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[Kurzgeschichtenlesezirkel] Uwe Post - Blumen für Lisa-9


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9 Antworten in diesem Thema

#1 Mammut

Mammut

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Geschrieben Heute, 09:36

Der Deutsche Science-Fiction-Preis 2026 für die beste Kurzgeschichte geht an:
»Blumen für Lisa-9« von Uwe Post, erschienen in »EXODUS 49«, herausgegeben von René Moreau, Heinz Wipperfürth und Hans Jürgen Kugler, Eigenverlag René Moreau, ISSN 1860-675X

DSFP 2026 – Die Preisträger – Deutscher Science-Fiction-Preis (DSFP)

 

Beim KLP 2026 landete sie auf Platz 2: KLP 2026 Beste Erzählung

 

Die Story kann hier online gelesen werden:

Kurzgeschichte: Blumen für Lisa-9 – Uwe Post

 

 

Die Geschichte von Uwe haben wir im offenen Lesezirkel besprochen, das findet sich hier:

Lesezirkel für die DSFP-nominierten Kurzgeschichten aus 2025 - Offener Lesezirkel - SF-Netzwerk

 

Für die Historie der vorgestellten Kurzgeschichten stelle ich das hier nochmal ein. Vielleicht liest die Geschichte ja auch noch jemand zusätzlich. Die bisherigen deutschsprachigen SF Kurzgeschichten finden sich hier:

Deutsche SF Kurzgeschichten Lesezirkel - Offener Lesezirkel - SF-Netzwerk

 

Hier meine Meinung aus dem Lesezirkel:

»Blumen für Lisa–9« von Uwe Post ist eine Geschichte ohne Geschichte. Die eigentliche Story (Junge bekommt Androidin als Schwester und die Eltern trennen sich, am Ende stirbt der Vater) ist eigentlich nichts.

Aber diese nicht Geschichte dient als Spiegel für diverse Themenkomplexe:

Kann eine Maschine ein richtiger Gefährte sein? Ist eine Sexpuppe das richtige für einen Teenager, der damit seine ersten sexuellen Erfahrungen macht?

Aber es sind natürlich auch die Zwischentöne, die es ausmachen.

Hat der Vater mit Lisa9 Sex oder sind das nur Gerüchte? Ich habe die Geschichte jetzt an den entsprechenden Stellen nochmal gelesen und es kann nicht eindeutig beantwortet werden. Im Text findet man da nur Mutmaßungen. Es wird dem Vater vorgeworfen (Brief von Anonym und auch Timo vermutet das). 

Man kann auch darüber sinnieren, ist es schlimmer, wenn der Vater seine Gelüste an der Maschine abreagiert als der Heranwachsende? ist da ein qualitativer Unterschied?

Wie der Vater im Gespräch sagt, ist es eigentlich für Timo das gefährlichere Szenario, denn wenn er nichts anderes kennt, als die körperliche Liebe zu einer Maschine, wird er jemals eine richtige Beziehung eingehen?  Der vierzehnjährige Timo hat kein wirklich schlechtes Gewissen weil er sich mit der Maschine vergnügt hat. Er hat nur Angst davor, was die Leute von ihm denken.

 
Die Mutter erscheint mir auch ein wenig unmotiviert. Ihre Beweggründe werden außen vor gelassen. Aber eigentlich auch beim Vater. Alles, was in der Geschichte passiert, wird nicht begründet: Warum Lisa9 zur Familie kommt. Warum die Eltern sich auseinandergelebt haben (so war es ja von Anfang an und die Idee liegt nahe, Lisa9 soll als Ersatz für die Eltern dienen) und sich jemand anders gesucht haben, aber weiterhin Familie spielen.

 

So dient die Geschichte dazu, sich mit den diversen Themen, die vorkommen auseinanderzusetzen, ohne dass die Geschichte selbst in irgendeiner Form Stellung bezieht. In dem Sinn spielt die Geschichte mit dem Thema Pädophilie, es kommt aber selbst keine vor. Wie man aber die Sache sieht, das hängt vom Betrachter selbst ab. Der Text lässt das offen und diese Offenheit ist meines Erachtens auch seine Stärke.

 

 

Ein Interview mit dem Autor: Uwe Post - DSFP Gewinner 2026 (Interview)


Bearbeitet von Mammut, Heute, 09:40.


#2 Stahlelefant

Stahlelefant

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Geschrieben Heute, 11:29

Die Geschichte bekommt von mir die volle Punktzahl. Danke an den Autor, dass er sie kostenfrei ins Netz gestellt hat :)

 

Als größte Stärke sehe ich, dass der Leser (bzw. zumindest ich) Mitgefühl für einen Automaten entwickelt. Wenn der Automat so aussieht wie ein Mensch, so redet wie ein Mensch, sich so verhält wie ein Mensch, dann macht er offensichtlich den Eindruck, ein fühlendes und schützenwertes Wesen zu sein. Wirklich gut ausgedacht und geschrieben.

