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Der Himmel, so weit und schwarz


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2 Antworten in diesem Thema

#1 Henrik Fisch

Henrik Fisch

    Soeinnaut

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Geschrieben 21 September 2005 - 20:18

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John Barnes
Der Himmel, so weit und schwarz
Festa-Verlag
ISBN 3-86552-007-3
ca. 320 Seiten


Inhalt

Teri ist noch nicht erwachsen. Teri lebt auf dem Mars. Teri ist die Tochter eines Methanschürfers. Und Teri hat ganz viel Spaß in ihrem Leben. Sie darf mit ihrem Papa den ganzen Tag in ihrem tollen Raumanzug auf dem Mars herumhüpfen und nach Methan-Vorkommen suchen. Denn diese sind gut für den Mars. Nicht etwa um als Energiequelle angezapft zu werden. Nein. Das Methan wird - man höre und staune - in die Atmosphäre entlassen um dort einen Treibhauseffekt zu begünstigen, den Mars zu erwärmen und diesen so auf lange Zeit einen für Menschen bewohnbaren Planeten zu schaffen. Ohne Raumanzüge.

Die Erde gilt für die Marsbewohner als lebensfeindlicher Planet. Nicht, weil dieser für Menschen nicht mehr bewohnbar ist, sondern weil hier ein auf menschliche Gehirne übertragbares Computervirus die Kontrolle der Menschen übernommen hat. „OneOnly“ verbreitet sich von Gehirn zu Gehirn und funktioniert wie ein kollektives Bewusstsein, das den alleinigen Wunsch hat sich auszubreiten. Dazu schickt es gelegentlich Sonden auch auf den Mars, denn ein einziger infizierter Marsbewohner könnte den ganzen Mars unterjochen. Die Marsbewohner wehren sich gegen diese Besucher mit einem ausgeklügeltem militärischen Abwehrsytem. Bisher.

Als Teri mit ihrem Papa eines Tages eine gigantische Methanquelle findet, ist sie plötzlich stinkreich. Eigentlich will sie ihren Freund heiraten, doch dieser hat bereits, kurz nach ihrem letzten Treffen - Methanschürfer sind die meiste Zeit in kleinen Gruppen auf dem Mars verstreut unterwegs - eine andere Frau geheiratet hat. Enttäuscht versucht Teri darüber hinwegzukommen, indem sie sich auf dem gerade stattfinden Treffen der Schürfer amüsiert und ganz nebenbei ihre Prüfung zum Erwachsenen ablegt. Das wird man als Jugendlicher nämlich nicht automatisch, sondern muss stattdessen eine Prüfung bestehen.

Nach dem Treffen macht sie sich mir ihrem Papa und einen Haufen weiterer Jugendlicher auf um wieder über den Mars zu wandern. Während einer Übernachtung kommt es jedoch zu einem unerwarteten Sonnensturm und die energiegeladenen Partikel lassen reihenweise die Anzüge der Schürfer ausfallen. Ihr Vater stirbt in seinem Anzug, viele weitere Kinder auch. Und außerdem schätzungsweise tausende Andere auf dem Mars. Teri macht sich mit einem der überlebenden Kinder auf den Weg, um irgendwo Hilfe für die Zurückgebliebenen zu holen.

Dabei erleidet sie einen Unfall, der sie mit ziemlicher das Leben kosten würde. Wenn nicht eine Sonde von „OneOnly“ auftauchen würde, Teri und die restlichen Überlebenden Ihrer Gruppe infiziert, kurzerhand ihre Schmerzen abschaltet und es so schafft sie aus ihrer Lage zu befreien. Es gibt nur eine Rettung vor „OneOnly“: Die Erinnerung des Infizierten muss gelöscht werden. Damit dieser sein Erlebtes nachvollziehen kann, werden die Patienten vorher ausführlich befragt und die Fragestunden auf Band aufgezeichnet. Der Genesene kann sich das Erzählte dann später anhören. Leider wird der überwachende Psychologe selber von OneOnly infiziert und muss sich selber einer Gedächtniss-Löschung unterziehen.


Rezension

... Der vorliegende Roman gilt als sein (John Barnes) bisher bestes Werk. ...

Au weia. Das steht auf der Innenseite des Buches und wir wollen hoffen, dass das nicht allzu viele Käufer dieses Buches lesen. Denn wenn das sein bisher bestes Werk ist, dann wollen wir mit dem Rest eigentlich gar nichts zu tun haben. Dabei hat Barnes zusammen mit dem ehemaligen Astronauten Buzz Aldrin in Form von „Begegnung mit Tiber“ bereits mindestens einen hochkarätigen Roman geschaffen.

