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Alpha O'Droma: Der EINS-Zyklus


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#1 ShockWaveRider

ShockWaveRider

    verwarnter Querulant

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Geschrieben 04 Februar 2005 - 13:01

Ein Komet befindet sich auf Kollisionskurs mit der Erde. Er hat etwas seltsame Eigenschaften. So besteht er aus Myriaden von Zellen, Algen vergleichbar. Kurz vor der Erde zweiteilt er sich und streift sanft die Gegend nördlich des nördlichen Polarkreises. Die Auswirkungen auf die dort lebenden Menschen sind ungewöhnlich. Alle träumen sie vom großen Einssein und davon, dass alles mit allem verbunden ist. Robbenjäger können keine Robbenbabies mehr erschlagen, Holzfäller keine Bäume mehr fällen - kurz: die Region ist von einer Erleuchtungsepidemie befallen. Freimaurer und andere Geheimbünde, denen das nun gar nicht in den Kram passt, finden sehr schnell die Ursache heraus: Erleuchtung wird durch einen Duftstoff übertragen. Aber es gibt es einfache „Heilung“: eine weltweite Grippeepidemie, die von den genannten Organisationen auch bald lanciert wird. Dies ist die Geschichte von Thor Becker, einem deutschen Lebenskünstler, der u.a. in tibetanischen Klöstern verkehrt. Er nutzt die Börsenturbulenzen vor der Begegnung mit EINS, um ein Vermögen zu verdienen. Danach ist er anscheinend der einzig übriggebliebene Infizierte. Die CIA bläst zur Jagd. Die Verfolgungsjagd führt von Finnland über Deutschland, Nepal und Indien. Dabei begegnen wir auch esoterischen, mystischen aber auch höchst weltlichen Zusammenhängen, die uns der Autor mit gekonnter Ironie nahe bringt. O†™Droma überzeugt durch aberwitzige Details, routinierte Erzähltechnik und liebenswert gezeichnete Figuren. Souverän streut er ironisch überzeichnete Betrachtungen über esoterische, mystische aber auch wissenschaftliche Traditionen ein. Allerdings macht er sich niemals darüber lustig. Dabei schreckt er weder vor unterhaltsamen Astralreisen noch vor den Freuden des Nirvana zurück. Kharmische Verstrickungen mit einem nepalesichen Polizeihund reichen zurück bis zu den napoleonischen Kriegen. Mit Alpha O†™Droma wächst ein außergewöhnlicher Schriftsteller heran. Er hat nicht nur etwas zu sagen, er kann auch sahnemäßig gekonnt schreiben. Auf lockere und unterhaltsame Weise transportiert er wichtige Botschaften. Freunde von Indiana Jones und Verschwörungstheorien kommen voll auf ihre Kosten. Bislang sind die ersten beiden Bände des EINS-Zyklus erschienen: EINS - Die Ankunft (nominiert für den Deutschen Science Fiction Preis 2004) EINS - Die Entscheidung Im zweiten Band lernen wir die schwedische Ärztin Anna Anderson kennen, die auf der Flucht vor malayischen Rebellen unserem Helden Thor begegnet. Der dritte Band EINS - Der Mutant ist bereits angekündigt. Nähere Informationen und Bestellmöglichkeiten gibt es auf der Homepage des Autors. Wer sich am ketzerischen Eingangsbild stört, der kann auch direkt hier klicken. Viel Vergnügen mit EINS wünscht Ralf

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#2 Dave

Dave

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Geschrieben 08 Februar 2005 - 11:32

Wie jemand im dortigen Forum habe ich mich auch über die Jesus-Unterhose gewundert. Alpha dazu:

Das Foto stammt von der letzten Modenschau im Vatikan. Bestellen kannst du die Dessous unter polenpaule@vatican.com Neu im Programm die Modelle "Mel Gibson" (zerfetzt und blutig) und "Holy dick" (durchsichtig). Da freut sich der Papa an Weihnachten!

