Danny, ein Missgestalteter aus den Niederungen der Zukunft, will vorwärts kommen und spart sich als Laufbursche einen neuen Cyborg-Arm zusammen. Er bekommt einen leistungsfähigen Prototypen, der gleich darauf seinen Marktwert erhöht: er wird eingeladen an einem größeren Projekt mitzuarbeiten: die Befreiung unbekannter, aber extrem attraktiver Wesen, für einen anscheinend interessierten Käufer. Diese Wesen sind im hoch gesicherten Trakt eines Corporate Giant Wolkenkratzer eingeschlossen. Danny und seine Chefin Vic, Händlerin für alle Fälle, brechen dort ein und befreien mehr oder minder ungewollt die Wesen, die beim Abschied die Spezialausrüstung des Armes gleich mit sich nehmen. Da es sich für alle Beteiligten um eine delikate Situation handelt, kommen Vic und Danny noch mal davon.
Diese Novellette von 30 Seiten ist im allgemeinen nach meinem Geschmack, aber nur mittelmäßig ausgeführt. Sehr gut und farbig ist wieder das Setting der "Bodensatz-Kultur". Auch Plot und Rhythmus sind gut. Grundsätzlich überarbeitet werden müsste der Mittelteil mit dem Einbruch. Da findet zu viel des Erzählens und zu wenig des Zeigens statt. Eine (Vic) erklärt dem Anderen (Danny), was gerade abläuft, das Ganze ist aber an den Leser gerichtet. Im Amerikanischen wird das
Infodump genannt. (Eh, Captain, wir nähern uns jetzt dem Planeten Omikron, der ja, wie sie sicher wissen, 3 farbige Ringe und 10 verschiedengroße Satelliten hat). Aaaaaarrrrgh! Dies wird ohne Ende beim Einbruch praktiziert! Ein echt peinlicher Anfänger-Fehler.
Dann gibt es das Problem des Non-Konfliktes. Wir haben Action und das ist gut so, aber wir haben keinen wirklichen inneren Zwist bei Danny. Zwar wird versucht, durch die ständige Wiederkehr von "don†™t take it personally" im Zusammenhang mit seiner harten Kindheit/Behinderung einen Konflikt zu
fabrizieren, den ich persönlich aber nicht abnehme, denn wir haben Danny nie in einer Situation gesehen, die einen diesbezüglich relevanten Impact gehabt hätte. Es ist nur ein künstlich aufgesetzter Scheinkonflikt, der ungefähr so interessant ist wie warme Milch.
Dialog: Da sind mir hin- und wieder Kleinigkeiten unangenehm aufgestoßen, wie zum Beispiel ironische Witzchen für das informierte Publikum:
†¦ cooking (it was said one of the higher-ups in the organization had fixated on old footage of someone named Julia Child).
In dieser Geschichte kommt das für mich nicht witzig, sondern als aufgesetztes Attachment. Davon gibt es mehrere.
Dann gibt es immer das Problem, wie Sprache in einer nicht allzu fernen Zukunft sein könnte. So wie heute? Wohl kaum. Bei
Rock On hat mich rein gar nichts gestört, aber hier denke ich mir:
Actually, it was just grossing me out," Danny confessed
...ob wohl Sprüche der 90er Jahre immer noch in 40 Jahren aktuell sind?
Auch so etwas, wie hier am Schluss, finde ich unsauber:
"Come on," he said, and almost tried to walk through the door before he remembered.
Na klar, sie sind zwar erst einmal in ihrem Leben durch Wände gegangen, aber haben das schon total verinnerlicht, ne?
Daran kann man sehen, dass schriftstellerische Qualität nicht notwendigerweise mit dem Alter zunimmt. Aber es gibt ja 2 Autoren bei dieser Geschichte und vielleicht war das der Pferdefuß.
Ich sehe ein gewisses Potential für eine Teenager-Serie: Vic, Danny und Jeremy in immer neuen Abenteuern.
@Rocky
Das Leben ist zu kurz ums zu verschwenden, durch Nutzloses und Langweiliges zu lesen.
Uih, das ist hart. Stell Dir vor, Du hättest erst eine doofe Geschichte Deines Lieblingsschriftstellers gelesen und ihn dann nie kennen gelernt...
Oscar Wilde sagt:
Alle Kunst ist unnütz.
Also, ich sag mal wie ich's mache. KGs sind gut zum Kennenlernen einer Autorin. Jeder hat bei mir 3 Chancen, dann weiß ich ungefähr, ob's mir liegt. Nun kann es natürlich sein, dass Folgendes geschieht: 2 Stories, die zwar gut sind, ich persönlich aber überhaupt nicht leiden kann, und eine dritte, die halbwegs okay ist (so geschehen bei Michael Swanwick). Deshalb werde ich vielleicht nicht NIE wieder eine Story von ihm lesen, aber bis ich was von ihm lesen werde, kann schon noch viel Zeit vergehen.
@Yippie
Hübsche Zusammenfassung, Yippie.
Ich plädiere dafür alle Cadigan-KGen in diesem einen Thread zu platzieren
Ich auch, dann sind wir schon zwei!
Das ist ja eine der Kernideen der Story - die Aliens sind irgendwie Quanten-"Surfer" oder so, die einem Zuschauenden das zeigen was dort gerade sein KÖNNTE. Danny sieht also lauter Leute die er kennt, oder die Mädchen... Diese Wesen SIND die Aliens, die "Engel" die innerhalb dem Stahlgebäude gefangen waren, und nur ins Freie müssen um eine Chance zu haben, zu entkommen.
So seh ick det, jedenfalls!
Ick ooch. Es kann sogar sein, dass die Aliens nur beschränkt einsatzfähig sind innerhalb des Gebäudes, aber der mysteriöse Käufer, der Super-Arm-Deal, das Wetter usw. auf ihr Konto gehen und sie somit sich selbst alles haben bringen lassen, was sie brauchten.
Impala