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(Warum) Lest ihr Cyberpunk?


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70 Antworten in diesem Thema

#61 mindblasted

mindblasted

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Geschrieben 24 Mai 2007 - 16:44

Das ist alles hohl und schon in der Realvariante so infantil, dass ich mir nicht vorstellen kann, wie man daraus glaubwürdige Literatur machen kann.

Seit dem mir das größenteils so niveaulose Satellitenfernsehen auf den Sack geht les ich ja auch keine SF über die Erschließung des Weltraums mehr. Tschuldige, aber was soll dieser Nonsense?

Eine Firma, der man derartige Versuche mit Straßenkinder nachweisen könnte, wäre erledigt, tot.

Ich empfehle dir Bücher wie das "Schwarzbuch Markenfirmen" oder auch einfach nur Zeitung zu lesen. Man hat so ziemlich jedem zweiten größeren Konzern dieser Erde mindestens gleichwertiges nachgewiesen und es juckt einfach keine Sau. Tschuldige, aber das ist Realitätsverleugnung was du da betreibst.

Bearbeitet von mindblasted, 24 Mai 2007 - 16:45.

"Es gibt eine größere Dunkelheit als die, die wir bekämpfen ... Viel schwerwiegender als der Tod der körperlichen Materie ist der Tod der Hoffnung, der Tod der Träume, und vor dieser Gefahr dürfen wir niemals kapitulieren. Die Zukunft ist überall um uns herum. In der Phase des Übergangs wartet sie darauf, in der Phase der Erleuchtung neu geboren zu werden. Niemand weiß, wie die Zukunft aussieht und wohin sie uns führen wird. Nur eines wissen wir. Sie wird stets unter Schmerzen geboren."
  • (Buch) gerade am lesen:Walter Jon Williams-Hardwired
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#62 Konrad

Konrad

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Geschrieben 25 Mai 2007 - 21:05

Ich empfehle dir Bücher wie das "Schwarzbuch Markenfirmen" oder auch einfach nur Zeitung zu lesen. Man hat so ziemlich jedem zweiten größeren Konzern dieser Erde mindestens gleichwertiges nachgewiesen und es juckt einfach keine Sau. Tschuldige, aber das ist Realitätsverleugnung was du da betreibst.

Ach Gottchen, das Schwarzbuch Markenfirmen... Da hast Du Recht, es juckt wirklich keine Sau, was die schreiben.

#63 mindblasted

mindblasted

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Geschrieben 25 Mai 2007 - 23:43

Lol,Muss ich dir jetzt aus der Nase ziehen warum? Es gibt da sowas, das nennt sich "Argument" und ist einer Diskussion noch immer förderlich gewesen :sleeping:

Bearbeitet von mindblasted, 25 Mai 2007 - 23:46.

"Es gibt eine größere Dunkelheit als die, die wir bekämpfen ... Viel schwerwiegender als der Tod der körperlichen Materie ist der Tod der Hoffnung, der Tod der Träume, und vor dieser Gefahr dürfen wir niemals kapitulieren. Die Zukunft ist überall um uns herum. In der Phase des Übergangs wartet sie darauf, in der Phase der Erleuchtung neu geboren zu werden. Niemand weiß, wie die Zukunft aussieht und wohin sie uns führen wird. Nur eines wissen wir. Sie wird stets unter Schmerzen geboren."
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#64 Konrad

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Geschrieben 26 Mai 2007 - 07:22

Kann schon sein.Ich habe aber keine Lust diese Gründe mit dir auf der Basis eines "Realitätsverleugnungs"-Postulats zu diskutieren.Dazu bin ich schon zu sehr in pfingstlicher Stimmung.

#65 mindblasted

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Geschrieben 26 Mai 2007 - 08:35

Dann mal schöne Feiertage :sleeping: Ich geh dann mal weiterhin davon aus das es Dinge wie Kinderausbeutung, illegale Medikamententests, Zusammenarbeit mit Paramilitärs, Unterstützung von Diktatoren, NS-Vergangenheiten, Umweltskandale usw. gegeben hat und weiter geben wird. Viel Spass dann noch im "friendly capitalism" ... Um nochmal zum Ausgangpunkt zurückzugehen...

