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Wer (noch) hat Angst vor Gene Wolfe?


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11 Antworten in diesem Thema

#1 yiyippeeyippeeyay

yiyippeeyippeeyay

    Interstellargestein

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Geschrieben 23 April 2006 - 20:22

In meinem Blog habe ich in Reaktion auf eine kurze Anfrage von Sullivan mal meinen vorerst letzten Versuch dokumentiert Gene Wolfe zu lesen. Wolfe wird von vielen SF-Kennern (auch hier aufem Board, denke ich) als einer der 10 besten Phantastik-Autoren aller Zeiten gehandelt.

Aber ich empfinde immer größere Unlust (= "Angst") ihn zu lesen. Ich hatte vor einiger Zeit mal mit diversen Romanen zu diversen Sonnen-Zyklen begonnen, und sie immer nach 100-200 Seiten beiseite gelegt.

Wie diese Texte hat auch der neuste Text (The Knight, m.E. eher an die Harry-Potter-Leserschaft gerichtet) ein großes Problem: Es fehlt der "narrative hook", den Frank Herbert mal beschrieb - also die Spannung oder evtl. die Aufregung/Neugier, die man in den ersten Seiten eines Textes empfindet, um einen zu motivieren, weiter zu lesen. Sicherlich hat Hr. Wolfe die Kunst des prägnanten und vokabularisch perfekten Schreibens drauf, auch fehlt es ihm nicht an originellen Ideen; aber er macht sich mir ggü. zumindest kaum Mühe, mein Gehirn zu animieren, WEITER zu lesen. Dieses letzte Buch habe ich mich gezwungen zu Ende zu lesen, u.a. auch weil mich die Hintergrundthemen Kinderbuch (was es eher NICHT ist) und Mythologie interessierten.

Ich denke er schreibt, wie er gerade Lust hat. Beneidenswert! Mich interessiert also auch (i) wieso (macht er das schon immer?), und, wesentlich interessanter, (ii) wieso so erfolgreich? :confused:

Teilt mir doch mal mit, wie ihr ihn seht. Und für alle anderen Wolfe-Angsthasen: In diesem Thread habt ihr ein Zuhause! ;)

Bearbeitet von yiyippeeyippeeyay, 23 April 2006 - 20:56.

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Yay! KI-generiertes SF-Zitat Ende November...
"In the sprawling city forums of the galaxy, where chaos reigns and time flows differently, true power is found not in dominance, but in moderation. The wise use their influence to temper ambition with reason, and chaos with order."

(auf Bing.de generierter Monolog von der Copilot-S/W - die ich hiermit NICHT bewerbe! - nach Aufforderung nach einem "s.f. quote" mit einem bestimmten Wort darin; ich ersetzte nur das 4. Wort mit "city forums")


#2 Michael Birke

Michael Birke

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Geschrieben 24 April 2006 - 07:46

Ich habe vor demnächst mal Mythgarthr zu lesen. Das klingt nicht gerade sehr ermutigend.Prägnant und vokabularisch perfekt - meinst du nicht eher gedrechselt & geschwollen?Ich habe Wolfe noch nicht gelesen, vielleicht kannst du das etwas genauer beschreiben. Du hast mir gerade etwas Angst gemacht, weil einem hochkarätigen Langweiler könnte ich nichts abgewinnen. :/Letzten Endes kann sprachliche Finesse Erzähltalent nicht ersetzen.

#3 yiyippeeyippeeyay

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    Interstellargestein

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Geschrieben 24 April 2006 - 07:54

Prägnant und vokabularisch perfekt - meinst du nicht eher gedrechselt & geschwollen?
    :
Letzten Endes kann sprachliche Finesse Erzähltalent nicht ersetzen.