Klasse! :rolleyes: Was den Roman angeht, habe Bedenken was den Bezug zur SF angeht. Ausserdem befürchte ich, dass der Autor Wahrheit und Fiktion nicht mehr richtig trennen kann. Hier kann eigentlich nur eine ausführliche Leseprobe Abhilfe schaffen, schade. Oder ist das Schriftgut am Ende nicht vorzeigbar? :D

#3 Gast_Guest_*

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Geschrieben 09 Februar 2005 - 14:25

Was den Roman angeht, habe Bedenken was den Bezug zur SF angeht. Ausserdem befürchte ich, dass der Autor Wahrheit und Fiktion nicht mehr richtig trennen kann. Hier kann eigentlich nur eine ausführliche Leseprobe Abhilfe schaffen, schade. Oder ist das Schriftgut am Ende nicht vorzeigbar? :confused:

Natürlich vermischt der Autor Realität und Fiktion nach Gutdünken. Das macht die Bücher doch erst richtig gut. :aliensmile: Noch nie etwas von Guerilla-Onthologie gehört? ;) Das mit der Leseprobe ist eine gute Idee. Ich habe es Alpha mal per email mitgeteilt. Vielleicht nimmt er es ja an. Drogenfreie Grüße Ralf

#4 Dave

Dave

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Geschrieben 09 Februar 2005 - 18:57

Noch nie etwas von Guerilla-Onthologie gehört? :confused:

Klaaaar... :aliensmile: ...Gorilla-Onycholyse, das ist wenn sich ein Menschenaffe bei der Knollensuche 'nen Fingernagel rausreißt...

Das mit der Leseprobe ist eine gute Idee. Ich habe es Alpha mal per email mitgeteilt. Vielleicht nimmt er es ja an.

Man ahnt ja gar nicht, was man in ein paar Zeilen so alles erkennen kann. Vielleicht sind Leseproben auch etwas gefürchtet von den Autoren? Bin gespannt, und danke das Du die Idee aufgreiftst, Ralf. ;)

#5 Gast_Alpha O'Droma_*

Gast_Alpha O'Droma_*
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Geschrieben 10 Februar 2005 - 15:40