Du wirst es zu deinen und meinen Lebzeiten nicht erleben, daß ein gesunder Mensch, im vollen Besitz seiner geistigen Kräfte und ohne Zwang zuläßt, daß jemand an seinem Hirn herumschippelt, um eine Hirn-Netz-Kopplung zu ermöglichen.

Ist doch an Ratten schon ausprobiert worden. Die lassen sich ja mittlerweile sogar fernsteuern. Und wies momentan aussieht erreicht man eine Hirn-Netz Kopplung wahrscheinlich auch ganz ohne Eingriff. Die Vorliebe des Cyberpunk für Implantate ist aber wirklich nicht soo plausibel, geb ich dir Recht. Wobei ichs ja spassig finde das zB bei Gibson (womit alles angefangen hat) der von dir beschriebene Hirnstecker nicht zu finden ist und Implantationen sich noch sehr im Rahmen halten.

Volle Zustimmung zu Deinen kritischem Magengrummeln zu den â↚¬ºver-Fantasy-sierunsâ↚¬¹-Aspekten des Cyberpunks. Auch hier kann man unterscheiden, zwischen dem Ideal eines Genres und dem, was man mit einem Genre anstellt. Die â↚¬ºBösenâ↚¬¹ (oder Antagonisten) in diesem Spiel der Genre-Aufweichung, sind immer die Werbefuzzis (bzw. die Sigelbewahrer von Genre-Reinheit).

Mmh, ich frage mich gerade ob das eine Tendenz des Cyberpunks allein ist, oder eher der gesamten SF...

Bearbeitet von mindblasted, 26 Mai 2007 - 10:16.

"Es gibt eine größere Dunkelheit als die, die wir bekämpfen ... Viel schwerwiegender als der Tod der körperlichen Materie ist der Tod der Hoffnung, der Tod der Träume, und vor dieser Gefahr dürfen wir niemals kapitulieren. Die Zukunft ist überall um uns herum. In der Phase des Übergangs wartet sie darauf, in der Phase der Erleuchtung neu geboren zu werden. Niemand weiß, wie die Zukunft aussieht und wohin sie uns führen wird. Nur eines wissen wir. Sie wird stets unter Schmerzen geboren."
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#66 yiyippeeyippeeyay

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    Interstellargestein

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Geschrieben 26 Mai 2007 - 10:01

Du wirst es zu deinen und meinen Lebzeiten nicht erleben, daß ein gesunder Mensch, im vollen Besitz seiner geistigen Kräfte und ohne Zwang zuläßt, daß jemand an seinem Hirn herumschippelt, um eine Hirn-Netz-Kopplung zu ermöglichen.

(Ich nehme mal an, das war Beverly, obwohl ich den Originalpost nicht mehr finde...) Grundsätzlich machen Menschen alles, was machbar ist, glaube ich. Aber wenn du den Modus der ersten Überschreitung der Hemmschwellen zu solchen Eingriffen nachvollziehen willst, les mal Crichtons Frühroman Endstation (im Orig. Terminal Man - wobei hier auch der Mensch als "Terminal", also Peripheralgerät, am Hirnchip gemeint ist). Herumschnippeln wird jeder Mensch erlauben, der (anfangs?) meint, dass ihm damit eine chronische Krankheitserscheinung erleichtert wird. Und wenn das Erfolg hat, werden - wie im Roman- auch Menschen auftauchen, die das gerne "einfach so" eingebaut hätten.

Und m.E. andere experimentierfreudige Menschen auch - Cyborg-Performance-Künstler, gelangweilte Piercing-Fans, Wissenschaftler. Letztere im Sinne des klassischen Bildes "mutiger W. probiert Forschungsergebnis an sich selbst aus" - solange also die Nachwelt das evtl. würdigt. :sleeping:

Alles immer unter der Annahme, das ein funktionierendes steuerbares Daten-Interface mit Nerven in Richtung Erinnerungs- und Wissens-Abruf - also nicht nur I/O-Mechanismen wie retinale Anzeige eines Bildschirminhalts oder so - je zu Stande kommt. (Ich denke eher zu meinen Lebzeiten nicht mehr.)