Beitrag anzeigen

Genau. Allerdings schlage ich Wolfe nicht ab, auch komplexe Plots zu entwerfen (aber für mich persönlich wahrscheinlich ZU komplex) und vielerlei literarische Zitate einzubauen. Ich denke "gedrechselt" ist das richtige Wort - er feilt an seiner Sprache. "Geschwollen" wohl eher nicht - gerade in Mythgarthr (ich nehme an, so wird das auf dt. heißen?) bemüht er sich um einfachere Sprache.

Ich streite gar nicht ab, dass Wolfe sich (ansonsten, zumindest) Mühe gemacht hat. Aber das reicht eben m.E. nicht immer. Man soll bei einem SF-Werk ja immer "suspension of disbelief" mitbringen, aber bei Wolfe braucht man m.E. auch gelegentlich "suspension of boredom"...

Bearbeitet von yiyippeeyippeeyay, 24 April 2006 - 08:13.

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#4 Jakob

Jakob

    Temponaut

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Geschrieben 24 April 2006 - 09:44

Großartiger Thread-Titel übrigens! ;) Ansonsten will ich mich gar nicht groß einmischen, ich hab "The Book of the New Sun" gelesen und war die meiste Zeit ziemlich gefesselt. Da ist wohl vor allem der episodische Charakter ungewöhnlich, ich hab mich aber nach anfänglicher verwirrung ganz gut reingefunden.
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#5 Dave

Dave

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Geschrieben 24 April 2006 - 15:30

Ich gehöre tatsächlich zu den Angsthasen, die immer wieder einen Bogen um seine Bücher gemacht haben, insbesondere den Sonnen-Zyklus.Immer mal wieder in der Hand gehabt, ein paar Zeilen aufgeschnappt, aber dann doch nicht zugegriffen.Liegt vielleicht auch daran, dass er mit der Fantasy anbandelte, und da läuten bei mir immer gleich die Alarmglocken. ;)

#6 Rusch

Rusch

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Geschrieben 24 April 2006 - 16:47

Ich fand "Das Buch der Neuen Sonnen" soweit auch sehr gut. Hier und da ist mir Wolfe ein wenig zu verspielt. Man könnte dies vielleicht auch als den krampfhaften Versuch auslegen, in eine Hochsprache zu verfallen. Ich denke aber, dass dieser Zyklus noch bekömmlicher als anderes von Gene Wolfe ist.

#7 Chronotis

Chronotis

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Geschrieben 01 Juni 2006 - 17:58

Der schöne Titel hat mich zu diesem Thread geführt. :DVon Gene Wolfe habe ich nur "The fifth Head of Cerberus" gelesen. Und ehrlich gesagt auch wegen Kommentaren, die es als eher intelektuelles Buch bezeichnet haben. Aber obwohl ich nichts gegen intelligent und komplex gestaltete Literatur habe, war ich doch nach dem Lesen sehr im Unklaren über die Motive und Aussagen der Charaktere und des Autors. In einer ausführlichen Besprechung waren dann Erläuterungen zu den versteckten Andeutungen im Laufe der Geschichte gegeben, die aber werde eindeutig noch immer einleuchtend waren.Das ganze las sich so, als ob es nur geschrieben sei, um es interpretatorisch wieder auseinanderpflücken zu können.Daher hab ich auch "Angst" :devil:

#8 Michael Birke

Michael Birke

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Geschrieben 01 Juli 2006 - 18:20

Ich habe mittlerweile "Mythgarthr 1: Der Ritter" gelesen. Der "narrative hook" fehlt wirklich.Der Roman war sehr eigenwillig aufgebaut, eine Mischung aus höfischen Roman und entsprechenden Aventiuren sowie nordischer Saga.Leider fehlt hier der rote Faden, lange bleibt offen wohin Wolfe den Leser bzw. seine Helden eigentlich führen will. Die Sprach von Wolfe braucht zwar eine gewisse Eingewöhnung, passt aber hervorragend zu seinem Stil und ist gefällig.Leider ist es schwer ein Buch weiter zu lesen wenn dieser rote Faden, narrative hook oder wie auch immer man es nennen mag nahezu fehlt."Kushiel's Scion" von Jacqueline Carey habe ich gleich danach gelesen, hier war der Drang zum weiterlesen müssen gegeben, obwohl der Roman um relativ wenige Themen kreiste und nicht gerade mit übermäßig viel Handlung (nicht nur äußerer, sondern auch innerer) gesegnet war.Trotzdem hat mir Wolfe ganz gut gefallen, er ist mal etwas ganz anderes, aber ganz zur großen Begeisterung und uneingeschränkten Empfehlung reicht das nicht, er macht es seinen Lesern nicht gerade leicht.