Da das liebe Ralvieh (Shockwave Rider) sich solche Mühe gegeben hat, will ich mal eine Leseprobe posten:Das KamelrennenAuszug aus „Eins“ von Alpha O'DromaAnmerkung des Autors:Der Held dieses Romans, Thor Becker, war aus Gründen, welche uns hier nicht weiter kümmern, mit einer indischen Familie durch die Wüste gereist, um nach Pushkar zu gelangen, einer heiligen Stadt in Rajastan, wo jedes Jahr die größte Camel-Fare der Welt stattfindet. Eine Camel-Fare ist eine Art Beduinen-Woodstock. Ein knurrender Magen weckte ihn. Er verschlang Naan mit Käse, sechs Spiegeleier und wanderte vergnügt zum Lager seiner Gastfamilie. Badu sah ihn kommen und lief ihm entgegen: „Meine Familie in großer Sorge, aber ich wußte, du kommst zurück.“ Thor hievte den besten Kameljockey von Rajastan auf seine Schultern und hielt auf das Zelt seiner Sippe zu: „Ich werde mir doch deinen Sieg nicht entgehen lassen.“ Badu verspannte sich. „Was ist los, hat Aga Khan sich den Knöchel verstaucht?“ Badu enthüllte die Tragödie. Aga Khan war im Finale. Doch Mustafa Hadschi Ibn Saud, ein zwölfjähriger Abkömmling der Königsfamilie von Saudi Arabien hatte mit seinem Hengst Aldebaran den Wettbewerb dominiert. Im zweiten Halbfinale hatte Aldebaran den Streckenrekord geknackt, den Aga Khans Vater vor 13 Jahren aufgestellt hatte. Er war von australischer Herkunft, und kein Kamel der asiatischen Welt vermochte seinem unwiderstehlichen Endspurt etwas entgegenzusetzen. Thor dachte an Michael Schumacher und Ferrari: „Das Kamel allein ist nicht entscheidend. Es kommt auf den Reiter an“, versuchte er seinem Freund Mut zuzusprechen, „Der beste Reiter kann auch mit dem zweitbesten Kamel gewinnen.“ Badu zog ihn am Ohr, was einem Dank entsprach. Sie betraten das Zelt. Baderans Mutter begrüßte ihn wie einen verlorenen Sohn. Sie zerrte ihn auf eine Matte und zwang ihn, wenigstens anderthalb in Honig geröstete Hühner zu verputzen, auch auf die Gefahr hin, dass er platzte. Etwa fünf Rülpser später kam Baderan heim, umarmte ihn und stopfte die Wasserpfeife. Thor war zu Hause.Am nächsten Morgen wirkten sie alle nervös. Baderan stauchte seine Kameltreiber wegen Kleinigkeiten zusammen, doch die verstanden ihn nur zu gut. So viel stand auf dem Spiel. Die Familie und ihr Anhang, etwa 100 Personen und Kamele also, begaben sich zur Rennstrecke. Das Kamelrennstadion von Pushkar ist ein Oval mit zwei kleinen Tribünen an den Geraden. Um die Kurven herrscht offenes Gelände. Für das Finale kamen etwa 100000 Zuschauer, obwohl die Tribünen nur 6000 Sitzplätze hatten. Der Rest verteilte sich in Hörweite um das Stadion. Der aktuelle Stand des Rennens wurde nach hinten weitergesagt.Das Beduinen-Woodstock näherte sich seinem Höhepunkt. Zuerst stand ein Juniorenrennen auf dem Programm. In der Klasse der Dreijährigen lag eine afghanische Stute lange in Führung. Eine Runde maß ungefähr 500 Meter, das wusste keiner so genau. Die Stute ritt ein zehnjähriger Mudjahedin, kampferfahren und im Sattel geboren. Er hatte in der zweiten von sieben Runden die Führung übernommen und verteidigte sie tapfer bis zur sechsten. „Yalla!Yalla!“, wurde er von seinen Landsleuten angefeuert. Die Afghanen hatten nicht viel Geld. Sie schlossen ihre Wetten in Haschisch ab, der vierthäufigsten Währung nach amerikanischen Dollar, indischen Rupien und Kamelen. Findige Buchmacher boten auch Wechselkurse für pakistanische Rupien, Afghani, australische Dollar, Hühner, saudische Rial, Ziegen, türkische Lira und Seide an. Nur Kamele mussten auf- oder abgerundet werden. Hier galt noch der Handschlag, denn alle waren sich darüber im Klaren, dass Zwangsvollstreckungen meist mit einem Dolch in der Brust des Schuldners endeten. Die Jungkamele gingen in die letzte Runde. Zwei australische Jungbullen saudischen Gestüts holten die Stute ein und nahmen sie in die Zange. Der Afghane