Bearbeitet von yiyippeeyippeeyay, 26 Mai 2007 - 10:03.

/KB

Yay! KI-generiertes SF-Zitat Ende November...
"In the sprawling city forums of the galaxy, where chaos reigns and time flows differently, true power is found not in dominance, but in moderation. The wise use their influence to temper ambition with reason, and chaos with order."

(auf Bing.de generierter Monolog von der Copilot-S/W - die ich hiermit NICHT bewerbe! - nach Aufforderung nach einem "s.f. quote" mit einem bestimmten Wort darin; ich ersetzte nur das 4. Wort mit "city forums")


#67 Holger

Holger

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Geschrieben 26 Mai 2007 - 10:17

Hab das Thema mal hierhin geschoben. Passt mE besser.GrüßeHolger
"Rezensionen: eine Art von Kinderkrankheit, die die neugeborenen Bücher befällt."
(Georg Christoph Lichtenberg)

#68 Beverly

Beverly

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Geschrieben 26 Mai 2007 - 10:40

ZITAT Du wirst es zu deinen und meinen Lebzeiten nicht erleben, daß ein gesunder Mensch, im vollen Besitz seiner geistigen Kräfte und ohne Zwang zuläßt, daß jemand an seinem Hirn herumschippelt, um eine Hirn-Netz-Kopplung zu ermöglichen. @Yip, das Zitat ist nicht von mir, was ich dazu denke s. u.

Um nochmal zum Ausgangpunkt zurückzugehen... Ist doch an Ratten schon ausprobiert worden. Die lassen sich ja mittlerweile sogar fernsteuern. Und wies momentan aussieht erreicht man eine Hirn-Netz Kopplung wahrscheinlich auch ganz ohne Eingriff. Die Vorliebe des Cyberpunk für Implantate ist aber wirklich nicht soo plausibel, geb ich dir Recht. Wobei ichs ja spassig finde das zB bei Gibson (womit alles angefangen hat) der von dir beschriebene Hirnstecker nicht zu finden ist und Implantationen sich noch sehr im Rahmen halten. Mmh, ich frage mich gerade ob das eine Tendenz des Cyberpunks allein ist, oder eher der gesamten SF...

Zum Thema Implantate: in VÖLKER DER SONNE kommen die reichlich vor und dienen sowohl dazu, Geräte zu steuern als auch Erinnerungen, Gefühle und Gedanken zwischen Menschen zu übertragen. In "Ereignis-Shops" kann man reale oder fiktive Erlebnisse nacherleben. Zum Thema Manipulation von Menschen via Technik: da werden uns im Zeichen von Implantaten oder auch Interfaces via Hirnstrom ohne Implantat immer die "schönsten" Horrorszenarios angedroht. Manchmal geschieht das auch mit biologischen Systemen: den Menschen oder auch Außerirdischen werden irgendwelche Gebilde in den Nacken gesetzt und die steuern sie fern - Heinlein: WELTRAUM-MOLLUSKEN EROBERN DIE ERDE, Perry Rhodan-Zyklus 300-399 (M 87, Magellansche Wolken). Manchmal machen auch "Strahlen" die Menschen dumm (Perry Rhodan SCHWARM-Zyklus) oder aggressiv ("Aphilie"). Den Blick fest in eine horrormäßige Zukunft gerichtet hat man bei dieser Sichtweise bezüglich einer vielleicht noch entsetzlicheren Gegenwart und Vergangenheit - mit Verlaub gesagt - ein Brett aus Terkonit vor dem Kopf. Meines Erachtens hat z. B. die Kirche im Dienste der jeweils Herrschenden über Jahrhunderte so ausgefeilete Manipulationstechniken entwickelt, dass die einschlägigen Inquisitoren über Implantate nur müde lächeln würden. In Deutschland brauchen wir sowas auch nicht, wir haben eine über Jahrhunderte "gewachsene" Herrschaftstradition des gefügigen sich selbst kontrollierenden Untertan und des strunzdummen Herrenmenschen. Ich glaube Holger fand die Verdummungsstrahlen bei Perry Rhodan blöde. Richtig, es gibt ja RTL und co., die sind viel wirksamer.