Um es kurz zu machen: Das Buch funktioniert einfach nicht. Seite um Seite quält sich der Leser durch Belanglosigkeiten, die alle irgendwie mit Science-Fiction zu tun haben, genau so gut aber auch bei den „Waltons“ oder auf „Unsere kleine Farm“ spielen könnte. Der Mars und seine eigentlich lebensfeindliche Umgebung spielt nur eine kleine Nebenrolle als Kulisse. Der Leser darf seitenweise Erläuterungen über Baumbepflanzungen mit angepasstem Bambus und Pinien mitsamt darin hausenden angepassten Bibern über sich ergehen lassen, und alles zusammen soll dann hoffentlich mal eine idyllische Landschaft werden. Alles ist nett, alles ist lieb. Es gibt zwar kleine Problemchen, aber die können immer relativ schnell aus der Welt geschaffen werden. So kommt die Hauptperson Teri genau so schnell über den Betrug ihres Verlobten hinweg, wie über den Tod ihres Vaters. Sie geht zur Tagesordnung über und muss ums Überleben kämpfen, zum Beispiel indem ein Zehnjähriger es für sie schafft, ein abgesichertes Zugsystem zu hacken.

Barnes hatte eine superklasse Idee, nämlich die des Computervirus, der sich über das menschliche Gehirn ausbreitet. Leider ist ihm das wohl erst am Ende des Buches eingefallen, nämlich als er sonst gar kein Ende mehr wusste. Und genau liest sich dann auch der Schluss: Natürlich wird Teri geholfen, natürlich auch dem Psychologen, der dann auch noch seinen Job verliert. Aber das macht nichts, weil er sich Teri anschließt und beide nun frohgemut gemeinsam über den Mars hüpfen. Das Virus hat nur eine Nebenrolle, wie eigentlich alles Interessante in dem Roman.

250 Seiten gähnendes Kaugummi, gefolgt von zirka 50 Seiten Spannung. Als Kurzgeschichte wäre das ganz nett gewesen - wirklich - als Roman funktioniert es einfach nicht.

Wertung: 4 von 10 Punkten

Henrik Fisch
Gerade fertig gelesen
Gregory Benford, Larry Niven, "Himmelsjäger"
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Gregory Benford, Larry Niven, "Sternenflüge"
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#2 Dave

Dave

    Hamannaut

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Geschrieben 02 November 2005 - 15:41

Wunderbar in die Tonne geschrieben, Henrik.
Ich habe es mir dann doch noch unter die Leselampe gehalten. Muss ja nicht alles Knall und Peng sein, und außerdem dachte ich noch an die paar Schinken, die ich von Barnes gelesen hatte. In Orbitale Resonanz ging es zu Beispiel um Kinder, die sich in einer Raumstation mit der Unerträglichkeit des Schulunterrichts rumplagten, und ich fand das wirklich unterhaltsam.
Also frisch ans Werk.

Mein Gott, dieser Roman funktioniert einfach nicht. Die Schilderungen sind stets von einer Distanziertheit und ohne jegliches Flair, und über allem schwebt eine gewisse Verwirrtheit.
Dennoch besitzt der Text durchaus Anspruch, finde ich, besonders wenn es um die Begebenheiten auf der Erde geht, wird es richtig interessant. Eigentlich immer, wenn es um die Rahmenbedingungen geht, ist das Buch wirklich gut.
Und da der Rahmen eben nur ein Rahmen ist, bedarf es auch keiner besonderen Auflösung, und es bleibt so manches im Dunkeln.
Mir scheint, John Barnes war der Ansicht, die Perspektive von Terpsichore Murray alleine wäre nicht tragfähig, also schnell noch etwas Interessantes drum herum basteln. Gute Idee, nur bleibt dieses enge Familienbild das was es ist, nämlich gähnend langweilig.

Ich dachte öfters, dies müsste eine Fortsetzung zu einer Geschichte sein. Okay, lass uns dieses Buch vergessen und zur eigentlichen Story kommen...
Übrigens scheint es völlig aus der Mode gekommen zu sein, auf einem Buch zB. Erster Band zu vermerken.
Aber wahrscheinlich steht diese Buch wirklich für sich allein.

Leider ein sehr schwacher Roman.

#3 Henrik Fisch

Henrik Fisch

    Soeinnaut

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Geschrieben 04 November 2005 - 11:14

@Dave:
Uff, schön, dass Du meine Meinung im groben und ganzen bestätigst. Und ich bin ganz Deiner Meinung: Immer wenn sich Barnes um die Nebensächlichkeiten kümmert, dann wird der Roman zum Pageturner. Und wenn er wieder zur Haupthandlung zurückkehrt, dann haut er die Bremse rein.

Bis dennen,
Henrik
Gerade fertig gelesen
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