gab seinem Kamel die Sporen. Kamele werden eigentlich nicht mit Sporen geritten, doch Mudjahedin besitzen kein Schuhwerk ohne die metallischen Motivationskünstler. In der letzten Kurve lagen sie noch gleich auf, doch dann legten die Saudis ihren unwiderstehlichen Schlußspurt hin. Die afghanische Stute gab alles, sie schäumte. Es gelang ihr, den Saudibullen, der außen lief, abzudrängen, doch der andere auf der Innenbahn zog davon. Sie hatte Charakter. Noch 100 Meter. Sie keilte aus, traf den äußeren Saudi in den Bauch und machte sich an die Verfolgung des inneren. Flocken weißen Schaums flogen dem jungen Mudjahedin ins Gesicht. Sie holte auf. Doch es reichte nicht. Der Saudi gewann das Juniorenrennen. Die afghanische Stute brach auf der Ziellinie zusammen, ihr Reiter flog in hohem Bogen über sie hinweg. Er rollte sich elegant ab und rannte zu seinem Kamel. Das zuckte nur noch spasmisch vor sich hin. Ein älterer Krieger, offensichtlich der Vater des Jungen, kam angelaufen, legte die Hand auf seine Schulter und reichte ihm ein Gewehr. Der Knirps strich zärtlich über den Hals der Stute, küsste ihr zuckendes Ohr, wobei er etwas flüsterte, und schoss ihr dann in den Kopf. Sie hätte es ohnehin nicht überlebt. Genau wie Pferde, sind Kamele tatsächlich in der Lage, sich totzurennen. Der Sieger war abgestiegen und zu ihnen getreten. Er verneigte sich kurz vor seinem Widersacher, wie es unter Gleichgestellten üblich ist, und verbeugte sich dann tief vor dem toten Kamel. Sie würden es gemeinsam essen, obwohl Kamelfleisch so zäh, wie das von Affen ist, und sie würden gute Freunde werden, denn so hatte es das Schicksal bestimmt. Ahmed, der Sohn des saudischen Prinzen, würde den Afghanen drei Kamele schenken, denn er wurde als Ehrenmann erzogen. Es dauerte fast eine Stunde, bis auch der hinterste Kameltreiber den genauen Hergang des Rennens zu berichten wußte. Die Geschichte interessierte schließlich Lagerfeuer in ganz Asien. Thor massierte Badus Schultern, Nacken und Schläfen. Vier Mann kneteten Aga Khan durch und rieben eine durchblutungsfördende Tinktur in sein Fell. Badu war ganz fickrig. Thor glaubte den Grund zu kennen. Die australischen Kamele der Saudis hatten sich in allen Rennen durchgesetzt und Aldebaran war ihr Champion. Mustafa Hadschi Ibn Saud galt als bester Jockey Arabiens und dennoch hatte die Kalunjasippe einen Großteil ihres Besitzes auf ihren achtjährigen Sohn verwettet. „Du wirst es packen,“ versuchte Thor ihn zu beruhigen, „Vertrau Aga Khan, er ist ein Kämpfer genau wie du!“ Ein fetter Inder, der so fett war, wie nur Inder fett sein können, forderte sie auf, sich an den Start zu begeben.Die acht besten Kamele des Orients versammelten sich an der Startlinie. Drei aus Saudi Arabien, zwei aus Indien, ein afghanisches Kamel aus Kandahar, ein pakistanisches aus dem Punjab und eins aus dem Oman. Helfer spannten ein Seil, um Frühstarts zu verhindern, was prächtig funktionierte, denn Kamele sind lausige Springer. Der Zeremonienmeister hielt eine kurze Rede, die simultan von Hindi in Urdu, Farsi und 20 andere Sprachen übersetzt wurde. Zuschauer, oder besser Zuhörer in weit entfernten Zelten waren gespannt. Für 90 Prozent aller Beteiligten war das Rennen nur als eine Art Radioreportage zu verfolgen, doch das tat der Freude keinen Abbruch. Im Gegenteil. Je weiter man vom Oval entfernt war, desto dramatischer waren die Ereignisse. Der Zeremonienmeister gebot der jubelnden Menge Einhalt. Totenstille. Er hob theatralisch eine alte Büchse, die einst Old Shatterhand gehört haben mochte, in die Höhe und feuerte den Startschuss. Thor fühlte sich ambivalent. Er war mittags zum Buchmacher gegangen. Aldebaran war klarer Favorit mit 22 für 10. Aga Khan brachte 45 für 10. Da er sicher war, einer der beiden würde gewinnen, sollte er eigentlich 100 $ auf beide setzen. Gewänne Aldebaran, brächte das 20 $, für Aga Khan sogar 250 $ Profit. Er müßte eigentlich mit Versicherung zocken, doch er wäre sich wie ein Verräter vorgekommen. Scheiß drauf! 