#69 Neo Tokyo

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Geschrieben 25 Januar 2008 - 01:15

Um es kurz zu machen: Cyberpunk extrapoliert gegenwärtige Entwicklungen aus Wissenschaft und Kultur in eine denkbare, realistische Zukunft. William Gibson hat das nicht erfunden. Diese Literatur hat es schon immer gegeben. Man hat Anfang der 80er nur Cyberpunk zu etwas gesagt, dass früher Zukunftsliteratur hieß. Dass die Protagonisten dieser Storys und Romane grundsätzlich Hacker sein müssen, ist Unsinn. Für mich kann das jeder sein. Jedenfalls finde ich, dass die meiste Cyberpunk-Literatur (Sprawl-Trilogie ausgenommen) völliger Unsinn ist. Da fehlt einfach die Glaubwürdigkeit. So gesehen interessiere ich mich gar nicht für Cyberpunk in dem Sinne wie es die meisten Fans des Genres tun. Wenn ich Cyberpunk höre, dann denke ich zuerst an eine asiatische Megalopolis, die sich bis zum Horizont erstreckt und deren Skyline von zahllosen Konzernobelisken und überdimensionierten Wolkenkratzern in futuristischen Baustilen geprägt ist. Ich habe die Zukunftsliteratur, die ich gerne hätte, noch nicht gefunden. Das heisst meine persönlichen CP-Themen scheinen bislang keinen Autor interessiert zu haben. Also habe ich beschlossen es einfach selbst zu machen.Die Welt des N64-Spiels Perfect Dark kommt meiner Vorstellung von Cyberpunk schon sehr nahe. Auch Deus Ex trifft meine Ideenwelten ziemlich genau.
I want the club sandwich, I want the cold Mexican beer, I want a $10,000-a-night hooker! I want my shirts laundered... like they do... at the Imperial Hotel... in Tokyo.

#70 WeepingElf

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Geschrieben 29 Januar 2008 - 21:54

Um es kurz zu machen: Cyberpunk extrapoliert gegenwärtige Entwicklungen aus Wissenschaft und Kultur in eine denkbare, realistische Zukunft. William Gibson hat das nicht erfunden. Diese Literatur hat es schon immer gegeben. Man hat Anfang der 80er nur Cyberpunk zu etwas gesagt, dass früher Zukunftsliteratur hieß.

Ja. Cyberpunk hat tatsächlich die Zukunft zum Thema, was man nicht von aller Science Fiction behaupten kann - viele SF-Geschichten spielen zwar in der Zukunft, benutzen diese aber nur als Handlungsort für eine Großraumfiktion, die nichts mit einer realistischen Zukunft zu tun hat.

Dass die Protagonisten dieser Storys und Romane grundsätzlich Hacker sein müssen, ist Unsinn. Für mich kann das jeder sein. Jedenfalls finde ich, dass die meiste Cyberpunk-Literatur (Sprawl-Trilogie ausgenommen) völliger Unsinn ist. Da fehlt einfach die Glaubwürdigkeit. So gesehen interessiere ich mich gar nicht für Cyberpunk in dem Sinne wie es die meisten Fans des Genres tun. Wenn ich Cyberpunk höre, dann denke ich zuerst an eine asiatische Megalopolis, die sich bis zum Horizont erstreckt und deren Skyline von zahllosen Konzernobelisken und überdimensionierten Wolkenkratzern in futuristischen Baustilen geprägt ist.