 

@ Mammut: „Nicht-Geschichte“: Kann man vielleicht so sehen, aber von einer KG erwartet man doch normalerweise keinen komplexen Plot. Du schreibst ja auch selbst, dass die Offenheit eine Stärke ist. Und die Vorgeschichte kann man sich doch einigermaßen selbst ausmalen, also dass die Eltern sich (aus bestimmten Gründen) auseinandergelebt haben.

 

Ein Mini-Kritikpunkt … wurde wahrscheinlich in dem anderen Thread schon angesprochen, aber den hatte ich nur flüchtig verfolgt wg. möglichen Spoilern … die Schüler hänseln Lisa-9. Lisa-9 kommt aus Korea und war zuvor bei einer koreanischen Familie. Hier wäre es doch sehr naheliegend, dass sie Mandelaugen hat, und das wäre doch etwas, was die Schüler mit höchster Wahrscheinlichkeit aufgreifen würden, um Lisa-9 zu diskrimieren. Sie könnten ihr ja „Thai-Schlitz“ oder sowas hinterherrufen. Aber wie gesagt, dass ist nur ein Mini-Kritikpunkt, der den sehr guten Gesamteindruck nur ganz minimal schmälert.


Nautron respoc lorni virch.

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#3 Frank Lauenroth

Frank Lauenroth

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Geschrieben Heute, 11:59

Meine Meinung hat sich auch nochmaligem Lesen nicht verändert:

 

https://scifinet.org...e-3#entry467905

 

Aber ... vieles war mir noch sehr präsent und das zeugt von der Güte der Idee und Umsetzung.


† In memoriam Michael Szameit / Christian Weis / Alfred Kruse / Rico Gehrke                                                           -- BLACK ICE -- WHITE FIRE -- AURORA -- die CORONA-SAGA ist ab November komplett !                                     


#4 rostig

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Geschrieben Heute, 12:01

re Stahlelefant: Koreaner und Japaner lieben Kunstfiguren mit großen, runden Augen (siehe auch Manga) also hatte Lisa möglicherweise solche.


Bearbeitet von rostig, Heute, 12:02.


#5 Stahlelefant

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Geschrieben Heute, 12:05

re Stahlelefant: Koreaner und Japaner lieben Kunstfiguren mit großen, runden Augen (siehe auch Manga) also hatte Lisa möglicherweise solche.

Ich hatte auch den Gedanken: Vielleicht hat sie ja westliche Augen, weil das aus irgendeinem Grund gerade populär ist in Korea. Aber das wäre dann zumindest eine Erwähnung wert gewesen. Denn sonst kommt einem der Gedanke mit den Mandelaugen und die Frage bleibt ungeklärt. Also bleibt leider mein Mini-Kritikpunkt. Soll aber wirklich keine Mäkelei sein, ist ja nur ein kleines Detail.


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#6 Mammut

Mammut

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Geschrieben Heute, 12:15

@ Mammut: „Nicht-Geschichte“: Kann man vielleicht so sehen, aber von einer KG erwartet man doch normalerweise keinen komplexen Plot. Du schreibst ja auch selbst, dass die Offenheit eine Stärke ist. Und die Vorgeschichte kann man sich doch einigermaßen selbst ausmalen, also dass die Eltern sich (aus bestimmten Gründen) auseinandergelebt haben.

 

Das war kein Kritikpunkt. Nur mal so am Rande erwähnt.



#7 Stahlelefant

Stahlelefant

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Geschrieben Heute, 12:17

Das war kein Kritikpunkt. Nur mal so am Rande erwähnt.

Ach so, sorry, dann hatte ich das falsch aufgefasst.


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#8 Mammut

Mammut

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Geschrieben Heute, 12:26

Ach so, sorry, dann hatte ich das falsch aufgefasst.

 

Das hatte ich aber im Kontext oben so geschrieben. Wieso hast du das so aufgefasst?



#9 Stahlelefant

Stahlelefant

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Geschrieben Heute, 12:43

»Blumen für Lisa–9« von Uwe Post ist eine Geschichte ohne Geschichte. Die eigentliche Story (Junge bekommt Androidin als Schwester und die Eltern trennen sich, am Ende stirbt der Vater) ist eigentlich nichts.

Aber diese nicht Geschichte dient als Spiegel für diverse Themenkomplexe:

 

Hat sich für mich folgendermaßen gelesen: Erst die Kritik (bzw. die negativen Aspekte) (hier: Geschichte ohne Geschichte), dann kommt das Aber, also die positiven Aspekte. Wäre ja kein ungewöhnlicher Aufbau für eine Rezi, oder?

 

Keine Ahunng, ob es meine Schuld war, dass ich es falsch aufgefasst habe, oder ob es wirklich leicht falsch aufzufassen ist. Jedenfalls hattest du es schon klargestellt, und ich hatte mich schon entschuldigt :)


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#10 Mammut

Mammut

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Geschrieben Heute, 13:38

Ah, okay. Solche Missverstände lasseb sich wohl nie ausschliessen. Da hilft die Kommunikation, wie von uns gemacht, ja zur Klärung immer.

Bearbeitet von Mammut, Heute, 13:38.



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