200 $ auf Aga Khan. Sein Wettschein war ein Fetzen Papier, auf den irgendwas in Sanskrit gekritzelt war, nur die Zahl 200 war zu erkennen. Schien ok zu sein. Das Rennen begann. Das Finale ging über neun Runden. Badu startete in der Mitte. Den besten Start hatte das Kamel aus dem Oman ganz innen. Aga Khan war im Mittelfeld als es in die erste Kurve ging. Er wurde außen von einem Saudi bedrängt, der sich anschickte, ihn in der Kurve zu überholen. Badu tat das einzig Richtige. Er zog nicht gleich nach innen, sondern nahm sich die Zeit, den Saudi zu rammen. Der kriegte die Kurve nicht mehr und kollidierte mit dem ganz außen gegangenen Pakistani, was ihn rettete. Er hielt sich glücklich im Sattel, während der Sohn Pakistans in hohem Bogen von seinem Kamel flog. Für den zehnjährigen aus dem Punjab war die Show vorbei. Er hatte sich die Schulter ausgekugelt. Oman lag jetzt vor Afghanistan. Aldebaran Dritter, Aga Khan Vierter. Daran sollte sich zwei Runden nichts ändern, bis Aga Khan anzog. In der vierten Runde machte er zwei Plätze gut und lag nun eine Länge hinter dem Überraschungskamel aus Oman. Aldebaran hielt sich innen und griff den Afghanen an. Der zog kurz vor der Kurve abrupt nach links, um ihn zu schneiden. Fast jedes Tier hätte nun gebremst, doch nicht der saudische Hoffnungsträger. Er traf den Afghanen fast im rechten Winkel. Mustafa Hadschi Ibn Saud schrie etwas Arabisches, Aldebaran neigte seinen Schädel und traf den afghanischen Reiter voll in die Seite, nur Sekundenbruchteile bevor seine Brust die Flanke des Feindes rammte. Der Gegner wich nach außen und sein Reiter hatte erstaunlicherweise nur drei gebrochene Rippen zu beklagen. Dieser Vorfall brachte dem Kamel aus Oman und Aga Khan satte fünf Längen Vorsprung. In der sechsten Runde begann Oman zu schäumen. Er wurde müde. Badu bewies Geduld, ließ den anderen die Führungsarbeit verrichten und wartete ab. Aldebaran begann die Lücke zu schließen. In der achten Runde kam Badu†˜s Chance. Vor ihnen tauchte das letzte indische Kamel auf. Oman wollte es außen überrunden. Ein Fehler. Badu zog innen in der Kurve vorbei. Die letzte Runde. Aldebaran hatte sich den erschöpften Helden aus Oman gekauft und lag eine Länge hinter ihm. Der Saudi schaltete jetzt den Turbo ein. In der letzten Kurve wollte er innen vorbei, doch Badu konnte den Angriff abwehren. Aldebaran quetschte sich dennoch irgendwie zwischen Aga Khan und die Bande. Sie lagen jetzt auf gleicher Höhe und man konnte sehen, dass der Saudi mehr Reserven besaß. Nach 50 Metern beschloß Aga Khan, die Taktik zu wechseln, und biss Aldebaran in den Hals. Der geriet daraufhin kurz aus dem Tritt. Badu nutzte die Schrecksekunde, um die Zügel nach links zu reißen und der kamelgewordene Held Rajastans rammte seinen Gegner mit Freuden gegen die Bande. Es mutete an wie ein Stock-Car-Race, nur statt Funken flogen Fellbüschel. Aldebaran war beleidigt, biss seinem Peiniger mit Schmackes in die linke hintere Flanke - der Autor hat lange nach einem Synonym für Arschbacke gesucht - und zog nach außen. Noch 60 Meter. Aldebaran verfügte über einen atemberaubenden Endspurt. Aga Khan quollen die Augen aus den Höhlen, doch Aldebaran schob sich rechts neben ihn und zog schließlich vorbei. Leider, meine lieben saudischen Leser, war zu diesem Zeitpunkt die Ziellinie schon überschritten. Aga Khan hatte gesiegt. Rajastan im Freudentaumel. Ohrenbetäubender Jubel. Thor dem Ersticken nahe, weil Baderans Umarmung ihm die Luft abschnürte. Aga Khan nervös, weil hunderte Inder ihn küssen oder streicheln wollten, urinierte erst mal in die Arena. Euphorische Inder, besprenkelt mit Kamelpisse. Es war ein schöner Tag.

