Ich hab in den letzten Tagen die Threads hier nicht gelesen, da ich einen frischen Eindruck vom Film, der jetzt auch in
unserer DB eingetragen ist, haben wollte. Heute (ehm, gestern) war's so weit, und ich lasse den ewigen "Buchvergleich" hier mal weg, da ich ihn im
Geschwister-Thread zu den Comics reingeschmuggelt habe.

Also erstmal mein Eindruck vom Film an sich (also Vorkenntnisse außer den 2 anderen Filmen ignorierend - Achtung, SPOILER folgen!):
Ich fand der Film ging so. Es gab überraschende/bemerkenswerte Szenen. Das mit dem "Heilmittel" ist m.E. ein Trick um den Plot auf bestimmte Extreme hin zu steuern UND bestimmte Konflikte einfacher zu gestalten (ein echtes Gegenmittel der Menschen ggü. ihren "Fitteren" Nachkommen); aber der ist ja angeblich gar nicht so neu, da von Whedon in einer X-Men-Seitenlinie schon mal vorgeführt. Dass Jean Grey in Wirklichkeit so ein Vulkan ist ("Mutant 5. Klasse" - klingt ein wenig zu sehr nach Rollenspiel!), wirkt auch extrem; die Phoenixseite ist hier NUR noch dunkel - für mehr war wohl keine Zeit. Mir gefielen allerdings die Räume die der Film Storm und den jüngeren Mutanten gab.
Dieses melodramatische Ende der Phoenix kam mir auch etwas hoch, musste das sein? (Aber, auf die Comics schielend, Melodrama war ja wohl immer ein Kern der X-Men-Geschichten.) Jetzt ist sie also schon wieder hin, zusammen mit ihrem Mentor, und ich kann mir nicht vorstellen wie die beiden wieder auferstehen können sollen. Macht Platz der Jugend, Oldies!
Geärgert hat mich das CGI: Die Phoenix-Verwandlung war zu Buffy-haft! Blörx. Dann diese Verpixelung ihrer menschlichen Opfer - hey, Menschen bestehen zu 80% aus Wasser! Ein bisschen blutiger wär's realistischer gewesen. Dass CGI-Effekte so extrem eingesetzt wurden, ist neu in diesem Film - vielleicht fehlt doch Singers Zurückhaltung? Gut gefiel mir allerdings die "Befreiung" von Mystique.
Außerdem ärgerlich waren die ethischen Lücken. Nicht nur metzelt Wolverine so frei wie immer herum, es wurde auch kaum ein Wort darüber verloren, dass ein Mutantenkind als Quelle, also praktisch als Zuchttier, benutzt wird um das "Heilmittel" her zu stellen; es wird ausdrücklich erwähnt, dass ohne das Kind kein Stoff produziert werden kann - deshalb wird es ja auch, passenderweise auf Alcatraz, gefangen gehalten. Mr. McCoy kündigt dann auch nicht deswegen (sondern weil die Menschen den Stoff als Defensivwaffe einsetzen wollen - m.E. eh eine logische Entwicklung, die das Happyend-Miteinander am Filmende erst möglich macht). Und dann stehen Mutanten (u.a. auch eine der Heldinnen) Schlange, sich den derart gewonnenen Stoff spritzen zu lassen?

Fazit: Ein etwas maues schachspielartig-kaltes Ende der Trilogie, mit einigen positiven Höhepunkten. Meine Bitte an Hollywood, auch bei Filmen für jugendliche Zielgruppen: Lasst die SchauspielerInnen wieder mehr ran, und setzt CGI spärlicher ein!
Jetzt lese ich mal die obigen Posts...
@Martin: Wieso wurde der Prof. wiedergeboren? Hab ich da was verpasst? Ansonsten stimme ich dir im G&G zu. Die "Ultras" sind übrigens m.E. nur die Mutanten, die ihren Unterschied nicht als Irrweg empfinden und auf die Namensgebung "cure" (wie heißt das Mittel in der dt Synchronisierung eigentlich?) reagieren. Aber klar sollten sie jedem Mutanten die Entscheidung selbst überlassen, wenn das Mittel erstmal auf ethischerem Wege hergestellt wird (s. mein Kommentar oben). Dass Wolverine inzwischen die "Stimme der Vernunft" geworden ist, finde ich Ok - das passt zu seiner immer stärker werdenden Bindung an die sesshaftere (Schul-) Gemeinschaft.
@Rusch: Ich fand's auch gut, dass der Engel (der übrigens mit Nachnamen Worthington heißt) dabei war. So ein kleiner Subplot der neben her läuft, um immer wieder mal den Hauptablauf zu treffen, wie man es ja auch aus den Comics kennt. Und jetzt sind immerhin alle Ur-X-Men in den Filmen vorgekommen, wenn auch einige gleich wieder Adieu gesagt haben.
P.S.: Ich halte vom "Heilmittel" übrigens aus wissenschaftlicher Sicht wenig. Die "X-Gene" wirken also etwa so wie Strahlung, sie man nur abdecken muss? Hat es je ein Gen gegeben, das so wirkt? Und wenn die Gene aller Zellen durch die Spritze umgebaut werden, würde das doch sicher sehr lange dauern, und doch wohl das ein oder andere Mal eher einfach Krebs verursachen? Dass Gene langsam wirken, also zumindest über Jahre wenn das Wesen heran wächst, haben die Marvel-Texter eh nie verstanden. Am krassesten war das im Film zu sehen in der Szene mit der menschlichen Hand, die innerhalb weniger Sekunden unter dem blauen Fell zum Vorschein kommt (und kurz danach wieder zurück).
Bearbeitet von yiyippeeyippeeyay, 05 Juni 2006 - 00:47.