
In diesem Thread geht's mir um das allgemeine (japanische) Appleseed-Phänomen, also die Mangas und die Animes (1988 und 2004). Im Original heißt die Serie übrigens Appurushîdo.
Ich bin aber kein Kenner, und dachte ich dokumentiere mal mein Herantasten hier in diesem Thread, mit dem ausdrücklichen Aufruf, dass Kenner (und Andere) sich dazu äußern.
Mein erster Schritt ist der neue Film "A. The Movie" (der übrigens noch in der Film-DB fehlt), den ich mir in den letzten Tagen zum 1. Mal auf DVD an sah.
Story
In der ferneren Zukunft gibt es ausgefeilte Roboter, Cyborgs (hier "Bioroiden") und einen Rest Menschen nach dem ein furchtbarer Krieg fast alle Städte unbewohnbar gemacht hat. Der vom zentralen Computer Gaia und dem Rat der Ältesten beherrschte Stadtstaat Olympus ist ein letztes Refugium der Menschen und Bioroiden. Die Kämpfer Deunan und Briareos finden auf Umwegen getrennt auch dorthin, Letzterer leider größtenteils als Cyborg (inkl. neuem Kopf), da er in einer Schlacht schwer verwundet wurde. Deunan versucht sich nun an diese neue Welt, und die neue Gestalt ihres ehemaligen Schwarms, zu gewöhnen...
(Zumindest hoffe ich, dass ich den Plot aus dem Kontext der 2004-Fassung richtig mit bekommen habe, denn die engl. Untertitel waren die schlechtesten, die ich je in einem Kinofilm erlebt habe, und des Japanischen bin ich nicht mächtig.)
Kritik
Mal abgesehen von Plot und Dialogen, ist der neue Film eine furiose Fahrt ins aktuell Mögliche in punkto 3D-Rendering/-Bewegung, obwohl die Macher sich Mühe gemacht haben den Gesichtszügen etwas alt-animehaftes zu lassen (ich glaube das nennt man "cell shading"). Die Action-Sequenzen sind toll choreografiert, die Bewegungen teilweise sehr realitätsnah. Auch werden gleich eine ganze Reihe moderner japanischer SF-Klischees bedient, von der alleskönnenden Heldin bis zum gewaltigen Transformer-Exoskelett, mit der die Protagonistin fast schon alles drauf hat, was irgendein solarbetriebener amerikanischer Superheld zu bieten hätte.
Die Geschichte hält die Moral des friedlichen Zusammenlebens (sogar der Liebe zwischen) Menschen/Cyborgs hoch, und inwiefern das Überleben der einen oder anderen Gattung (oder beiden) dann möglich ist. Ein wenig wirkt das wie alte Epen über Elite vs. Bauern, und ob diese Welten je zusammen kommen können - also etwas sehr melodramatisch. Die harte Intelligenz der Ghost-in-the-Shell-Filme fehlte mir hier.
Wer den "fühle den Moment"-Stil von Mangas/Animes nicht kennt, wird sicherlich bei der ein oder anderen langen "nachdenklichen" Szene (ohne Worte natürlich) etwas gelangweilt sein. Wie gut die Dialoge sind, konnte ich leider wirklich nicht einschätzen! (Evtl. kommt ja irgendwann mal eine gute dt. Fassung auf DVD?)
Auch wird die Story etwas arg zusammengestaucht von der Notwendigkeit möglichst viele Kampfszenen mit der Heldin ein zu bringen. Um eine gelassene Entwicklung serviert zu bekommen, muss man sich wohl eher die Mangas ansehen.
Was mein nächster Schritt ins Innere des Phänomens sein wird...
Bearbeitet von yiyippeeyippeeyay, 14 Februar 2006 - 19:25.