#6 Dave

Dave

    Hamannaut

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Geschrieben 11 Februar 2005 - 09:53

Dankeschön Alpha, ungewöhnlich ja, aber doch gar nicht mal so verrückt wie ich dachte... http://www.scifinet....tyle_emoticons/default/smile2.gif

Bearbeitet von Dave, 11 Februar 2005 - 09:55.


#7 ShockWaveRider

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Geschrieben 11 Februar 2005 - 13:06

@Dave:Ja, das war eine von den harmloseren Szenen.Die vermittelt eher etwas Lokalkolorit.Die ganze Hardcore-Esoterik wollte er uns unerleuchteten Seelen wohl noch nicht zumuten.GrußRalf

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#8 Gast_Guest_*

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Geschrieben 11 Februar 2005 - 14:29

Es ist immer schwer, etwas Abgedrehtes herauszusuchen; vielleicht das hier:"So ein Mist, fluchte die rechte Hemisphäre und aktivierte hektisch alle Kontrollverlustprotokolle, während die linke sich eine metaphorische Hängematte aus schadenfroher Genugtuung wob, um am Strand des entspannten Urvertrauens in der salzigen Brise eines Meers namens Kosmische Liebe sanft zu schaukeln."oder das:"Unser Held analysierte die Sizuation. Eine hübsche Blondine in Schwierigkeiten. Etwa 20 Meter hinter ihr ein grimmiger Asiate mit einer Kalaschnikov. Daneben ein zweiter mit einer Pistole. Ein drittes, fettes Exemplar war 50 Meter zurückgefallen und fuchtelte sinnlos mit einer Machete herum. Wenn er die beiden Primärziele rechtzeitig ausschaltete, war das Sekundärziel kein Problem mehr. Er hatte den Kragen seiner Lederjacke hochgestellt, denn dort waren vier Shuriken versteckt. Zwei weitere dieser niedlichen, kleinen chinesischen Wurfsterne hielt er in den Händen. Die lässig verschränkten Arme stellten eine beidhändige Wurfposition dar. Hatte er in Shanghai gelernt. Seine linke Wurfhand war ziemlich ungenau, aber die rechte traf fast immer. Die Blondine rannte auf ihn zu. Sie war klug genug, ihren Atem nicht mit Hilferufen zu verschwenden. Das Offensichtliche war der Erwähnung nicht wert. Hoffentlich war sie auch klug genug, sich nicht Hollywood-mäßig in seine Arme zu stürzen. Sie blickte ihn mit schreckgeweiteten Augen an. Er lächelte. Seine Augen deuteten auf einen Fleck zu seiner Rechten. Dort fiel sie erschöpft hin und rang nach Atem. Er blieb ungerührt stehen. „Da ist ein Messer. Direkt vor dir im Sand. Tu nichts, bevor ich was tue!“, flüsterte er auf Englisch. Dann wandte er sich an den Malayen, der etwa drei Meter vor ihm stehen blieb, und ihn mit der Kalashnikov bedrohte. „Ruhig Gulshan, ganz ruhig!“ Er sah Sompong in die Augen als er dies sprach. Der war verwirrt, weil er dachte, die Worte hätten ihm gegolten. Dachte dieser Typ, er könne ihn beruhigen? Die Schlampe hatte seinen kleinen Bruder getötet und er würde sie sich holen: „Hör zu, Mister! Du drehst dich jetzt um und gehst. Dann bleibst du am Leben.“ Seine Augen sagten etwas anderes. Spätestens das höhnische Zucken im Mundwinkel des zweiten Finsterlings verriet ihm, was geschehen würde, wenn er sich jetzt umdrehte. Letzte Einschätzung der Situation. Beide Waffen waren auf ihn gerichtet, doch die Läufe hingen etwas runter. Sie bewegte sich auf und ab, denn auch die Malayen waren noch ausser Atem. Der Fette mit der Machete war noch 40 Meter entfernt, kam heftig schnaufend und nur langsam näher. Er würde die Party versäumen. Er konzentrierte sich auf seinen Atem, inhalierte derart, dass es wie ein resigniertes Schulterzucken aussah, bündelte all sein Chi und ließ es frei: „O.K.!“ Gleichzeitig schwirrten die Shuriken los, als er seine verschränkten Arme blitzschnell nach vorne schleuderte. Das „O.K.!“ war ausserdem das Signal für Gulshan, in Aktion zu treten. Mit der schwachen linken Wurfhand hatte er auf die rechte Schulter des Pistolenmanns gezielt. Der Wurfstern verfehlte ihn, doch er zuckte zusammen, was ihn fast eine Sekunde kostete. Die treffsichere Rechte hatte er überrissen. Anstatt Sompong ins obere Brustbein zu treffen, wie er ursprünglich geplant hatte, drang die Shurike 25 Zentimeter höher in sein Auge ein und verschwand in seinem übellaunigen Gehirn. Das würde er noch mal üben müssen ... Mit dem Kopf wurde auch die Kalschnikov nach hinten gerissen und feuerte auf den tief hängenden Mond. Seinem Kumpanen erging es etwas besser. Gulshan hatte die entscheidende Sekunde genutzt, um sich auf ihn zu stürzen. Die Pistole schwenkte herum, als plötzlich ein neuer Gegner auftauchte. Gulshan hasste Waffen. Und die hier würde gleich auf ihn feuern. Die Wucht von knapp 80 Kilo berechtigten Zorns prallte auf den Schützen. Das Monster biss ihm den Arm kurz über dem Hangelenk ab, noch bevor er auf den Boden schlug. Während dessen hatte Anna das Messer gefunden und warf sich auf Sompong, der zwar klinisch tot war, aber trotzig weiter feuerte. Sie bekam seinen rechten Arm zu fassen, dann war das Magazin leer. Der fette Rasul stoppte in zehn Metern Entfernung und ließ die Machete sinken. Unser Held stand immer noch reglos da, die Arme wieder vor sich verschränkt: „Und was wünschen Sie?