Diboo schrieb am 15 Dec 2006, 15:45:
Ich habe ein gutes Englisch gelernt durch intensiven Konsum des BBC World Service
Gut, aber sicher nicht nur desshalb, weil du ein besseres Buch lesen wolltest - wir reden hier über einen durchschnittlich veranlagten Leser
Diboo schrieb am 15 Dec 2006, 15:45:
Das könnte leider sein, aber das Übel sind dann jene, die nicht verstanden haben, wie wichtig "life long learning" geworden ist, und nicht die böse Umwelt, die einen dazu zwingt, sich mental beweglich zu halten.
Sehr viele empfinden es aber als Zwang, dem sie sich nur desshalb vesuchen zu unterwerfen, soweit unbedingt notwendig, weil sie getrieben werden. Eine Einsicht muss wachsen und da werden wir erst hoffentlich in den nächsten Generationen soweit sein.
Diboo schrieb am 15 Dec 2006, 15:45:
Du postulierst Gegensätze, wo keine sind. Einfach Geschichten zu erzählen ist kein Gegensatz zu "Standpunkte haben". "Beweisen" sehe ich nicht als zwingend notwendig an, schließlich wollen wir Romane lesen, keine wissenschaftlichen Werke mit hermeneutisch kompletten Falsifikationen.
Doch es ist ein Unterschied (für mich) und zwar, eine "Geschichte" befriedigt mein Unterhaltungsbedürfnis und nicht mehr. "Der Algebaist" zB ist für mich eine Geschichte - nett geschrieben, aber so was von eigentlich nichtssagend, dass es sich nur zur Frühstückslektüre eignet. Im Gegensatz zu sehr vielen "Betrachtungen" über das Thema "Die BOMBE" in den Zeiten des kalten Krieges.
Da sind mir sehr viele verschiedenste Arbeiten im Gedächtnis, die das Thema von allen Seiten und in allen Fasetten beleuchteten und auseinandernahmen und sehr viele davon gigen von einer Hypothese aus und versuchten diese auch zu "beweisen". Eben schlüssig darzustellen warum dieses und jenes zu kommen müsste. Der "Beweis" gelang oder auch nicht, aber es waren nicht nur "Geschichten" (österr: G'schichtln - leicht abwertend, etwas suspect), sondern unterhaltsam, spannende Abhandlungen über ein Thema, dass sehr viele bewegte.
Themen die eigentlich sehr viele bewegen müssten gibt's noch zuhauf, aber die Auseinandersetzung damit fehlt mir manchmal. Dazu ist kein "wissenschaftliches Werk mit hermeneutisch kompletten Falsifikationen" erforderlich.
Gerd schrieb am 15 Dec 2006, 15:51:
...Die Frage ist doch, was es denn auf dem englischsprachigen Markt so Tolles & Gutes gibt, das noch nicht übersetzt ist? ...
na, da haben wir ja schon auch mal eine andere Meinung
Gerd schrieb am 15 Dec 2006, 15:51:
...Standpunkte beweisen? Ich weiß nicht, ob man Standpunkte tatsächlich beweisen kann, man sollte sie halt zumindest gut begründen.
Also, ich weiß nicht, ich fürchte mich eher vor Geschichten, deren Botschaft (denn das wird aus dieser Standpunktvermittlung leicht) ihren Unterhaltungswert erschlägt. Ich möchte mich unterhalten (lassen), mich auch mal gedanklich anstoßen lassen, nachdenklich machen lassen - aber ich möchte bitte keine Antworten auf Fragen, deren Tragweite die Kompetenz des Antwortgebers doch leicht übersteigt ... Die Verwandtschaft der SF mit der Utopie ist eine marketingtechnische Erfindung, keine echte Verwandschaft, das sollte man vielleicht nicht vergessen.
Nun, so ist es schon gemeint gewesen. Ein fiktiver Autor stellt die These auf: "Gentechnik führt unweigerlich dazu, dass in 40 Jahren alle Kinder als doppelköpfige Monster zur Welt kommen und Mais am Norpol wächst". So muss er m.E. "beweisen", dass es unter Annahme seiner Rahmenbedingungen, in nachvollziehbarer Art und Weise, unter Vermeidung von wissenschaftlichen Unmöglichkeiten - mit einem Wort dem interessierten Leser nachvollziehbar - so kommen muß/oder eben auch nicht. Der Unterhaltungswert sollte natürlich auch nicht verloren gehen.
Ein großer Teil der SF erfüllt diese, meine Erwartung, nicht - und desshalb bin ich heutzutage mit der SF nicht so zufrieden, wie früher. Es herrschen Märchen vor, in denen der Leser in ein erfundenes Universum versetzt wird und der Autor bastelt sich alles das zusammen was er zu seinem "G'schichtl" braucht. Man kann beurteilen ob die Geschichte in sich plausibel ist, aber einen Bezug zur Realität kann man nicht entdecken. Und das sollte nicht das Dasein der SF sein. Ich würde mir von SF mehr erwarten als "G'schichtl".
Gruß
Thomas