk zu schaffen, in das er die Episoden einbettet. Durch das nicht ganz chronologische Erzählen, die Seitenhandlung um Telemachos und das nachträgliche Erinnern mit Kalypso bekam der Film einen Rahmen. Ganz weg bekomme ich das Kurzgeschichten-Feeling leider nicht, habe aber auch keine bessere Idee, die Odyssee ist nun mal so wie sie ist.

 

Großartig die Erzählung vom Innern des Pferds, ich hatte mir nie klar gemacht, wie lang die da drin sind und wie gefährlich es schon im Innern war (hätte man das Pferd nicht weiter von der Flut entfernt aufstellen können?) Auch, dass es natürlich keine Toiletten im Pferd gibt und wie man da drin agieren muss. (Ich hatte es mir wohl eher auf Rädern und etwas weniger wacklig vorgestellt, so war es aber eindrucksvoller als im Ilias Film von 2006).

 

Insgesamt sehr laut, sehr brutal, teilweise unnötig brutal. Ein paar Dinge waren toll vorbereitet, wenn auch etwas on the nose (der sterbende Hund, der auf seinen Herrn wartet, der Bogen). Ein paar Kämpfe waren schön choreographiert.

 

So spannend wie der Zyklop, Kirke oder das trojanische Pferd von innen war der Film insgesamt dann doch nicht. Die Rahmenhandlung meine ich. Da hat Inception die Nase doch vorn.

 

Nun, was will ich denn, wenn eine Geschichte ca. 3000 Jahre nach Erscheinen immer noch die Massen in die Kinos lockt, wird schon einiges richtig gemacht worden sein.


Ehemals rezensionsnerdista.de findet sich nun bei https://yvonnetunnat...free.com/blog/ 




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