#9 djmeister

djmeister

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Geschrieben 16 Juli 2006 - 15:25

Seit Jahren finde ich immer wieder diese Diskussion um die Schreibweise von Gene Wolfe und werd sie wohl nie verstehen. Manche Stellen in der 'Shadow of the Torturer' Serie sind so starke Prosa, dass ich sie zwei mal gelesen habe (z.B. das Duell vor der Stadtmauer). Ich hab allerdings oft den Verdacht, dass wenn der Stil von Wolfe kritisiert wird, eigentlich der Stil des Übersetzers von Wolfe gemeint ist. Wie siehts bei euch aus? Habt ihr mal das Original probiert? lg, euer Gene Wolfe Fan, stefan

#10 yiyippeeyippeeyay

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Geschrieben 16 Juli 2006 - 21:14

Nur das Original (s. Blog-Link ganz oben). Ich war mir nicht bewusst dass es bereits eine lange existierende Diskussion über seinen Stil gibt; das unterstützt ja meine naive Sicht eher, soll heißen auch Andere haben evtl. Probleme. Ich hatte eher den Eindruck dass er NUR gelobt wird.Es gibt übrigens auch reichlich "literarische" SF-Autoren, die ich sehr gut/lesenwert finde, mal so aus dem Ärmel auf die Schnelle: Sturgeon, Henderson, Lafferty, Herbert (insbes. Spätwerke), Bester, Brunner, Ryman, Le Guin, Strugatzkis.

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#11 Ulrich

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Geschrieben 25 August 2006 - 12:50

Bei "Der Ritter" und "Der Zauberer" (The Wizard Knight) will mir nicht einleuchten, warum Wolfe die Romane als Brief verfasst hat. Hat dieser mysteriöse Ben, an den die Geschichte gerichtet ist, eine Bedeutung? Auch stört mich ein wenig, dass der Held nicht aus der Fantasywelt Mythgarthr stammt, sondern erst durch eine Art Dimensionstor hingelangt ist. Denn über die Herkunft des Helden erfährt man ohnehin nicht viel, oder?

#12 yiyippeeyippeeyay

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Geschrieben 25 August 2006 - 17:12

Das 2. Buch lese ich ja nicht mehr (Begründung s. oben), aber der Briefschreibstil im 1. Buch hat mehrere Vorteile (wurden auch schon von anderen Autoren gerne genutzt): Da es ja "Kopien" von Briefen sind, muss der Autor nicht unbedingt eine Vorgeschichte bringen, denn das tun Briefe ja auch nicht immer; außerdem darf es zwischen den Briefen in der Handlung springen (hier nicht der Fall, da es ja eher so eine Art Tagebuch ist). Außerdem schafft der Autor sofort Nähe zum Protagonisten, da ja in der Regel der Stil sehr persönlich ist, und nicht reine Unterhaltung, sondern eher emotionale Bindung, ausdrückt.Nur lässt Wolfe m.E. im ersten Buch diese Vorteile bald nach den ersten Seiten hinter sich, außer dass er gelegentlich so seine "lateralen" Abweichungen "begründet"; meistens beginnen diese Sprünge mit "Ben, ...", wenn ich mich recht erinnere. :(

Bearbeitet von yiyippeeyippeeyay, 25 August 2006 - 17:18.

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