“ Anna nahm ein Stück Feuerholz und riss einen Streifen Stoff von den Fetzen ihrer Hose: „Ich muss ihm sofort den Arm abbinden. Übrigens, mein Name ist Anna.“ „Angenehm. Becker, Thor Becker; und mein kleines Schoßtier hier heißt Gulshan. Komm her, Dicker!“ In einer Mischung aus Entsetzen und Faszination betrachtete Anna die Kreatur, die sich von ihrem vor Schmerz winselnden Opfer erhob und schwanzwedelnd zu seinem Herrn trottete. Sie sah aus wie ein Shetlandpony, dem man in einem Genlabor übel mitgespielt hatte. Struppiges graues Fell. Der Kopf so groß wie der eines Kalbs und Eckzähne, so lang wie ihr Zeigefinger. Sie wusste nicht, dass adeliges Blut in Gulshans Adern floss. Seine Mutter war eine preisgekrönte Mastinodame aus der berühmten Zucht König Birendras von Nepal. Diese Dame hatte es jedoch gewagt, sich verbotenen Freuden hin zu geben, und sich von einem Irischen Wolfshund schwängern lassen. Das Ergebnis war grotesk, und so wurde Gulshan verstossen. Er war so hässlich wie intelligent - und er war wirklich unglaublich schlau. Was sie aber am meisten irritierte, war die Hand mit der Pistole, die er jetzt freudig apportierte. Thor wand die Pistole aus den toten Fingern, tätschelte zärtlich seinen massigen Schädel und ließ ihm das Spielzeug. Sie riss sich von dem schaurigen Anblick los, ging zu dem jammerndern Häufchen Elend, und schnürte ihm den Arm am Ellenbogengelenk ab. Thor hielt ihn so lange mit seiner eigenen Waffe in Schach. Anna half ihm auf. „Komm her!“, rief sie dem fetten Rasul zu, der immer noch da stand und blöd glotzte, „Hilf ihm!“ Er zögerte, doch als Thor seine Wampe anvisierte, kam er der Aufforderung nach und stützte seinen Kameraden beim Gehen. Captain Raschid würde sauer sein, wenn er aufwachte. Doch es war nicht seine Schuld. Sompong war schuld und der war tot. Der Alte würde sich beruhigen. „Ruft das nächste Mal vorher an!“, rief ihm Thor nach. Rasul verstand kein Englisch, aber er verstand, wann es Zeit war, sich zurückzuziehen. Nun, da ihre innere Spannung sich löste, konnte sie endlich weinen. Thor ließ sie machen, denn er spürte, dass sie das jetzt brauchte. Er begann, das Zelt abzubauen. Als sein ganzer Kram schliesslich in zwei Satteltaschen verstaut war, hatte sie sich beruhigt. „Bist du verletzt?“ Anna schüttelte den Kopf: „Nur Kratzer.“ Er bemerkte den jämmerlichen Zustand ihrer wohlgeformten Beine: „Haben dich die Quallen erwischt?“ Sie nickte: „Und ein Seeigel.“ Das haben wir gleich. Er setzte sich neben sie in den Sand und zog einen Stiefel aus. „Was hast du vor?“ „Das willst du nicht wissen.“ Er griff sich ihren verletzten Fuß und zertrümmerte mit seinem Absatz die Stachelenden in ihrer Sohle. Sie schrie auf: „Bist du irre?“ „Ja, aber es heilt so schneller und piekt nicht mehr beim Laufen. Zieh die Hose aus!“ Er erntete einen misstrauischen Blick und lachte. Die leichte Baumwollhose bestand sowieso nur noch aus Fetzen, also tat sie widerwillig, was er sagte. „Guck weg!“ „Warum?“ „Guck einfach weg!“ „Nein!“ „Wie du willst, aber halte es mir hinterher nicht vor!“ „Was?“ Er gluckste und schmiss sich fast weg. Sein Lachen war entwaffnend. Sie wollte schon mitlachen, doch dann holte er seinen Schwanz raus und pisste ihr auf das verletzte Bein. Sie war so geschockt, dass sie bewegungslos da lag. Sein Strahl strich über die Verbrennungen an ihrem Schenkel und konzentrierte sich dann auf ihre Fußsohle. „Perverse Mistsau!“, wollte sie ihn anschreien, doch dann dämmerte es ihr: Ammoniak! Sie erinnerte sich an den Chemieunterricht. Die Sache mit den Säuren und den Basen. Dann musste auch sie lachen, während unser Held seinen Iltis abschüttelte und wieder verstaute: „Lass es einen Moment einwirken. Dann wäscht du es mit Meerwasser ab und hüpfst auf dem gesunden Bein zu mir, damit ich dir einen Verband machen kann.“ So geschah es. Als der Verband fertig war, streifte ihr Thor eine Socke drüber. Er gab ihr eine Hose und ein trockenes Sweat-Shirt. „Leider habe ich nur diese Stiefel. Schuhe besorgen wir dir morgen.“ Annas Hand legte sich auf seine Schulter und sie sah ihm tief in die Augen: „Danke!“ Er bekam einen Ständer. „Keine Ursache, ich habe dich erwartet.“ Thor stand auf: „Wir sollten jetzt abhauen.“Gulshan hatte die ungezogene Hand verputzt und hechelte vergnügt. Fröhlich schwanzwedelnd ging er voran. Er liebte unverhofften Nachtisch."Naja, Leutz, ich weiß es nicht, die SF-Elemente sind zu komplex, um sie zu zitieren. Das eigentlich Außergewöhnliche liegt wohl eher im Plot, einer - wie ich denke - absolut innovativen Roadmovie-Parabel über geistige Evolution, wo der Held sich zwar in Klöstern rumtreibt, aber halt auch mal auf Blondinen pissen muss. Er hat nun mal diverse Hobbies ...

