Alex schrieb:
Wir als SF-Fans wissen: auf die Nuancen, die Details kommt es an. Die Kritiker und Geringschätzer unserer geliebten SF nehmen wohl zumeist und zuvörderst die Übertreibung, Vereinfachungen und die (noch-)Unmöglichkeit an SF-Stoffen war. Sie sehen sprichwörtlich den Wald vor lauter Bäumen nicht.
Ich nehme, als derzeitiger "Kritiker" der SF, vor allem eine unerträgliche Mittelmäßigkeit wahr, sei es nun in "literarischen Dingen" (wohl das, was mit Ästhetik gemeint wahr?) oder auch in Sphären der Ideen.
Gute SF, wenn man sie denn noch findet, scheint sich wirklich in erster Linie durch Ideen auszuzeichnen, weniger durch literarisches Können.
Die Frage, die sich mir dann stellt ist: Wozu so viel Mittelmaß durchackern und mit etwas Glück vielleicht auf ein Juwel stoßen, wenn einem doch außerhalb des Genres unzählige Juwelen zur Verfügung stehen (oder bei einigen Klassikern natürlich auch innerhalb des Genres). Die Zeit ist zu kurz für schlechte Bücher.
Da allerdings die Wertung von Literatur im Auge des Betrachters (oder dessen Hirn) liegt, soll dies natürlich keine pauschale Aussage über die Qualität irgendeines Genres sein, sondern nur der Hinweis auf persönliches Erleben; verkürzt: Ich bin momentan von "der" SF ziemlich gelangweilt, obwohl ich heute den John Barnes DER HIMMEL SO TIEF UND SCHWARZ begonnen habe - und er mir recht gut gefällt.

(Abgesehen davon sind mir Genres ohnehin schnurz.)
Grüße,
Ralph
ps:
Ausgerechnet Palmer Eldritch schrieb:
was man als "Stil" betrachtet für jede Art der Literatur wichtig, da man mit "schlechtem" oder ungeschickten Stil als Autor trotz der besten Ideen wohl auch den letzten Leser vergrault.
Für mich ist PKD ja einer der wenigen SF-Autoren, die ich abgöttisch lieb(t)e (momentan bin ich etwas übersättigt), aber man kann über ihn alles mögliche Positive sagen, aber nicht, dass er ein großer Stilist war (obwohl, wenn ich mich nicht irre, hat Paul Williams dergleichen gesagt).
Für mich schreibt PKD meistens ziemlich übel (was "literarische" Sprache angeht), aber dennoch schafft er es, die Charaktere und Ideen rüberzubringen. Sozusagen geniale Ideenliteratur mit starken Charakteren.

ps2:
Morn:
Das sehe ich nicht so. Ausserhalb der Phantastik sind die Genres doch viel zu einengend, damit ein Autor/eine Autorin seine/ihre Ideen wirklich verwirklichen und zu Ende denken kann.
Sorry: Blödsinn.
Erstens (noch zu Palmer): Ideenliteratur bezeichnet meiner Meinung nach einfach Literatur, die von Ideen lebt, IM GEGENSATZ zu Literatur, die von Charakteren, ihrer Sprache usw. lebt.
Jedes Genre ist GLEICH einengend. Jeder Autor kann seine Mittel wählen, die ER braucht, um seine Ideen zuende denken zu können.
Klingt bei Dir fast, als seien die Autoren außerhalb der Phantastik in einer Diaspora oder einem Gefängnis, ausgesperrt aus der Welt des freien Denkens.

Abgesehen davon wird jeder Autor, der was kann (oder taugt), auf irgendwelche fremdauferlegten Einschränkungen keine Rücksicht nehmen. Ist GarcÃa Marquez Phanatstik und Nabokov und Werfel und und und?
Bearbeitet von eRDe7, 26 Juni 2005 - 13:55.