Vieles, was sich in der "klassischen" und anderen CP-Literatur findet, ist zweifellos überholt und danebengegriffen, aber summa summarum beweisen Autoren wie Gibson und Sterling (die sich freilich mittlerweile beide vom klassischen CP entfernt haben) eine Sensibilität für mögliche Zukünfte, die den Space-Opera-Kollegen abgeht.

Ich habe die Zukunftsliteratur, die ich gerne hätte, noch nicht gefunden. Das heisst meine persönlichen CP-Themen scheinen bislang keinen Autor interessiert zu haben. Also habe ich beschlossen es einfach selbst zu machen.

Auch ich habe das, was mir vorschwebt, noch nicht realisiert gesehen - also selber machen!

Bearbeitet von WeepingElf, 29 Januar 2008 - 21:55.

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#71 Neo Tokyo

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Geschrieben 10 Februar 2008 - 16:31

Wieso ich CP lese (und ansonsten keine Science-Fiction)? Vielleicht hilft dieser Vortrag.Cyberpunk ist eigentlich gar keine Science Fiction. SF war immer das Genre, in dem von der glorreichen Zukunft der Menschen in Alpha Centauri oder sonstwo berichtet wurde (siehe das "Golden Age" der 30er- und 40er-Jahre des 20. Jahrhunderts). Mit der New Wave hat man in den 70ern erstmals begonnen, die Gegenwart in Augenschein zu nehmen (siehe Ölkrise, Konflikte am Gaza-Streifen). SF wurde zusehends urbaner, was Philip K. Dick mit Romanen wie "Der dunkle Schirm" eindrucksvoll bewiesen hat. Sie wandte sich ab vom dauernden Schimmer des billigen Pulp, für das man sie all die Jahre gehalten hatte. Auch das Kino wollte bei dieser Entwicklung nicht auf der Strecke bleiben. Man denke nur an Filme wie "Alien", die zwar nach wie vor den Weltraum als Schauplatz hatten, aber die Naivitäten in Sachen Storyline und Ambiente nicht fortzusetzen wagten. In den 80ern war es dann soweit. William Gibson hat um 1980 schon einige Short-Storys im nordamerikanischen SF-Magazin OMNI veröffentlicht (Fragmente einer Hologramm-Rose, Johnny Mnemonic etc.). Die Leser dieser Zeit waren allesamt begeistert, allen voran John Shirley, der Bill Gibson in gewissem Sinne für die SF entdeckt hatte (er empfahl den OMNI-Redakteuren "Johnny Mnemonic"). Dann war die Pubertät beendet, die SF ist endlich erwachsen geworden.Cyberpunk war der Titel einer Kurzgeschichte von Bruce Bethke im Jahre 1980. Seitdem handelt jegliche CP-Literatur von Themen gegenwärtiger Missstände und globalen Neuerungen. Und sie ist auch das einzige SF-Genre, das popkulturelle Elemente in seine Storys und Romane einarbeitet. Es gibt in sehr vielen CP-Geschichten Anspielungen auf Berühmtheiten, man muss nur zwischen den Zeilen lesen.Ich beschäftige mich überwiegend mit CP, weil ich so die heutige Realität besser verstehen kann. Es muss sich wie ein Gegenwarts-Roman lesen, dann wurde es richtig gemacht. Nicht übertreiben und die Zukunft als Handlungsort, am besten ohne Nennung der Jahreszahl, sind die obersten Gebote des CP-Codex. Dazu kommt noch, das man über Dinge schreiben sollte, die einem sehr nahe gehen, weil man es sonst nicht glaubhaft rüberbringen kann und das ganze nur ein lauwarmer Gibson- oder Sterling-Abklatsch wird. Ich mache das zumindest so und werde es weiter versuchen. Das gleiche gilt übrigens auch fürs lesen.Die letzen 20 Jahre bieten eine Menge Inspiration für neue CP-Storys, man muss nur an den entsprechenden Stellen Interesse zeigen. So, ich glaube, das war jetzt genug des Philosophierens. :rolleyes:

Bearbeitet von Neo Tokyo, 06 April 2008 - 16:08.

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