#9 KonkeyDong

KonkeyDong

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Geschrieben 11 Februar 2005 - 16:52

Also ich freue mich schon auf die Bücher. Neues für die deutsche SciFi nehme ich immer genauer unter die Lupe. Und der Name des Autors hört sich ja auch schon mal ganz spacig an :lol:

#10 Martin Stricker

Martin Stricker

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Geschrieben 21 Februar 2005 - 17:37

Es sei darauf hingewiesen, daß nun auch Band 2 "Eins - Die Entscheidung" für den Deutschen science Fiction Preis 2005 nominiert ist. Danke an Alpha für die beiden Leseproben! (beide stammen aus Band 2 "Eins - Die Entscheidung") Während Band 1 "Eins - Die Ankunft" vor allem in der ersten Hälfte eindeutig SF ist, geht es danach in einem frechen Mix von Anleihen verschiedenster Genres in Richtung Karma, Wiedergeburt, Astralreisen, Nirvana/Jenseits (besonders köstlich!). Alpha bezeichnet die Bücher daher auch völlig korrekt als "phantastische Romane". Eine Einordnung in ein bestimmtes Genre ist unmöglich und auch gar nicht gewollt. Mein Tip: Lesen, nicht alles auch die Goldwaage legen, ablachen und nebenbei noch so einiges lernen! :rolleyes: Wo ich schon dabei bin, noch eine kurze Besprechung von mir: Alpha O'Droma: Eins - Die Entscheidung. Band 2 des Eins-Zyklus, Infinitus Lektoren Verlag 2004, ISBN 3-936390-02-0, 12,90 Euro + Porto beim Autor http://www.alphaodroma.com/ oder beim Verlag Infinitus Lektorenverlag lektorenverlag@yahoo.de Nahariyastraße 30 c/o Schulze 12309 Berlin Die Schwedin Anna Tiny Anderson war auf der Jacht ihres Vaters, als die riesige Weltraumalgenkolonie die nördliche Polarregion streifte, und wurde von der Verstandserweiterung infiziert. Sie macht sich mit Rucksacktouristen auf die Reise nach Asien, wo sie in Indien auf Thor Becker (siehe Band 1 "Eins - Die Ankunft") trifft, der sich bislang für den letzten Infizierten hielt. Jetzt bekommt er Unterstützung, die er auch bitter nötig hat, wird er doch nach wie vor von der höchsten Freimaurerloge (die die USA unter Kontrolle hat) verfolgt. Dieses Inhaltsangabe klingt nach einem überdrehten Verschwörungsthriller, aber das wird dem Roman überhaupt nicht gerecht. Naja, überdreht vielleicht... ;-) Wie schon der erste Teil sprudelt auch dieser Roman über vor Humor und teils skurriler Ideen. Diesmal sind die SF-Elemente allerdings an den Rand gerutscht, es geht vor allem um die psychische Weiterentwicklung des Bewußtseins - und natürlich sind die bösen Jungs Thor weiterhin dicht auf den Fersen, so daß keine Langeweile aufkommt. Der Stil des Autors ist allerdings gewöhnungsbedürftig - schnodderig-frech nimmt er kein Blatt vor den Mund und schreibt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist - gedade das macht einen großen Teil des Charmes aus, denn Romane mit mehr oder minder originellen esoterischen Themen gibt es genug, nur nehmen sich die zu ernst, und das tut O'Droma nicht. Die wichtigsten Aussagen dieses Buches sind "Alles ist EINS", "Nimm dich nicht so wichtig" und (auch wenn es nie ausgesprochen wird) "Das Leben macht Spaß". Fazit: Ein originelles Buch voller Humor, wenn auch kaum der SF, sondern eher der allgemeinen Phantastik zuzurechnen und stilistisch ausbaufähig. Ich habe mich köstlich amüsiert und außerdem einige Denkanstöße bekommen. Das Buch ist etwa gleichgut wie der erste Band. Empfehlenswert!

Bearbeitet von shugal, 21 Februar 2005 - 17:48.



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